//
du liest...
Allgemein

Weißrussland: Neue Details über den Putschversuch und welche Konsequenzen Lukaschenko zieht

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Nach dem vereitelten Putschversuch in Weißrussland zieht Lukaschenko erste Konsequenzen und gibt weitere Details des versuchten Umsturzes gekannt.

Ich habe schon einiges erlebt, seit ich den Anti-Spiegel betreibe, aber was die westlichen „Qualitätsmedien“ gerade zeigen, ist schon fast einmalig. In einem europäischen Land sollte die Regierung gestürzt werden, es war ein bewaffneter Aufstand geplant, ungezählte Tote werden in Kauf genommen und als der Plan aufgeflogen ist, haben die deutschen „Qualitätsmedien“ nichts darüber berichtet. Kein Wort im Spiegel oder den Fernsehnachrichten. Der normale Deutsche weiß von der Geschichte nichts, wenn er nicht zufällig über die wenigen gut versteckten kleinen Meldungen gestolpert ist, die es so vereinzelt gab, das man sie an einer Hand abzählen kann.

Man kann mit Fug und Recht sagen, dass Deutschland von seinem „Qualitätsmedien“ zum Tal der Ahnungslosen gemacht wird.

Der Putschversuch

Am 13. April hat der russische Geheimdienst in Moskau drei Männer festgenommen, die den Putsch in Minsk geplant haben. Bestreiten kann man das nicht, denn der russische Geheimdienst hat deren Treffen gefilmt und hat die Aufnahmen veröffentlicht, auf denen klar zu hören ist, wie die bekannten Oppositionellen die Details des Putschplans besprochen haben. Den Bericht inklusive der Aufnahmen finden Sie hier.

Dass die US-Geheimdienste den Plan unterstützt haben und mit einem Hackerangriff das weißrussische Stromnetz lahmlegen wollten, um die Putschisten zu unterstützen, ist den westlichen Medien wohl zu peinlich. Also verschweigen sie die ganze Geschichte eben konsequent. Ob sie wohl auch so still schweigen würden, wenn es in Kiew einen pro-russischen Putschversuch geben würde?

Die Putschisten haben in Weißrussland Waffenlager angelegt und wollten am Tag X losschlagen, es war ein bewaffneter Aufstand geplant, der viele unschuldige Menschen das Leben gekostet hätte.

Nach der Vereitelung des Putschversuchs haben Putin und Biden über das Thema gesprochen, die Atmosphäre bei dem Telefonat dürfte eisig gewesen sein, was man auch daran sehen kann, wie deutlich sich Putin dazu in seiner Rede an die Nation geäußert hat. Inzwischen haben Putin und Lukaschenko sich in Moskau getroffen und besprochen, wie die Zusammenarbeit zwischen den Ländern noch enger werden kann.

Lukaschenko zieht Konsequenzen

Nun hat Lukaschenko erste Konsequenzen gezogen, denn der Putschplan hat gezeigt, dass das Land unter Umständen führerlos werden könnte, wenn der Präsident ausfällt. Daher hat er ein Dekret unterzeichnet, dass im Falle der Amtsunfähigkeit des Präsidenten der Nationale Sicherheitsrat unter Vorsitz des Ministerpräsidenten die Amtsgeschäfte „kollektiv“ ausübt. Mit diesem Dekret ist sichergestellt, dass die Kompetenzen im Falle eines erneuten Putschversuchs klar geregelt und die Sicherheitskräfte des Landes nicht paralysiert sind.

Was im Westen kaum bekannt ist, ist die Tatsache, dass Russland und Weißrussland schon unter Jelzin und Lukaschenko einen Vertrag über einen „Unionsstaat“ geschlossen haben, dessen langfristiges Ziel es ist, beide Länder wieder zu vereinigen. In dem Maße, wie der Druck auf den Westen derzeit zunimmt, in dem Maße werden auch die Gespräche zwischen den Regierungen beider Länder intensiver.

Ob Putin und Lukaschenko über den Prozess der Vereinigung beider Länder gesprochen haben, kann man nur raten, denn dazu wurde nach dem Treffen zunächst nichts gemeldet. Aber offensichtlich war das doch eine Thema, denn nun berichten weißrussische Medien, dass Russland Weißrussland „schlucken“ würde. Lukaschenkos Reaktion darauf war vielsagend, denn er hat bei der Gelegenheit nicht bestritten, dass die Vereinigung der Länder ein Thema bei den Gesprächen war, sondern stattdessen zu den Medienberichten gesagt:

„Lukaschenko soll in die Ecke gedrängt worden sein, könnte sich nicht wehren. Russland würde uns schlucken und das war´s. Darüber wurde gar nicht gesprochen.“

In der deutschen Übersetzung mag es nicht so deutlich werden, aber im russischen Original hat er es so formuliert, dass nicht die Rede davon war, Weißrussland könnte im Zuge einer „staatlichen Integration“ geschluckt werden. Dass die Integration, also die Vereinigung der Länder, auf der Tagesordnung steht, hat er jedoch nicht bestritten.

Neue Einzelheiten bekannt geworden

Lukaschenko hat auch neue Einzelheiten über den Putschversuch bekannt gegeben. Die TASS hat darüber ausführlich berichtet und ich habe den Artikel der TASS übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Lukaschenko erklärte, dass 10 Millionen Dollar für seine Ermordung bereitgestellt wurden

Die Verschwörer hätten drei Versionen eines Staatsstreichs in Betracht gezogen, sagte der weißrussische Präsident.

MINSK, 24. April. /TASS/. Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko sagte Reportern am Samstag, dass die Organisatoren des Attentats 10 Millionen Dollar für seine Ermordung bereitgestellt haben.

Laut Lukaschenko, der von der Agentur BelTA zitiert wird, sollten bewaffnete Männer seine Residenz auf dem Land angreifen, wofür 10 Millionen Dollar und 1 Million Dollar für einen Scharfschützen bereitstellt waren. „Wir haben das schon lange gesehen. Glauben Sie, dass wir diese Operation in Moskau aus heiterem Himmel durchgeführt haben? Wir haben sie beobachtet, sie mussten nach Minsk kommen und diese Operation durchführen“, sagte Lukaschenko.

Er erklärte, dass die Verschwörer mehrere Szenarien zur physischen Beseitigung des weißrussischen Staatschefs entwickelt haben. Laut Lukaschenko planten die Verschwörer zunächst, den Präsidenten bei der Parade am 9. Mai zu beseitigen. Dann, so „BelTA“, erwägten sie einen Angriff auf die Autokolonne des Präsidenten, wofür die Rebellen Granatwerfer gekauft und nach Weißrussland gebracht haben. Nach dem dritten Szenario, so Lukaschenko weiter, sollten bewaffnete Männer die Residenz des Präsidenten auf dem Lande angreifen.

Lukaschenko informierte darüber, dass sich unter den Verschwörern ein Geheimdienstler befand, der die Rolle eines käuflichen Generals gespielt hat. „Es war unser Agent. Er hat es gut gemacht. Danke an den Kerl, er hat uns sehr geholfen, er war furchtlos. Sie wollten mit seiner Hilfe die Armee in Marsch setzen“, sagte Lukaschenko.

Er charakterisierte auch einen der Verschwörer, Alexander Feduta: „Ich kenne Feduta: Er ist ein Verräter. Er war doch im Stab des damaligen Präsidenten. Wjatscheslaw Kebich (Ex-Premierminister von Weißrussland, Präsidentschaftskandidat bei den Wahlen 1994, Anm. TASS) hat ihn in unseren Stab eingeschleust, um zu erfahren, was ich mache. Was für einen Stab hatte ich? Es waren nur fünf Personen. Und er saß neben mir und informierte Kebichs Team. So ein Mensch ist er“, sagte Lukaschenko. „Natürlich ist das lustig: Feduta als Revolutionär. Geben Sie ihm einen zusätzlichen Penny und er wird die Revolutionen vergessen. Natürlich würde er keine terroristischen Handlungen begehen, er würde nicht den Präsidenten und seine Kinder töten und so weiter. Aber eines muss man ihm lassen: Er ist kein Dummkopf, und sie haben ihn mit hineingezogen. Und er ist wahrscheinlich nicht der einzige, von dem wir wissen oder nicht wissen. Das sind Informanten. Diese nicht dummen Menschen haben Informationen gesammelt, analysiert und Optionen vorgeschlagen. Seine Variante war: Anwar Sadat“, bemerkte Lukaschenko. (Anm. d. Übers.: Sadat war ägyptischer Präsident, der bei einer Parade von einem Soldaten ermordet wurde, der aus seinem Glied direkt auf die Tribüne zulief und den Präsidenten erschossen hat)

Ihm zufolge planten die Verschwörer, die Armee zur Blockade von Minsk einzusetzen und den OMON, die Kräfte des Innenministeriums und des KGB zu blockieren. Lukaschenko sagte, wenn es gelungen wäre, die Sicherheitskräfte aufeinanderzuhetzen, dann hätte „der schlimmste und heißeste Bürgerkrieg, wie ihn kein Land je hat“ begonnen. Lukaschenko sagte auch, dass zu den Plänen der Verschwörer die Abschaltung des Stromnetzes in Minsk gehörte.

Lukaschenko merkte an, dass tatsächlich ein Cyberangriff auf das Land geplant war, und dass eine solche Operation „nur auf staatlicher Ebene“ durchgeführt werden könne, während ein paar Hacker damit nicht fertig werden würden. Bald, so der Präsident, werden neue Details des Falles veröffentlicht werden.

Die Hintergründe

Am 18. März hat der Leiter des KGB von Weißrussland Ivan Tertel über die Aushebung einer organisierten terroristischen Gruppe berichtet, die die Beseitigung von Präsident Alexander Lukaschenko und seiner Familienmitglieder, sowie die Organisation eines bewaffneten Aufstandes zur Machtergreifung vorbereitet hat.

Nach Angaben der Ermittler war der Hauptorganisator der Verschwörung der in Moskau inhaftierte weißrussische Anwalt Juri Senkowitsch, der seit 2007 in den USA lebt und die US-Staatsbürgerschaft besitzt. Der Führer der Oppositionspartei Weißrussische Volksfront, Ryhor Kastusiou, und der politische Analyst Alexander Feduta sind ebenfalls wegen den gleichen Vorwürfen inhaftiert. Nach Angaben der Ermittler wurde der Putschversuch aus dem Ausland finanziert, während die Verschwörer enge Verbindungen zu terroristischen Gruppen hatten. Insgesamt wurden nicht weniger als drei Szenarien für die Machtergreifung ausgearbeitet. Später sagte der KGB, dass vier Personen wegen Verschwörung zur Machtergreifung angeklagt wurden.

Erfolglose Pläne der Opposition

Laut Lukaschenko hat er bei seinem Besuch im Oktober in der Haftanstalt, in der der Blogger Sergej Tichanowski, Ehemann der Ex-Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja, festgehalten wird, ein Dokument verlesen, in dem der Plan der Opposition, an die Macht zu kommen, skizziert wurde. Insbesondere war der Plan, den jüngsten Sohn des Präsidenten, Nikolai, zu verhaften, obwohl er minderjährig ist.

„Sie [die Opposition] haben uns schon vor langer Zeit aufgegeben, und sie meinten, sie müssten nur für 24 Stunden an die Macht kommen und erklären, dass sie an der Macht sind. Wozu? Um die NATO zu bitten, Truppen in das Territorium von Weißrussland zu führen und sie an der Ostgrenze bei Smolensk aufzustellen. Das war ein Sprungbrett – das habe ich Ihnen das immer gesagt – um Russland anzugreifen. Das war der erste Schritt. Egal wie sehr sie es leugnen, heute sehen wir, dass sie es getan haben. Sie haben ganz schön was abbekommen. Sie haben erkannt, dass wir nicht so leicht zu nehmen sind“, sagte Lukaschenko.

Ende der Übersetzung

Neue Details über den Putschversuch und welche Konsequenzen Lukaschenko zieht

Diskussionen

Es gibt noch keine Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Archiv

%d Bloggern gefällt das: