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Ausland, Europa

Wiederholt Selensky die Fehler von Saakaschwili?

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Die Parallelen zwischen der Krise zwischen Georgien und Russland 2008 einerseits und der heutigen Krise zwischen der Ukraine und Russland andererseits sind offensichtlich. Wiederholt sich das Szenario „Kaukasuskrieg“?

2008 hat der georgische Präsident Saakaschwili geglaubt, die USA würden Georgien bei einem Krieg gegen Russland zu Hilfe kommen und den Krieg im Kaukasus entfesselt, der für ihn in der totalen Niederlage endete, denn US-Präsident Bush Junior dachte gar nicht daran, wegen Georgien in einen Krieg gegen Russland zu ziehen. Die USA hatten ihr Ziel schon in dem Moment erreicht, als Georgien den ersten Schuss abgegeben hatte. Die aktuellen Ereignisse in der Ukraine erinnern frappierend an die Vorgeschichte des Kaukasuskrieges von 2008.

Der Kaukasuskrieg

Beim Zerfall der Sowjetunion haben sich zwei Regionen, die zu Georgien gehören sollten, geweigert zu Georgien zu gehören: Ossetien und Abchasien. Die kleinen Völker wollten wegen früherer und historisch gewachsener Konflikte mit Georgien nicht zu dem neuen Staat gehören. Daher kam es dort Anfang der 1990er zu Kriegen, die erst endeten, als man sich darauf einigte, dass russische Friedenstruppen die Kontaktlinie sichern.

Der durch die von Soros organisiert Rosenrevolution an die Macht gekommene georgische Präsident Saakaschwili schlug nationalistische Töne an und wollte die Gebiete unter georgische Kontrolle bringen. Die USA machten Georgien unterdessen Hoffnung auf einen Nato-Beitritt und feuerten Saakaschwili in seiner anti-russischen und nationalistischen Rhetorik an.

Saakaschwili war daher der Meinung, die USA würden Georgien in einem Krieg mit Russland zu Hilfe kommen. Das war ein Irrtum.

Als georgische Truppen Anfang August zuerst die russischen Friedenstruppen angegriffen und dann eine ganze Nacht lang Wohngebiete in Ossetien bombardiert haben, setzten sich russische Truppen in Marsch und als sie einen Tag später vor Ort waren, hatte die georgische Armee nicht den Hauch einer Chance. Der Krieg dauerte nur fünf Tage und Russland rückte sogar für einige Tage auf georgisches Gebiet vor, um dort wichtige militärische Infrastruktur zu zerstören. Dann zogen die Russen wieder ab.

Diese Version bestätigt auch der Untersuchungsbericht der EU aus dem Jahr 2009. Darin wird der Angriff Georgiens als völkerrechtswidrig bezeichnet, das russische Vorgehen jedoch als angemessen-Lediglich die wenige Tage andauernde russische Besetzung einiger Teile Georgiens wird als überzogen, aber als vom Völkerrecht gedeckt bezeichnet.

Und das war keine russische Propaganda, es war ein Bericht der EU. Dennoch behaupten die „Qualitätsmedien“ bis heute ungerührt, das wäre eine „russische Aggression“ gewesen.

Der Erfolg für die USA

Die Geschichte war ein großer Erfolg für die USA. Die Medien haben den Krieg massiv gegen Russland ausgeschlachtet und sie bleiben – EU-Bericht hin oder her – bis heute bei der Version. Gleichzeitig hatte der Krieg für die USA den Vorteil, dass er das Verhältnis zwischen Georgien und Russland nachhaltig zerstört hat. Die beiden früher eng befreundeten Nachbarländer unterhalten bis heute keine diplomatischen Beziehungen.

Damit haben die USA sich eine potenziellen Vorposten an der russischen Grenze gesichert und Russland ein weiteres Problem in seinem „Hinterhof“ geschaffen.

Den USA war es klar, dass Georgien chancenlos war, es ging ihnen nur um die Schwächung Russlands und darum, dass Georgien nun endgültig unter US-Kontrolle gefallen war, denn es stand in der Region nun sehr einsam da und brauchte den großen Bruder von jenseits des Ozeans dringender denn je.

Die Parallelen zu heute

Saakaschwili, der bis heute ein treuer Diener von Soros geblieben ist, wurde vom ukrainischen Präsidenten Selensky als Berater in die Regierung geholt. Das ist zwar nicht entscheidend, aber ein interessantes Detail.

Aber so, wie Saakaschwili sich hat in den Krieg treiben lassen und sich von schönen Worten aus Washington und Brüssel über die Solidarität der USA, der Nato und der EU hat täuschen lassen, so scheint es heute wieder zu geschehen. Die Kommentare aus Brüssel und Washington, die man in diesen Tagen an die Adresse Kiews hört, sind die gleichen, wie die Kommentare von 2008 in Richtung Georgien.

In Kiew geht das schon so weit, dass die Pressesprecherin des ukrainischen Verteidigungsministeriums bei ihren Pressekonferenzen vor einer Nato-Flagge steht. Man hat den Eindruck, dass die Nationalisten in Kiew inzwischen so berauscht sind, dass sie ernsthaft glauben, die Nato würde wegen der Ukraine in einen großen Krieg mit Russland eintreten. Anscheinend hat man in Kiew vergessen, dass das ein Atomkrieg wäre und selbst wenn die Nato den (wie auch immer) gewinnen sollte, wäre die gesamte Umgebung der Ukraine so verstrahlt, dass auch in der Ukraine selbst wohl nicht mehr viel übrig bleiben würde.

Ich zumindest hoffe, dass die Nato sich nicht in einen Krieg hineinziehen lässt, sondern dass sie Kiew „nur“ genauso ausnutzt, wie sie Georgien 2008 ausgenutzt hat.

Die Interessen der USA

Die USA haben keinerlei Interesse daran, dass der Krieg im Donbass endet. Solange der Krieg andauert, kann man ihn propagandistisch gegen Russland nutzen, vor allem in der Ukraine selbst. Ein Kriegsende könnte den Beginn eines Versöhnungsprozesses einleiten und das will man in Washington auf keinen Fall. Man will, so kann man es in den Strategiepapieren verschiedenster Think Tanks lesen, Russland schwächen und ihm viele blutende Wunden zufügen.

Ein Frieden im Donbass wäre aber keine Schwächung Russlands, eine Versöhnung mit der Ukraine wäre sogar eine Stärkung Russlands, aber ein andauernder Krieg an Russlands Grenze, das ist eine Schwächung Russlands.

Das ist nicht meine kranke Fantasie, das steht so in einem ausführlichen Strategiepapier der einflussreichen RAND-Corporation, die große Teile der US-Außenpolitik festlegt. Ich habe über die Studie aus dem Jahr 2019 ausführlich berichtet und was da zum Thema Ukraine zu lesen war, ist im Grunde genau das, was wir gerade erleben. Meinen Artikel darüber inklusive Link zu der Studie finden Sie hier.

Wie geht´s weiter?

Wenn es so ablaufen soll, wie 2008, würde das folgendes bedeuten: Die Ukraine beginnt in dem Glauben, die Nato käme ihr zu Hilfe, einen massiven Angriff auf den Donbass.

Die ukrainische Armee ist einem desolaten Zustand und sie stützt sich – neben den radikalen Freicorps der Nationalgarde – zu einem Großteil auf zwangsweise zum Dienst eingezogene Soldaten, deren Motivation nicht die beste ist. Im Donbass ist es umgekehrt, denn dort kämpfen Freiwillige aus Überzeugung für ihre Heimat und ihre Familien, die nur wenige Kilometer hinter der Front leben. Auch russische Freiwillige sind dort vor Ort, aber auch das sind hochmotivierte Freiwillige und keine zum Dienst gezwungenen Menschen.

Die Chancen der Ukraine auf einen Sieg sind gering, aber der Blutzoll (auch und gerade unter den Zivilisten im Donbass) kann gigantisch werden.

Variante 1: Russland greift ein

Egal, ob die Ukraine auch russisches Gebiet selbst beschießt, um Russland zu provozieren, oder ob die Ukraine wieder Erwarten doch im Donbass siegreich ist und die russische Armee den Rebellen zu Hilfe kommt, oder ob ein massenhafter Tod an Zivilisten Moskau dazu bringt, einzugreifen: Die große Frage ist, ob es gelingt, Russland selbst in den Krieg hineinzuziehen. Aus Kiews Sicht muss das das Ziel sein, denn in Kiew scheint man zu glauben, dass in dem Fall die Nato zur Hilfe eilt und das ist das große Ziel in Kiew.

Dazu könnte man sogar die Krim selbst angreifen, was wohl hundertprozentig zu einer militärischen Reaktion Russlands führen dürfte.

Im Ergebnis würde ein russisches Eingreifen, wenn es denn provoziert werden kann, wohl zu einer Wiederholung des Szenarios „Kaukasuskrieg führen. Die marode ukrainische Armee hätte der russischen Armee genauso wenig entgegenzusetzen, wie seinerzeit die georgische Armee. Russland würde wohl, analog zum Kaukasuskrieg, vorübergehend ukrainische Gebiete besetzen und militärische Infrastruktur zerstören, damit sich ein solcher Angriff nicht so bald wiederholen kann.

Dass die Nato tatsächlich militärisch eingreift, schließe ich aus. Das wäre Selbstmord. Sollte ich Unrecht haben, werden wir das nicht diskutieren können, denn nach einem Atomkrieg wäre von uns allen nichts mehr übrig.

Das Ergebnis wäre wie 2008, nur wahrscheinlich fataler: Der Westen würde eine anti-russische Medienkampagne sondergleichen starten, es würden Sanktionen folgen (aber was will man denn noch sanktionieren?) und vor allem die ohnehin schon große Spaltung zwischen der Ukraine und Russland würde noch weiter vertieft.

Profiteur wären die USA, die – wie schon in Georgien – ohne eigene Soldaten oder nennenswerte Gelder einzusetzen eine massive Schwächung Russlands erreicht hätten.

Russland wäre zwar geschwächt, aber Russland hat sich an Propaganda aus dem Westen gewöhnt und führt gute Beziehungen zum Rest der Welt, der nicht unter der Kontrolle des Westens steht. Russland hat die Beziehungen zum Westen ohnehin schon praktisch abgeschrieben. Aber trotzdem: Zu gewinnen hätte Russland bei diesem Szenario nichts.

Großer Verlierer wäre die Ukraine, die militärisch geschlagen und demoralisiert wäre und darüber hinaus auch noch viele Opfer zu beklagen hätte.

Variante 2: Russland greift nicht ein

Wenn es Kiew nicht gelingt, Russland zum Eingreifen zu bewegen, wird sich der Krieg auf den Donbass beschränken. Es würde viele Tote geben, aber ein ukrainischer Sieg ist unwahrscheinlich.

Es würde wohl so ablaufen, wie schon so oft in den vergangenen Jahren: Nach heftigen Kämpfen und hohen Verlusten wird die Ukraine irgendwann wieder versuchen, eine Waffenruhe zu erreichen, um sich die Wunden zu lecken. Vielleicht kommt es wieder zu Kesselschlachten wie 2014 und 2015, als die ukrainische Armee in den Kesseln viele Soldaten verloren hat, die dann teilweise sogar mit Einverständnis der russischen Regierung über russisches Gebiet zurück in die Ukraine evakuiert werden.

Auch hier wäre der Gewinner die USA, denn kein Land der Welt – auch Russland nicht – ist an einem Krieg direkt an der eigenen Grenze interessiert. Das bindet Ressourcen und birgt viele Gefahren. Die USA hätten wieder keine hohen Kosten, was sind schon 200 oder 300 Millionen Dollar für die USA, deren Gegenwert sie der Ukraine ohnehin regelmäßig in Form von Waffen schicken? Noch dazu wenn es alte Waffen sind, die die US-Armee sowieso längst ausgemustert hat.

Der Verlierer wäre auch hier die Ukraine, deren junge Männer als Soldaten den Kopf hinhalten und deren Zivilisten dann auf beiden Seiten der Front sterben.

Die Zwickmühle

Leider hat Russland kaum eine Aussicht, aus dieser Sache als geopolitischer Gewinner hervorzugehen. Russland würde nur gewinnen, wenn endlich Frieden einkehrt und sich das Verhältnis zur Ukraine normalisiert. Aber das ist nicht zu erwarten, solange Joe Biden mit seinem besonderen Verhältnis zur Ukraine im Weißen Haus sitzt. So dement er auch sein mag, aber anti-russische und ukrainisch-nationalistische Phrasen kann er noch vom Teleprompter ablesen.

Die USA können in dem Konflikt derzeit eigentlich nur gewinnen und sind daher an einer Eskalation interessiert.

Die Ukraine verliert in jedem Fall. Das Land ist zu einem Spielball der US-Politik geworden und seine jungen Männer dienen als Kanonenfutter für die US-Interessen.

Wiederholt Selensky die Fehler von Saakaschwili?

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