//
du liest...
Ausland, Europa

Ukraine: Die Chronologie der Eskalation

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Seit Anfang des Jahres verschärft Kiew die Lage im Ukraine-Konflikt. Westliche Medien haben erst jetzt begonnen, zu berichten und natürlich ist nach deren Meinung Russland schuld. Daher wollen wir uns die Chronologie der Ereignisse des Jahres 2021 anschauen.

Joe Bidens Verbindungen in die Ukraine sind hinreichend bekannt. Auch wenn die Korruption von Joe Biden in der Ukraine von westlichen Medien verschwiegen wird, so ist es doch auch in westlichen Medien kein Geheimnis, dass Joe Biden als Vizepräsident unter Obama in der US-Regierung für die Ukraine zuständig gewesen ist. Da Joe Biden darüber hinaus als anti-russischer Scharfmacher bekannt ist, war es nicht schwer zu erraten, dass sich die Lage in der Ukraine nach seinem Amtsantritt wieder verschärft.

2. Februar 2021

Und so ist es auch gekommen. Dabei hat man in Kiew darauf gewartet, dass Biden endgültig vom US-Kongress zum neuen Präsidenten gekürt wurde. Schon am 2. Februar hat Präsident Selensky die letzten verbliebenen regierungskritischen TV-Sender per Dekret verboten. Das geschah im Widerspruch zur ukrainischen Gesetzgebung, man ist in Kiew sehr kreativ geworden. Anstatt den juristischen Weg zu gehen, hat der Sicherheitsrat der Ukraine einfach „Sanktionen“ gegen die Sender gefordert und Präsident Selensky hat die per Dekret verkündet.

Sanktionen sind ein Instrument in der internationalen Politik, im inneren von Ländern sollten Gesetz gelten und Gerichte zuständig sein. Das gilt in der Ukraine nun nicht mehr, der Präsident erlässt stattdessen Sanktionen, die ihm der Nationale Sicherheitsrat vorschlägt. Da Selensky alles umsetzt, was von da kommt, könnte man auch sagen, er tut alles, was der Nationale Sicherheitsrat ihm befiehlt.

Und es war klar, an wen das Signal – abgesehen von der ukrainischen Opposition – gerichtet war, nämlich an Washington. Selensky hat sich auf Twitter zu den Sanktionen geäußert, aber nicht in der Landessprache Ukrainisch, sondern auf Englisch. Er schrieb:

„Sanktionen sind eine schwere Entscheidung. Die Ukraine unterstützt die Meinungsfreiheit stark. Nicht aber vom Aggressorstaat finanzierte Propaganda, die die Ukraine auf ihrem Weg zur Euro-Atlantischen Integration behindert. Der Kampf für Unabhängigkeit ist ein Kampf im Informationskrieg für die Wahrheit und die europäischen Werte.“

Man möchte spontan fragen, ob das willkürliche Verbot regierungskritischer Medien neuerdings Teil der „europäischen Werte“ ist, aber das führt dann wohl zu weit.

Aus Washington jedenfalls kam Unterstützung für den Schritt. Die US-Botschaft in Kiew ließ verkünden:

„Die USA unterstützen die Bemühungen zum Schutz ihrer Souveränität und territorialen Unversehrtheit im Einklang mit ihren Gesetzen, die die Ukraine gestern ergriffen hat, um Russlands böswilligem Einfluss entgegenzuwirken. Wir alle müssen zusammenarbeiten, um zu verhindern, dass Falschinformationen als Waffe im Informationskrieg gegen souveräne Staaten eingesetzt werden.“

9. und 10. Februar 2021

Der ukrainische Verteidigungsminister hat sich mit Nato-Generalsekretär Stoltenberg getroffen. Bei der gemeinsamen Pressekonferenz teilte Stoltenberg am 9. Februar mit, die Nato hätte ihre Präsenz im Schwarzen Meer verstärkt. Er begründete das mit der für alle Nato-Mitglieder strategischen Wichtigkeit der Region.

Am 10. Februar hat der ukrainische Verteidigungsminister der Nato angeboten, den Luftraum über der Krim quasi nach Belieben zu nutzen. Der ukrainische Minister sagte:

„Unter Berücksichtigung des aktualisierten EASA-Flugsicherheitsbulletins in der Fluginformationsregion Simferopol und der Aufhebung der Beschränkungen der US-Luftfahrtbehörde für Flüge in den Luftraum von Simferopol schlagen wir vor, diesen Teil des Luftraums für NATO-Luftoperationen für den Transport von Truppen, Ausrüstung, Fracht und dergleichen zu nutzen. Wir hoffen auf die Unterstützung der NATO bei der Überwachung der Situation im Luftraum entlang der Grenze zu Russland“

Bekanntermaßen gibt es unterschiedliche Ansichten über den Status der Krim, aber man darf trotzdem die Realitäten nicht aus den Augen verlieren. Nichts – auch nicht die Frage der Krim – rechtfertigt das Risiko eines Dritten Weltkriegs, der als Atomkrieg das Ende der Menschheit bedeuten würde. Selbst wenn man im Westen und vor allem der Ukraine der Meinung ist, die Krim gehöre immer noch zur Ukraine, würde es wohl wirklich zu einem Krieg führen, wenn morgen Nato-Flugzeuge ohne Absprache mit Russland über der Krim herumfliegen würden.

19. Februar 2021

Ich sagte schon, dass die ukrainische Regierung nun regelmäßig nicht mehr auf Basis der Gesetze des Landes entscheidet, sondern dass der ukrainische Nationale Sicherheitsrat Sanktionen verlangt, die Präsident Selensky sofort per Dekret verkündet. Am 19. Februar verlangte der Nationale Sicherheitsrat der Ukraine Sanktionen gegen Viktor Medventschuk. Medventschuk ist der Chef der größten Oppositionspartei im ukrainischen Parlament, Selensky hat also den politischen Gegner und Opposisionsführer ausschalten wollen.

Die Sanktionen umfassen das Einfrieren seines gesamten Vermögens, es handelt sich de facto um eine Enteignung. Praktischerweise gab es nach der Schließung der letzten regierungskritischen TV-Sender auch niemanden mehr, der die ukrainische Öffentlichkeit darüber kritisch informieren konnte und Selensky setzte den Wunsch des Sicherheitsrates umgehend um und erließ das entsprechende Dekret schon am nächsten Tag.

Juristische Schritte gegen die illegalen Sanktionen dürften aussichtslos sein, denn Selensky hat das ukrainische Verfassungsgericht bereits im November 2020 – ebenfalls illegal – de facto entmachtet.

25. Februar 2021

Da Opposition und Regierungskritiker in der Ukraine nun keine Medien mehr hatten, sind viele Menschen auf der Suche nach Informationen ins Internet gegangen, sodass die ukrainische Regierung an diesem Tag im Netz zugeschlagen und 426 Internetseiten auf einen Schlag gesperrt hat.

26. Februar 2021

An dem Tag hat Kiew den Druck auf die Opposition weiter erhöht. Der ukrainischen Geheimdienst SBU hat das Parteibüro des Oppositionsführers Medventschuk durchsuchen lassen.

4. März 2021

Kiew hat auch den Kampf gegen China offiziell eröffnet. Chinesische Investoren hatten vor Jahren die Mehrheit an dem ukrainschen Motorenhersteller Motor Sitsch übernommen. Der Hersteller von Turbinen, Düsentriebwerken und Hubschraubermotoren ist einer der wenigen Industriebetriebe in der Ukraine, die noch nicht geschlossen wurden. Jedoch waren die chinesischen Besitzer den USA ein Dorn im Auge und sie haben Kiew aufgefordert, einzugreifen.

Anfang März wurde daher ein Gesetz ins Parlament eingebracht, dass die Enteignung der chinesischen Investoren vorsah. Schon am 20. März wurden die Aktien von Motor Sitsch eingefroren. Die chinesischen Investoren haben dagegen vor dem zuständigen internationalen Schiedsgericht Klage eingereicht und fordern 3,6 Milliarden Dollar Schadenersatz von der ohnehin bankrotten Ukraine.

10. März 2021

An dem Tag hat Kiew de facto das Minsker Abkommen beerdigt. Andrej Ermak, der Chef der ukrainischen Präsidialverwaltung wurde von ukrainischen Medien wie folgt zitiert:

„Heute liegt ein konkreter Plan für eine friedliche Regelung auf dem Tisch, der von Deutschland und Frankreich vorgeschlagen und von der Ukraine fertiggestellt wurde, die, wie wir glauben, dem Geist von Minsk in Übereinstimmung mit den Normen des Völkerrechts entspricht“

Wenn es stimmt, dass Frankreich und Deutschland einen neuen „Friedensplan“ vorgeschlagen haben, anstatt am Abkommen von Minsk festzuhalten, muss das gut versteckt hinter den Kulissen geschehen sein, denn Meldungen darüber gab es vorher keine. Aufhorchen ließ die Formulierung, Kiew habe den Vorschlag „fertiggestellt.“ Das würde bedeuten, dass es sich um ein Diktat oder Ultimatum an die Rebellen handeln muss, frei nach dem Motto „friss oder stirb“ – wobei in diesem Falle „stirb“ wörtlich zu nehmen ist, immerhin reden wir von einem Krieg.

Weiter wurde Ermak wie folgt zitiert:

„Wenn Russland nicht zustimmt, bedeutet das ihm zufolge, „dass es kein Ende des Krieges und der Offensive des Friedens im Donbass will.““

Das alles könnte man als Fake News abtun, schließlich stehen Deutschland und Frankreich ja offiziell noch zu dem Minsker Abkommen. Das zumindest muss man denken, weil die Medien ja nichts gegenteiliges berichten. Dabei verschweigen die westlichen Medien jedoch, dass Deutschland und Frankreich schon im Februar bei der OSZE gegen eine Resolution gestimmt haben, die einfach nur erneut die Umsetzung des Minsker Abkommens gefordert hat.

Darüber wurde im Westen nicht berichtet, dabei stellt sich die Frage, was denn aus dem Minsker Abkommen werden soll, wenn die Garantiemächte Deutschland und Frankreich sich offensichtlich bereits von dem Friedensplan abgewandt haben.

11. März 2021

Die ukrainische Seite sprach nun offen davon, dass sie den seit Sommer 2020 einigermaßen funktionierenden Waffenstillstand brechen will. Mehr noch: Die Ukraine möchte den Konflikt zum Ausgangspunkt eines Krieges der Nato gegen Russland machen. Olga Stefanischina, Vize-Premierministerin der Ukraine, hat gefordert, die Ukraine müsse Positionen im Nato-Stab bekommen. In einer Pressemeldung der ukrainischen Regierung über entsprechende Gespräche mit der Nato hieß es weiter:

„Die Seiten haben die strategischen Vektoren der Integration der Ukraine in die NATO im militärischen Bereich erörtert, insbesondere im Rahmen des Enhanced Opportunities Partnership (EOP). Olga Stefanischina betonte, dass die Ukraine alles in ihrer Macht Stehende tut, um ihren Status im EOP maximal zu nutzen: Kürzlich hat der Präsident der Ukraine dem NATO-Generalsekretär in einem Brief einen entsprechenden Fahrplan vorgestellt.“

13. März 2021

Während Offizielle in Kiew weiterhin von dem ominösen neuen Friedensplan sprachen, den immer noch niemand zu Gesicht bekommen hatte, sprach Leonid Krawtschuk, der Vertreter der Ukraine bei den Verhandlungen im Normandie-Format bestehend aus Deutschland, Frankreich, der Ukraine und Russland, bereits von einem großen Krieg. Er erklärte, dass ein großer Konflikt möglich sei, „wenn Moskau seinen Appetit nicht zügelt“ und fügte hinzu:

„Ich bin davon überzeugt, dass sich die USA an dieser Frage beteiligen sollten, da der Konflikt im Donbass nicht nur eine ukrainische und europäische Frage ist, sondern eine Frage eines möglichen groß angelegten Konflikts.“

Anfang April

Am 1. April habe ich über die letzten Entwicklungen berichtet, den Artikel finden Sie hier. Die USA haben sich nun eingeschaltet und es vergeht kaum mehr ein Tag, an dem nicht ein US-Offizieller von der „russischen Aggression“ erzählt. Aufgrund der wachsenden Kriegsgefahr wurden zum ersten Mal in der Geschichte junge Männer zur Musterung eingezogen.

Dass es tatsächlich wohl bald „losgeht“, kann man daran merken, dass seit dem 2. April auch die deutschen „Qualitätsmedien“ die Ukraine wieder als Thema entdeckt haben. Natürlich erfahren die deutschen Leser nichts von den Entwicklungen sein Jahresbeginn. Stattdessen zitiert der Spiegel kritiklos die Erklärungen der USA. Er nimmt also die US-Propaganda auf und leitet sie wunschgemäß an das deutsche Publikum weiter, das nun offenbar darauf vorbereitet werden soll, dass Russland demnächst einen Angriff auf die Ukraine führen wird.

Die Lage im Donbass

Die OSZE hat im November 2020 einen Bericht veröffentlicht, in dem sie mitgeteilt hat, dass die ukrainischen Streitkräfte in der Zeit von Januar 2017 bis September 2020 für 75 Prozent der zivilen Opfer im Donbass verantwortlich sind. Da die „Qualitätsmedien“ darüber nicht berichtet haben, habe ich es seinerzeit getan, den Artikel finden Sie hier.

Im Donbass hat der Beschuss durch die ukrainische Armee unterdessen zugenommen und es wurden auch wieder Wohngebiete beschossen. Am 21. März gab es zur Entwicklung in der Ukraine und im Donbass einen sehr langen und ausführlichen Bericht im russischen Fernsehen, den ich übersetzt habe.

ttps://www.anti-spiegel.ru/2021/die-chronologie-der-eskalation/

 

Ukraine-Eskalation : US-Kriegspropaganda pur im Spiegel

Nun beginnt, was russische Medien und auch der Anti-Spiegel seit Januar melden: Die geplante Offensive der Ukraine gegen den Donbass wird im Westen medial vorbereitet und wie immer ist der Spiegel bei der Kriegspropaganda in der ersten Reihe dabei.

Ich habe heute bereits zur besseren Übersicht eine Chronologie der Eskalation in der Ukraine geschrieben, die Sie hier finden. Wenn Sie das noch nicht gelesen haben, empfehle ich Ihnen, die Chronologie zuerst zu lesen, denn zum Verständnis der aktuellen Entwicklungen ist sehr wichtig.

Jetzt wollen wir uns anschauen, wie „Qualitätsmedien“ wie der Spiegel die Kriegspropaganda der USA kritiklos in die Welt tragen, anstatt wahrheitsgemäß über die aktuellen Entwicklungen zu berichten.

Kriegsvorbereitungen in Kiew

Nachdem Kiew sich de facto vom Minsker Abkommen, das es ohnehin nie eingehalten hat, verabschiedet hat und die westlichen Medien die Entwicklungen der letzten drei Monate komplett verschwiegen haben, sollen die Menschen im Westen nun medial auf die kommende Eskalation im Donbass eingeschworen werden. Die Schuld für das, was bald kommen wird, wird bereits im Vorwege Russland in die Schuhe geschoben.

Am 1. April habe ich über die letzten Entwicklungen berichtet, den Artikel finden Sie hier. Die USA haben sich eingeschaltet und es vergeht kaum mehr ein Tag, an dem nicht ein US-Offizieller von der „russischen Aggression“ erzählt.

Dass es tatsächlich wohl bald „losgeht“, kann man daran merken, dass seit dem 2. April auch die deutschen „Qualitätsmedien“ die Ukraine wieder als Thema entdeckt haben. Natürlich erfahren die deutschen Leser nichts von den Entwicklungen sein Jahresbeginn. Stattdessen zitiert der Spiegel kritiklos die Erklärungen der USA. Er nimmt also die US-Propaganda auf und leitet sie wunschgemäß an das deutsche Publikum weiter, das nun offenbar darauf vorbereitet werden soll, dass Russland demnächst einen angeblichen Angriff auf die Ukraine führen wird.

Der Spiegel steigt in die Propaganda-Schlacht ein

Der erste Spiegel-Artikel zu dem Thema erschien am Morgen des 2. April unter der Überschrift „Nach russischer Truppenverlegung – USA verurteilen »aggressives« Vorgehen Moskaus im Ukrainekonflikt“ und begann mit der Einleitung:

„Russland hat seine Truppen entlang der ukrainischen Grenze verstärkt, in Kiew spricht man von einer »bedrohliche Atmosphäre«. Nun mischen sich die USA in den Konflikt ein – mit klaren Worten in Richtung Kreml.“

Ob es die russische Truppenverlegung gibt, weiß kein Mensch. Kiew behauptet das, aber nicht einmal die USA bestätigen das, wie man dann später in dem Artikel sehen kann:

„Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor erklärt, dass Russland seine Truppenpräsenz an der Grenze zur Ukraine verstärkt habe. Moskau wolle dadurch eine »bedrohliche Atmosphäre« schaffen. Der ukrainische Militärgeheimdienst warf der russischen Armee vor, sie wolle ihre Präsenz in den von den Rebellen kontrollierten Regionen Donezk und Luhansk ausweiten.“

Wie ich in meinem Artikel, in dem ich die US-Erklärungen zitiert habe, bereits gezeigt habe, berufen sich die USA auf Angaben aus Kiew. Dabei haben die USA Spionagesatelliten und müssten russische Truppenbewegungen selbst sehen und entsprechend von eigenen Erkenntnissen berichten. In Washington wird aber nicht von eigenen Erkenntnissen gesprochen, man zitiert stattdessen Kiew.

Aber selbst wenn Russland dort Truppen verlegen sollte, es ist sein gutes Recht, in seinem eigenen Land Truppen zu verlegen, oder fragen die USA irgendjemanden um Erlaubnis, wenn sie bei sich zu Hause Truppen verlegen? Hinzu kommt, dass jedes Land Truppen an seine Grenze verlegen würde, wenn auf der anderen Seite der Grenze ein Krieg läuft oder auch nur droht. Ob Russland tatsächlich Truppen verlegt hat, weiß man nicht, aber die Russen hätten aufgrund der Situation im Donbass allen Grund dazu, ihre Grenze stärker zu sichern.

Dass die USA es auf einen Krieg gegen Russland ankommen lassen, ist möglich, wie dieses Zitat aus dem Spiegel-Artikel zeigt:

„US-Verteidigungsminister Lloyd Austin telefonierte nach Angaben Kiews mit seinem ukrainischen Kollegen Andrej Taran. Austin habe versichert, dass Washington die Ukraine »im Falle einer eskalierenden russischen Aggression« nicht alleinlasse, teilte das ukrainische Verteidigungsminister mit.“

Und wie einseitig der Spiegel hier Propaganda macht, zeigt dieser Absatz:

„Moskau und Kiew hatten sich in dieser Woche gegenseitig für die jüngste Zunahme der Gewalt im Ostukrainekonflikt verantwortlich gemacht. Nach ukrainischen Angaben wurden seit Beginn des Jahres bei Angriffen prorussischer Rebellen 20 Soldaten getötet und 57 weitere verletzt.“

Das klingt neutral, beide haben sich für die Eskalation gegenseitig verantwortlich gemacht, schreit der Spiegel. Es ist aber keineswegs neutral, denn der Spiegel erwähnt nur die angeblichen Opfer auf Seiten Kiews und erweckt so den Eindruck, die Rebellen würden einseitig auf die ukrainische Armee schießen.

Dabei verschweigt der Spiegel die Opfer auf Seiten des Donbass, wo die ukrainische Artillerie bereits wieder auf Wohngebiete feuert und es zivile Opfer gibt. Dass die Ukraine schon seit Januar wieder verstärkt mit Artillerie schießt und dass es dabei Opfer unter der Zivilbevölkerung gibt, verschweigt der Spiegel. Es passt nicht ins gewollte Bild.

Genauso hat der Spiegel seinen Lesern konsequent verschwiegen, dass die OSZE im November einen Bericht herausgegeben hat, aus dem hervorgeht, dass 75 Prozent der zivilen Opfer in dem Konflikt im Zeitraum von Januar 2017 bis September 2020 auf das Konto der ukrainischen Streitkräfte gehen. Auch das soll der Spiegel-Leser nicht wissen, denn es würde das gewollte Bild von Russland als Aggressor stören.

Da die „Qualitätsmedien“ darüber nicht berichtet haben, habe ich es seinerzeit getan, den Artikel finden Sie hier.

Der Spiegel legt nochmal nach

Auch der zweite Spiegel-Artikel vom gleichen Tag bleibt der US-Linie treu. Unter der Überschrift „Neue Spannungen in der Ostukraine – Moskau droht mit »Maßnahmen« im Falle westlicher Truppenverlegung“ kann man als Einleitung lesen:

„Russland hat erneut Truppen zur ukrainischen Grenze geschickt, die USA sprechen von einem »aggressiven und provokativen Vorgehen«. Nun antwortet der Kreml – eine weitere Stufe der Eskalation.“

Wieder wird die russische Truppenverlegung, von der niemand weiß, ob es sie gibt, gleich zu Beginn als Tatsache hingestellt. Die Reaktionen der USA sind bekannt, sie reden jeden Tag von den „aggressiven“ Russen. Dass der Kreml auf die pausenlosen Beschuldigungen antwortet, ist für den Spiegel schon „eine weitere Stufe der Eskalation.“

Das ist das Schöne an Propaganda: Wie es der Kreml macht, macht er es falsch. Wenn er auf die Frechheiten aus Washington und Kiew antwortet, ist das für den Spiegel „eine weitere Stufe der Eskalation.“ Würde der Kreml schweigen, könnte der Spiegel schreiben, dass die bösen Russen aggressiv sind und auf Gesprächsangebote nicht reagieren. Man kann alles so darstellen, dass es ins gewollte Bild passt. Genau das macht der Spiegel. Nur hat das noch etwas mit Berichterstattung zu tun, oder ist das Propaganda?

Wird ein großer Krieg riskiert?

Dass der Spiegel seine Leser auf einen neuen Krieg einschwört, zeigt gleich der erste Absatz:

„In den vergangenen Jahren gab es mehrfach militärisch heikle Situationen entlang der russisch-ukrainischen Grenze – doch nun gehen neue Spannungen in der Ostukraine über das übliche Säbelrasseln hinaus. Russland konzentriert mehr Militäreinheiten als bisher entlang der Grenze, die Ukraine bereitet die Einberufung von Reservisten vor. Vor diesem Hintergrund warnten die USA die russische Regierung vor Versuchen, »unseren Partner Ukraine einzuschüchtern oder zu bedrohen«.“

Wieder werden die russischen Truppen, von denen niemand weiß, ob sie dort zusammengezogen werden, als Tatsache hingestellt. Dass die Ukraine ihre Reservisten einberuft, ist jedoch angeordnet worden, als von den angeblichen russischen Truppen noch gar nicht die Rede war. Aber das muss der Spiegel-Leser ja nicht wissen. Und wie gefährlich die Situation ist und dass vielleicht eine Eskalation des Krieges über den Donbass hinaus droht, dass zeigt der letzte Satz.

Der nächste Absatz in dem Spiegel-Artikel ist sehr informativ, wenn man ihn aufmerksam liest:

„Jetzt hat der Kreml auf die Vorwürfe reagiert. »Russland bedroht niemanden und hat nie jemanden bedroht«, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow vor Journalisten. Zu einer möglichen westlichen Truppenverlegung in die Ukraine betonte Peskow, dass »ein solches Szenario zweifellos zu einem weiteren Anstieg der Spannungen in der Nähe der russischen Grenzen führen« würde: »Natürlich würde dies zusätzliche Maßnahmen der russischen Seite erforderlich machen, um die russische Sicherheit zu gewährleisten.«“

Westliche Truppen in die Ukraine?

Was bitte ist eine „westliche Truppenverlegung in die Ukraine“?

Soll man das so verstehen, dass die Nato plant, ihre Truppen in die Ukraine zu schicken? Genau davor wird in Russland gewarnt: Die Ukraine beginnt eine Offensive im Donbass, die wird – wie in den vergangenen sieben Jahren – scheitern, und dann kommt die Nato zur Hilfe? Ist das gewollt?

Der Spiegel geht darauf nicht ein, sondern konzentriert sich darauf, dass der Kremlsprecher sagt, dass Russland auf eine westliche Truppenverlegung in die Ukraine reagieren müsste. Das klingt für den Spiegel-Leser böse, schließlich ist Russland ja für ihn der Aggressor. Aber welches Land würde nicht reagieren, wenn Soldaten eines Bündnisses, das dem Staat offen feindselig gegenübersteht, an seine Grenzen verlegt werden?

Und dann kommt wieder die angebliche russische Truppenpräsenz:

„Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Russland am Donnerstag vorgeworfen, seine Truppenpräsenz an der Grenze zur Ukraine verstärkt zu haben. Moskau wolle dadurch eine »bedrohliche Atmosphäre« schaffen. Der ukrainische Militärgeheimdienst beschuldigte die russische Armee, ihre Präsenz in den von den prorussischen Rebellen kontrollierten Regionen Donezk und Luhansk ausweiten zu wollen.“

Hier sehen wir es wieder: Die Meldungen über die angebliche russische Truppenpräsenz kommen aus Kiew. Nicht einmal die USA melden, dass sie diese russischen Truppen mit ihren Satelliten gesehen hätten. Der Spiegel glaubt einer Meldung aus Kiew, das in dem Krieg schon so viel gelogen hat, blind. Kritische Fragen vom Spiegel dazu? Fehlanzeige.

Was haben die USA vor?

Wirkliche Sorgen sollte einem diese Aussage machen:

„Nach Angaben aus Kiew sagte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin seinem ukrainischen Kollegen Andrej Taran in einem Telefonat zu, die Ukraine »im Falle einer eskalierenden russischen Aggression« nicht alleinzulassen.“

Und ein dritter Spiegel-Artikel am gleichen Tag

Was die USA damit meinen, die würden die Ukraine nicht alleine lassen, konnte man in einem weiteren Spiegel-Artikel vom Abend des gleichen Tages lesen. Unter der Überschrift „Russische Truppenbewegungen – Biden sichert Ukraine »unerschütterliche Unterstützung« zu“ konnte man lesen:

„US-Präsident Joe Biden hat seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj versichert, er könne auf die »unerschütterliche Unterstützung« Amerikas für die Souveränität und Integrität des Landes zählen. Beide Präsidenten führten am Freitag ihr erstes Telefonat seit Bidens Amtsantritt im Januar. Das Weiße Haus warf Russland in einer Mitteilung »anhaltende Aggression« im Donbass und auf der Krim vor.“

Herzlichen Glückwunsch! Bedeutet das, dass die USA oder die Nato im Falle einer Eskalation im Donbass eingreifen wollen? Will man im Westen wirklich mit aller Kraft einen neuen großen Krieg in Europa, der vielleicht sogar als Krieg zwischen Nato und Russland ein nuklearer Krieg wird?

Jedenfalls lässt der Westen Kiew nicht nur freie Hand, der Westen feuert Kiew bei seinen Kriegsvorbereitungen auch noch kräftig an. Und „Qualitätsmedien“ wie der Spiegel unterstützen das, indem sie die Kriegspropaganda aus Washington und Kiew eins zu eins in ihre Artikel übernehmen, ohne auch nur ein kritisches Wort zu finden oder eine der vielen auf der Hand liegenden Fragen stellen.

Und das funktioniert, weil der Spiegel-Leser ja die ganze Vorgeschichte mit Kiews Eskalationsschritten nicht kennt. Es bewahrheitet sich mal wieder:

Spiegel-Leser wissen weniger!

US-Kriegspropaganda pur im Spiegel

Diskussionen

Es gibt noch keine Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Archiv

%d Bloggern gefällt das: