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Inland, Medien

Zynische Doppelmoral in den Medien: Angebliche gesundheitliche Probleme und Folter bei Navalny

von Thomas Röper – http://www.anti-spiegel.ru

Wer dachte, nachdem Navalny im Gefängnis verschwunden ist, würde es ruhiger um ihn, hat sich getäuscht. Der Spiegel berichtet fast täglich über seine angeblichen Probleme in der Haft. Warum das verlogen ist.

Der Spiegel und andere Medien berichten fast täglich über Navalny und seine Probleme in der russischen Haft. Mal ist von Folter die Rede, mal von gesundheitlichen Problemen, die ärztlicher Behandlung bedürfen. Diese Berichte kann man nicht überprüfen, aber wenn man sie mit vergleichbaren anderen Fällen vergleicht, zeigen sie die ganze Doppelmoral von „Qualitätsmedien“ wie dem ehemaligen Nachrichtenmagazin Spiegel auf.

Wieder mal Rückenschmerzen

Über die gesundheitlichen Probleme von Navalny gibt es bisher keine unabhängigen Berichte. Es gibt nur die Berichte seines Teams, das behauptet, er habe Rückenschmerzen und er werde gefoltert. Die Medien stellen das als Fakten dar.

Mit Rückenschmerzen von Inhaftierten haben wir schon so unsere Erfahrungen gemacht, man erinnere sich nur an Julia Timoschenko, der Dr. Lutz Harms, ein Neurologe der Charité, einen Bandscheibenvorfall diagnostiziert hat. Und wir erinnern uns an ihre wundersame Heilung, kaum dass sie aus der Haft entlassen war. Was in Deutschland kaum bekannt ist, ist wie Dr. Harms sich bei seinen Besuchen in Kiew zur Untersuchung von Timoschenko hat schmieren lassen, inklusive Begleitservice des Fotomodells Maria Furdychko. Wer davon noch nie etwas gehört hat, findet die Details hier.

Der Spiegel berichtet über die angeblichen Rückenschmerzen Navalnys zum Beispiel folgendes:

„Dutzende russische Ärzte forderten derweil in einem offenen Brief und in einer Videobotschaft wegen eines Rückenleidens rasche medizinische Hilfe für Nawalny. Die Mediziner verlangten eine angemessene Behandlung, um »die Gefahr für sein Leben und seine Gesundheit« abzuwenden. »Wir fürchten das Schlimmste«, heißt es in dem Schreiben.
Konkret forderten die Ärzte den Zugang eines Neurologen zu dem 44-Jährigen und den Einsatz moderner diagnostischer Technik. Sie erinnerten zudem daran, dass der Gefangene nach dem Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok im August noch immer geschwächt ist.“

Welche Ärzte haben den Brief geschrieben? Aufgrund welcher Informationen kommen sie zu ihren Schlussfolgerungen? Keiner der Ärzte, von denen wir nicht einmal erfahren, wer sie sind, denn der Spiegel setzt ja keinen Link zu dem offenen Brief, hat Navalny gesehen. Es gibt nur die unbestätigten Gerüchte seines Teams über ein mysteriösen Rückenleiden, das Navalny vorher nie gehabt hat. Und dass Navalny „nach dem Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok im August noch immer geschwächt ist„, ist eine Lüge. Die Charité hat in ihrem Bericht in The Lancet geschrieben, er sei seit Anfang Oktober wieder vollkommen genesen.

Schon an dieser unwahren Aussage kann man sehen, dass es den Ärzten – wer immer die sind – nicht um den Gesundheitszustand von Navalny geht, sondern um Propaganda für Navalny.

Folter?

Aber nehmen wir einmal an, Navalny habe ein Rückenleiden. Dann sollten eben neutrale Ärzte ihn untersuchen und das wird sicher auch geschehen. Da Navlny ja bereits von Folter spricht, wird demnächst wohl Nils Melzer, UNO-Sonderberichterstatter über Folter, zu Navalny kommen. Mal sehen, was wir danach erfahren.

Und genau das ist die zynische Doppelmoral des Spiegel und all der anderen „Qualitätsmedien“, die über Navalnys Probleme in der Haft berichten. Nils Melzer hat seit Oktober 2019 mehrmals deutlich kritisiert und Alarm geschlagen, dass Julian Assange in London gefoltert wird. Und im Gegensatz zu Navalny hat Assange echte, von niemandem bestrittene, gesundheitliche Probleme, die laut Ärzten lebensbedrohend sind. Aber London verweigert Assange mittlerweile seit anderthalb Jahren die nötige medizinische Behandlung.

Aber ich kann mich nicht erinnern, darüber im Spiegel etwas erfahren zu haben. Während der Spiegel ein angebliches Rückenleiden von Navalny derzeit täglich in eigenen Artikeln behandelt, gibt es im Spiegel keinerlei Empörung darüber, dass die UNO Großbritannien vorwirft, Assange zu foltern und sein Leben zu gefährden. Und die Bundesregierung tut das gleiche, sie hat offiziell mitgeteilt, man habe den Bericht des UNO-Sonderberichterstatters über Folter nicht gelesen.

Ich wünsche niemandem etwas schlechtes und sollte der UNO-Sonderberichterstatter tatsächlich melden, Navalny wird in Russland gefoltert und ihm wird die nötige medizinische Behandlung vorenthalten, werde ich der erste sein, der das kritisiert. Aber bisher haben wir nur die Berichte von Navalnys Leuten, die daran interessiert sind, dass der Medienhype um ihn nicht abreißt und die ihn weiter zu einem Helden aufbauen wollen. Das sind keine verlässlichen Quellen, sorry.

Zynische Doppelmoral

Die „Qualitätsmedien“ machen aus der Navalny-Story aber eine Serie mit endlosen Fortsetzungen, was eindeutig politische Propaganda ist. Das zeigt die Tatsache, dass sie zu dem Zustand von Julian Assange schweigen, bei dem es längst unabhängige Berichte gibt, die von Folter und vorenthaltener medizinischer Behandlung sprechen.

Das ist kein Journalismus, das ist – ich wiederhole mich – Propaganda. Aber leider werden die „Qualitätsmedien“ trotzdem weiter machen und uns in nächster Zeit wohl weiterhin mit Berichten darüber bespaßen, dass Navalny nun dieses oder jenes weh tut. Und sie werden über Assange weiterhin den Mantel des Schweigens hüllen.

Jeder kann an diesem Beispiel leicht überprüfen, wie sehr der Spiegel hier Propaganda betreibt, indem man in der Suchfunktion des Spiegel die Suchbegriffe „Nawalny Folter“ und „Assange Folter“ eingibt. In den fünf Tagen seit dem 25. März gab fünf Artikel zu der Suchanfrage „Nawalny Folter.“ Und zwar nur aufgrund von Meldungen seines Teams, von denen niemand weiß, ob sie wahr sind.

Der UNO-Sonderberichterstatter über Folter hat seinen Alarmruf über die Folter von Assange am 15. Oktober 2019 veröffentlicht und raten Sie mal, wie oft der Spiegel in der ersten Woche danach darüber berichtet hat? Es gab in der Woche danach nur einen Artikel unter der Suchanfrage „Assange Folter“ im Spiegel, in dem es um eine weitere Anhörung vor Gericht ging. Über die Vorwürfe des UNO-Sonderberichterstatters Nils Melzer vom 15. Oktober 2019 findet sich in dem Artikel nicht ein einziges Wort.

Noch Fragen?

Angebliche gesundheitliche Probleme und Folter bei Navalny

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