//
du liest...
Ausland, Europa

Steht die Ukraine (wieder mal) am Rande eines Krieges?

von Saker – https://www.theblogcat.de/

Erst vor wenigen Wochen schrieb ich eine Kolumne mit dem Titel „Die vielen tickenden Zeitbomben der Ukraine“, in der ich eine Reihe von Entwicklungen auflistete, die für die Ukraine und in der Tat für alle Länder der Region eine große Bedrohung darstellen.

https://www.unz.com/tsaker/the-ukraines-many-ticking-time-bombs/

In dieser kurzen Zeit hat sich die Situation ziemlich dramatisch verschlechtert. Ich werde daher mit einer kurzen Zusammenfassung der Ereignisse beginnen.

Erstens: Die ukrainische Regierung und das ukrainische Parlament haben die Minsker Abkommen praktisch für tot erklärt. In Wahrheit waren diese Abkommen eine Totgeburt, aber solange alle so taten, als gäbe es noch eine Chance auf eine Verhandlungslösung, dienten sie als „Kriegsverzögerer“. Jetzt, da dieser Bremsklotz entfernt wurde, wird die Situation weitaus explosiver als zuvor.

[Nebenbemerkung: Die Frage der Minsker Abkommen brachte die wirklich atemberaubende Heuchelei des Westens zum Vorschein: Obwohl Russland nie eine Partei dieser Abkommen war (Russland unterzeichnete sie als Garant, nicht als Partei), entschied sich der Westen, Russland für die „Nichtumsetzung“ dieser Abkommen zu beschuldigen, und das, obwohl jeder wusste, dass es die Ukraine war, die aus Angst vor den verschiedenen Neonazi-Bewegungen diese Abkommen einfach nicht umsetzen konnte. Diese Art von „blanker“-Heuchelei des Westens hatte eine enorme Auswirkung auf die innenpolitische Szene Russlands, was wiederum die Position derjenigen in Russland, die nie an eine Verhandlungslösung geglaubt hatten, enorm stärkte. In diesem Sinne stellten diese Abkommen einen großen Sieg für den Kreml dar, da sie den Westen zwangen, die ganze Tiefe seiner moralischen Verkommenheit zu zeigen.]

Zweitens ist es ziemlich offensichtlich, dass die „Biden“-Administration ein „Who is Who“ der schlimmsten Russophoben der Obama-Ära ist: Nuland, Psaki und der Rest von ihnen sagen ganz offen, dass sie die Konfrontation mit Russland verschärfen wollen. Selbst die Neulinge, wie etwa Ned Price, sind eindeutig rabiate Russophobe. Die Leute in Kiew haben sofort verstanden, dass ihre bösen alten Herren wieder im Weißen Haus sitzen, und sie passen nun auch ihre Sprache an diese neue (nun ja, nicht wirklich neue) Realität an.

Schließlich, und das ist das Bedrohlichste, gibt es klare Anzeichen dafür, dass das ukrainische Militär schwere Kräfte in Richtung der Kontaktlinie bewegt. Hier ist ein Beispiel für ein Video, das in der Stadt Mariupol aufgenommen wurde:

Neben Panzern gibt es viele Berichte über andere schwere militärische Ausrüstung, darunter MLRS und taktische ballistische Raketen, die nach Osten in Richtung der Kontaktlinie bewegt werden. Unnötig zu sagen, dass der russische Generalstab all diese Bewegungen sehr sorgfältig verfolgt, ebenso wie die Geheimdienste der LDNR (Lugansker und Donezker Volksrepubliken)

Das alles geschieht, während sich Selenskis Popularität im freien Fall befindet. Eigentlich nicht nur seine. Stellt euch das vor: Biden hat die Wahl in den USA gestohlen und muss sich mit 70 Millionen „Bedauernswerten“ auseinandersetzen, während die EU-Führer alle mit vielen extrem schweren Krisen konfrontiert sind (Einwanderung, Kriminalität, COVID-Lockdowns, Woke-Ideologie usw.). Die Wahrheit ist, dass sie alle verzweifelt irgendeine Art von „Ablenkung“ brauchen, um ihre öffentliche Meinung davon abzuhalten, sich auf die wirklichen Probleme zu konzentrieren, mit denen die westlichen Gesellschaften konfrontiert sind.

Wie könnte eine solche „Ablenkung“ aussehen?

Phase eins: der Auslöser

Es ist unwahrscheinlich, dass die Ukraine einfach den Donbass angreift. Kiew muss sich an das „Wir sind das Opfer der Aggression“-Narrativ halten. Wenn jedoch vergangenes Verhalten einer der besten Indikatoren für zukünftiges Verhalten ist, können wir sofort sehen, was wahrscheinlich passieren wird.

Erinnert euch daran, wie drei ukrainische Marineschiffe versuchten, sich unter der Krim-Brücke durchzuschlagen? Was ist mit den ukrainischen Terrorgruppen, die Kiew auf die Krim einzuschleusen versuchte? Und schließlich sind da noch die vielen Terroranschläge, die von ukrainischen Spezialkräften innerhalb Novorossias ausgeführt wurden. Die Wahrheit ist, dass die ukrainischen Spezialdienste (SBU und Militär) Aufklärungs- und Ablenkungsoperationen im Donbass, auf der Krim und sogar in Russland durchgeführt haben.

Im Moment haben beide Seiten (Kiew und die LDNR) offiziell erklärt, dass sie ihren Streitkräften die Erlaubnis erteilt haben, auf jegliche Provokationen oder eingehenden Beschuss zu reagieren. Stellt euch vor, wie einfach es für beide Seiten ist, irgendeine Art von Provokation zu organisieren, dann zu behaupten, angegriffen zu werden und zu erklären, dass „wir uns gegen den Aggressor verteidigen mussten“.

Daher ist das wahrscheinlichste Szenario eine Art ukrainische Provokation, gefolgt von einem „defensiven Gegenangriff“ des ukrainischen Militärs.

Phase zwei: der Angriff

In den letzten Jahren hat das ukrainische Militär viel Unterstützung aus dem Westen erhalten, sowohl in Form von Ausrüstung/Geld als auch in Form von Ausbildung. Außerdem ist das ukrainische Militär zahlenmäßig viel größer als die kombinierten Kräfte der LDNR. Es wäre jedoch ein Fehler anzunehmen, dass die LDNR-Streitkräfte sich nur auf ihren Lorbeeren ausruhen und nicht wirklich hart daran arbeiten, einen qualitativen Sprung in ihren Fähigkeiten zu erreichen.

Die ukrainische Regierung arbeitet an einer weiteren Mobilisierung (in der Vergangenheit gab es viele solcher Mobilisierungswellen, von denen keine wirklich erfolgreich war), und in Anbetracht des Chaos im Lande ist es unwahrscheinlich, dass sie besser verlaufen als die vorherigen. Wenn wir etwas „Erbsenzählerei“ betreiben wollen, können wir sagen, dass Kiew theoretisch etwa 300.000 Soldaten mobilisieren könnte, während die stehenden LDNR-Kräfte etwa 30.000 Mann zählen (das sind die stehenden Kräfte vor der Mobilisierung). Wir müssen jedoch berücksichtigen, dass die ukrainischen Streitkräfte größtenteils aus Wehrpflichtigen bestehen, während die LDNR-Kräfte zu 100 % aus professionellen Freiwilligen bestehen, die für ihr eigenes Land und zur Verteidigung ihrer eigenen Familien und Freunde kämpfen. Das macht einen riesigen Unterschied!

Außerdem geht dieser rein numerische Vergleich, wie alle „Erbsenzählerei“, völlig am Thema vorbei. Der Punkt ist, dass die LDNR-Kräfte viel besser ausgebildet, ausgerüstet, kommandiert und motiviert sind. Darüber hinaus hatten die LDNR-Kräfte Jahre Zeit, sich auf einen Angriff der Ukronazis vorzubereiten, denn beide Seiten der Kontaktlinie sind jetzt stark befestigt. Dennoch und trotz alledem leidet die LDNR an einer großen Schwäche: keine strategische (oder gar operative) Tiefe. Schlimmer noch, die Stadt Donezk liegt buchstäblich an der Frontlinie.

Könnten die ukrainischen Streitkräfte die LDNR-Verteidigung „durchschlagen“? Ich würde sagen, dass dies nicht unmöglich ist, und „nicht unmöglich“ ist ernst genug, um eine Menge Vorbereitungen der russischen Streitkräfte zu rechtfertigen, um schnell einzugreifen und einen solchen Durchbruch der ukrainischen Streitkräfte zu verhindern. Verfügt das russische Militär über die Mittel, einen solchen Angriff zu stoppen?

Ja, absolut. Erstens liegt die gesamte LDNR buchstäblich direkt an der russischen Grenze, was bedeutet, dass so ziemlich jedes russische Waffensystem nicht nur in die LDNR, sondern sogar in die gesamte ukrainische taktische, operative und sogar strategische Tiefe „hineinreichen“ kann. Russland kann auch eine klassische Anti Access/Area Denial (A2/AD) „Kuppel“ über der LDNR mit einer Mischung aus Luftabwehr- und elektronischen Kriegssystemen aufstellen. Russische Raketen und Artilleriesysteme können nicht nur als Gegenfeuer eingesetzt werden, sondern auch zur Zerstörung angreifender ukrainischer Untereinheiten.

https://www.unian.info/war/1099656-ukrainian-troops-near-zelenopillya-burnt-to-the-ground-by-russian-grads-year-ago.html

Schließlich können bei Bedarf auch die russischen Streitkräfte auf der Krim und die Schwarzmeerflotte eingesetzt werden. Was die russischen Küstenverteidigungssysteme (Bal und Bastion) betrifft, so können sie das gesamte Schwarze Meer „abriegeln“.

Das größte Problem für Russland ist, dass es nichts davon tun kann, ohne eine riesige politische Krise in Europa auszulösen; stellt euch nur vor, was Leute wie Antony Blinken, Ned Price oder Jane Psaki zu einer solchen russischen Intervention sagen würden! Denkt daran, dass dies die Leute sind, die Russland sofort beschuldigt haben, Georgien angegriffen zu haben, nicht umgekehrt. Wir leben jetzt alle in der „Post-Truth“-Ära des „höchstwahrscheinlich“, nicht von Fakten.

Ich habe gesagt, dass seit Jahren der eigentliche Punkt eines ukrainischen Angriff auf den Donbass nicht wäre, die Region zurückzuerobern, sondern Russland zu zwingen, offen und somit unbestreitbar eingreifen. Dies ist ein feuchter Traum der Neokonservativen seit 2014 und es ist immer noch ihr ultimatives Ziel in der Ukraine. Wie würde also ein russischer Gegenangriff aussehen?

Phase drei: die russische Intervention

Zunächst eine Frage: Wusstet ihr, dass etwa 400.000 Bewohner der LDNR bereits russische Pässe haben? Ist das viel? Nun, die Gesamtbevölkerung der LDNR beträgt etwa 3,7 Millionen Menschen, also sind das mehr als 10% der Bevölkerung. Das ist aus zwei Gründen entscheidend: Erstens kann man diese russischen Bürger als eine Art Stolperdraht betrachten: Wenn genug von ihnen getötet werden, hat Putin keine andere Wahl, als zu ihrem Schutz einzugreifen, und in der Tat hat Putin viele Male deutlich gemacht, dass Russland niemals zulassen wird, dass die Ukraine Novorossia gewaltsam an sich reißt oder seine Bevölkerung massakriert. Zweitens gibt es viele Präzedenzfälle, in denen Länder (meist westliche) militärische Gewalt zum Schutz ihrer Bürger eingesetzt haben. Beispiele sind die USA sowohl in Grenada als auch in Panama, die Türken in Zypern und Syrien oder die Franzosen in vielen afrikanischen Ländern.

Als Nächstes, rein militärisch gesehen, verfügt Russland über jede Menge Abstandswaffen, die eingesetzt werden könnten, um jeden ukrainischen Angriff zu stören und zu stoppen, auch ohne die Entsendung einer Bodentruppe. Nicht nur das, sondern die russische Antwort muss sich nicht auf die Frontlinien beschränken – Russland könnte die Ukraine sogar in ihrer strategischen Tiefe angreifen und es gibt wirklich nichts, was die Ukrainer dagegen tun könnten. Dennoch glaube ich nicht, dass sich der russische Gegenangriff auf Abstandswaffen beschränken würde, hauptsächlich wegen der Notwendigkeit, die LDNR-Kräfte an der Frontlinie zu entlasten, die durch schwierige Verteidigungsoperationen erschöpft sein werden. Mit anderen Worten: Diesmal wird sich Russland nicht einmal die Mühe machen, seine Beteiligung zu leugnen; das wäre zum jetzigen Zeitpunkt sinnlos und kontraproduktiv.

Der Westen liebt Konzepte wie die „Verantwortung zum Schutz“ (R2P)? Gut so! Dann kann Russland sie auch nutzen.

https://www.un.org/en/genocideprevention/about-responsibility-to-protect.shtml

Natürlich bin ich nicht so naiv zu glauben, dass sich irgendjemand im Westen von Begriffen wie Fairness oder Präzedenzfällen beeindrucken lassen wird. Aber der Kreml wird dieses Argument nutzen, um das russische Volk weiter über die wahren Absichten des Westens aufzuklären. Dies ist in einem Wahljahr (was 2021 für Russland ist) besonders hilfreich für Putin, und dies wird sowohl die pro-westliche Opposition (aus offensichtlichen Gründen) als auch die anti-westliche „patriotische“ Opposition nur weiter schwächen, die keine andere Wahl haben wird, als eine militärische Intervention zur Rettung des Donbass voll zu unterstützen.

Phase vier: die Antwort des Imperiums

Ich glaube nicht eine Sekunde lang, dass irgendjemand im Westen freiwillig Selbstmord begehen und für eine militärische Intervention in der Ukraine oder gegen Russland eintreten wird. Die NATO ist ein „vorgetäuschtes“ Militärbündnis. In Wirklichkeit ist sie ein Instrument der USA, um Europa zu kontrollieren. Ja, historisch gesehen war der Vorwand für die NATO die angebliche Bedrohung durch die Sowjetunion und jetzt durch Russland, aber der wahre Grund für die NATO war immer, den europäischen Kontinent zu kontrollieren. Niemand im Westen glaubt, dass es sich lohnt, einen ausgewachsenen Krieg gegen Russland zu riskieren, nur wegen einer (relativ kleinen) russischen Militärintervention in der Ostukraine. Sobald es jedoch unbestreitbar ist, dass Russland interveniert hat (der Kreml wird sich nicht einmal die Mühe machen, dies zu leugnen!), wird die transnationale imperiale Nomenklatura, die das Imperium leitet, dies als eine wahrhaft historische Gelegenheit sehen, eine große Krise zu schaffen, die die russischen Positionen in Europa schwächen und die Kontrolle der USA über den Kontinent immens stärken wird.

Wir haben alle gesehen, wie die westlichen Politiker und Presstituierten eine (völlig gefälschte) russische Intervention im Donbass erfunden haben und wie sie sagten, sie würden Russland für die „Nichtumsetzung der Minsker Abkommen“ „bestrafen“. Wir können uns nur vorstellen, wie schrill und hysterisch diese Russland-hassenden Schreie werden, wenn Russland tatsächlich interveniert, ganz offen. Nochmals, wenn vergangenes Verhalten der beste Indikator für zukünftiges Verhalten ist, dann können wir sicher sein, dass westliche Politiker das tun werden, was sie immer tun: den Konflikt so lange wie möglich zu verschärfen und zu verlängern, aber ohne Russland direkt anzugreifen. Das ist der Zweck des ukrainischen Militärs: das Kanonenfutter für die AngloZionisten zu liefern.

Die wichtigste Phase vier: mögliche Ukronazi-Reaktionen

Darauf könnt ihr wetten: Selenski und der Rest der Clowns in der Rada sind keine militärischen Führer. Sogar ukrainische Militärkommandeure sind wirklich vom Typus der 3. Klasse (alle guten sind entweder weg oder gefeuert). Die erste Sorge der Leute in Kiew wird sein, die westlichen „Berater“ sicher aus dem Operationsgebiet zu evakuieren und dann sich und ihr Geld zu verstecken. Trotz all des Herumrennens in Kampfesmüdigkeit und trotz all der heißen Luft über Superwaffen wird das ukrainische Militär nicht länger als 48 Stunden als organisierte Kampftruppe existieren. Wie ich oben erwähnt habe, kann Russland leicht eine Flugverbotszone verhängen, nicht nur über die LDNR, sondern sogar über die gesamte Ostukraine. Russland kann auch grundsätzlich den Strom im ganzen Land abschalten. Nicht umsonst erklärte Putin 2018, dass jeder ernsthafte Angriff oder jede Provokation der Ukraine „sehr ernste Konsequenzen für die ukrainische Staatlichkeit als Ganzes haben wird„.

Dennoch wäre es äußerst gefährlich, das ukrainische Potenzial, Moskau echte Kopfschmerzen zu bereiten, einfach abzutun. Inwiefern?

Ich würde es den Ukrainern zum Beispiel zutrauen, mit einem Angriff gegen die Operative Gruppe der russischen Streitkräfte (OGRF) in Transnistrien zu drohen.

https://en.wikipedia.org/wiki/Operational_Group_of_Russian_Forces

Das ist eine kleine Truppe, weit weg von Russland, umgeben von feindlichen Nachbarn. Bedenkt, dass Tiraspol etwa 600 km westlich von Donezk liegt! Nicht nur das, auch wenn Moldawien kein Mitglied der NATO ist, aber Rumänien ist es. Die derzeitige Präsidentin der Republik Moldau, Maia Sandu, ist sowohl Rumänin als auch zutiefst antirussisch eingestellt. Aber während all dies wahr ist, denke ich, dass es auch wichtig ist, eine andere Tatsache im Auge zu behalten: Chisinau, die Hauptstadt der Republik Moldau, ist nur etwa 300 km von der Halbinsel Krim entfernt. Damit liegt ganz Moldawien in Reichweite der russischen Abstandswaffen und der schnellen mobilen Eingreiftruppen. Für die Moldawier wäre jeder Gedanke an einen Angriff auf die OGRF in Transnistrien wirklich verrückt, aber für ein verzweifeltes Ukronazi-Regime in Kiew könnte dies einer Niederlage gegen Russland vorzuziehen sein.

Natürlich hat das Ukronazi-Regime in Kiew seit der „Revolution der Würde“ wirklich keine Handlungsfähigkeit mehr. Alle Entscheidungen, die die Ukraine betreffen, werden von Onkel Shmuel und seinen Lakaien in Kiew getroffen. Die Frage, die wir uns also stellen sollten, wäre: Würde es jemand den Neokon-Verrückten im Weißen Haus nicht zutrauen, das Ukronazi-Regime in Kiew aufzuhetzen, um den Konflikt weiter auszuweiten und Russland zu zwingen, auch in Transnistrien zu intervenieren?

Einige Kommentatoren im Westen, und ein paar in Russland, haben vorgeschlagen, dass der „Biden“ Plan (vorausgesetzt, es gibt so etwas) wäre, gleichzeitige Krisen an verschiedenen Orten rund um Russland auslösen: im Donbass, aber auch das Schwarze und/oder Asowsche Meer, Georgien, Weißrussland, Transnistrien, Armenien, etc. Das Imperium könnte auch beschließen, auf Hillary Clintons Plan zurückzukommen, eine Flugverbotszone über den russischen Streitkräften in Syrien einzurichten. Ich bin mir nicht so sicher, dass dies im Moment die größte Bedrohung für Russland ist. Es gibt zum Beispiel einen guten Grund, warum Russland in Militärbezirke aufgeteilt ist: Im Falle eines Krieges wird jeder Militärbezirk zu einer unabhängigen Front, die autonom kämpfen, andere Fronten unterstützen und von den strategischen Fähigkeiten des russischen Militärs unterstützt werden kann. Mit anderen Worten: Das russische Militär kann mehrere große und gleichzeitige Krisen oder sogar Konflikte in seinen Nachbarstaaten bewältigen. Was Hillarys Flugverbotszone über Syrien betrifft, so ist es angesichts der unbestreitbaren Tatsache, dass alle CENTCOM-Basen in einem doppelten Fadenkreuz stehen (dem des Irans und dem Russlands), unwahrscheinlich, dass die USA einen solch gefährlichen Schritt versuchen würden.

[Nebenbemerkung: Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass die Anti-Putin-Propagandisten versuchen, uns davon zu überzeugen, dass Russland und Israel unter einer Decke stecken oder dass Putin der beste Kumpel von Netanjahu ist. Ich habe diesen Unsinn schon mehrmals angesprochen (siehe:

https://www.unz.com/tsaker/putin-and-israel-a-complex-and-multi-layered-relationship/

https://www.unz.com/tsaker/why-is-putin-allowing-israel-to-bomb-syria/

https://www.unz.com/tsaker/is-putin-really-ready-to-ditch-iran/

https://www.unz.com/tsaker/russia-israel-and-the-values-of-western-civilization-where-is-the-truth/

https://www.unz.com/tsaker/debunking-the-rumors-about-russia-caving-in-to-israel/

Also werde ich hier nicht alles wiederholen. Ich werde nur sagen, dass a) die russische Luftabwehr in Syrien mit der Verteidigung der russischen Einsatzkräfte in Syrien beauftragt ist, nicht mit dem syrischen Luftraum b) die syrische Luftabwehr einen hervorragenden Job macht und israelische Raketen abschießt. Diese syrische Luftabwehr zwingt die Israelis, weniger verteidigte und daher auch weniger wertvolle Ziele anzugreifen (z.B. einen Grenzposten zwischen Syrien und dem Iran), c) es gibt inzwischen zahlreiche Berichte über Fälle, in denen die russischen Luft- und Raumfahrtkräfte israelische Flugzeuge aus dem syrischen Luftraum vertrieben haben, und d) die israelischen Angriffe sind unbestreitbar gut für die israelische Moral und Propaganda (die „unbesiegbaren“ IDF!), aber der Punkt ist, dass sie am Boden absolut keinen Unterschied machen. In naher Zukunft hoffe ich, eine Analyse zu schreiben, die zeigt, dass diese Gerüchte über den Ausverkauf Russlands an Israel Teil einer US-PsyOp-Kampagne sind, um Putin zu Hause zu schwächen. Bleiben Sie dran]

Aus diesen Gründen glaube ich, dass das Imperium die Ukraine zu einer offenen Konfrontation mit Russland drängen wird, während es gleichzeitig sicherstellt, dass die US/NATO-Kräfte weit weg vom Geschehen bleiben. Tatsächlich wird aus Sicht der USA/NATO das Hauptziel des Angriffs erreicht sein, sobald Russland offiziell zugibt, dass russische Kräfte eingegriffen haben, um den ukrainischen Angriff zu stoppen: Ganz Europa wird einhellig Russland und Putin die Schuld für alles geben. Das wiederum wird zu einer dramatischen Verschlechterung der Sicherheitslage in der Ukraine und dem Rest Osteuropas führen. Ein neuer „Kalter Krieg“ (mit heißen Obertönen) wird zum bestimmenden Faktor in den Ost-West-Beziehungen werden. Was die NATO betrifft, so wird sie das alte Prinzip „die Russen draußen, die Amerikaner drinnen und die Deutschen unten halten“ wieder aufwärmen.

Phase fünf: die Situation nach dem Ende des Krieges

Nochmals, wenn vergangenes Verhalten der beste Indikator für zukünftiges Verhalten ist, können wir erwarten, dass die Russen viele Dinge tun werden, so wie sie es im 5-Tage-Krieg (eigentlich nur 3 Tage) gegen das von der NATO unterstützte Georgien am 08.08.08 getan haben. Zum Beispiel, unabhängig davon, wo genau das russische Militär tatsächlich beschließt, aufzuhören (könnte entlang der aktuellen Kontaktlinie sein, oder es könnte eine vollständige Befreiung des Donbass von den ukrainischen Besatzungstruppen beinhalten), wird dies ein kurzer Krieg sein (lange Kriege sind sowieso meistens Dinge der Vergangenheit). Das ukrainische Militär wird umfassend zerstört werden, aber die russischen Streitkräfte werden keine ukrainischen Großstädte einnehmen (so wie sie im Jahr 2008 auch kurz vor Tiflis stoppten). Wie ein LDNR-Offizier in einem Interview 2015 erklärte: „Je weiter wir nach Westen gehen, desto weniger werden wir als Befreier und desto mehr werden wir als Besatzer gesehen“. Er hat Recht, aber es gibt hier noch etwas viel Wichtigeres: Russland kann es sich einfach nicht leisten, die quasi total deindustrialisierte Ukraine wieder aufzubauen. Ungeachtet der Propaganda ihrer Kuratoren ist die Ukraine bereits ein gescheiterter Staat, und das schon seit Jahren. Und es gibt absolut nichts, was Russland von diesem gescheiterten Staat braucht. Absolut nichts. Das absolut LETZTE, was Russland heute braucht, ist, sich in den gleichzeitigen Bemühungen um die Wiederherstellung des ukrainischen Staates und der ukrainischen Wirtschaft zu verzetteln, während es alle Arten von neonazistischen nationalistischen Aufständen bekämpft.

Wenn sie versuchen, sich dem Kampf anzuschließen, dann werden sowohl die ukrainische Schwarzmeerflotte als auch die ukrainische Luftwaffe einfach verschwinden, aber Russland wird keine amphibischen Angriffe auf die ukrainische Küste starten.

Es gibt diejenigen, die aus moralischen und historischen Gründen wollen, dass Russland zumindest den ukrainischen Osten und den ukrainischen Süden (das Gebiet von Mariupol bis Odessa) befreit. Ich bin da kategorisch anderer Meinung. Es ist schön und gut, zu sagen: „Putin komm, und stell die Ordnung wieder her“, aber die Menschen in der Ukraine müssen sich selbst befreien und dürfen nicht erwarten, dass Russland sie befreit. Meinungsumfragen in Russland zeigen, dass die meisten Russen einen Krieg (oder eine langwierige Besetzung) kategorisch ablehnen, und ich sehe keine Anzeichen dafür, dass die Menschen in der Südukraine unbedingt vom russischen Militär befreit werden wollen. Diese ganze Vorstellung, dass Russland die Ukraine von der Nazi-Fäule befreit, ist ein ideologisches Konstrukt, das keine Grundlage in der Realität hat. Diejenigen, die immer noch von russischen Panzern in Kiew oder Dnjepropetrowsk träumen, werden bitter enttäuscht sein: Es wird nicht passieren.

Daher rechne ich fest damit, dass der ukrainische Staat am Ende dieses Krieges immer noch existieren wird, wenn auch in deutlich geschwächter Form. Außerdem ist es quasi sicher, dass, sollte das ukrainische Militär Novorossia angreifen, Russland wiederholen würde, was es 2008 getan hat und die LDNR-Republiken zusammen mit einer Art langfristigem Integrationsprogramm anerkennen würde. Unruhen und sogar Aufstände sind wahrscheinlich, nicht nur im Osten, sondern auch im Süden und Westen der Ukraine. Unnötig zu sagen, dass die EU und die NATO absolut verrückt spielen werden und ein weiterer „Vorhang“ (vielleicht ein „Salo-Vorhang“) den europäischen Kontinent erneut spalten wird, sehr zur Freude der gesamten Anglosphäre.

Am Ende dieses Prozesses wird die Banderastan-ähnliche Ukraine einfach in überschaubarere Brocken auseinanderbrechen, die alle unter den Einfluss ihrer mächtigeren und besser organisierten Nachbarn kommen werden.

Was Russland betrifft, so wird es sich größtenteils angewidert vom Westen abwenden und eine multipolare Welt mit China und den anderen Ländern der Zone B weiter entwickeln.

https://www.unz.com/tsaker/zone-b-exists-thus-there-is-hope-i-promise-you/

Fazit: Weg vom Abgrund, wieder einmal?

In Wahrheit sind das alles nur meine Spekulationen, niemand weiß wirklich, ob dieser Krieg wirklich stattfinden wird und wenn ja, wie er ablaufen wird. Kriege gehören zu den unvorhersehbarsten Ereignissen, daher die Anzahl der Kriege, die von der Partei verloren werden, die sie initiiert hat. Was ich oben dargestellt habe, ist ein mögliches Szenario unter vielen anderen. Das letzte Mal, als ein ukrainischer Angriff unmittelbar bevorzustehen schien, genügten Putins Worte über „sehr ernste Konsequenzen für die ukrainische Staatlichkeit als Ganzes“, um die Eskalation zu stoppen und Kiew davon zu überzeugen, nicht anzugreifen. Diesmal machen die Russen keine solchen Drohungen, aber das liegt nur daran, dass die Russen ohnehin nicht an die Wiederholung von Drohungen glauben.

Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Artikels kommt es zu schweren Zusammenstößen zwischen den (ukrainischen) VSU-Kräften und den Verteidigern der LDNR. Beide Seiten setzen Kleinwaffen, Granatwerfer und Artilleriesysteme ein. Einem gut informierten Blogger zufolge berichten ihm seine Quellen in Kiew folgendes:

„Vor einiger Zeit kam ein Befehl aus dem Büro des alten senilen Biden, die VSU auf eine Offensive im Donbass vorzubereiten, aber auf das endgültige Startsignal aus dem Weißen Haus zu warten. Gleichzeitig sagte diese Quelle auch, dass ähnliche Militäroperationen in anderen Ländern, in denen es russische Interessen gibt, durchgeführt werden, um die öffentliche Aufmerksamkeit vom Donbass abzulenken und jegliche Unterstützung für den Donbass zu schwächen“.

Es gibt noch viele weitere solcher Posts auf Telegram, einschließlich pro-ukrainischer Kommentatoren, die Gerüchte über russische Söldner verbreiten, die in der Nähe der Frontlinie östlich von Mariupol gesehen wurden. Wir können bereits sagen, dass die Informationsschlacht begonnen hat. Nur die Zeit wird zeigen, ob diese Schlacht in eine kinetische Schlacht übergehen wird oder nicht. Aber im Moment sieht es so aus, als ob „alle Systeme auf Go“ stehen.

Is the Ukraine on the brink of war (again)?

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/ukraine-am-rande-eines-krieges-10-03-2021/

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Steht die Ukraine (wieder mal) am Rande eines Krieges?

  1. und wieder marschieren ganze Trupps von Soldaten ohne Uniform Richtung Westen.

    Gefällt mir

    Verfasst von Schalk Gulag | 14. März 2021, 18:43

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Archiv

<span>%d</span> Bloggern gefällt das: