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Ausland, Lateinamerika

Rätedemokratie und Sozialismus: Das Beispiel Kuba

von Geronimo Marulanda und Meas Tintenwolf – https://revoltmag.org/

Vorbemerkung der Redaktion:
Am 23. Januar 2021 verabschiedete der Parteivorstand der Linken einen Beschluss der Parteiströmung „Emanzipatorische Linke (Ema.Li)“. Unter dem Titel „Solidarität mit Kuba“ wird nicht nur gegen die anhaltende und völkerrechtswidrige, jahrzehntelange Blocke Kubas durch den US-Imperialismus protestiert. Zugleich wird auf antikommunistische Kräfte anerkennend Bezug genommen, die die kubanische Gesellschaft von innen heraus „demokratisieren“ sollen. Dies stellt in der Geschichte der Linkspartei einen Tabubruch dar.
Angesichts der fortwährenden wirtschaftlichen, sozialen sowie politischen Destabilisierungsversuche Kubas durch US-amerikanische Sanktionen und ihre Förderung rechter Terrornetzwerke in Miami und auf Kuba, sind die Bezugnahmen auf die in der Resolution erwähnten „demokratischen Akteure“ gefährlich. Diese bergen die Gefahr, mit und trotz solidarischer Lippenbekenntnisse zu Kuba den US-Kurs der Isolation der sozialistischen Insel sowie den rechten Bemühungen um einen „regime change“ das Wort zu reden.
Dagegen regt sich innerhalb der internationalistischen Teile der Linkspartei
 Widerstand. Im Zuge der Tendenzen der Entsolidarisierung mit dem sozialistischen Kuba ist ein genauerer Blick auf das politische System notwendig, um nicht auf imperialistische und antikommunistische Lügen hereinzufallen. Die nachfolgende Debatte dient der revolutionären Linken auch hierzulande, fortschrittliche Tendenzen für die Suche nach brauchbaren gesellschaftlichen Gegenmodellen zur bürgerlichen Herrschaft diskutieren und finden zu können.

Wir Autoren teilen eine gemeinsame Geschichte in der autonomen Antifa-Bewegung. Lange Jahre definierten wir uns als „Antiautoritäre“ und „libertäre Sozialisten“. Wir taten dies in Abgrenzung zum Realsozialismus, und folgten damit dem Mainstream der deutschen Linken. Aber: Wir verhielten uns auch in diesen Jahren unserer politischen Biografie bereits solidarisch gegenüber Bewegungen, Organisationen und Ländern, die wir aus unserem damaligen Standpunkt heraus als „autoritär-sozialistisch“ ansahen. So sahen wir in der Revolution Kubas zum Beispiel ein politisch unterstützenswertes Projekt. Für das antiautoritäre Spektrum waren wir damit schon recht aufgeschlossen, wird Kuba in diesem Spektrum doch in eine Reihe mit allen möglichen anderen realsozialistischen Projekten gestellt und für gescheitert erklärt. Dass nicht alles an der antikommunistischen, antikubanischen Propaganda stimmt, konnten wir nicht zuletzt aufgrund mehrfacher Reisen und verbrachter Zeit vor Ort feststellen.

Heute feiert das kubanische Projekt auch 30 Jahre nach dem Zusammenbruch des Ostblocks sein Weiterbestehen. Das Überleben des kubanischen Modells gegen alle Widrigkeiten zeigt, abseits der persönlichen Erfahrung, auch objektiv auf, dass das Modell in einem anderen gesellschaftlichen Kontext entstanden ist und weiterentwickelt wurde, als etwa die ehemalige DDR. Es war damit schlussendlich nicht den gleichen Abwärtsdynamiken wie der sozialistische Ostblock erlegen. Auch von den Präfixen „libertär“ und „autoritär“ haben wir uns heute gelöst. Ebenso, wie uns der mit viel Bücherwissen vorgetragene Dogmatismus vieler marxistisch-leninistischer Deutungen nach wie vor nicht überzeugen vermag. Das kubanische Projekt soll hier dem rein ideologischen Kriterium von „Wissenschaftlichem Sozialismus oder Revisionismus/Utopismus“ unterworfen werden. Gerade anhand des kubanischen Projekts lässt sich aber gut zu erkennen, wie unzureichend solche Ideologie-reduktionistischen Auffassungen in der Realität eines sozialistischen Aufbaus sind, da sie von den konkreten Umständen abstrahieren. Diese lassen in aller Regel keine theoretischen 1:1 Schablonen zu. Wir sind daher der Meinung, dass aus dem Erfahrungsschatz des kubanischen Modells vieles gelernt und aufgearbeitet werden kann.

Die Grenzen eines schematischen marxistischen Schubladen-Denkens

Der Sieg der Kubanischen Revolution über die Batista-Diktatur am 01. Januar 1959 bedeutete ein Befreiungsschlag vom halbkolonialen Joch. Die wirtschaftliche Abhängigkeit von der landwirtschaftlichen Produktion jedoch blieb. Die UdSSR begann, Kuba den Zucker abzukaufen und versorgte den jungen sozialistischen Staat im Gegenzug mit Maschinen. Die ökonomischen Bedingungen für den Aufbau des Sozialismus waren aufgrund der zu beseitigenden halbfeudalen Strukturen, unter anderem ausgedrückt durch landlose Bäuer*innen, Wanderarbeiter*innen und einer mafiösen Oligarchie, die Industrie und Boden fest in ihrer Hand hielt, denkbar schlecht. Das Land war stark von Exporten abhängig, produzierende industrielle Sektoren fehlten weitgehend. Eine objektive, ökonomische Basis für eine sozialistische Revolution sieht in einer allzu schematischen und orthodoxen marxistischen Revolutionstheorie also ohnehin anders aus. Entsprechend ökonomistische Strömungen argumentieren daher, trotz aller historischer Gegenbeweise, bis heute gegen das kubanische Modell.

Nach subjektiven Faktoren bemessen war Kuba jedoch reif für diesen Schritt. Mit dem Movimiento 26 de Julio (deutsch: Bewegung des 26. Juli; kurz: M-26-7) um Fidel Castro, seinem Bruder Raúl, Camilo Cienfuegos sowie Ernesto »Che« Guevara, gab es eine in der Bevölkerung verankerte, starke revolutionäre Organisation, die zumindest linksnationalistisch antikolonial, aber eben damals schon auch marxistisch geprägt war. Die Bevölkerung litt zum Einen unter der Tyrannei der Diktatur, zum Anderen war die Schaffung sozialistischen/revolutionären Bewusstseins in der Bevölkerung aufgrund der langen antikolonialen Kämpfe von José Martí bis hin zu den Kämpfen kommunistischer Gruppen ab 1923 vorangeschritten.

Die Frage, ob die Revolution angesichts des Fehlens der objektiven ökonomischen Bedingungen einer entwickelten Industrie für einen sozialistischen Aufbau voluntaristisch gewesen sei, wird in Kuba, wie auch im Mehrheits-Leninismus, an dem Kuba sich nach wie vor orientiert, weitestgehend verneint. Sie ist auch nach allen bisherigen historischen Erfahrungen als zumindest kurzsichtig zu begreifen, auch wenn sie bestimmte real-existente Schwierigkeiten fasst. Wenn die kubanische Erfahrung etwas zeigt, dann dass der Sozialismus eben „als Bruch am schwächsten Glied der imperialistischen Kette“ (Lenin) in einem begrenzten Territorium unter ökonomisch widrigsten Bedingungen aufgebaut werden kann. Er unterliegt dann aber realen politischen und ökonomischen Beschränkungen, solange er einem starken kapitalistischen Gegner gegenübersteht (z.B. im Kalten Krieg). Er muss dann sogar objektive Rückschritte in Kauf nehmen, wenn er alleine und zunehmend ohne Verbündete gegen eine kapitalistische Weltordnung steht.

In Kuba muss er andere Voraussetzungen haben, als zum Beispiel in einer EU – dort wäre der Aufbau schon widrig genug. Die kubanische Erfahrung zeigt, dass ein allzu schematisches marxistisches Schubladendenken als theoretischer Maßstab die politische Realität nur unzureichend zu fassen vermag. Nur weil ein ökonomisch schwach entwickeltes, post-koloniales Land also bestimmte Beschränkungen im sozialistischen Aufbau zwangsläufig aufweist, ist das Eintreten der Kubaner*innen für ihre Revolution noch lange nicht „unmarxistisch“. Das zu behaupten ist allzu euro-chauvinistisch.

Sozialistischer Staat, Poder Popular und die kubanische Rätedemokratie

Nun wird Kuba aber immer wieder unterstellt, eine „Einparteien-Diktatur“ im Zuschnitt entsprechender realsozialistischer Projekte zu sein. Ist es dann nicht eventuell richtig, wenn im deutschen linken Mainstream vom „autoritären Sozialismus“ in Kuba gesprochen wird? Fakt ist, bei Kuba handelt es sich um einen Staat, unter den derzeitigen politischen Verhältnissen der Welt, sogar um einen Nationalstaat. Und Staaten als bürgerliches Konzept sind etwas, dass es im Laufe eines historischen Prozesses im Sinne einer sozialistischen Weltrepublik zu überwinden gilt. Die ultraradikale Ansicht vieler Anarchist*innen und Antiautoritären jedoch, der Staat sei bereits im revolutionären Kampf zu überwinden, lässt sich zumindest in Bezug auf Kuba allerdings durchaus in Frage stellen. Umringt durch imperialistische Staaten wäre das kleine Kuba als unzusammenhängende Konföderation anarchistischer Kommunen, beispielsweise im Sinne eines Michail Bakunin, längst zerfleischt worden.

Schon das staatlich organisierte, militärisch wehrhafte Kuba hatte es in diesem Punkt nicht immer leicht, sich gegen eingeschleuste Contra-Partisanen, wirtschaftliche Blockaden und den Terrorismus durch Alpha 66 und andere faschistisch gesinnte, exilkubanische Organisationen zur Wehr zu setzen. Es ist bekannt, dass letztere politisch, militärisch und finanziell durch den US-Imperialismus unterstützt werden. Zu glauben, die Staatlichkeit könne sofort mit der Revolution überwunden werden, bedeutet die Augen vor den gesellschaftlichen Realitäten eines aggressiven Weltkapitalismus und seiner staatlichen, bis an die Zähne bewaffneten, Exekutor*innen zu verschließen. In einer Welt, deren wirtschaftliche Basis der Kapitalismus ist, verschwindet der nationalstaatliche Überbau nicht nur aus Wunschdenken heraus. Die Theorie der „Diktatur des Proletariats,“ verstanden als Selbstverteidigungsorganisation gegen koloniale, kapitalistische Restauration und externe Aggression, beweist hier ihre Berechtigung gegen utopistische Verklärungen.

Die Existenz dieser Selbstverteidigungsorgane und ihre häufig unpopuläre repressive Funktion ist es, die in Kuba nach wie vor gegen antikommunistische Aktivist*innen geltend gemacht wird, und das kubanische Projekt für viele deutsche Internationalist*innen ohne Wissen über die kubanische Wirklichkeit als rein repressiv erscheinen lässt. Falsch hingegen ist die Behauptung, bei Kuba handele es sich angesichts dieser notwendigen Selbstverteidigungsmechanismen um eine repressive „Einparteien-Diktatur“. Richtig ist es vielmehr, von einer Doppelmacht von demokratisch-zentralistischer Kommunistischer Partei und klassischer Rätedemokratie zu sprechen. So wird sich seitens der kubanischen Kommunist*innen wenig um gesellschaftlichen Ausschluss aus öffentlichen Ämtern bemüht. So gibt es zum Beispiel nicht die Voraussetzung einer Parteizugehörigkeit zur Partido Comunista de Cuba (deutsch: Kommunistische Partei Kubas; kurz: PCC), um in die Asamblea Nacional del Poder Popular (deutsch: Nationalversammlung der Volksmacht), das kubanische Parlament und höchster Rat, gewählt zu werden. Gewählt wird – anders als in der BRD – nicht nach der Zugehörigkeit zu einer Partei, sondern lediglich im Direktmandat. Wahlwerbung ist verboten.

Die kleinsten, lokalen Einheiten der kubanischen Räte, die Barrios (deutsch: Nachbarschaften), wählen ihre Abgeordneten danach, wie sie sich für die Interessen der Menschen in ihrem Wahlkreis einsetzen. Einmal im halben Jahr müssen die Mandatierten Rechenschaft ablegen. Wer einmal Zeuge einer entsprechenden Versammlung geworden ist, wird feststellen, dass die Abgeordneten mitnichten geschont werden. Die Möglichkeit einer Abwahl, also des Entzugs des Mandates, steht jederzeit zur Verfügung. Es handelt sich um ein sogenanntes Imperatives Mandat. Ähnlich wurden auch historisch die Mandate in Rätedemokratien, und heute noch in anarchosyndikalistischen Organisationen, wie zum Beispiel der Freien ArbeiterInnen-Union (kurz: FAU) in Deutschland, erteilt oder entzogen.

Auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen werden politische Entscheidungen nicht einfach „autoritär“ von oben herab, sondern „von unten“ durch die gesellschaftliche Basis mit gefällt. Ein Beispiel hierfür ist der verfassungsgebende Prozess von 2018 bis 2019, in dessen Rahmen große Teile der kubanischen Verfassung überarbeitet wurden. Im August 2018 war ein erster Entwurf durch eine imperativ mandatierte Kommission erarbeitet und im Parlament verabschiedet worden. Dieser Entwurf wurde anschließend mit den verschiedenen Tageszeitungen verteilt, das heißt in den Stadtvierteln, Betrieben, Universitäten, Altersheimen und so weiter begannen dann Diskussionen über den Entwurf. Im Rahmen von 133.681 öffentlichen Versammlungen, den sogenannten consultas populares (deutsch: Volksbefragungen), konnten Änderungsanträge eingebracht werden. In den Versammlungen wurde der Entwurf Kapitel für Kapitel durchgegangen und alle Ideen, Bedenken, Streichungen, Modifizierungen, Ergänzungen und so weiter notiert. Insgesamt nahmen mehr als sieben Millionen Kubaner*innen an den Versammlungen teil. Auch Kubaner*innen mit Wohnsitz im Ausland, das heißt selbst jene exilkubanischen Dissident*innen in den USA, konnten digital an dieser Etappe des Verfassungsreformprozesses partizipieren.

Der Entwurf wurde durch die Kommission nun zu 40 Prozent überarbeitet. Das Ergebnis ging noch ein weiteres mal durch das Parlament und wurde, nachdem er erneut in der Bevölkerung verteilt und diskutiert worden war, am 24.02.2019 im Rahmen einer Volksabstimmung angenommen. An dieser nahmen 7.848.343 Personen teil und mehr als 70 Prozent der Wahlberechtigten stimmten für die neue Verfassung. Dass es im Rahmen solcher demokratischer Prozesse in Kuba teilweise auch zu heftigen Diskussionen und sogar zu Rückschlägen für die PCC kommen kann, zeigte nicht zuletzt die Auseinandersetzung um die Aufnahme gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in die Verfassung. Hier stand eine dies befürwortende PCC gegen die Mehrheit der Bevölkerung sowie der Kirche und musste schließlich klein bei geben.

Die Losung lautet: Unidad y Solidaridad – Einheit und Solidarität!

Angesichts der aktuellen objektiven Bedingungen, welche für eine einzelne sozialistische Insel direkt im Vorhof eines der mächtigsten imperialistischen Staaten der Erde nicht unbedingt die besten sind, ist das partizipative System Kubas schon vergleichsweise radikaldemokratisch. Nur von einer staatenlosen Welt zu träumen und vorbei an der kapitalistischen Realität eine abstrakt „antinationale“, statt einer realistisch „internationalen Solidarität“ zu fordern, wird den Kapitalismus genauso wenig überwinden, wie sich gegenseitig zur Abgrenzung zu kategorisieren. Die kubanische Erfahrung lehrt, dass dogmatische und schematische politische und theoretische Verständnisse begrenzt sind und sich an der Praxis eines widrigen Aufbaus beweisen und aktualisieren lassen müssen. Seit mehreren Jahren ist es in Deutschland wieder en vogue über Räteorganisation ins Gespräch zu kommen.

Diesbezüglich weist Kuba nahezu ein archetypisches Beispiel mit Erfahrungen aus mehreren Jahrzehnten der Praxis auf, die reflektiert und zumindest partiell rezipiert werden könnten. Die Kubaner*innen sind sich übrigens auch darüber einig, dass ihr Weg nicht einfach kopiert werden kann. Es ist der Weg, der zu den Bedingungen auf Kuba passt. Wichtig ist nicht, wie wir uns genau definieren, oder dass wir uns zu einem Einheitsbrei vermengen. Unsere Wege können unterschiedliche sein, solange wir sie doch als Einheit gehen, wenn uns der gleiche Klassenfeind gegenüber steht. In diesem Sinne das kubanische Unidad (Einheit) als politische Widerstandsbewegung, aber auch als Aufruf zu einem solidarischen und auch kritischen Austausch zwischen verschiedenen revolutionären Linken mit verschiedenen Strategien im gemeinsamen Kampf zu verstehen, kann jedenfalls als Inspiration bleiben.

Ob der neuerliche Aufbau einer kommunistischen Partei in Deutschland, Graswurzelkommunen, anarchosyndikalistische Gewerkschaftsföderationen oder Gegenmacht im Sinne eines Demokratischen Konföderalismus die erfolgversprechende Strategie sein kann, wird uns – ganz marxistisch gesprochen – die Praxis im revolutionären Kampf und kein abstraktes Bücherwissen zeigen.

https://revoltmag.org/articles/r%C3%A4tedemokratie-und-sozialismus-das-beispiel-kuba/

Diskussionen

2 Gedanken zu “Rätedemokratie und Sozialismus: Das Beispiel Kuba

  1. Eine Raetedemokratur sieht eher in Kuba so aus dass die Raete mit dem Oberdiktator genug zu fressen haben und dem Volke den Fraass vom Maul abluchsen dieweil das Volk selber das subventionierte Brot bekommt. Zum Fruehstucek gibts Brot mit Zucker und zu Mittag Brot mit Salz. Zu abend gibts dann nichts mehr da nichts vorhanden.
    Will man denn in solch Teufels Kueche kommen?
    Der Kommunismus kann uebrigens nur mit Christen funktionieren – ne Tatsache die Karl Marx, Stalin, Honecker, etc nie begriff. Denn dem Kommunismus fehlt der Anreiz zur Produktion. Wenn erst der Aufbrausch vorbei ist so arbeitet niemand umsonst oder macht die Sache nur widerwillig und halbherzig. In der DDR wurden regelmaessig Produktionsgueter und Materialien aus den Betrieben gestohlen und zum Privatzweck benutzt. Eben, man schanzte sich eingenhaendig die „Bezahlung“ zu. Deswegen produziert man in Kuba nichts ausser wohl Zuckerrohr und in Venezuela funktioniert auch nichts – auch wegen der horrenden Korruption in Venezuela.
    Warum sollte der Kommunist denn nicht seinen Kameraden bestehlen?
    Du sollst nicht stehlen steht nur in der Bibel. Und die will ja der Kommunist nicht. Also nehme jeder sich was ihm beliebt, bis die Sachen alle weg sind und die Leute stehen vor dem Nichts. So laeuft es in Venezuela und Kuba. Und daran ist weiss Gott nicht der Ami schuld dran sondern der Lateiner und zudem schwerwiegende Systemfehler aber vor allem die Abwesenheit des Christentums in kommunistischen Landen. Fuehrt da das Christentum als Staatsreligion ein und der Kommunismus hat wenigstens eine Chance zu funktionieren.

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    Verfasst von Moyses Comte de Saint-Gilles | 14. März 2021, 5:23
    • Ja, wohl wahr, die entscheidende Schwäche des Sozialismus ist, daß er kein Kapitalismus ist. Und die entscheidende Schwäche des Kapitalismus ist, daß er am Ende genau dahin führt, wo die Welt derzeit steht — vor der endgültigen Zerstörung von Mensch, Natur und Welt. Worin sich Marx und Nietzsche restlos einig waren. Welche beiden Geistesheroen sich übrigens nie begegnet sind. Lebte Marx doch bereits im englischen Exil, als Nietzsche noch ein Kind war.

      Doch während Marx für das Alleszerstörerische des Kapitals den tendentiellen Fall der Profitrate als ursächlich bestimmte, weil dieser zu immer rücksichtsloserer Ausbeutung von Mensch, Natur und Welt nötigt, sah Nietzsche tiefer in den geistesgeschichtlichen Kaninchenbau hinein. Was bei Marx das „Kapital“, war bei Nietzsche die „Moderne“. Und diese sei die „höchste Blüte des Christentums,“ so Nietzsche. Welches vor 400 Jahren ein protestantisches wurde. Und eben hier liegt der Kirchenhase im Pfeffer. Katholizismus legte der Leibeigenschaft den Grund, Protestantismus legte dem industriellen Kapital den Grund. Im Katholizismus ist Schwelgen in religiösem Prunk und Reichtum Ausdruck der Anwesenheit Gottes. Im Protestantismus aber ist dies die Kargheit, die Askese. Genuß wird gar zum Laster erklärt, und der Menschenleib ist nun nicht mehr gefährlich, weil er „sündig“ ist, sondern weil er in der betriebswirtschaftlichen Rechnung Kosten darstellt — variables Kapital bzw. Fertigungslöhne sind Kosten, die der Erhaltung des Leibes des Arbeiters dienen. Und da Kosten gering zu halten sind, ist der menschliche Leib entsprechend geringzuschätzen. Kosten senken und Askese, nicht religiöser Prunk!

      So nun immer feste druff auf den proletarischen Leib, um aus ihm alles an Profit zu extrahieren, was irgendwie drin ist. Nur der unsichtbare abstrakte Reichtum in Form von Talern ist gottgefällig (am abstraktesten und darum am gottgefälligsten sind Digi-Taler). Reiner als Taler kann Macht nicht sein. Und so kann Christus nur nachfolgen, wer mehr und mehr Taler akkumuliert? Nein, nicht lachen, bitte! Ganz ohne Scheiß, aber die frühen Protestanten haben dies exakt so und nicht anders gesehen. Und etliche sehen es auch heute noch so. Luther, Calvin, Zwingli und Genossen waren krass durchgeknallt. Und etliche ihrer Anhänger sind dies auch heute noch. Eine Durchgeknalltheit, welche übrigens bis in frühe Imperien der Antike zurückverfolgbar ist. Dahinter eine Kosmologie, welche als Geist-Materie-Dualismus bekannt ist (siehe z.B. den Gottpharaonen Echnaton). Marx: „Kapital ist Kommando über Menschen.“ Das Kommando eines Gottgleichen über Sklaven. Heute des Eugenikers Bill Gates über 7 Milliarden ihm und seinen Impfstoffen wehrlos Ausgelieferte. So der feuchte protestantische Traum des vamperialistischen Kapitals.

      Der katholische Leibeigene stand noch nicht unter der Peitsche von Warenstückzahl pro Zeiteinheit, sondern folgte einem von Tradition und Jahreszeiten festgelegten „Tagwerk“. So es denn eine technische Erfindung geben sollte, die ureigentlich protestantisch ist, dann wäre dies die minutengenau gehende Uhr. Ohne diese kein industrielles Kapital.

      Nietzsche sah in allem Kirchenchristentum die Verteufelung des Leiblichen, Materiellen und Natürlichen am Werke. Nur daß sich dies vom Katholizismus zum Protestantismus hin in der beschriebenen Weise massiv verschärft hat. So denn ist die Moderne, also Protestantismus bzw. in privaten oder in staatsbürokratischen Händen akkumulierendes industrielles Kapital, ganz richtig die „höchste Blüte des Christentums“. Ist modernes Kapital doch immer mehr exzessive Feindschaft gegen Mensch, Natur und Welt geworden: zuletzt Vamperialismus.

      Who’s to blame? Der Wahnsinn. Der auch dann nicht Einsicht in seine Wahnsinnigkeit nehmen will, nachdem der tendentielle Fall der Profitrate ihm die perverse religiöse Freude am Akkumulieren von Machttalern verdorben hat. Er macht einfach weiter, der gute alte christliche Wahnsinn, und wird jetzt zu Neuer Weltordnung, zu digital exekutierter totalitärer Sklaverei.

      Also gilt es, das Kapital neu zu erfinden. Nicht mehr sollen die Menschen, die Natur und die Welt dem Kapital dienen, der Vermehrung von Geld. Sondern das Kapital, welches mit Marx und Engels gesehen geronnene leibliche Arbeit ist, soll den Menschen, der Natur und der Welt dienen. Wie auch sonst. Allein dieses letztere ist unwahnsinnig.

      Wie Nietzsche es feststellte, starb der einzige Christ am Kreuz. Sind die christlichen Kirchen letztlich allesamt Teufelswerk? In «Der Antichrist» legt Nietzsche exakt dies dar. Alle christliche Religion dient der Versklavung der Vielen unter die Wenigen. Unter den Teufelsdienst Wahnsinniger.

      Die Frage ist also mit Kapitalismus und Sozialismus nicht genügend exakt gestellt. Sie muß lauten: Tod oder Leben, Teufel oder Gott. Gemeint jener Gott, von dem der einzige Christ kündete. Der, welcher lehrte, sich keine Schätze zu sammeln, die – wie Marx und Engels sagen würden – vom tendentiellen Fall der Profitrate wie von Motten zerfressen werden. Jener Christus sagte, er bringe nicht den Frieden, sondern das Schwert. Wem anders wohl, wenn nicht dem Kapital. Denn jener einzige Christ forderte, nicht für weltlichen Lohn zu arbeiten. Und siehe da, Marx und Engels wiesen nach, daß alles auf geldliche Akkumulation ausgehende Kapital die Lohnarbeit zur allerersten Voraussetzung hat — daß Menschen einwilligen, ihre leibliche Arbeitskraft gegen Geld, und so sich selbst in die Sklaverei zu verkaufen.

      Christus: „Ihr könnt nicht zwei Herren zugleich dienen, Gott und dem Mammon.“ Marx, Engels und Nietzsche haben zwar andere Worte gewählt als Christus, aber genau das selbe gesagt.

      Wer also ist hier der Atheist.

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      Verfasst von No_NWO | 14. März 2021, 17:25

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