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Ausland, Nordamerika

Biden will die USA einen – durch einen Krieg?

von Finian Cunningham – https://www.luftpost-kl.de/

Der britische Journalist Finian Cunningham befürchtet, dass die Biden-Administration versuchen wird, die tiefe Spaltung der US-Bevölkerung mit einem vom Zaun gebrochenen neuen Krieg zu „heilen“.

Präsident Joe Biden hat an die US-Bürger appelliert, die bestehende Spaltung zu überwinden. In seiner Antrittsrede vor dem Capitol hat er sie immer wieder zur „Einigkeit“ aufgerufen.

Sein Appell war auch dringend notwendig, denn die US-Amerikaner sind in zwei unversöhnlich scheinende Lager gespalten. Der vorherige republikanische Präsident Donald Trump hat nicht an der Amtseinführung seines Nachfolgers teilgenommen; eine derartige Brüskierung gab es zuletzt vor fast 150 Jahren.

Viele der 74 Millionen Trump-Wähler sind immer noch davon überzeugt, dass die Demokraten die Wahl gestohlen haben. Sie machen sich über Bidens Aufforderung zur Einigkeit lustig, weil sie ihn für einen „Marxisten“ halten. Das ist zwar absurd, denn Biden ist in Wirklichkeit ein Erzkapitalist und Imperialist, seine Gegner glauben aber trotzdem, er sei ein „Linker“.

Für viele Anhänger der Demokraten sind alle Trump-Unterstützer „verrückte weiße Rassisten, Faschisten und einheimische Terroristen“, die „umgepolt“ werden müssten. Aber diese Verallgemeinerung gilt nicht für alle, sondern allenfalls für die ProudBoys (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Proud_Boys ), die Oath Keepers (s. https://de.wiki-pedia.org/wiki/Oath_Keepers ) und die QAnon-Anhänger (s. https://de.wikipedia.org/ wiki/QAnon ).

Biden braucht also eine „zündende Idee“, um Menschen mit derart konträren Obsessionen und Ansichten wieder zusammenführen zu können. Dabei muss auch bedacht werden, dass die Demokraten einen großen Teil der Schuld an der inneren Spaltung der USA tragen und „Trumps Demagogie“ nicht allein dafür verantwortlich machen können. Seit der Wahl im Jahr 2016 haben die Demokratische Partei und ihr nahestehende Mainstream-Medien Trump und seine Regierung ständig diffamiert – mit der absurden Behauptung, Russland habe ihm zum Wahlsieg verholfen (und er sei eine Marionette Putins). Deshalb ist es ziemlich vermessen, wenn Präsident Bi-den glaubt, allein mit seiner „Aufforderung zur Einigkeit“ die Trump-Anhänger auf seine Seite ziehen zu können.

Die USA befinden sich – was ihre Außenpolitik angeht – in einer existenziellen Krise. Wenn es (Biden) nicht gelingt, die Einigkeit darüber wieder herzustellen, steht die Legitimierung seiner Regierungsgewalt auf dem Spiel.

Dass Biden in seiner Antrittsrede die verzweifelte Aufforderung zur Einigkeit mehrfach wiederholt hat, zeigt, dass er sich dieser gefährlichen Zwangslage bewusst ist.

Deshalb hat er auch gesagt: „Wir müssen unsere Kräfte vereinen und die hitzigen Streitereien beenden, weil es ohne Einigkeit keine Versöhnung gibt, sondern nur Bitterkeit und Wut. Wenn die gegenseitigen Anfeindungen andauern, gibt es keinen Fortschritt, sondern nur Niedergang. In diesem historischen Moment können wir nur vereint die Krise überwinden und uns den Herausforderungen stellen.“

Biden warnte, ohne Einigkeit könne ein Staat nicht existieren, er versinke dann im Chaos. Dieser Gedanke scheint der politischen Klasse und der Oligarchie der USA Alpträume zu bereiten.

Und wie könnten sie die herbeigesehnte Einigkeit am schnellsten wieder herstellen?

[s. dazu auch https://sputniknews.com/us/202012161081483118-biden-campaign-mana-ger-says-theres-good-chance-of-unity-with-bunch-of-republican-fers/ ]

Wenn der US-Imperialismus seine Existenz bedroht sah, hat er sie bisher immer durch Kriege mit anderen Ländern zu sichern versucht.

Mit einem weiteren Krieg gegen einen „ausgesuchten ausländischen Feind“ könnte die herrschende Klasse der USA auch in dieser innenpolitischen Krise versuchen, die US-Bevölkerung an ihre „patriotische Pflicht“ zu erinnern, damit sie sich (zum gemeinsamen Kampf) unter dem „Sternenbanner“ vereint. So konnten für die Herrschenden gefährlich werdende innere Probleme, die Wut über die schreiende wirtschaftliche Ungleichheit, innenpolitische Gegensätze und das Misstrauen gegenüber der Regierung und staatlichen Behörden bisher immer zurückgedrängt werden.

Ein historischer Rückblick stützt diese Vermutung. In fast 90 Prozent der Zeit, die seit ihrer Gründung vor 245 Jahren vergangen ist, haben die USA Krieg geführt. Eigentlich haben alle bisherigen 45 US-Präsidenten Kriege angefangen oder laufende fortgesetzt. Deshalb konnte sich Trump auch damit brüsten, „keinen eigenen Krieg begonnen zu haben“. Das spricht für ihn, obwohl auch er dem Iran und China mit Krieg gedroht hat.

Unter Berücksichtigung historischer Parallelen stehen auch unter dem 46. US-Präsidenten Biden wieder alle Zeichen auf Krieg.

Schon als Senator und als Vizepräsident hat Biden die Kriege in Afghanistan, im Irak, in Libyen, in Syrien und anderswo voll unterstützt. Warum sollte er in fortgeschrittenem Alter plötzlich aufhören, ein Kriegstreiber zu sein?

Außerdem werden seinem Kabinett Leute angehören, die schon unter Obama Regimewechsel und eine aggressive Politik gegen Russland und China befürwortet haben (s. dazu auch https://de.wikipedia.org/wiki/Kabinett_Biden ).

Dazu gehören Figuren wie Antony Blinken (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Antony_Blin-ken ), der Außenminister werden soll, Victoria Nuland (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Vic-toria_Nuland ), die 2014 maßgeblich an der Inszenierung des Umsturzes in der Ukraine beteiligt war (und Staatssekretärin im Außenministerium werden soll), Avril Haines (s. dazu auch https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=Avril+Haines ), eine ehe-malige stellvertretende Direktorin der CIA und Befürworterin der Drohnen-Morde (die Di-rektorin aller US-Geheimdienste werden soll), und Lloyd Austin, (ein in Kriegen bewährter General im Ruhestand, der Verteidigungsminister werden soll, s. https://de.wikipe-dia.org/wiki/Lloyd_Austin ).

Das Biden-Team will durch die Einbeziehung von Personen, die als „liberal“ gelten, den Eindruck erwecken, politisch ausgewogen zu sein. Es wird aber von Falken und Befürwortern des kriegerischen US-Imperialismus dominiert, die natürlich zynisch über „hehre Prinzipien“ und „globale Führungsansprüche“ schwadronieren.

Schon während ihrer Anhörungen im Senat haben sich Herr Blinken und Frau Haines (die künftige Chefin aller US-Geheimdienste) für eine konfrontative Politik gegenüber China und Russland ausgesprochen, während Biden die US-Amerikaner flehentlich zur „Einigkeit“ aufforderte.

Je verzweifelter die US-Bürger zu neuer „Einigkeit“ gedrängt werden, desto größer wird die Gefahr eines neuen Krieges, der diese Einigkeit befördern soll.

Wenn die US-Amerikaner und der Rest der Welt glauben, nach Trumps Abgang könnte wieder alles „normal“ werden, sollten sie bedenken, was US-Regierungen für „normal“ halten. Für die herrschende Klasse der USA war das „normale Mittel“ zur Überwindung einer inneren Krise schon immer ein neuer Krieg.

Finian Cunningham hat viele Artikel über internationale Angelegenheiten in mehreren Sprachen veröffentlicht. Er ist Master der Agrarchemie und hat als wissenschaftlicher Redakteur für die Royal Society of Chemistry in der englischen Stadt Cambridge gearbeitet, bevor er sich dem Journalismus zuwandte. Er ist auch Musiker und Songschreiber. Fast 20 Jahre lang hat er als Redakteur und Autor für wichtige Nachrichtenmedien wie The Mirror, die Irish Times und The Independent gearbeitet. Dieser Artikel wurde zuerst von Sputnik veröffentlicht (s. (s. https://sputniknews.com/columnists/202101211081840092-bidens-unity-by-war/ ).

 

(Wir haben den Artikel, der alle, die den Wechsel in Washington bejubeln, wachrütteln sollte, komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in runden Klammern versehen. Den Link in eckigen Klammern hat der Autor selbst eingefügt.)

 

http://www.informationclearinghouse.info/56228.htm

ttps://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_19/LP01221_120221.pdf

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