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Ausland, Nordamerika

Der zerstörerische Plan hinter der Biden-Russland-Agenda

von F. William Engdahl – https://www.theblogcat.de/

Die neue Biden-Administration hat vom ersten Tag an deutlich gemacht, dass sie eine feindliche und aggressive Politik gegen die Russische Föderation von Wladimir Putin betreiben wird. Die Politik hinter dieser Haltung hat nichts mit irgendwelchen üblen Taten zu tun, die Putins Russland gegen den Westen begangen haben mag oder nicht. Sie hat nichts mit den absurden Behauptungen zu tun, Putin habe den pro-amerikanischen Dissidenten Alexej Navalny mit dem ultratödlichen Nervenkampfstoff Nowitschok vergiften lassen. Es hat mit einer viel tieferen Agenda der globalistischen Powers That Be zu tun. Diese Agenda ist es, die jetzt vorangetrieben wird.

Die Kabinettsauswahl von Joe Biden verrät viel. Seine wichtigsten außenpolitischen Entscheidungen – Tony Blinken als Außenminister und Victoria Nuland als Unterstaatssekretärin für politische Angelegenheiten; Bill Burns als CIA-Chef; Jake Sullivan als Nationaler Sicherheitsberater; Avril Haines als Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes (DNI) – stammen alle aus der Obama-Biden-Administration und haben alle eng zusammengearbeitet. Außerdem sehen alle Russland, nicht China, als die Hauptbedrohung für die globale Hegemonie der Vereinigten Staaten.

Als Kandidat hat Joe Biden dies oft betont. Seine wichtigsten außenpolitischen Entscheidungen unterstreichen, dass sich der Schwerpunkt bei der Biden-Administration, unabhängig davon, wie fit Biden selbst ist, von der Bedrohung durch China auf die durch Putins Russland verlagern wird. Bidens CIA-Chef, Bill Burns, ist ein ehemaliger Botschafter in Moskau und war stellvertretender Außenminister während des Obama-CIA-Staatsstreichs in der Ukraine im Jahr 2014. Bemerkenswerterweise wurde Burns, als er im November 2014 das Außenministerium verließ, von Tony Blinken, dem heutigen Außenminister, abgelöst. Blinken formulierte angeblich die Antwort des US-Außenministeriums auf Russlands Krim-Annexion.

Nuland hat eine Schlüsselrolle

Alle Biden-Picks sind einheitlich klar in der Beschuldigung Putins Russland für alles – von US-Wahleinmischung im Jahr 2016 bis zum jüngsten SolarWinds US-Regierung Computer-Hack, und jede andere Behauptung, die in den letzten Jahren gegen Russland ausgestrahlt wurdet, ob bewiesen oder nicht.

Bei dem Versuch, festzustellen, was die neue Biden-Administration und die US-Geheimdienste in Richtung Putin und Russland auf Lager haben, ist der beste Hinweis darauf jedoch die prominente Rolle, die Victoria Nuland gegeben wurde. Jener Person, die zusammen mit dem damaligen Vizepräsident Joe Biden die politische Seite des US-Staatsstreichs in der Ukraine in 2013-14 betrieb. Sie wurde berüchtigterweise in einem Telefonat mit dem US-Botschafter in Kiew während der Proteste auf dem Maidan-Platz 2013-14 abgehört, in dem sie dem Botschafter Geoffrey Pyatt in Bezug auf die Wahl der EU für ein neues Regime in der Ukraine sagte: „F**k the EU.“ Ihr Ehemann, Robert Kagan, ist ein berüchtigter Washingtoner Neokon.

Als sie nach Trumps Wahl 2016 die Regierung verließ, wurde Nuland Senior Counselor bei der Albright Stonebridge Group, die von der ehemaligen Clinton-Außenministerin Madeleine Albright geleitet wird, die auch Vorsitzende des National Endowment for Democracy (NED) Tochterunternehmens National Democratic Institute ist. Nuland trat nach 2016 auch in den Vorstand des NED ein und hält engen Kontakt zu den Regimewechsel-Operationen des NED. Sie ist eine Russland-Expertin, spricht fließend Russisch und ist eine Spezialistin für den Sturz von Regimen.

Als Obamas stellvertretende Außenministerin für eurasische und europäische Angelegenheiten im Jahr 2013 arbeitete Nuland eng mit Vizepräsident Joe Biden zusammen, um Arseniy Yatsenyuk durch einen US-freundlichen und russlandfeindlichen Putsch in der Ukraine an die Macht zu bringen. Sie förderte monatelange Proteste gegen das Regime des gewählten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch, um seinen Sturz nach seiner Entscheidung, der russischen Eurasischen Wirtschaftsunion beizutreten, zu erzwingen. Der Gründer der privaten Nachrichtendienstgruppe Stratfor, George Friedman, nannte es in einem Interview kurz nach dem Putsch im Februar 2014 in Kiew „den krassesten Putsch in der (US-)Geschichte.“
https://russia-insider.com/en/politics/stratfor-chiefs-most-blatant-coup-history-interview-translated-full/ri2561

Neue Initiativen

In einem großen Artikel in der Augustausgabe 2020 von Foreign Affairs, der Zeitschrift des New Yorker Council on Foreign Relations (CFR), skizziert Nuland, was höchstwahrscheinlich die US-Strategie zur Unterminierung Russlands in den kommenden Monaten sein wird. Sie beklagt, dass „Resignation über den Zustand der amerikanisch-russischen Beziehungen eingetreten ist und die Amerikaner das Vertrauen in ihre eigene Fähigkeit verloren haben, das Spiel zu ändern.“ Mit anderen Worten, es geht ihr darum, „das Spiel“ mit Putin zu ändern. Sie klagt an, dass „Russland in den letzten 12 Jahren Rüstungskontrollverträge verletzt hat; neue, destabilisierende Waffen eingesetzt hat; die Souveränität Georgiens bedroht hat; die Krim und große Teile des Donbass beschlagnahmt hat; und Despoten in Libyen, Syrien und Venezuela gestützt hat. Es seien Cyberwaffen gegen ausländische Banken, Stromnetze und Regierungssysteme eingesetzt worden, Russland habe sich in ausländische demokratische Wahlen eingemischt und seine Feinde auf europäischem Boden ermordet.“

https://www.foreignaffairs.com/articles/russian-federation/2020-06-09/pinning-down-putin

Sie fährt fort, dass die wiederholten US-Wirtschaftssanktionen gegen ausgewählte russische Banken und Unternehmen sowie Putin-Unterstützer wenig dazu beigetragen haben, die russische Politik zu ändern, und behauptet, dass „die Sanktionen der USA und ihrer Verbündeten, obwohl sie anfangs schmerzhaft waren, bei übermäßiger Anwendung undicht oder impotent geworden sind und den Kreml nicht mehr beeindrucken.“

Aber Nuland deutet an, dass Putins Russland heute so verwundbar ist wie nie in den letzten 20 Jahren: „Was den russischen Präsidenten beunruhigen sollte, ist die Stimmung im Inneren Russlands. Trotz Putins Machtausübung im Ausland könnten 20 Jahre Versäumnis, in die Modernisierung Russlands zu investieren, ihn langsam einholen. Im Jahr 2019 betrug das BIP-Wachstum Russlands anämische 1,3 Prozent. In diesem Jahr könnten die Coronavirus-Pandemie und der freie Fall des Ölpreises zu einem erheblichen Wirtschaftsrückgang führen… Russlands Straßen, Schienen, Schulen und Krankenhäuser bröckeln. Die Bürger sind unruhig geworden, weil versprochene Infrastrukturausgaben nicht getätigt werden und ihre Steuern und das Rentenalter steigen. Die Korruption grassiert weiter, und die Kaufkraft der Russen schrumpft weiter.“

In ihrem CFR-Artikel plädiert Nuland dafür, „Facebook, YouTube und andere digitale Plattformen zu nutzen… es gibt keinen Grund, warum Washington und seine Verbündeten nicht eher bereit sein sollten, Putin innerhalb Russlands eine Dosis seiner eigenen Medizin zu verabreichen, während er die eigene Verleugnung beibehält.“ Sie fügt hinzu, dass, weil die Russen das Internet in großem Umfang nutzen und es weitgehend offen ist, „trotz Putins bester Anstrengungen das Russland von heute durchlässiger sei. Junge Russen konsumieren Informationen und Nachrichten viel eher über das Internet als über die staatlich geförderten TV- oder Printmedien. Washington sollte versuchen, mehr von ihnen dort zu erreichen, wo sie sind: in den sozialen Netzwerken Odnoklassniki und VKontakte, auf Facebook, Telegram und YouTube sowie auf den vielen neuen russischsprachigen digitalen Plattformen, die aus dem Boden schießen.“

Navalny

Um die Zeit herum, als Nuland ihren Juli-August Foreign Affairs Artikel einreichte, war der langjährige Putin-Gegner Alexey Navalny in Berlin, angeblich erholte sich von dem, was seiner Ansicht nach ein Versuch von Putins Geheimdienst war, ihn mit dem hochgiftigem Nervenkampfstoff Nowitschok zu tötenk. Navalny, ein in den USA ausgebildeter Oppositioneller, der 2010 Stipendiat der Yale University war und seit über einem Jahrzehnt versucht, eine starke Anhängerschaft zu gewinnen, hat nachweislich Geld von Nulands National Endowment for Democracy erhalten, deren Gründer in den 1990er Jahren beschrieb, dass sie das tut, „was die CIA früher getan hat, aber privat.“ Im Jahr 2018 hatte Navalny laut NPR in den USA mehr als sechs Millionen YouTube-Abonnenten und mehr als zwei Millionen Twitter-Follower. Wie viele davon vom US-Geheimdienst bezahlte Bots sind, ist nicht bekannt. Jetzt, fünf Monate nach dem Exil in Berlin, machte Navalny eine mutige Rückkehr, wo er wusste, dass er wahrscheinlich Gefängnis für vergangene Anklagen riskierte. Es war offensichtlich ein klares Kalkül von seinen westlichen Sponsoren.

Die NGO der US-Regierung für den Farbrevolutions-Regimewechsel, die NED, greift in einem am 25. Januar veröffentlichten Beitrag Nulands Aufruf zu einer von den sozialen Medien angeführten Destabilisierung Putins wieder auf. Über die Verhaftung Navalnys in Moskau nur drei Tage vor der Amtseinführung Bidens schreibt die NED: „Indem er ein Modell der politischen Guerilla-Kriegsführung für das digitale Zeitalter geschaffen hat, hat Navalny den völligen Mangel an Vorstellungskraft und die Unfähigkeit des Regimes entlarvt….“. Sie fügen hinzu: „Putin befindet sich in einer Zwickmühle: Wenn Putin Navalny tötet, könnte das mehr Aufmerksamkeit auf das Problem lenken und die Unruhen verschlimmern. Wenn Putin Navalny leben lässt, dann bleibt Navalny ein Fokus für den Widerstand, ob er nun im Gefängnis ist oder nicht… Navalny hat Putin seit der Vergiftung bei jeder Gelegenheit ausmanövriert. Es wird langsam ein bisschen demütigend für ihn.“

Nach seiner angeblich verpfuschten Vergiftung im August in Russisch-Fernost wurde Navalny von der russischen Regierung erlaubt, zur Behandlung nach Berlin zu fliegen, ein seltsamer Akt, wenn Putin und der russische Geheimdienst ihn wirklich tot sehen wollten. Was in den dazwischen liegenden fünf Monaten im Exil eindeutig geschah, legt nahe, dass Navalnys Rückkehr von ungenannten Regime-Change-Spezialisten westlicher Geheimdienste professionell vorbereitet wurde. Der Kreml hat sich auf Geheimdienstinformationen berufen, die zeigen, dass Navalny im Exil direkt von CIA-Spezialisten unterrichtet wurde.

Nach Navalnys Verhaftung in Moskau am 17. Januar, veröffentlichte seine Anti-Korruptions-NGO eine anspruchsvolle YouTube-Dokumentation auf Navalnys Kanal, die angeblich einen riesigen Palast am Schwarzen Meer zeigt, der angeblich Putin gehört, mit einer Drohne gefilmt, keine geringe Leistung. In dem Video ruft Navalny die Russen auf, gegen dem angeblich milliardenschweren „Putin-Palast“ zu demonstrieren, um gegen Korruption zu protestieren.

Navalny, der eindeutig von hochentwickelten US-Spezialisten für Informationskriegsführung und Gruppen wie der NED unterstützt wird, wird wahrscheinlich angewiesen, eine Bewegung aufzubauen, um die Kandidaten der Partei „Einiges Russland“ bei den Dumawahlen im September herauszufordern, bei denen Putin nicht kandidiert. Ihm wurde sogar eine neue Taktik an die Hand gegeben, die er als „smart voting“-Strategie bezeichnet, eine charakteristische NED-Taktik.

Stephen Sestanovich, Russland-Experte des New York Council on Foreign Relations und ehemaliges Vorstandsmitglied der NED, deutete den wahrscheinlichen Spielplan des neuen Biden-Teams an. Am 25. Januar schrieb Sestanovich im CFR-Blog: „Das Putin-Regime bleibt stark, aber die landesweiten Proteste zur Unterstützung von Alexei Navalny sind die ernsthafteste Herausforderung für das Regime seit Jahren. Oppositionsführer Alexej Navalny zeigt eine politische Kreativität und taktisches Geschick, mit denen Putin bisher nicht konfrontiert war. Wenn die Proteste anhalten, könnten sie Schwachstellen in seiner jahrzehntelangen Machtausübung aufdecken.“ Dies war zwei Tage nach den russlandweiten Protesten, die die Freilassung Navalnys aus dem Gefängnis forderten. „Mit seiner mutigen Entscheidung, nach Moskau zurückzukehren, und der Veröffentlichung eines viel beachteten Videos, das angeblich die Korruption des Regimes aufdeckt, hat sich Navalny als fähige und einfallsreiche politische Figur erwiesen – selbst aus dem Gefängnis heraus ist er vielleicht der stärkste Gegner Putins“, schrieb er. „Die strategische Raffinesse von Navalnys Team wird sowohl durch seine Videoveröffentlichung als auch, davor, durch seine Enthüllung der Mitarbeiter des Föderalen Sicherheitsdienstes (FSB), die ihn letzten Sommer vergiftet haben, unterstrichen.“

Die klare Entscheidung des Biden-Teams, einen ehemaligen Moskauer Botschafter zum Leiter der CIA und Victoria Nuland zur Nummer 3 im Außenministerium zu ernennen, sowie seine anderen geheimdienstlichen Entscheidungen deuten darauf hin, dass in Zukunft die Destabilisierung Russlands ein Hauptaugenmerk Washingtons sein wird. Wie das NED schadenfroh feststellte: „Navalnys Verhaftung drei Tage vor Bidens Amtsantritt“, sagt der ehemalige US-Botschafter in Russland Michael McFaul, habe alle Voraussetzungen für „Bidens erste außenpolitische Krise. Was auch immer in ihren Übergangsdokumenten stand, dies ist jetzt für sie von zentraler Bedeutung.“

Der Grund ist jedoch nicht wegen der innenpolitischen Korruption von Putins innerem Kreis, ob wahr oder nicht. Biden ist das völlig egal. Vielmehr ist es die bloße Existenz Russlands unter Putin als unabhängige souveräne Nation, die versucht, diese nationale Identität zu verteidigen, sei es in der militärischen Verteidigung oder in der Verteidigung einer traditionell konservativen russischen Kultur. Seit der von den USA unterstützten NED-Destabilisierung der Sowjetunion im Jahr 1990 während der Bush-Regierung ist es die Politik der NATO und der einflussreichen Finanzinteressen hinter der NATO, Russland in viele Teile zu zerschlagen, den Staat zu demontieren und das zu plündern, was von seinen riesigen Rohstoffressourcen übrig ist. Der globalistische Great Reset hat keinen Platz für unabhängige Nationalstaaten wie Russland – das ist die Botschaft, die das neue Biden-Team jetzt klar vermitteln wird.

F. William Engdahl ist strategischer Risikoberater und Dozent, er hat einen Abschluss in Politik von der Princeton University und ist ein Bestseller-Autor über Öl und Geopolitik, er schreibt exklusiv für das Online-Magazin „New Eastern Outlook“

https://journal-neo.org/2021/01/29/the-destructive-plan-behind-the-biden-russia-agenda/

http://www.williamengdahl.com/englishNEO29Jan2021.php

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/biden-russland-agenda-31-01-2021/

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