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Geschichte, Kultur

Trotzki und der Klassencharakter der UdSSR

von http://www.leftcom.org/

Im türkischen Exil hätte Trotzki versuchen können, wie die verfolgte Linksfraktion der Kommunistischen Partei Italiens die Erfahrungen aufzuarbeiten, um eine Bilanz des Prozesses zu ziehen, der zur Inhaftierung und Vertreibung der Revolutionärinnen und Revolutionäre geführt hatte. Trotzki sah sich jedoch nicht bemüßigt, den Degenerationsprozess der Arbeitermacht in Russland tiefer gehend zu untersuchen. Dazu war er, wie wir bereits ausführten selbst zu tief in diesen Prozess eingebunden. (Siehe dazu: leftcom.org ) Selbst diejenigen die in den 20er Jahren Stalin unterstützt hatten, sahen in Trotzki eher einem Mann des Staates und nicht der Partei. Aufgrund seiner Rolle bei der Einführung des Fraktionsverbotes oder seines Einsatzes für die Steigerung der Arbeitsdisziplin war er keineswegs der unbefleckte Vorkämpfer für Arbeiterdemokratie und Arbeiterkontrolle als den seine Anhänger ihn heute abfeiern. Wenn Trotzki in der Lage gewesen wäre, sich von seiner Vergangenheit zu lösen, hätte er vielleicht eine kohärente Kritik an den sozialen Verhältnissen in Russland entwickeln können. Dies wäre eine Voraussetzung gewesen, um den Klassencharakter des russischen Staates von einem revolutionären Standpunkt aus zu verstehen und kritisieren zu können. Dieses Unvermögen führte Trotzki schließlich dazu, sich vollkommen von der marxistischen Methode zu verabschieden. Es war fraglos eine große Herausforderung das Geschehen in Russland in seiner ganzen Tragweite zu erfassen. Wie bereits ausgeführt konnte kein marxistischer Theoretiker voraussehen, dass „eine proletarische Bastion“ (Lenin) in einer feindlichen kapitalistischen Welt isoliert bleiben würde. Nach vier Jahren Isolation und Bürgerkrieg hatte das bolschewistische Russland über 8 Millionen seiner Einwohner einschließlich der Vorhut des revolutionären Proletariats verloren. Das Problem wurde zusätzlich noch dadurch verschärft, dass die russischen Kommunistinnen und Kommunisten sich eine Niederlage nur als militärischen Sieg der Kapitalisten vorstellen konnten. 1921 war die Gefahr einer militärischen Niederlage zwar gebannt, gleichzeitig hatte jedoch der Kampfzyklus des europäischen und internationalen Proletariats seinen Zenit überschritten. Was passiert in einer isolierten „proletarischen Bastion“ unter diesen Rahmenbedingungen? Wie wir gesehen haben, waren alle Fraktionen der Partei der Auffassung in Russland eine sozialistische Entwicklung einleiten zu können. So pries Trotzki 1926 die Entwicklung der staatlichen Industrie nach fünf Jahren GOSPLAN als „wunderbare historische Musik des wachsenden Sozialismus“ und antizipierte damit die Lobeshymnen die stalinistischen Planstrategen in den 30er Jahren beim Aufbau des „realen Sozialismus“ anstimmen sollten und das Proletariat dabei einer beispielslosen Ausbeutung unterwarfen. Was sie verband war die Vorstellung, dass staatliche Planung und staatliches Eigentum an den Produktionsmitteln die wesentliche Grundlage des Sozialismus seien. Dies obwohl gerade Lenin und Bucharin die bedeutende Rolle des Staates als eines der wichtigsten Kennzeichne der imperialistischen Epoche herausgearbeitet hatten. In einem Buch „Imperialismus und Weltwirtschaft“ brachte Bucharin die neuen Erscheinungsformen des Kapitalismus folgendermaßen auf den Punkt: „Die kapitalistische Produktionsweise basiert auf dem Monopol der Produktionsmittel in den Händen der Kapitalisten innerhalb des allgemeinen Rahmens des Warentausches. Es macht keinen Unterschied, ob die Staatsmacht direkt ein Monopol ist oder ob das Monopol privat organisiert ist. In beiden Fällen bleiben die Warenwirtschaft (an erster Stelle die Weltwirtschaft) und, was noch wichtiger ist, die Klassenbeziehungen zwischen Proletariat und der Bourgeoisie bestehen“.(1)

Damit wiederholte Bucharin im Endeffekt lediglich Friedrich Engels Beobachtungen aus den 1880ern: „Hat die kapitalistische Produktionsweise zuerst Arbeiter verdrängt, so verdrängt sie jetzt die Kapitalisten und verweist sie, ganz wie die Arbeiter, in die überflüssige Bevölkerung, wenn auch zunächst noch nicht in die industrielle Reservearmee. Aber weder die Verwandlung in Aktiengesellschaften noch die in Staatseigentum, hebt die Kapitaleigenschaft der Produktivkräfte auf. Bei den Aktiengesellschaften liegt dies auf der Hand. Und der moderne Staat ist wieder nur die Organisation, welche sich die bürgerliche Gesellschaft gibt, um die allgemeinen äußern Bedingungen der kapitalistischen Produktionsweise aufrechtzuerhalten gegen Übergriffe, sowohl der Arbeiter wie der einzelnen Kapitalisten. Der moderne Staat, was auch seine Form, ist eine wesentlich kapitalistische Maschine, Staat der Kapitalisten, der ideelle Gesamtkapitalist. Je mehr Produktivkräfte er in sein Eigentum übernimmt, desto mehr wird er wirklicher Gesamtkapitalist, desto mehr Staatsbürger beutet er aus. Die Arbeiter bleiben Lohnarbeiter, Proletarier. Das Kapitalverhältnis wird nicht aufgehoben, es wird vielmehr auf die Spitze getrieben.(2)

Der Kapitalismus basiert nach einem marxistischen Verständnis auf dem Gegensatz von Lohnarbeit und Kapital. Trotzki hingegen definierte die Bürokratie als eine parasitäre Kaste und konnte dabei nicht verstehen, dass sie eine im Entstehen begriffenen herrschende Klasse war, die sich kollektiv das von der Arbeiterklasse erzeugte Mehrprodukt aneignete. Das russische Regime war für ihn grundlegend sozialistisch: „Die Verstaatlichung von Grund und Boden, industriellen Produktionsmitteln, Transport und Verkehr bilden zusammen mit dem Außenhandelsmonopol in der UdSSR die Grundlage der Gesellschaftsordnung. Diese von der proletarischen Revolution geschaffenen gesellschaftlichen Verhältnisse bestimmen für uns im Wesentlichen den Charakter der UdSSR als den eines proletarischen Staates.“

Diese Quadratur des Kreises eines Arbeiterstaates, der von einer parasitären Kaste beherrscht werde, stellt letztlich die Grundlage von Trotzkis Theorie des degenerierten Arbeiterstaates dar. Von Isaak Deutscher als „kreative Anwendung der marxistischen Methode“ gelobt, läuft diese Theorie auf einen kompletten Bruch mit dem Marxismus als Kritik der politischen Ökonomie hinaus. Ihr Ausgangspunkt sind die sozialen Erscheinungsmerkmale des klassischen Kapitalismus, die sich in Trotzkis Kopf festgesetzt hatten: Privateigentum an Produktionsmitteln, gesetzlicher Schutz des Privatbesitzes, Erbrecht usw. Dies liegt auf einer Ebene mit allen bürgerlichen Ökonomen, von Ricardo bis Ernest Mandel, die davon ausgehen, dass die Distributionsverhältnisse verändert werden könnten, ohne die Produktionsverhältnisse infrage zu stellen. Für Marxisten sind es aber gerade die Produktionsverhältnisse, die die Produktionsweise und damit die Zirkulationsweise bestimmen. Sie können nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Die kapitalistische Distribution kann nicht überwunden werden, ohne ihre Grundlage, die Produktionsverhältnisse zu zerstören. Folglich bestimmt die Produktion das Wesen der Distribution und damit die ideologischen Formen, die diese legitimieren sollen. Von Trotzki, der von staatlicher Planung und Verstaatlichungen geradezu besessen war, wurde dies auf den Kopf gestellt, was ihn zu der Annahme führte, dass eine nichtkapitalistische Produktionsweise mit einer bürgerlichen Distributionsweise koexistieren könnten. Dies ist von einem marxistischen Standpunkt schlicht und einfach Unsinn: „Wenn man die gewöhnlichen Ökonomien betrachtet, muss zunächst auffallen, dass alles in ihnen doppelt gesetzt wird. Zum Beispiel in der Distribution figurieren Grundrente, Arbeitslohn, Zins und Profit, während in der Produktion Erde, Arbeit, Kapital figurieren als Agenten der Produktion. Mit dem Kapital nun ist von vornherein einleuchtend, dass es doppelt gesetzt ist, 1) als Produktionsagent; 2 als Einnahmequelle; als bestimmend bestimmte Distributionsformen. Zins und Profit figurieren daher auch als solche in der Produktion, insofern sie Formen sind, in denen das Kapital sich vermehrt, anwächst, also Momente seiner Produktion selbst. Zins und Profit als Distributionsformen unterstellen das Kapital als Agenten der Produktion. Sie sind Distributionsweisen, die zur Voraussetzung das Kapital als Produktionsagenten haben. Sie sind ebenso Reproduktionswiesen des Kapitals. (…) Die Distributionsverhältnisse und – weisen erscheinen daher nur als Kehrseite der Produktionsagenten. Ein Individuum, das in der Form der Lohnarbeit an der Produktion teilnimmt, nimmt in der Form des Arbeitslohns an den Produkten, den Resultaten der Produktion teil. Die Gliederung der Produktion ist vollständig bestimmt durch die Gliederung der Produktion. Die Distribution ist selbst ein Produkt der Produktion, nicht nur dem Gegenstand nach, dass nur die Resultate der Produktion distribuiert werden können, sondern auch der Form nach, dass die bestimmte Art der Teilnahme an der Produktion die besonderen Formen der Distribution, die Form, worin an der Distribution teilgenommen wird, bestimmt.“ (4) Nachdem er diesen Grundsatz der marxistischen politischen Ökonomie ignoriert und hinter sich gelassen hatte, ging Trotzki noch weiter und entwickelte das Argument, dass der stalinistische Überbau im Gegensatz zur proletarischen Basis der Ökonomie stünde. So vertrat er die Ansicht, dass die Bürokratie den Übergang zum Sozialismus letztendlich verhindere, um ihre Privilegien aufrecht zu erhalten. Die Tatsache, dass es gerade diese „proto-kapitalistische Bürokratie“ war, die die Verstaatlichungen und Industrialisierungen vorantrieb, von denen Trotzki glaubte sie würden Russland eine sozialistische Grundlage geben, führte zu unlösbaren Widersprüchen. Derart schräge Schlussfolgerungen illustrieren lediglich die widersprüchlichen ökonomischen Prämissen, auf denen die gesamte sog. Theorie des „degenerierten Arbeiterstaates“ aufgebaut war. Trotzkis verzweifelter Versuch an Stalins Russland irgendetwas Verteidigungswertes zu finden, bedeutete nicht nur die Revision der marxistischen Methode, um seine eigene Vergangenheit vergessen zu machen. Er konnte nicht verstehen, dass der Sieg der Arbeiterklasse nicht einfach nur Expropriation der Bourgeoise bedeute, wie er es in seinem Übergangsprogramm formulierte. Ohne die Abschaffung der Lohnarbeit kann vom Sozialismus keine Rede sein. Kapital ist nicht nur eine Ansammlung von Maschinen, und Produktionsmitteln, die nach den politischen Beseitigungen einer raffgierigen und parasitären Staatsbürokratie ihr Wesen auf wunderbarer Weise ändert und dann als „Eigentum der Massen“ bezeichnet werden kann. Kapital ist ein spezifisches gesellschaftliches Verhältnis, welches auf der Entfremdung und Trennung der Arbeit von den Produktionsmitteln basiert. Dadurch wird die Arbeitskraft zu einer Ware, die gegen Lohn verkauft wird. Dieses gesellschaftliche Verhältnis führt zu einem unauflösbaren Gegensatz zwischen den Produzenten und De-facto-Eigentümern, zwischen jenen die Produktionsmittel, Distribution und den Staat kontrollieren, und jenen, die keine Wahl haben, als ihre Arbeitskraft zu verkaufen (d.h. Lohnarbeit zu leisten), und verleiht der Gesellschaft als ganzes einen kapitalistischen Charakter. Der Kampf für den Kommunismus ist jedoch der Kampf gegen die Totalität des Kapitals, die Überwindung des Staates, des Privateigentums, des Wertgesetzes und der Lohnarbeit.

Politische Revolution?

Doch was schlug Trotzki stattdessen als Weg zum Kommunismus in Russland vor? Er predigte eine „politische“ und keine soziale Revolution, die das bestehende stalinistische Regierungssystem stürzen, aber die bestehenden Eigentumsverhältnisse unberührt lassen solle. Faktisch wurde die Verteidigung der angeblich „proletarischen Grundlagen“ des Staates zu Trotzkis wichtigem politischen Credo, und wie wir wiederholt sehen werden, zur Wurzel all seiner politischen Irrtümer. Es gehört zu den Grundlagen des Marxismus, dass der Staat nicht die Gesellschaft ist, obgleich der Staat in dieser seine Basis hat. Jede Gesellschaft mit einem Staat ist notgedrungen eine Klassengesellschaft, in der der Staat im Interesse der herrschenden Klasse agiert, um die Ausbeutung der beherrschten Klasse sicher zu stellen. Bei dem Versuch den Klassencharakter einer Gesellschaft zu analysieren, beginnen Marxisten von daher nicht damit, die juristischen oder Rechtsformen des Staates zu untersuchen, um dann zu schlussfolgern, dass diese die „proletarische Grundlage des Staates“ bilden würden. Obgleich er in einer Vielzahl seiner Schriften von einer sich ändernden Klassenzusammensetzung der KPdSU spricht, und er einräumte dass die „parasitäre Bürokratie“ durch eine politische Revolution gestützt werden müsse, hielt er daran fest, dass das Regime „enteignetes und verstaatlichtes Kapital gegen den Imperialismus aufrechterhält – und unabhängig von politischen Formen die Diktatur des Proletariats“ sei. Allerdings stellt sich hier die Frage warum überhaupt eine politische Revolution und die Einführung der Sowjetdemokratie notwendig sei, wenn doch angeblich die Diktatur des Proletariats noch bestünde. Diese Widersprüche habe ihre Ursache darin, dass Trotzki den Charakter des russischen Staates nicht von seinen Produktionsverhältnissen herleitete. Indem er sich weigerte die sozialen Klassen im Hinblick ihrer antagonistischen Stellung im Produktionsprozess zu definieren, beraubte er sich der einzigen Möglichkeit einer Analyse des wirklichen Charakters der UdSSR. Die Autarkie in der Zeit des Fünf-Jahres-Plans in den 30er Jahren war die Spitze eines verschärften Konkurrenzkampfes, der eine Intensivierung der Ausbeutung erforderte. Die verschärfte Konkurrenz auf internationaler Ebene erforderte die Einführung des Taylorismus und neuer Managementmethoden, um die Produktivität aufs Höchste zu steigern. Die politische Verselbstständigung der Bürokratie, ihre allumfassende Kontrolle über die Produktionsmittel und die Entwicklung des nationalen Kapitals nahm ähnliche Formen wie die einer klassischen Privatbourgeoise an. Die Staatsbürokratie lediglich als „privilegierte Kaste“ oder „parasitären Auswuchs“ anzusehen läuft darauf hinaus ihre grundlegende Klassenfunktion zu übersehen. Ihre objektive Rolle war durch die vom Weltkapital eisern auferlegte Notwendigkeit bestimmt, die Kapitalakkumulation unaufhörlich zu steigern und nicht, wie Trotzki behauptete, ihrer autoritären Arroganz oder anderen sozialpsychologischen Charakteristika geschuldet. Der Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der Aneignung des durch Lohnarbeit geschaffenen Mehrproduktes durch eine ausbeutende Klasse unterstreicht die Herrschaft des Wertgesetzes über die Wirtschaft der UdSSR. Schon zum Zeitpunkt als Trotzki seine Theorie vom degenerierten Arbeiterstaat ausarbeite aber viel mehr noch nach dem Zweiten Weltkrieges war der kapitalistische Charakter der UdSSR offenkundig: Die Existenz von Lohnarbeit, die Produktion von Waren zum Zwecke des Tausches, das Diktat des Wertgesetzes über die Planstrategen. Die Theorie des „degenerierten Arbeiterstaates“ wurde jedoch zu einem zentralen Bestandteil der trotzkistischen Programmatik, was wie wir noch sehen werden, unweigerlich zur Aufgabe des revolutionären Defätismus, zur Teilnahme am Zweiten Weltkrieg und zur Verteidigung sowohl des russischen wie auch des westlichen Imperialismus führen sollte.

1) marxists.org

2) Friedrich Engels: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft „Anti-Dühring“), Berlin 1983, Seite 260.

3) Leo Trotzki: Verratene Revolution, Essen 1990, Seite 251

4) Karl Marx: Grundrisse der Kritik der Politischen Ökonomie, Berlin 1974, Seite 16.

http://www.leftcom.org/de/articles/2020-09-26/trotzki-und-der-klassencharakter-der-udssr

Diskussionen

3 Gedanken zu “Trotzki und der Klassencharakter der UdSSR

  1. „oder ein gewisser Trotzki

    angeklagt

    der Unzucht mit der Freiheit

    das Haupt vom Dogmenbeil schon gespalten

    konnte dieser Trotzki

    die Menschheit nur noch um Vergebung bitten für seinen Henker.“

    Schuld sind immer die anderen: ….. (<- Hier Feindbild nach Wahl eintragen)

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    Verfasst von Sozialistin | 20. Januar 2021, 15:38
  2. Typische Hetze gegen Stalin von Anti-Linken
    Dazu Ernst Busch: Stalin, Freund, Genosse

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    Verfasst von Willi | 20. Januar 2021, 8:35
  3. In letzter Instanz ist Kapital Kommando über die Arbeit. Solches Kommando zeichnet nicht allein die kapitalistische, sondern alle Klassengesellschaften aus. Siehe Sklavenhalter und Feudalherrn. Doch anders als deren Kommando, hat das kapitalistische Schranken überwunden, die ihm von Tradition, Sitte und Natur gesetzt sind. Die dies ermöglichenden Technologien mußten, weil privates Kapital unter Wettbewerbsdruck steht, gezwungenermaßen entwickelt werden.

    Sowohl vom tendentiellen Fall der Profitrate, als auch von dem mit seiner geldlichen Akkumulation beständig wachsenden Renditehunger angetrieben, mußte das private Kapital schließlich in die imperialistische Phase eintreten, um sich nun auch die nicht unter seinem Kommando produzierten Reichtümer und Ressourcen des gesamten Erdenrunds gewaltsam aneignen zu können. Um fortzubestehen, wird es, von fortwährender entsprechender Technologieentwicklung befähigt, zuletzt die Ausbeutung von allem und jedem immer weiter intensivieren, bis es zuletzt Mensch, Natur und Welt mit sich in den Abgrund reißen wird — privat akkumulierendes Kapital wird schließlich Kamikaze.

    So gesehen, lag Trotzki vielleicht nichteinmal falsch. Denken wir das einmal weiter durch, bitte: Fall 1) Solange privates Kapital anderswo fortbesteht, wird jeder staatsbürokratische „Sozialismus“ scheitern müssen, weil mit dem privaten Wettbewerb auch der existentielle Antrieb zu Technologieentwicklung entfällt. Der „reale Sozialismus“ ist folglich wegen technologischen Rückstands gescheitert; exakter formuliert: wegen so zuletzt auch militärtechnologisch signifikanten Rückstands. Fall 2) Weltrevolution. Alles globale private Kapital ist nun in Staatshand zentralisiert, und es hat eine nicht mehr unter Wettbewerbsdruck gestellte Bürokratie das Kommando über die Arbeit. Vielleicht sogar eine Frieden garantieren könnende Eine-Welt-Regierung. Was einer nicht privatbesitzlichen Neuen Weltordnung gleichen würde. Keine beständig wachsende Renditeforderung zwingt nun noch zu Technologieentwicklung und beständig verschärfter Ausbeutung von Mensch, Natur und Welt — kein Kamikaze mehr.

    Die sich hier nun sicherlich anschließen wollende Debatte möchte ich mit der Frage eröffnen, ob zu Fall 2) folgender Satz zutreffen würde: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

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    Verfasst von No_NWO | 19. Januar 2021, 20:36

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