//
du liest...
Ausland, Nordamerika

Russland kostengünstig in die Knie zwingen – Strategien der US-Denkfabrik „Rand Corporation“

von https://de.sputniknews.com/

Wirtschaftssanktionen, Destabilisierung im Inneren oder doch lieber die militärische Konfrontation? In einer Analyse der Denkfabrik „Rand Corporation“ werden Wege erörtert, wie die USA Russland möglichst viel Schaden zufügen könnten. Die Studie aus dem Jahr 2019 könnte unter Biden neue Aktualität bekommen.

Mit Michele Flournoy und Lisa Sawyer könnten zwei Frauen künftig im Team des gewählten Präsidenten Joe Biden sein, die nicht nur militärischen Background mitbringen, sondern mit ihren Äußerungen Russland und China zu den größten Bedrohungen für die USA hochstilisieren. Die beiden Großmächte gelte es zu schwächen – das geht aus verschiedenen Aussagen von Flournoy und Sawyer hervor. Flournoy wurde von Friedensaktivisten als „Todesengel des amerikanischen Imperiums“ betitelt, und unter Biden werde es mit Sicherheit wieder Krieg und Invasionen geben, sagte unlängst der ehemalige britische Botschafter in Usbekistan, Craig Murray. Da scheint die 2019 erstellte Analyse des Thinktanks „Rand Corporation“ unter dem Titel „Russland überfordern und aus dem Gleichgewicht bringen“ aktueller denn je zu sein.

Autor James Dobbins setzt sich darin nicht zum ersten Mal damit auseinander, wie Russland geschwächt werden kann. Ähnliche Arbeiten gibt es zu China. Grundsätzlich wird Russland auf kurze Sicht wegen seiner militärischen Kraft als der gefährlichere Gegner eingestuft, China dafür auf lange Sicht als der ernstere Konkurrent um die Vorherrschaft in der Welt. Dobbins selbst hat in seiner langen Karriere zahlreiche mächtige Posten innegehabt, darunter als Botschafter der Vereinigten Staaten in der Europäischen Union, als stellvertretender Staatssekretär für Europäische Angelegenheiten und als Sonderbeauftragter für Afghanistan und Pakistan.

Was steckt hinter Rand?

Laut Selbstauskunft beschäftigt der Thinktank 1950 Mitarbeiter in 50 Ländern und operiert in 80 Sprachen. Zu den bekanntesten Namen gehören die frühere US-Außenministerin Condoleezza Rice und der Ex-Verteidigungsminister der USA, Donald Rumsfeld. „Die Rand Corporation ist eine Forschungsorganisation, die Lösungen für Herausforderungen des öffentlichen Lebens entwickelt, um Gemeinschaften auf der ganzen Welt sicherer, gesünder und wohlhabender zu machen“, so die Beschreibung in der Sparte „Über uns“ auf der Webseite von Rand. Ein genauerer Blick in die Publikationen des Thinktanks führt zu dem Ergebnis, dass ein großer Teil davon strategische Planspiele enthält, oft vom US-Militär in Auftrag gegeben. Die Denkfabrik finanziert sich auch größtenteils durch Auftragsarbeiten für das Pentagon, wie Hermann Ploppa in seiner Publikation zum Thema auf der Plattform „AG Friedensforschung“ betont.

Die Kernthemen bei Rand: Russland und China

Entstanden direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, war das Ziel der Denkfabrik im kalifornischen Santa Monica von Anfang an, militärische Planung mit Forschung und Entwicklung zu verbinden. Der Luftwaffengeneral und Gründungsvater von Rand, H. H. Arnold, formulierte das in seinem Bericht an den damaligen Kriegsminister wie folgt:

„Während des Krieges haben Army, Air Force und Navy in bis dahin ungekanntem Ausmaße Gebrauch von wissenschaftlichen und industriellen Ressourcen gemacht. Das führt unausweichlich zu der Schlussfolgerung, dass wir es noch nicht geschafft haben, eine Balance herzustellen, die die Fortsetzung der Zusammenarbeit zwischen Militär, staatlichen Behörden, der Industrie und den Universitäten sicherstellt. Wissenschaftliche Planung muss der eigentlichen Forschung und der Entwicklungsarbeit um Jahre voraus sein.“

Im Kalten Krieg lief die Organisation bereits auf Hochtouren, mit teils äußerst fragwürdigen Ergebnissen. So brachte sie 1960 eine Studie des Systemtheoretikers Herman Kahn zum Szenario eines Atomkriegs. Einen solchen Krieg stufte Kahn als beherrschbar ein und schlug unter anderem vor, verstrahlte Lebensmittel an alte Menschen abzugeben, da diese wahrscheinlich tot sein würden, bevor sie an Krebs erkranken könnten. Damit qualifizierte sich der Wissenschaftler als eines der Vorbilder für Stanley Kubricks legendäre Satire „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“.

Auch wenn der Kalte Krieg und die Sowjetunion längst Geschichte sind, gehört die Destabilisierung Russlands neben einem möglichen Krieg mit China zu den Kernthemen bei Rand. Eingedenk der Tatsache, dass der Stab des neuen US-Präsidenten Kader enthalten wird, die eben diese zwei Länder als größte Bedrohung für die USA titulieren und enge Kontakte zum Pentagon unterhalten, dürfte die Rand Corporation zukünftig eine wichtige Rolle für die US-amerikanische Außen- und Verteidigungspolitik spielen.

Russland effektiv und kostengünstig ins Abseits drängen

In der Analyse geht es um verschiedene Ansätze, wie die USA und ihre Verbündeten gewaltfrei und für Russland kostspielig dessen Wirtschaft, Militär und das Ansehen der politischen Führung im Inland überreizen und aus dem Gleichgewicht bringen können. Obwohl Russland schwache Seiten habe – wie die Abhängigkeit von Öl- und Gaspreisen und eine immer älter werdende, schrumpfende Bevölkerung, sowie tief verwurzelte Ängste, beispielsweise vor einem vom Westen initiierten „Regime Change“ oder einem militärischen Angriff – bleibe Russland ein mächtiges Land und in manchen Bereichen einer der größten Konkurrenten der USA, heißt es einleitend. Deshalb hätten die Forscher von Rand kostensparende Optionen ausgewertet, die Russland schwer belasten könnten, ohne dass die USA dabei zu sehr betroffen wären.

Im ersten Abschnitt werden Szenarien ökonomischen Drucks erstellt und nach den Gesichtspunkten Erfolgsaussichten, Nutzen und Kosten und Risiken ausgewertet. In allen drei Bereichen schneidet das Szenario am besten ab, wonach die USA die eigene Energieproduktion hochfahren, die Ausfuhren erhöhen und zugleich die Preise auf dem Weltmarkt drücken könnten, wodurch Russlands Wirtschaft in Bedrängnis gebracht und seine Einnahmen im Energiesektor gesenkt werden würden. Auch die Erfolgsaussichten und der Nutzen von weiteren möglichen ökonomischen Sanktionen gegen Russland werden als sehr gut eingestuft. Doch müssten andere Länder dabei mitziehen und diese Option könnte mit Kosten und Risiken verbunden sein. Als noch weniger effizient werden die Szenarien eingestuft, wonach Europa unabhängiger vom russischen Gas wird und auf Flüssigerdgas ausweicht, ebenso wie der Abzug junger, gut ausgebildeter Russen aus dem Land.

Versorgung der Ukraine mit „tödlicher Hilfe“

Als noch weniger aussichtsreich werden in der Analyse geostrategische Optionen bewertet, weil sie durchweg entweder zu riskant oder zu wenig aussichtsreich seien. Auf der anderen Seite könnte ihr Nutzen in Zweifel gezogen werden. Am besten schneidet hier das Szenario ab, dass man die Ukraine mit „tödlicher Hilfe“ versorgen könnte.

„Die Versorgung der Ukraine mit letaler Hilfe würde Russland an seiner größten externen Schwachstelle treffen. Aber jedwede Zunahme an Beihilfe der US-Armee bezüglich Waffen und Beratung für die Ukraine sollte vorsichtig abgewogen werden: um Russland zu größeren Ausgaben zu zwingen, wenn es seine Position halten will, ohne einen sehr viel größeren Konflikt zu provozieren, in dem Russland aufgrund der geografischen Nähe erhebliche Vorteile hätte.“

Die anderen in der Analyse betrachteten, jedoch verworfenen Varianten sind die verstärkte Unterstützung der syrischen Rebellen; die Unterstützung von Freiheitsbewegungen in Belarus; die Stärkung der Beziehungen zum Kaukasus; die Eindämmung des russischen Einflusses in Zentralasien und die Vertreibung russischer Truppen aus Transnistrien.

Ideologische Maßnahmen zur Schwächung der Position der russischen Führung

Im dritten Abschnitt geht es um ideologische Maßnahmen, die die Position der russischen Führung im In- und Ausland schwächen sollen. Die Szenarien umfassen die Erschütterung des Vertrauens ins russische Wahlsystem, das Streuen des Glaubens, die russische Führung würde nicht im Interesse ihres Volkes handeln, die Anregung von Protesten und gewaltfreiem Widerstand sowie die Schädigung des Rufes Russlands im Ausland. Sämtliche Varianten werden als nicht besonders aussichtsreich und zugleich riskant und kostenintensiv bewertet, einzig die Rufschädigung im Ausland erhält in allen drei Kategorien die Bewertung „moderat“. Das vorgeschlagene Vorgehen liest sich hierbei wie folgt:

„Russlands Image im Ausland zu unterminieren, würde hauptsächlich durch die Schwächung von Russlands Position und Einfluss geschehen, wodurch dessen Anspruch, Russland zu seiner einstigen Größe zurückzuführen, beschnitten würde. Weitere Sanktionen, der Ausschluss Russlands von internationalen Nicht-UN-Foren und der Boykott von Veranstaltungen wie dem Weltcup könnten durch westliche Staaten implementiert werden, um Russlands Prestige zu zerstören. Aber inwiefern das Russlands innere Stabilität beschädigen würde, ist nicht klar.“

Die restliche Analyse möglicher Strategien, um Russland zu schwächen, behandelt ausschließlich militärische Optionen, von Luftwaffe über Marine bis hin zu den Landstreitkräften. Dass das mehr als die Hälfte der Studie einnimmt und sehr detailliert besprochen wird, dürfte nicht verwundern, schließlich wurde die Analyse im Auftrag der US-Armee erstellt. Nach Betrachtung diverser Optionen kommen Dobbins und seine Mitautoren zu dem Schluss, dass eine Schwächung Russlands hauptsächlich durch nicht-militärische Mittel erfolgen sollte. Russland versuche nicht, mit den USA in militärischer Hinsicht zu konkurrieren und werde unter Umständen nicht auf US-Provokationen antworten. Für die USA hingegen entstünden erhebliche Kosten.Dennoch empfehlen die Verfasser der US-Armee drei Vorgehensweisen in Bezug auf Russland. Sie sollte in linguistische und analytische Russland-Expertisen investieren, denn Russland sei auf lange Sicht eine Bedrohung, und die amerikanischen Streitkräfte täten gut daran, Humankapital für den strategischen Wettstreit aufzubauen. Ferner sollte die Armee in taktische Raketensysteme, verschiedene Luftabwehrsysteme sowie futuristische Systeme wie unbemannte Flugobjekte investieren. Zudem stellten die Streitkräfte einen wichtigen Schutz dar, sollte Russland durch die anderen Strategien provoziert werden. Daher sollten die abschreckende Haltung in Europa und die Verstärkung der US-Militärkapazität Hand in Hand mit den Anstrengungen gehen, Russland zu reizen und zu schwächen.

Die Schlüsse: Russische Konter-Eskalation

Abschließend kommen die Autoren noch einmal darauf zu sprechen, dass der beste Weg, Russland zu reizen und zu schwächen, darin besteht, seine Schwächen, Ängste und Stärken gezielt anzusprechen –also die besonders schwachen Bereiche auszunutzen und seine derzeitigen Vorteile zu unterminieren. Aufgrund seiner im Vergleich mit den USA kleinen und von Energie-Exporten abhängigen Wirtschaft sei gerade der ökonomische Bereich Russlands größte Schwäche. Die größte Angst seiner Staatsführung betreffe die Stabilität und Haltbarkeit des Regimes. Seine größten Stärken hingegen lägen beim Militär und dem Bereich der Informationskriege.

„Die meisten hier besprochenen Optionen sind zu einem gewissen Grade eskalierend und würden sehr wahrscheinlich eine russische Konter-Eskalation provozieren. Deswegen besteht neben den spezifischen Risiken, die mit den jeweiligen Optionen direkt verbunden sind, auch das zusätzliche Risiko, das von einem intensivierten Wettstreit mit einem nuklear bewaffneten Gegner herrührt, und sollte in die Überlegungen mit einfließen. Jede Option sollte gut geplant und vorsichtig abgewogen werden, um den gewünschten Effekt erzielen zu können. Nicht zuletzt werden beide Seiten nationale Ressourcen von anderen Projekten abziehen müssen. Auch wenn Russland die Kosten eines verschärften Wettstreits nicht so leicht wird schultern können wie die Vereinigten Staaten. Russland einfach nur reizen zu wollen, ist daher nicht Grund genug, die hier vorgestellten Optionen zu erwägen. Sie sollten vielmehr Teil einer nationalen Strategie der Verteidigung und Abschreckung und – wo sich russische und US-amerikanische Interessen treffen – der Kooperation sein“, so das Schlusswort der Untersuchung.

https://de.sputniknews.com/politik/20201125328442134-strategien-der-us-denkfabrik-rand-corporation/

Diskussionen

3 Gedanken zu “Russland kostengünstig in die Knie zwingen – Strategien der US-Denkfabrik „Rand Corporation“

  1. Noch kostengünstiger ist es die USA in die Knie zu zwingen, indem keine Sau mehr den Dollar nimmt, gell?

    Gefällt mir

    Verfasst von reiner tiroch | 7. Februar 2021, 16:26
  2. „Wir müssen Europa erobern und anschließen. Dazu muss man
    nicht nur das Militär, sondern auch Strategien der Subversion,
    Desinformation und Destabilisierung nutzen und darauf hinarbeiten,
    Europa über geeignete Partner parlamentarisch zu unterwandern.
    Fest steht, dass uns eine prorussische fünfte Kolonne in Europa unterstützt.
    Das sind europäische Intellektuelle, die ihre Identität stärken wollen.“

    Alexander Dugin, im Tagesanzeiger, 3.6.2014

    In einer Fernsehansprache im April 2014 hatte Alexander Dugin vorgeschlagen,
    Europa zu einem russischen Protektorat zu machen und es damit vor schlimmen Sachen wie
    Homoehen, Pussy Riot und sich selbst zu schützen.

    Bei einem Treffen des „Russischen Konservativen Forum“ in Sankt Petersburg fand eine Zusammenkunft von Vertretern über als zehn europäischen Rechtsparteien statt. Offiziell sei es bloss eine private Veranstaltung gewesen. Unter der Parole „Amerika muss gemeinsam bekämpft werden“ kam auch Stargast Udo Voigt, früher Chef und ehemaliger EU-Abgeordneter der NPD. Duma-Abgeordneter Alexej Schurawljow erklärte ausgerechnet diesen Voigt via Twitter prompt zum Antifaschisten. Nein, es war keine Satire. Trotz dessen Liebe für das Dritte Reich und seiner Verehrung von Adolf Hitler als (Zitat) „zweifellos grossen Staatsmann“. Interessant.

    Besprochen werden sollte auf der Zusammenkunft unter dem Motto „Rechtsradikale aller Länder, vereinigt euch“, wie man gemeinsam gegen die nach der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen der EU vorgehen könne. Schließlich waren bei den Europawahlen 2014 viele Rechtsradikale in das Straßburger Parlament eingezogen. Offizielles Ziel des Petersburger Kongresses war es, „die national-konservativen Kräfte“ angesichts des amerikanischen Drucks auf Europa und Russland zu vereinigen.

    Bekannt ist, wie der franz. rechtsradikale Front National finanziert wurde. Die Erste tschechisch-russische Bank hatte der Partei von Marine Le Pen einen Kredit über neun Millionen Euro zugeschanzt, von russischen Staatsmedien bestätigt. So ist es wenig verwunderlich, dass 15 der einflussreichsten Rechtsparteien Europas sich offen zu Moskau bekennen und nach einem gemeinsamen Weg sowie abseits der EU streben.

    Während der Ukraine Krise wurde die Allianz mit den Rechtsextremen wirklich offenkundig. Um die Machtergreifung angeblicher Faschisten in Kiew zu verhindern, wurden über 50 handverlesene Politiker der EU als „Wahlbeobachter“ zu einem komplett völkerrechtswidrigen Referendum auf der Krim herangekarrt. Dabei handelte es sich bei diesem elitären Kreis der so genannten „Beobachter“ der Abstimmung ausschliesslich um Vertreter rechtsextremer Parteien. Einzige Ausnahme: Sage und schreibe vier (!) „Völker hört die Signale“ singende Mitglieder der deutschen Linkspartei.

    Unterstützung und Koordinierung der rechtsextremen Bewegungen in Europa kommen vom World National-Conservative Movement (WNCM) und der russischen Imperialen Bewegung sowie die Petersburger Abteilung der Partei Rodina. Erklärte Feindbilder sind die EU und Nato und eine jüdische Weltverschwörung. Das internationale Partnernetzwerk des WNCM hat weltweit 58 Organisationen in Zusammenarbeit: darunter die British National Party, Jobbik aus Ungarn, die Wahren Finnen, Falanga aus Polen, die Goldene Morgenröte aus Griechenland und die NPD.

    Geplant sind gemeinsame „Camps für militärische und athletische Instruktion“ mit dem Ziel, freiwillige internationale Brigaden aufzustellen, die in Konfliktzonen eingesetzt werden können.
    Das WNCM verstehe sich somit weniger als ein Netzwerk, sondern ist auf Aktion fokussiert.
    Die Formierung einer von Russland unterstützten internationalen ultrarechen Bewegung mit einer militärischen Komponenten und Waffen sind eine ernsthafte Bedrohung für die demokratischen Gesellschaften in Europa werden.

    Es gibt weltweit Organisationen wie das WNCM oder die Russische Imperiale Bewegung.
    Sie werden sogar staatlich gefördert und auch verdeckt von diesem eingesetzt. Extremistische Vereinigungen wie die Russische Nationale Einheit agieren schon seit Jahren mit offenkundiger Duldung oder gar Untertützung der Geheimdienste. Für den FSB sind paramilitärisch ausgebildete Neonazis nützliche Idioten, weil sie die Ideologie von Größe und Expansion teilen und überall einsatzbereit sind.

    Der Bodensatz, den es in jeder Gesellschaft gibt, wird gezielt für den politischen Kampf instrumentalisiert. Hierin liegt eine der Gemeinsamkeiten des errichteten Systems mit dem Faschismus in seiner klassischen Definition, nicht zu verwechseln mit dem Nationalsozialismus als einer spezifischen Ausprägung. Und diese Gemeinsamkeit liefert auch den Schlüssel zum tieferen Verständnis für die offenbar wechselseitige Anziehung zwischen der Regierung und den Rechten bis Ultrarechten in Europa. Vor diesem Hintergrund wird es besonders abstrus, man sich selbst als Antifaschisten darstellt und seinen Widersachern vorwirft, Faschisten zu sein. Er steht in der Tradition des antifaschistischen Mythos, der zu allen Zeiten reine Fiktion und voller Judenhass war.

    Die Zusammenarbeit von Hitler und Stalin zwischen 1939 und 1941wird nach wie vor verdrängt. „Die Freundschaft zwischen den Völkern Deutschlands und der Sowjetunion, die mit Blut besiegelt ist, hat alle Grundlagen, lange und fest zu sein“, schrieb Stalin am 1939 an Hitlers Aussenminister Ribbentrop. Drei Monate zuvor, kurz nach dem Überfall auf Polen hatte Stalin erklärt: „Sollte aber, entgegen den Erwartungen, Deutschland in eine schwierige Lage geraten, so kann es überzeugt sein, dass das sowjetische Volk Deutschland zur Hilfe kommt und nicht zulässt, dass Deutschland erwürgt wird. Die Sowjetunion ist interessiert an einem starken Deutschland und wird es nicht zulassen, dass Deutschland zu Boden geworfen wird.“

    76 Jahre später, im Mai 2015, wurde der Molotow-Ribbentrop-Pakt erneut verteidigt und warf den Polen de facto vor, am deutschen Überfall auf ihr Land selbst schuld gewesen zu sein. Mit Blick auf die Opfer des Paktes zwischen Hitler und Stalin wurde gefordert: man dürfe nicht in den Phobien der Vergangenheit leben. Russland habe eine Masse Anstrengungen unternommen, um eine antifaschistische Front in Europa aufzubauen. Hier schließt sich der Kreis zum Persilschein für den NPD-Mann und Antifaschisten Voigt. Realsatire pur. Wahrscheinlich sieht man das Paktieren mit den Ultrarechten und Neonazis in ganz Europa wohl als antifaschistisches Bündnis, wie Stalin auch von 1939 bis 1941 seine Propaganda weiter gegen den Faschismus kämpfen ließ, ausgenommen eben Hitler und die Nazis. Motto: Wir tauschen einfach das Schild aus, das Programm bleibt bestehen.
    Der Rest ist Geschichte.
    Und sie wiederholt sich.
    Leider.

    Gefällt mir

    Verfasst von Orlow | 27. November 2020, 17:05

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Archiv

<span>%d</span> Bloggern gefällt das: