//
du liest...
Ausland, Europa

Macron vs. AKK – Wie wird das neue, alte transatlantische Verhältnis?

von Thomas Röper – https://www.anti-spiegel.ru/

Seitdem die US-Medien Joe Biden zum Wahlsieger ausgerufen haben, reden alle europäischen Politiker von einem Neubeginn der transatlantischen Beziehungen. Wenn man die Aussagen von Macron und Annegret Kramp-Karrenbauer vergleicht, sieht man, wie verschieden die Erwartungen sind.

In seltener Einigkeit haben Spiegel und RT-Deutsch heute über den aus der Distanz ausgetragenen Disput zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer, der Verteidigungsministerin, die sich gerne als Putzfrau verkleidet (oder ist es umgekehrt?) und dem französischen Präsidenten Macron berichtet, die sich beide in Zeitungen zu dem Thema der Zukunft der europäischen und transatlantischen Sicherheit geäußert haben. Ihre Positionen gehen dabei auseinander.

AKK tief im Rektum der Transatlantiker

Alles hat damit angefangen, dass Politico am 2. November einen Artikel von Kramp-Karrenbauer veröffentlicht hat, der den Titel „Europa braucht Amerika immer noch“ hatte. Der Titel sagt schon alles: AKK hat sich bei den Transatlantikern angebiedert und vertritt die Meinung, Europa sei ohne die USA verloren. Auch mit den US-Atombomben auf europäischem Boden müsse sich Europa abfinden. Dieser Tauchgang tief ins Rektum der Transatlantiker gipfelte in Sätzen wie diesem:

„Die Illusionen von einer strategischen Autonomie Europas müssen ein Ende haben: Die Europäer werden nicht in der Lage sein, Amerikas entscheidende Rolle als Bereitsteller der Sicherheit zu ersetzen.“

Die EU ist eine größere Wirtschaftsmacht, als die USA. Und mit Frankreich ist die EU auch eine Atommacht. Warum sollte ein solcher Block mit so viel Geld nicht in der Lage sein, für seine eigene Sicherheit zu sorgen? Was AKK da von sich gibt, erinnert mich an Äußerungen indischer Politiker zu Zeiten des britischen Empire. Damals waren die indischen Vertreter von Londons Gnaden auch dankbar für den Schutz, den ihnen die Kolonialmacht angeblich geboten hat. Wie wir aber heute wissen, kann Indien ganz gut allein für seine Sicherheit sorgen und Indien ist bedeutend ärmer, als die EU.

Und wenn wir heute im Spiegel lesen, dass AKK sich weiter steigende deutsche Rüstungsausgaben für die nächsten Jahre per Sondergesetz sichern will, um den Transatlantikern das zu geben, was sie wollen, nämlich weitere Aufträge für die US-Rüstungsindustrie, dann frage ich mich, welches Land diese deutsche Ministerin in Wahrheit vertritt.

Sie finden diese Formulierung zu hart? Warum denn? Seit der Ausrufung des Zwei-Prozent-Ziels der Nato ist Europa zum am schnellsten wachsenden Markt für die US-Rüstungsindustrie geworden und weitere Erhöhungen der Budgets werden ebenfalls größtenteils auf die Konten der Waffenhersteller jenseits des Atlantik fließen.

Scherzhaft könnte man sagen: Darum heißen sie ja „Transatlantiker“, weil sie sicherstellen, dass das Geld von Europa über den Atlantik transferiert wird.

Macron: Europa ist nicht souverän

Macron fällt schon seit einiger Zeit damit auf, dass er weniger Abhängigkeit von den USA, mehr Autonomie für die EU und das Überdenken des Verhältnisses zu Russland fordert. Er hat dabei keine wirklich konkreten Pläne vorgelegt, aber seine Äußerungen gehen immer wieder in diese Richtung. Vieles ist in Deutschland kaum gemeldet worden, aber seine Äußerungen über den „Hirntod der Nato“ haben sogar in Deutschland Schlagzeilen gemacht.

Macrons aktuelle Äußerungen waren wieder eindeutig, so eindeutig, dass sogar die Artikel von Spiegel und RT-Deutsch eine seltene Einigkeit demonstriert haben. Die Überschrift beim Spiegel lautete „Kritik an Kramp-Karrenbauer – Macron pocht auf Europas eigenständige Verteidigung“ und bei RT-Deutsch war der Titel „„Fehlinterpretation der Geschichte“ – Macron kritisiert Kramp-Karrenbauer deutlich

Beide berichteten über ein Interview, das Macron nun gegeben hat und in dem er für Europa eine eigenständigere Rolle einfordert. Und Macron wird ausgesprochen deutlich, denn er bestreitet, dass die Europäer souverän seien und er gibt zu bedenken, dass die USA die Europäer als Verbündete gar nicht ernst nehmen. All das hört man sonst nur von eingefleischten Kritikern der US-Politik, aber nicht von westeuropäischen Staatschefs. Macron geht sogar soweit, dass er den Europäern vorhält, sie hätten sich das geostrategische Denken abgewöhnt, denn deren geopolitischen Beziehungen seien über die Nato definiert. Was Macron dabei nicht sagen musste, was aber jedem bekannt ist, ist die Tatsache, die es die USA sind, die die Ziele der Nato festlegen.

Macron hat also im Klartext gesagt, die Europäer seien Vasallen der USA, die nicht souverän sind und keine eigenen geopolitischen Ziele haben, sondern über die Nato zu Erfüllungsgehilfen der USA geworden sind.

Ich gebe zu, das ist meine Interpretation, denn Macron hat das natürlich so deutlich nicht gesagt, aber wenn man seine Antworten zu einem Bild zusammensetzt, dann zeigt es das, was ich hier ausgeführt habe.

Was sind Macrons Motive?

Darüber kann man nur spekulieren. Will Macron die Chance ergreifen, die sich Frankreich nach dem EU-Austritt der Briten bietet und die militärische Führungsmacht in der EU werden? Das ist durchaus möglich, denn nun ist Frankreich das militärisch mächtigste Land der EU, das sogar Flugzeugträger, Atomwaffen und Atom-U-Boote hat.

Daher ist es durchaus möglich, dass französische Geostrategen eine Chance wittern, zumindest einen Teil der historischen politischen Macht Frankreichs wiederherzustellen und es einerseits zur Führungsmacht der EU zu machen und andererseits die Macht der USA aus Europa ein wenig zurückzudrängen.

Die USA werden sich das freilich nicht gefallen lassen. Aber solange es nur leere Worte sind, die EU aber gleichzeitig ihre Rüstungsausgaben und damit ihre Zahlungen an die US-Rüstungsindustrie immer weiter erhöht, können die USA im geopolitischen Schach ganz entspannt bleiben.

Hinzu kommt, dass die Ära Macron wohl nicht lange anhalten wird. Der als Hoffnungsträger gewählte Macron ist tief gefallen. Die Gelbwesten haben ein Jahr lang gegen ihn demonstriert und in der Corona-Zeit hat Macron in Frankreich auch nicht an Beliebtheit gewonnen. Macrons Amtszeit endet in anderthalb Jahren im Mai 2022 und derzeit sieht es nicht danach aus, als würde er erneut gewählt werden. In der verbleibenden Zeit wird er aber wohl kaum entscheidende Weichenstellungen vornehmen können, weshalb man in den USA ganz entspannt zuschauen kann, wenn Macron ab und zu ein wenig zickig ist.

Am Ende dürfte sich also nicht viel ändern und die USA werden weiterhin über Europa bestimmen und in Europa werden weiterhin Politiker das Sagen haben, die einen Tauchschein für unbegrenzte Tauchtiefe im transatlantischen Rektum vorweisen können.

Macron vs. AKK – Wie wird das neue, alte transatlantische Verhältnis?

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Macron vs. AKK – Wie wird das neue, alte transatlantische Verhältnis?

  1. Mit karierter Kittelschürze, Kopftuch und Kehrbesen steht die als deutsche Verteidigungsmnisterin verkleidete Putzfrau Gretel auf der trans- anstelle der cisatlantischen Bühne und glaubt irrigerweise diesseits des Atlantiks aufräumen zu müssen.

    Statt in Dankgefühlen lustvoll zu plantschen und die wohligwarme Nähe zum Land der Hoffnung jenseits des Atlantiks zu genießen, verweigern sich laut Putzfrau Gretel viele „antiamerikanische“ Stimmungskanonen den leider höchst angeschlagen USA mit deren „überwältigendem Bedarf an einer starken transatlantischen Zusammenarbeit“.

    Die USA in Gefahr und höchser Not, gequält von einem „zunehmenden globalen Machtwettbewerb“ und auf keinen Fall länger in der Lage „!das Banner der westlicher Werte zu tragen“, bedürfen zum Überleben der Hilfe Europas.

    „Ich habe keinen Zweifel daran, dass Amerika Europa braucht“, so hierzu im Wortlaut Putzfrau Gretel, außergewöhnlich realpolitisch inspiriert.

    Demnach hängt der Wert der USA als Weltmacht im erheblichen Maße davon ab, ob die Rolle der EU als ausschlaggebende Beschützerin und Rüstungsausgaben-Mitfinanziererin der USA glaubwürdig bleibt.

    Das kann die EU allemal stemmen, denn sie „ist eine größere Wirtschaftsmacht, als die USA. Und mit Frankreich ist die EU auch eine Atommacht. Warum sollte ein solcher Block mit so viel Geld nicht in der Lage sein, für seine eigene Sicherheit zu sorgen“ und obendrein als besonderer Clou die Sicherheit der wirtschaftsschwachen USA garantieren können?

    Dass sich auf diesem Weg die USA zu einem unsouveränen Vasallen Europas entwickeln kann, die EU künftig die geopoltischen Ziele vorgibt und laut Putzfrau Gretel der gemeinsame transatlantische „Verteidigungs-Stuhlkreis für piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb“ dies nur leidlich verbrämt, ist im Ergebnis freilich unschön.

    Insofern erscheint es gewissermaßen angesagt, die eigensinnigen „französischen Geostrategen zumindest einen Teil der historischen politischen Macht Frankreichs wiederherstellen“ und sie ein wenig zum Sündenbock für die verlorene Macht der USA werden zu lassen, damit die Ex-Weltmacht „im geopolitischen Schach“ nicht völlig ihr Gesicht verliert.

    Wie auch immer ist eines mit der deutschen Putzfrau Gretel und dem amerikanischen Putzmann Joe hundertprozentig sicher: Die EU wird „ihre Rüstungsausgaben und damit ihre Zahlungen an die US-Rüstungsindustrie immer weiter erhöhen“, schon aus reiner Nächstenliebe zum transatlantischen Erblasser inklusive seiner Schulden und um keinen „historischen Fehler“, sondern aus alt neu zu machen.

    Liken

    Verfasst von Rosa | 19. November 2020, 21:51

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Archiv

%d Bloggern gefällt das: