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Debatte, Gesellschaft

Wie wir die Unfähigkeit zu einer Institution gemacht haben

von Charles Hugh Smith – https://www.theblogcat.de/

Ihr habt vermutlich bemerkt, dass die Dinge nicht mehr so wie früher funktionieren. Zum Beispiel sagt das Online-Inventar eines Ladens, dass etwas vorrätig ist, und wenn man zum Geschäft kommt, dann ist es nicht auf Lager. Ein kleine Sache, aber trotzdem vielsagend.

Man ruft etwa eine örtliche Behörde an und will eine Erklärung dafür, wie eine neue Gebühr berechnet wurde, und nie ist jemand erreichbar, der es erklären könnte – oder eine Gebühr plus Säumniszuschlag zu klären, obwohl man rechtzeitig bezahlt hat.

Ihr habt vielleicht bemerkt, dass Dienstleistungen viel teurer geworden sind, die Qualität hat aber abgenommen. Sicher, es ist leicht, das auf die Pandemie zu schieben, aber die Qualität nimmt seit Jahren ab, so wie die Kosten seit Jahren gestiegen sind.

Ihr habt vielleicht bemerkt, dass bei öffentlichen Projekten die Kosten aus dem Ruder laufen. Diese $1 Milliarden Brücke kostet jetzt $3 Mrd. – tschuldigung, sagen wir $4 Milliarden. Sollte sie je fertig gestellt werden, dann schätzen wir besser $5 Milliarden.

Ihr habt vielleicht bemerkt, dass in die Infrastruktur, die Bildung, den Kampf gegen Obdachlosigkeit usw. enorme Investitionen getätigt werden, dass es aber die Lage nicht wirklich verbessert oder löst. Selbst die grundlegendsten Projekte dauern Jahre oder Jahrzehnte, Staus und Obdachlosigkeit nehmen zu und die Bildung – mit der echten Wirtschaft hat sie eh nichts zu tun – taumelt vor sich hin.

Ihr habt vielleicht bemerkt, dass all die hochbezahlten Analysten, Akademiker, Think Tank Gurus, die Teufelskerle im privaten Sektor usw. entweder ahnungslos, inkohärent oder wahnhaft sind. All ihre „Lösungen“ lassen sich auf eine Empfehlung reduzieren: sorgt dafür, dass der Trog bis zum Rand gefüllt bleibt, egal wie viele Schweine sich dort vollfressen.

Die Inkompetenz ist mittlerweile so verbreitet, so eingenistet, so offensichtlich und so unumkehrbar, dass wir endlich erkennen müssen, dass die USA die Inkompetenz institutionalisiert haben. Warum? Das ist eine interessante Frage, und es gibt nicht die eine Antwort.

Allgemein gesprochen geht es nur um das Eigeninteresse. Jede Entscheidung wird getroffen um das Eigeninteresse zu maximieren, während das räuberische Verhalten mit krank süßlicher Propaganda der durchsichtigsten Art übertüncht wird.

Die Institutionen schützen die Insider, denn jeder Insider muss deren Eigeninteresse und das allgemeine Versagen der Institution verschleiern. Insider schützen andere Insider, außer eine Enthüllung legt die Tricks und Betrügereien und das Versagen der Institution offen, seinen Zweck zu erfüllen.

Risiko muss um jeden Preis vermieden werden, denn jeder Fehler könnte das systematische Versagen ganzer Organisationen aufdecken. Somit ist „Arsch an die Wand“ das „Leitprinzip unserer Zeit“.  https://www.zerohedge.com/markets/guiding-principle-our-time-cya  Wenn Insider bloß den Status quo aufrechterhalten und nicht mit riskanten Neuerungen oder Politiken Unruhe erzeugen, dann wird niemand sich zu sehr mit dem systemischen Versagen beschäftigen oder mit den steigenden Risiken, dass der ganze verfaulte Mist zusammenkracht.

So sind wir dazu übergegangen, immer mehr von dem zu tun, was spektakulär gescheitert ist. In der Tat ist ein spektakuläres Scheitern die Entschuldigung für größere Budgets, mehr Personal, mehr Gutachten usw.

Die Kerngeschäfte Amerikas sind Monopol und Korruption. In beiden Fällen kann der Kunde/Endnutzer ignoriert werden, weil er keine wirkliche Wahl hat. Oder die Wahl ist falsch: Deine Wahl der Krankenkasse, des Internetanbieters usw. liegt zwischen zwei gleichermaßen räuberischen Unternehmen.

Als Folge des Netzwerkeffekts gibt es bei Big Tech Quasi-Monopole im Überfluss. Ja, es gibt alternative Plattformen zum Einstellen von Videos außer YouTube, aber nur wenige werden deine Inhalte sehen, weil „jeder zu YouTube geht“. Die Anbieter von Inhalten müssen also nicht nur für ihre Inhalte werben, sondern auch für die alternative Plattform in einem System, das so manipuliert ist, dass es die Monopol-Plattformen begünstigt.

Korruption schränkt die Transparenz und den Wettbewerb ebenso ein wie Monopole und Kartelle. Insider manipulieren den Einstellungsprozess, damit Kumpane und Verwandte die Jobs bekommen und so weiter. Diejenigen, die mit der Aufsicht betraut sind, schauen weg, weil nach ihrer Pensionierung eine bequeme Position auf sie wartet, wenn sie nur den Mund halten.

Dann gibt es die inkompetenten Eliten an der Spitze. Sie haben alle die richtigen Karten ausgespielt – Eliteuniversität, mehrere Diplome, Praktikum bei den richtigen Richtern, in einer Investmentbank usw. – aber sie haben absolut nichts anderes gelernt, als sich in einem korrupten System zurechtzufinden, das Inkompetenz schützt oder sogar belohnt.

Was die herrschenden Eliten in Amerika lernen: Jemand wird mir aus der Patsche helfen. Die Regierung wird die finanzielle Rettung finanzieren, die Strafen werden geringfügig sein sein, die Universität wird mich auf eine hoch bezahlte Position aus dem Rampenlicht schieben, und so weiter.

Und immer, immer und immer wieder wird der Futtertrog bis zum Rand gefüllt sein, unabhängig von den Kosten oder der Inkompetenz. Aufopferung und Disziplin sind in Amerikas Eliten auf Plattitüden reduziert worden, ihre Kernkompetenz darin besteht, Mea culpas zu sagen, wenn sie erwischt werden.

Ein enormer Prozentsatz der gut bezahlten „Arbeit“ hat mit Regelkonformität zu tun. Da das Streben nach Eigeninteresse die Kompetenz verkümmern ließ, sind wir davon besessen, stets darauf zu achten, uns an akzeptierte Praktiken anzupassen, ob sie nun Sinn machen oder nicht.

Das ist die Essenz der Bullshit-Arbeit: die ganze Compliance-Arbeit hat nichts mit der tatsächlichen Produktion von Gütern und Dienstleistungen oder Innovation oder Exzellenz zu tun; wie der verstorbene David Graeber über die BS-Arbeit sagte: Jeder, der sie leistet, weiß, dass sie wertlos ist.

Regelkonformität ist der perfekte Deckmantel für institutionalisierte Inkompetenz. Die Ironie ist recht reichhaltig: Systemische Inkompetenz wird durch inkompetente Compliance-Maßnahmen überdeckt, und sie alle leeren den Futtertrog.

Es gibt nur noch einen Weg, den Futtertrog zu füllen, der durch systemische Inkompetenz geleert wird: Billionen an „kostenlosem Geld“, für ewig. Dass diese Extravaganz von endlosem „kostenlosen Geld“ die Währung versaut, das wird ignoriert, weil alle regierenden Inkompetenten darauf trainiert wurden, absolut darauf zu vertrauen, dass sie jemand retten wird.

Und so stehen wir vor der ultimativen Ironie: Die Rettung von allem – das zerstört das gesamte verrottete System. Kompetenz bedeutet jetzt, sich erfolgreich in inkompetenten Systemen zurechtzufinden, die durch Eigeninteresse korrumpiert sind. Das bedeutet, jedes Risiko zu vermeiden und alles so zu belassen wie es ist, damit niemand das Systemversagen bemerkt.

Was wir institutionalisiert haben, ist zum Scheitern verurteilt: Wir werden einfach noch mehr von dem, was spektakulär gescheitert ist, tun, bis der gesamte Status quo in einem stinkenden Haufen aus Gier, Eigennutz und krasser Inkompetenz zusammenbricht.

https://www.oftwominds.com/blogoct20/incompetence10-20.html

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/inkompetenz-12-10-2020/

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Wie wir die Unfähigkeit zu einer Institution gemacht haben

  1. Ja, die größte Institution in solchen kleinen und großen Unternehmen ist das gemeinsame Lügen.

    Ich arbeite in so einem Outsourcing- Dienstlestungs-Saftladen, der für ein großes deutsches Unternehmen arbeitet. Das große Saftladen beschäftigt die Leute aus dem kleineren Saftladen, weil das billiger ist, aber vor allem Dingen weil es so für alle leichter ist völlig verantwortungslos zu handeln, darin besteht der eigentliche Zweck.

    Auf theblogcat gibt’s auch dieses Video:

    Economic Hell on Earth Is Coming, Warns Gerald Celente

    Liken

    Verfasst von MyName | 14. Oktober 2020, 23:30

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