//
du liest...
Ausland, Welt

China: Die USA brechen neuen Kalten Krieg vom Zaun und Europa soll mitspielen

von Thomas Röper – https://www.anti-spiegel.ru/

Wir erfahren immer öfter, dass Deutschland und die EU sich endlich gegen China stellen müssen. Warum eigentlich, wenn China Europa militärisch nicht bedroht, europäische Firmen aber hervorragende Geschäfte mit China machen? Weil die USA es so wollen.

Im Spiegel ist am Mittwoch ein Artikel erschienen, den man sich genauer anschauen sollte. Unter der Überschrift „Transatlantik-Koordinator – „Kalter Krieg zwischen USA und China hat bereits begonnen““ haben wir erfahren, dass die Gangart gegen China nun endlich verschärft werden muss, weil die Transatlantiker das so wollen:

„Eindringliche Worte des Transatlantik-Koordinators der Bundesregierung: Peter Beyer (CDU) sieht das Verhältnis zwischen den USA und China am Beginn eines kalten Krieges. Der Konflikt zwischen Peking und Washington werde „dieses noch junge Jahrhundert prägen“, sagte Beyer im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP.“

Was hier fehlt, ist die Frage, wer denn diesen Kalten Krieg angefangen hat. Bekanntermaßen waren das die USA unter Trump, als sie mit Handelskriegen begonnen haben und dann auch angefangen Botschaften zu schließen, Diplomaten, Journalisten und Studenten auszuweisen und so weiter. Keinen dieser Schritte hat China initiiert, es waren bei jedem Thema die USA, die neue Felder der Eskalation eröffnet haben.

Wie man Menschen in Kriege hetzt

Für die USA geht es um die berühmte „worldwide dominance“. Das ist ein gut klingendes Wort, aber wenn man es übersetzt, dann bedeutet es „die Welt dominieren“ oder noch einfacher auf den Punkt gebracht: „Die Welt beherrschen“

Die USA wollen die Weltherrschaft und das sagen sie auch ganz offen. Ihre Geostrategen verkünden das in Büchern (siehe zum Beispiel „Die einzige Weltmacht“) oder auf Konferenzen und Tagungen. Dazu sind ihnen so ziemlich alle Mittel recht. Darin unterscheiden die USA sich kein bisschen von früheren Imperien (also Weltmächten), wie dem britischen oder dem spanischen Imperium.

Nun ist es aber so, dass man das den Menschen nicht so offen sagen kann, denn. die einfachen Menschen wollen keine Kriege und sie wollen ihre Jobs auch nicht wegen irgendwelcher Sanktionen verlieren. Also muss man sich etwas ausdenken, was die Menschen bereit macht, für die Ziele des Imperiums zu leiden und notfalls als Soldaten zu sterben.

Das spanische Imperium hat den Menschen erzählt, dass man die Wilden in den Amerikas zum wahren Glauben bekehren müsse, es ginge darum, ihre Seelen vor den Qualen der Hölle zu retten. Um Gold und Silber ging es natürlich nie.

Das britische Imperium hat den Menschen erzählt, es ginge darum, den unzivilisierten Völkern Zivilisation und Fortschritt zu bringen. Zum Beispiel hat das britische Imperium von 100 Jahren darüber gestöhnt, wie anstrengend es sei, den armen Persern die Zivilisation zu bringen, aber alleine regieren könnten sie sich nicht, also hat das britische Imperium sich aufopferungsvoll um Persien gekümmert und auch gleich das persische Öl unter britische Kontrolle gebracht. Jetzt heißt Persien übrigens Iran.

Heute erzählt man uns, dass wir den armen und unterdrückten Völkern im Iran, in China, in Russland und so weiter die Demokratie bringen müssen. Um Märkte, Milliardengeschäfte und Öl geht es natürlich auch heute nicht. Es geht angeblich nur um Demokratie und Menschenrechte, die die USA ganz selbstlos in die Welt tragen. Und die EU muss dabei natürlich helfen und bereit sein, dafür auch Opfer zu bringen.

Es ging den Imperien offiziell immer die „gute Sache“, daran hat sich nichts geändert. Nur die „gute Sache“ ist mit der Mode gegangen. Was früher das Seelenheil der Indianer war, sind heute Demokratie und Menschenrechte in China. Und früher genauso wie heute folgen die Menschen diesen schönen Worten und glauben sie sogar.

Transatlantische Werte

In dem Spiegel-Artikel konnte man weiter lesen:

„Der CDU-Politiker forderte eine Rückbesinnung auf die „vermeintlich verstaubten transatlantischen Werte“. In erster Linie denke er dabei an „Freiheit und Demokratie, Frieden und Wohlstand“. Dies seien Werte, „die die Amerikaner uns Deutschen gebracht haben“ und in deren Bewusstsein die „intensive und vitale Partnerschaft mit den USA“ fortgeschrieben werden müsse.“

So wie auch bei früheren Imperien sind das alles schöne – aber leere – Parolen. Das lässt sich leicht aufzeigen.

Seit 1990 haben die USA mit Unterstützung europäischer Länder viele Kriege geführt, um „Freiheit und Demokratie“ in die Welt zu tragen. Die Liste der Kriege und betroffenen Länder ist lang: Kosovo, Afghanistan, Irak, Somalia, Libyen und Syrien sind die Länder, in denen die USA am intensivsten „Freiheit und Demokratie“ gebracht haben. Aber in welchem dieser Länder hat das funktioniert?

Wenn Sie einen Transatlantiker kennen, stellen Sie ihm mal diese einfache Frage.

Dafür haben die USA im Irak und Syrien reichlich Bodenschätze kassiert. Afghanistan wurde in seiner neuen „Freiheit und Demokratie“ zum weltweit größten Anbaugebiet und Exporteur von Drogen. Im Kosovo gab es zwar nichts zu holen, aber dafür wurde – so ein Zufall – mit Jugoslawien der letzte sozialistische Staat in Europa zerschlagen, in dem der Sozialismus sogar einigermaßen funktioniert hat.

Das Bringen von „Freiheit und Demokratie“ hat also in keinem Land funktioniert.

Aber wir haben den Ländern ja noch „Frieden und Wohlstand“ gebracht. Äh, nein, auch nicht, wir haben all den Ländern erst Krieg und dann die totale Verarmung gebracht – also das Gegenteil von dem, was uns die Transatlantiker den ganzen Tag erzählen.

Nur: Was bleibt dann von den vielgepriesenen Worthülsen der „transatlantischen Werte“ übrig?

Man muss sich fragen, ob die USA denn wenigstens selbst in „Frieden und „Wohlstand“ leben, die sie in die Welt tragen wollen. In den USA waren schon vor der Coronakrise 37 Millionen Menschen vom Hunger bedroht, weil sie auf Lebensmittelmarken angewiesen waren. Das sind mehr als elf Prozent der US-Bevölkerung.

Wie war das jetzt mit dem Wohlstand? Vielleicht sollten die USA den erst einmal zu sich selbst bringen, bevor sie die Welt damit beglücken?

Warum China der neue Feind ist

China macht eine andere Wirtschaftspolitik, als die USA. Und das auch noch erfolgreich.

China hatte 1980 eine Armutsquote von 88 Prozent und hat diese bis 2015 auf 0,7 Prozent gesenkt, sagt die Weltbank. Das sind Zahlen, von denen die USA (und auch europäische Staaten) nur träumen können. Für 2020 war geplant, dass China die Quote auf Null senkt, was sich wegen Corona aber wohl verzögern wird.

Man muss sich fragen, warum wir das in den „Qualitätsmedien“ nie lesen. Dort erfahren wir immer nur, dass China eine böse Diktatur ist, dass dort alle überwacht und unterdrückt werden und so weiter.

Apropos Überwachung: Ist es denn bei uns anders? Der amerikanische Geheimdienst NSA liest alle Mails mit, hört alle Telefonate ab und hat auch Zugriff auf andere Daten, die wir in unseren Handys haben. Das aber wird von den „Qualitätsmedien“ kaum thematisiert, dabei sehe ich es ganz einfach: Entweder ist Überwachung ganz böse, oder nicht. Aber uns von der „bösen Überwachung“ in China zu erzählen und die „gute Überwachung“ bei uns unter den Teppich zu kehren, ist Propaganda, keine Berichterstattung.

Daher wird China von Geostrategen längst als „systemischer Rivale“ bezeichnet. Das zeigt, worum es tatsächlich geht. Nicht etwa um Demokratie und Menschenrechte, sondern um den Erhalt des (amerikanischen) Systems. Und da die USA den Kampf nicht alleine gewinnen können, müssen die Europäer sich dem Kampf anschließen, auch wenn er zu ihrem Schaden ist. Es wäre ja auch wirklich ein Unding, wenn im Westen jemand auf die Idee kommen würde, die Armut abzuschaffen, so wie China es tut.

In Deutschland – auch das war am gleichen Tag im Spiegel zu lesen – steigt die Armut unter den alten Menschen. Den Betroffenen darf man nicht erzählen, dass es in China (oder auch Russland) die entgegengesetzte Tendenz gibt. Dort geht es den alten Menschen immer besser, die Staaten kümmern sich um sie und erhöhen die Renten regelmäßig deutlich stärker, als die Inflationsrate steigt. Dort steigen also die Realeinkommen der Rentner. Sie sind deshalb dort nicht reich, aber sie kommen jedes Jahr ein Stück mehr aus der Armut heraus. In Russland zum Beispiel haben Rentner inzwischen genau soviel Geld zum Leben, wie in Deutschland, wie ich hier aufgezeigt habe.

Russland und China, die beiden – laut den „Qualitätsmedien“ – bösen Diktaturen sind also erfolgreich dabei, die Armut zu bekämpfen und den Lebensstandard zu heben. Im Westen mit seinem Wirtschaftssystem sehen wir eine gegensätzliche Tendenz: Die Altersarmut steigt und der Zweitjob kommt in Mode, weil ein Job nicht mehr zum Leben reicht.

China ist aggressiv?

Ich lebe seit 20 Jahren im Ausland und zwar nicht im Westen, sondern in Russland. Und ich habe dabei etwas überraschendes bemerkt: Die Geschichte eines Landes prägt die Menschen und ihr Denken weit mehr, als die meisten ahnen.

Der westliche Egoismus, den man uns als „Individualismus“ verkauft und der angeblich etwas Gutes ist, macht es den Menschen im Westen unmöglich zu verstehen, dass Menschen woanders auf der Welt ganz anders „ticken“. Russland ist nicht durch Kriege so groß geworden und auch nicht durch die gewaltsame Unterwerfung von Ureinwohnern oder das Vernichten ihrer Kultur. Das russische Zarenreich hat dünn besiedelte Gebiete kolonisiert und die Ureinwohner in Ruhe gelassen. Später dann haben sie Zivilisation, Bildung, ja sogar die Schrift von den Russen gelernt. Die kyrillische Schrift wurde zum Beispiel den Kasachen nicht aufgezwungen, sie hatten vorher gar keine Schrift. Und so war es bei vielen Völkern Osten der ehemaligen Sowjetunion.

Auch China hat sich nie gewaltsam ausgebreitet. Chinas Entdecker sind schon nach Afrika gesegelt, als die Europäer das noch nicht konnten. Aber China hat sich auf den Handel beschränkt, nicht erobert. Und dann hat China entschieden, dass es sich selbst genug ist und hat diese Reisen aufgegeben. In China gibt es keine Tradition oder Mentalität, andere zu erobern oder ihnen den chinesischen Willen aufzuzwingen.

Das ist einer der Gründe, warum vor allem China, aber auch Russland, zum Beispiel in Afrika solche Erfolge feiern: Sie zwingen den Ländern nicht ihr Denken und ihr System auf, sondern sie machen Handelsverträge auf Augenhöhe, von denen alle Beteiligten profitieren, ohne ihnen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben.

Der Westen hingegen setzt in Afrika seine Kolonisierungspolitik fort, indem er den Ländern Sanktionen androht, die nicht bereit sind, ihre Bodenschätze zu den diktierten Bedingungen zu teilen. Wie das funktioniert habe ich hier erklärt.

Und auch Russland ist entgegen aller Parolen der Transatlantiker keineswegs aggressiv. Und das wissen die auch und sie sagen es ganz offen. Die Rand-Corporation, ein sehr einflussreicher Think Tank in den USA, hat sich in einer Studie darüber beklagt, dass Russland trotz aller Provokationen nicht aggressiv reagiert. Anstatt aber daraus zu schließen, man müsse nun im Interesse des gemeinsamen Wohlstandes zusammen arbeiten, hat die Rand-Corporation eine Liste von Maßnahmen erarbeitet, mit denen Russland so sehr provoziert werden soll, dass es endlich aggressiv reagiert.

Und genau das ist es, was uns der im Spiegel zitierte Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung Peter Beyer tatsächlich sagen will: „China ist nicht aggressiv, aber es steht den Weltmachtsfantasien der USA im Weg. Und unsere Aufgabe als Europäer ist es, den USA zu helfen, Weltmacht zu bleiben. Auch wenn wir den Preis dafür zahlen.“

Im Spiegel war erst im letzten Absatz verklausiliert zu lesen, dass es nicht um Menschenrechte und Demokratie geht, sondern einfach nur um den Kampf für das (amerikanische) System:

„Es gehe nicht darum, in einer „transatlantischen Nostalgie zu verharren“. Vielmehr müsse Europa darüber hinaus schauen, „was wir auf diesem Wertefundament aufbauen können – auch mit Blick auf die Systemrivalen China und Russland“.“

Das ist der Grund, warum „Transatlantiker“ für mich inzwischen ein Schimpfwort geworden ist.

China: Die USA brechen neuen Kalten Krieg vom Zaun und Europa soll mitspielen

Diskussionen

2 Gedanken zu “China: Die USA brechen neuen Kalten Krieg vom Zaun und Europa soll mitspielen

  1. China hat doch Recht, denn der Ami will unbedingt Krieg haben und lässt an China und RUS kein gutes Haar. Europa soll Krieg anfangen weil der Ami weiß, dass dann Europa pulverrisiert wird und als Wirtschaftsmacht stirbt. Dann kann er sich auf den Rest der Welt als Polizist ungenier ausbreiten, denkt der Ami, gell? und unsere Politiker bestochen und blöder als blöd machen da mit.

    Liken

    Verfasst von reine tiroch | 20. Oktober 2020, 10:11
  2. Nicht so viel Staatsfernsehen kucken, dann halten sich auch die Paranoia in Grenzen.

    Davon mal ganz abgesehen hat jeder seine eigene Agenda und kocht sein eigenes Süppchen.

    Weder die Russen noch die Chinesen sind unsere Freunde, sondern verfolgen nur die eigenen Interessen.

    Liken

    Verfasst von Rainer Hoon | 3. Oktober 2020, 17:43

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Archiv

%d Bloggern gefällt das: