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Inland, Wirtschaftspolitik

Nord Stream 2 und das transatlantische Fracking-Dilemma von Regierung und Grünen

von Thomas Röper – https://www.anti-spiegel.ru/

Der Fall Navalny hat bei den Kritikern von Nord Stream 2 Hoffnungen geweckt, das Projekt doch noch in letzter Minute stoppen zu können. Erstaunlich dabei: Die Alternative zu der Pipeline wäre genauso klimaschädlich, wie Kohle, was aber vor allem die Grünen nicht zu stören scheint.

Russland sagt immer wieder, Nord Stream 2 sei kein politisches, sondern ein wirtschaftliches Projekt. Diese Aussage ist insofern korrekt, weil die EU (und vor allem Deutschland) in den nächsten Jahren sehr viel mehr Erdgas benötigen werden. Die Gasförderungen in der Nordsee sind rückläufig, die Quellen dort und in Norwegen haben den Höhepunkt ihrer Fördermengen überschritten und werden in Zukunft immer weniger Gas fördern. Da jedoch allein durch den in Deutschland beschlossenen Ausstieg aus Kohle und Atomkraft der Bedarf an Erdgas in die Höhe getrieben wird, sind zusätzliche Gasinporte unvermeidlich.

Erdgas – Die umweltfreundlichere Alternative zur Kohle

Erdgas ist von allen fossilen Ernergieträgern noch der umweltfreundlichste, wenn man der Logik des menschengemachten Klimawandels folgt, denn es setzt bei der Verbrennung weit weniger CO2 frei, als andere Energieträger. Daher wird Erdgas auch gerne als „Übergangstechnologie“ bezeichnet, die nach dem Ausstieg aus Kohle und Atomkraft die Energieversorgung sichern soll, bis irgendwann mal die Energieversorgung aus regenerativen Energien gesichert werden kann.

Ob das sinnhaftig, realistisch oder auch nur möglich ist, soll hier nicht das Thema sein. Es geht hier um die Argumentation der Grünen und aller anderer Parteien, die diese Politik fordern und in Gesetzesform gießen.

Erdgas soll also die Folgen des Kohle- und Atomausstieges abfangen. Nur wenn es nach den Grünen geht, dann soll das bitte schön kein russisches Gas sein. Das ist merkwürdig, denn egal, wie man zu Russland steht, Russland hat sich seit nunmehr 50 Jahren auch in den größten politischen Krisen als zuverlässiger Lieferant erwiesen, wenn man seine Rechnungen nur pünktlich bezahlt. Hinzu kommt, dass das russische Erdgas das billigste ist, das man in Europa bekommen kann.

Flüssiggas und Fracking

Während die Grünen in jedes Mikrofon plappern, dass sie komplett gegen jede Form von Erdgas sind – was auch Nord Stream 2 einschließt – unterstützen sie hinter den Kulissen und von den Medien unbemerkt den Ausbau der Infrastruktur für Flüssiggas. Flüssiggas (oder LNG) wird verflüssigt, in Tankern transportiert und dann in speziellen Terminals entladen. Diese Art des Transports ist – unabhängig von der Art der Förderung – wesentlich teurer, als der Transport durch Pipelines.

Das Problem ist, dass Lieferverträge für Gas auf Jahre oder Jahrzehnte im Voraus geschlossen werden, sonst würden sich die hohen Investitionen in Pipelines oder Tanker nicht lohnen. Staaten können also nicht mal eben den Anbieter wechseln. Flüssiggas ist überall dort gefragt, wohin man keine Pipelines legen kann, zum Beispiel also im asiatischen Fernen Osten, in Australien oder Südamerika. Das macht das Gas zwar teurer, aber es gibt keine andere Möglichkeit, es dorthin zu transportieren.

Da die Anbieter von Flüssiggas also vertragliche Verpflichtungen und kaum freie Kapazitäten haben, stellt sich die Frage, warum in Europa plötzlich Terminals für Flüssiggas gebaut werden. Und die Antwort ist einfach: Die USA sind durch Fracking zu einem Exporteur von Erdgas geworden und wollen es verkaufen. Daher auch der Druck der USA auf Nord Stream 2: Gäbe es in Europa genug russisches Gas, das um ca. 30 Prozent billiger ist, als das durch teures Fracking geförderte und in Flüssiggastankern transportierte US-Gas, würde es in Europa niemand kaufen. Wer zahlt schon freiwillig 30 Prozent mehr für die gleiche Ware?

Wenn also in Deutschland vom „Ausbau der Infrastruktur für Flüssiggas“ die Rede ist, dann geht es in Wahrheit um US-Frackinggas. Wer für Flüssiggas wirbt und so schöne Worte wie „Diversifizierung im Energiesektor“ benutzt, der lobbyiert in Wahrheit US-Frackinggas, denn es gibt kaum andere freie Flüssiggas-Kapazitäten auf der Welt.

Wenn man nun noch weiß, dass das Fracking unglaublich umweltschädlich ist und dass dabei auch noch so hohe Mengen an CO2 und Methan austreten, dass es insgesamt schmutziger ist, als Kohle, dann wird offensichtlich, dass die ganze Argumentation der Grünen nichts weiter ist, als Wählerbetrug. Sie feuern die Friday-Hüpfer an, fordern am lautesten den Kohleausstieg, nur um dann dafür zu stimmen, dass der deutsche Staat den Import von US-Frackinggas subventioniert, obwohl man dann auch gleich bei der Kohleverbrennung hätte bleiben können.

Grüne und Regierung in Verlogenheit vereint

Aber es sind nicht nur die Grünen, die so verlogen agieren. Die Regierungssprecher wurden auf der Regierungspressekonferenz danach gefragt und sie waren keinen Deut besser. Auch die Regierung weiß natürlich, dass der Druck der USA auf Nord Stream 2 ausschließlich mit dem Wunsch der USA zusammenhängt, US-Frackinggas nach Europa zu verkaufen. Letzte Woche gab es Meldungen, dass der deutsche Finanzminister Scholz seinem US-Amtskollegen in einem Brief angeboten haben soll, dass Deutschland das US-Frackinggas mit bis zu zwei Milliarden Euro subventioniert, wenn die USA im Gegenzug von Sanktionen gegen Nord Stream 2 absehen.

Nach diesem Brief gefragt, gerieten die Regierungssprecher ins Schwimmen. Eine Antwort gaben sie nicht, stattdessen hat Kanzleramtssprecher Seibert wortreich von der „Übergangstechnologie“ gesprochen und von der „Diversifizierung“, die notwendig sei, weshalb man auf den Ausbau der Infrastruktur für LNG (also Flüssiggas) setze. Auch als Journalisten explizit danach gefragt haben, wie das denn zu den Klimazielen passt, wurde die gleiche Antwort wiederholt, anstatt auf die Journalistenfrage zu antworten.

Bundespressekonferenz zu Nord Stream 2: Regierungssprecher singt Hohelied auf US-Fracking-Gas

Wir fassen zusammen: Die USA drohen ihrem angeblichen Freund und Verbündeten mit Sanktionen, wenn dieser Freund und Verbündete sein Gas nicht bei ihnen kauft. Und anstatt gegen diese Frechheit vorzugehen, subventioniert die deutsche Regierung die Infrastruktur für US-Gas und antwortet nicht einmal auf Fragen nach den Klimazielen, so groß scheint die Angst vor dem „großen Bruder“ zu sein. Ein solch unterwürfiges Verhalten haben in früheren Jahren nur die Marionetten-Regierungen von Kolonien gegenüber ihrem Kolonialherrn gezeigt. Das lässt tief blicken.

Keine Kritik in den „Qualitätsmedien“

Die Frage, ob man überhaupt Erdgas in den USA kaufen sollte, wird nicht einmal gestellt. Dabei zeigt das Beispiel der Sanktionen gegen Nord Stream 2, dass die USA nicht davor zurückschrecken, was sie Russland vorwerfen: Druck zu machen.

Während Russland seit 50 Jahren auch in den tiefsten politischen Krisen immer zuverlässig geliefert hat, zeigen die USA derzeit, wie zuverlässig sie sind. Im Sommer hat US-Außenminister Pompeo mit Lukaschenko die Lieferung von US-Öl an Weißrussland ausgehandelt, nun aber sollen die Lieferungen wieder eingestellt werden, weil Weißrussland ungehorsam ist und sich nicht aus dem Westen vorschreiben lassen will, wer weißrussischer Präsident sein darf.

Sollte Deutschland also eine nennenswerte Menge an US-Gas importieren, kann man erwarten, dass die USA die Lieferungen auch jederzeit einstellen, wenn Deutschland sich in irgendeiner Frage ungehorsam verhält. Will man sich in Berlin davon wirklich abhängig machen?

Dieses Thema zeigt auch das Totalversagen der deutschen „Qualitätsmedien“, die das Thema schlicht ignorieren. Sie teilen ihren Lesern weder mit, dass die Grünen klammheimlich für das Gegenteil von dem stimmen, was sie ihren Wählern versprechen, noch teilen sie ihren Lesern mit, dass die Bundesregierung das angeblich so wichtige Klimaziel nicht mehr wichtig findet, wenn es um US-Frackinggas geht.

Grüne fordern Bundestagsabstimmung zu Nord Stream 2

Am Freitag haben die Grünen im Bundestag gefordert, sofort über das Ende von Nord Stream 2 abzustimmen. Der Titel ihres Antrags lautete: „Nord Stream 2 die politische Unterstützung entziehen und den Bau stoppen.“ Die AfD hatte einen gegenteiligen Antrag unter dem Titel „Energiesicherheit gewährleisten – Nord Stream 2 unterstützen“ eingebracht.

Grünen-Chefin Anna-Lena Baerbock sagte in der Debatte an die Adresse der Regierung:

„Diese Gaspipeline Nord Stream 2 spaltet Europa. (…) Entziehen Sie dieser Pipeline endlich Ihre politische Unterstützung. Jetzt ist der Moment gekommen, Farbe zu bekennen.“

Was sie dabei vergessen hatte zu sagen, war: „Machen Sie einen weiteren Diener vor den USA und unterstützen Sie endlich den Kauf von teurerem und umweltschädlichem Frackinggas aus den USA!

Nord Stream 2 und das transatlantische Fracking-Dilemma von Regierung und Grünen

Diskussionen

5 Gedanken zu “Nord Stream 2 und das transatlantische Fracking-Dilemma von Regierung und Grünen

  1. eine Pipeline mit der Russenmafia ist auf jeden Fall sicherer.
    Und man muss Transitländern wie den Türken, Polen oder
    Ukrainern kein unnötiges Geld in den …. stecken.

    Vielleicht hat Erdogan den Jawollni vergiftet? oder der Lukaschenkow?

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    Verfasst von Kaminer | 24. September 2020, 13:18
    • Da hätte ich eher unsere amerikanischen Freunde in Verdacht.

      Wenn sich aber am Ende herausstellen würde, dass Krawallny überhaupt nicht vergiftet wurde, würde mich das allerdings auch nicht überraschen.

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      Verfasst von Steamboat Willie | 24. September 2020, 17:41
  2. »“Entziehen sie dieser Pipeline endlich die Unterstützung!“, appellierte Baerbock mit Blick auf Nord Stream 2 und argumentierte: Dass sich die Nord Stream AG nicht an europäisches Recht halten wolle, sei schon dadurch belegt, dass sie sich gar nicht in Europa habe registrieren lassen, sondern in der Stadt Zug in der Schweiz!«

    Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Die-merkwuerdige-Energiepolitik-der-Gruenen-4906903.html

    Die ist so dumm. Hat wahrscheinlich zuviel Kobold zu sich genommen 😉

    Wer wählt sowas eigentlich?

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    Verfasst von Steamboat Willie | 23. September 2020, 17:58
  3. Mit wiviel Millionen sind denn die Grünen so bestochen worden weil sie so wild auf die Einstellung von Nord-Stream2 sind? Die sind gegen Erdgas und gleichzeitig für Fraking diese Arschlöcher?

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    Verfasst von reinertiroch | 23. September 2020, 8:18
    • Die grünen Abgeordneten, der Sabbel-Seibert und unsere selbsternannten Qualitätsjournalisten verdienen sehr gut. Denen ist es egal, ob wir unsere Heizkosten bezahlen können und uns im Winter den Arsch abfrieren müssen. Solange sie nicht selber betroffen sind ist doch alles im Lot für sie.

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      Verfasst von Steamboat Willie | 23. September 2020, 17:53

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