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Debatte, Linke Bewegung

Angst

von Klaus Linder – https://www.facebook.com/klaus.linder.332

„Das Manifest“ sagen Genossen gern unter sich, ein Kürzel von dem gewusst wird, was gemeint. Fragt ein Neuling „Welches Manifest“, kriegt er oft zu hören „Das Kommunistische Manifest“.

Da ist mit dem Kürzel schon der volle Sinn verloren gegangen. Denn das Manifest heißt „Manifest DER kommunistischen PARTEI“. Der ganze Umfang dessen was dort über Bewegung gesagt ist, in der die Kommunisten die Gesamtbewegung vertreten, erschließt sich nur, wenn auf jeden Satz angewendet wird, dass es dabei um die kommunistische PARTEI geht. Anders ist das Vertreten einer Bewegung, die Zukunft der Bewegung in der Bewegung, nicht gedacht.

In diesem Manifest der kommunistischen Partei heißt es unter anderem:

„… Bedingung des Kapitals ist die Lohnarbeit. Die Lohnarbeit beruht außschließlich auf der Konkurrenz der Proletarier unter sich.“

Das Manifest hat keinen Anlass sich in Psychologie zu ergehen, schon gar nicht in Individualpsychologie. Aber aus der Konkurrenz als allgemeiner Bedingung des Proletariats ergibt sich als leider Selbstverständlichkeit, dass für den Verkäufer der Ware Arbeitskraft das gesamte Dasein im Kapitalismus von ANGST durchdrungen ist. Auch da, wo der Zustand zu verhängt ist, um so noch wahrgenommen zu werden. Ich rede nicht bloß von Extrem- und Krisenzeiten, sondern von einer Angst im Kapitalismus, die auch in Zeiten der „Prosperität“ und „Konjuntur“ wirkt.

Die gibt es schon lange nicht mehr. In der jetzigen Phase der Weltwirtschaftskrise sind die schlimmsten Ängste im Zustande der allseitigen Konkurrenz vollkommen angemessen und müssen ihren Ausdruck finden. Sosehr die Ungreifbarkeit, „Gegenstandslosigkeit“ von Angst dieselbe nur noch vergrößert, so rational wären die Gründe für diese Ängste als Grundgefühl des proletarischen Lebens zu benennen. Gerade jetzt. Manchmal mag man sich fragen, wieso brechen in der jetzigen Zusammenbruchssituation die Ängste nicht nahezu rasend aus? Wieso erscheint das deutsche Proletariat noch relativ gelassen im Vergleich zum rotierenden kleinen Mittelstand?Ich denke: Die Einführung des „Hartz“-Regimes, der „Agenda 2020“ hat ein Ausmaß von allgenwärtiger Angst (und Konkurrenz) über die Arbeiterklasse verhängt, das schon vor 20 Jahren den Schrecken der verheerendsten Weltwirtschaftskrise entsprach. Aber der Schein muss trügen, wenn geglaubt wird, dass das alles jetzt nicht noch seine Steigerungsform erlebt. Und hier ist meines Erachtens der Punkt, an dem die seit 6 Monaten verbreitete Behauptung, es sei eine spezifische Coronangst erfunden worden, die „die Menschen“ überhaupt erst gefügig mache, und zu Verhaltensweisen des „Coronagehorsams“ treibe, die das eigentliche Wahrzeichen des „neuen“ Faschismus seien, endlich in den Bereich der Mythologie und der kleinbürgerlichen Küchenpsychologie verwiesen werden muss.

Wer das ernsthaft glaubt, erklärt die alles durchdringende, isolierende, beziehungszerstörende Angst im Kapitalismus unter der Bedingung proletarischer Konkurrenz zu einem Klacks, der nun mal zur Demokratie dazugehöre. Die – im übrigen immer noch halbwegs rational motivierte – Corona-Angst, der vielleicht daraus resultierende Gehorsam, selbst mögliche Entwürdigung in der Befolgung von Coronamaßnahmen sind wahrlich eine geringfügige Modifikation der Grundbedingung – und letztlich ein langgezogenes Zwischenspiel – gegen die ungeheure tägliche, jahrelange, dauernde Angst, die Menschen zu der Gehorsamsleistung zwingt, sich immer wieder zu demütigenden, absurden Auflagen beim Jobcenter einzufinden, noch als „nicht vermittelbar“ die sinnlosesten Verwendungen über sich ergehen zu lassen, deren einziger Zweck das Spiel „Unterwerfung oder Sanktionierung“ ist, während sie wissen, dass einige Wenige die Extraprofite noch vergrößern. Die Angst, die das ermöglicht, ist nichts bloß Psychisches sondern materielle Realität. Wer dort drinsteckt, würde sich vielleicht mit Freuden verpflichten, 2 Jahre eine sogar sinnlose Atemmaske zu tragen, wenn er dafür aus dieser eigentlichen Angst-Bedingung befreit wird.

Diese „Alternative“ ist natürlich irreal, denn eine humanistische Gesellschaft hätte kein Interesse als sinnlos Erkanntes zu verlangen. Ich will sagen: die dilettantische, verharmlosende „Massenpsychologie des Faschismus“, die sich an Erscheinungen von „Coronagehorsam“ abarbeitet, ist ein ganz gewöhnliches Schönreden der umgreifenden Angst und Zustände im Kapitalismus, aus der sie einen illusorischen Ausweg verspricht, der die Mehrheit der Betroffenen überhaupt nicht interessieren kann.
Selbstzerstörerisch wird die nach innen verlagerte, in sich selbst widerstreitende Angst, die ihren Gegner nicht mehr findet. Die Überwindung auch der Angst ist dem Proletariat möglich, sobald die Konkurrenz nicht mehr blind sein Verhältnis bestimmt. Erste Schritte, zeigt das Manifest: die proletarische Organisation, das Bewusstsein der Bedingung als Klasse, die Partei, der Klassenkampf, die Solidarität. Die Gegenprobe kann jeder machen, der einmal in einer Situation war, wo in einer solchen Organisation um ihn herum der Revisionismus um sich greift. Er wird an sich festgestellt haben, wenn dann – statt auf Genossen zu treffen – das bürgerliche Hickhack den ideologischen Kampf immer mehr durchdrang, oder wenn er in schlaflosen Nächten über Rückzug oder gar Austritt nachdachte, wie ein aus dem „kapitalistischen Normal“ nur zu bekannter Dauergast bei ihm wieder anklopfte: die nackte Angst. Er wird sich erinnern, dass diese Angst eine ganz andere Nummer ist als die, die man vor Corona haben kann.

Auch wenn es langweilt oder stillos erscheint, noch damit zu kommen – ich fühle mich immer noch verpflichtet zu warnen: Wer sich den fiktiven Lösungen der „Coronarebellen“ verschreibt, wird in der Angst ankommen, vor der er mit ihnen flüchtet.

https://www.facebook.com/klaus.linder.332

 

 

Diskussionen

6 Gedanken zu “Angst

  1. Ja, differenzieren, aber Ja. Lg

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    Verfasst von shunyani | 14. September 2020, 18:33
  2. Der amerikanische Weg:

    Einfach so tun, als wäre nix.

    Wenn man nicht hinkuckt und keine Angst hat wird schon nix passieren.

    Die Zahl an Kollateralschäden steigt zwar exponentiell an, was aber bestimmt aber auch nur an der Systemlügenpresse vom Imperium liegt. Man muss die Dinge auch nicht immer so schlecht reden wie sie sind.
    Nackt mit dem Motorrad mit 200 auf der Autobahn im Berufsverkehr ist echt toll. Die blöden Spiesser immer mit ihrer Vorsicht und Prävention. Sex ohne Kondom macht doch auch viel mehr Spass, oder? Und wenn die Olle schwanger wird ist das wohl kaum mein Problem, oder? 😀

    Der neue Heiland Q hat uns erzählt, wie nur Onkel Donald uns alle retten kann.
    Vor den ausserirdischen Tunnelnetzwerken mit den den kinderfressenden Kannibalen.
    Und dem Pizzagate, und vor 5G

    https://www.motherjones.com/politics/2019/07/why-are-right-wing-conspiracies-so-obsessed-with-pedophilia/

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    Verfasst von General Lee | 14. September 2020, 13:50
  3. Unterdessen, downunder..

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    Verfasst von C. Dundee | 13. September 2020, 22:38
  4. Ich bin einer der angsprochenen Proletarier, vermute ich jedenfalls, denn ich erhalte den Mindestlohn.

    Wenn ich den Artikel richtig verstehe, ist die Angst vor „Corona“ oder „Coronafaschismus“ ist die falsche Angst und die Angst vor dem Kapitalismus ist die richtige Angst und deshalb soll man Kommunist werden.

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    Verfasst von Proletarier#18273 | 13. September 2020, 22:02
    • Angst vor Corona ist keine falsche Angst, so wie Gleichberechtigung der Geschlechter richtig ist und auch der Schutz der Umwelt. Nur ist es so, daß bei denen, die sich diesen Themen so lautstark annehmen von der kapitalistischern Ausbeutung keine Rede mehr ist. Die Menschen sollen von der letztlich entscheidenden Fragestellung abgelenkt werden, so wie ein Nebenvorhand den Blick auf das dahinterliegende Eigentliche verhindert.
      Es ist nämlich so, daß im Kapitalismus es keinen Schutz vor Corona gibt, es keine ausreichenden Schutzmaßnahmen gibt – weil die Wirtschaft laufen muß und die Pharmaindustrie an Krankheit verdient und nicht an Gesundheit.
      Es ist nämlich so, daß im Kapitalismus es keine Gleichberechtigung der Geschlechter gibt, weil die Frau in jedem Fall benachteiligt ist so sie denn Kinder haben möchte, weil Kinder kriegen ihre Verwertung als Arbeitskraft mindert.
      Es ist nämlich so, daß im Kapitalismus es keinen Schutz der Umwelt gibt, weil es nur um den Profit geht, und das gilt uneingeschränkt auch für das „grüne“ Kapital, das uns das E-Auto als toll verkauft, obwohl es eine ökologische Katastrophe ist.
      Und ja, aus den genannten Gründen solltest du Kommunist werden.

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      Verfasst von LZ | 13. September 2020, 23:49
  5. Ja

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    Verfasst von shunyani | 13. September 2020, 20:26

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