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Ausland, Europa

Das Frauentrio der weißrussischen Opposition und wer die Fäden zieht, an denen sie hängen

von Thomas Röper – https://www.anti-spiegel.ru

Im wöchentlichen Nachrichtenüberblick des russischen Fernsehens war Weißrussland natürlich ein wichtiges Thema, das in mehreren Beiträgen behandelt wurde. Am interessantesten war aber wohl ein Beitrag, der sich das von den westlichen Medien gefeierte Frauentrio näher angeschaut hat, das angeblich die Opposition anführt.

Bemerkenswert an dem Trio ist, dass keine der drei Frauen Präsidentin werden will. Bestenfalls will Tichanowskaja, die unversehens in die erste Reihe geraten ist, Übergangspräsidentin bis zur Neuwahl sein. Und auch das aber offensichtlich nur widerstrebend. Das lässt tief blicken, denn keine der Frauen hat ein politisches Programm. Daher dürfte es kaum eine Verschwörungstheorie sein, wenn man sich fragt, wer denn hinter diesen Damen die Fäden zieht.

Das sind völlig offen die Staaten des Westens. Für die dumme Öffentlichkeit wird zwar behauptet, die EU-Staaten würden sich nicht in die inneren Angelegenheiten Weißrusslands einmischen, aber das ist gelogen, wie ich schon vor einiger Zeit mit Belegen aufgezeigt habe. Und seit dem sind neue Belege hinzugekommen.

Am Stärksten ziehen die baltischen Staaten und Polen die Fäden. So hat das lettische Außenministerium ganz offen im Detail mitgeteilt, welche Hilfen es Tichanowskaja seit Sommer leistet und wie es für sie die nötigen internationalen Kontakte geknüpft hat. Und Litauen hat weitere 150.000 Euro an die weißrussische Opposition gegeben, um die „Zivilgesellschaft und die unabhängigen Medien“ zu fördern. „Unabhängige Medien“ sind solche, die gegen Lukaschenko und für die vom Westen unterstützte Opposition sind, ich jedenfalls habe – obwohl ich auch ein unabhängiger Journalist bin – noch nie Geld von EU-Staaten erhalten oder angeboten bekommen, um meine unabhängige Arbeit zu unterstützen.

Und es sind auch diese Staaten, die auf Sanktionen gegen Weißrussland drängen. Da Deutschland und Frankreich aber nicht begeistert von der Idee sind, harte Sanktionen zu verhängen, ist Litauen zum Beispiel schon mal vorgeprescht und hat eigene Sanktionen gegen 118 Weißrussen – inklusive Präsident Lukaschenko selbst – verhängt. Die EU konnte sich nur auf eine Nicht-Anerkennung der Wahl einigen, aber nicht auf neue Sanktionen gegen Weißrussland.

Wie offen die Doppelmoral des Westens ist, zeigte auch diese Aussage von Tichanowskaja, die sie im litauischen Fernsehen gemacht hat:

„Wenn wir die Regierung nicht dazu bringen können, mit uns in einen Dialog zu treten, müssen wir uns an die EU oder unsere Nachbarn wenden, um Hilfe zu erhalten (…) Wir schätzen die Hilfe der EU und anderer Staaten sehr, aber ich wiederhole: Was in Weißrussland geschieht, ist ein internes Problem, und die Menschen müssen es selbst lösen.“

Ja was denn nun? Internes Problem und selbst lösen, oder mit Hilfe von außen lösen? Sie bestreitet die Hilfe von außen ja nicht, sie bedankt sich im Gegenteil dafür.

Da passt es ins Bild, dass der ehemalige US-Sicherheitsberater Bolton die Vorgänge in einem Kommentar im Daily Telegraph offen als Farbrevolution bezeichnet hat. Allerdings tat er das mit Bedauern darüber, dass diese Farbrevolution scheitern werde, weil Trump die Gelegenheiten habe verstreichen lassen.

Nach dieser Zusammenfassung der Meldungen der letzten Zeit, kommen wir nun zu dem Beitrag, den das russische Fernsehen am Sonntag über das Trio der Revolutionärinnen gesendet hat.

Beginn der Übersetzung:

Nach einem Monat der Proteste in Weißrussland wurde deutlich, dass sie ihr erklärtes Ziel nicht erreichen würden – Lukaschenko tritt nicht sofort ab. Der amtierende Präsident von Weißrussland hat immer noch echte Macht in seinen Händen, einschließlich der Loyalität der Sicherheitskräfte und der überwiegenden Mehrheit der Weißrussen, die in der lauten Opposition keine echte Alternative sehen. Das bedeutet, dass die weißrussische Evolution von Lukaschenko ausgehen wird, der, wie alles auf der Erde, nicht für die Ewigkeit ist. Lukaschenko selbst hat es sehr deutlich gemacht: „Und Sie wollen sagen, dass ich, der heute scheidende Präsident – und das ist wirklich so, nicht heute, aber morgen -, alles, was ich getan habe, über Bord schmeißen werde? Nein, nie im Leben!“

Das heißt, ob es einem gefällt oder nicht, Lukaschenko ist in einer starken Position. Er ist der Führer, der das heutige Weißrussland geschaffen hat und er hat bereits eine bevorstehende Verfassungsreform angekündigt. Europa gesteht ein, dass es mit ihm sprechen muss, aber Lukaschenkos nächstes Treffen ist mit Putin geplant. Es gibt kein genaues Datum, obwohl es bereits angekündigt wurde, die Verkündung eines Datums wird jeden Tag erwartet.

Zuvor hatte Putin gesagt, dass Russland sich in Bezug auf die weißrussischen Ereignisse neutral verhalte, aber dass es uns nicht egal sei, wie sie sich entwickeln würden. Wie Putin es ausdrückte, wird Moskau Gewalt und Chaos definitiv nicht zulassen.

Was die Dynamik der Beziehungen zwischen Moskau und Minsk betrifft, so lässt sich die Richtung an den wichtigen Worten von Ministerpräsident Mischustin messen, der Weißrussland besucht hat. Mischustin kündigte nach dem Treffen „Fortschritte bei der Zukunft des Unionsstaates“ an. Das heißt, die Integration Russlands und Weißrusslands wird sich vertiefen.

Wenn wir zur weißrussischen Opposition zurückkehren, ist sie immer noch so unreif, dass es nicht verwunderlich ist, dass sie trotz der starken Unterstützung des Westens verliert. Machen wir uns kurz mit dem Frauentrio vertraut, das an der Spitze der Protestbewegung steht.

Swetlana Tichanowskaja, 38 Jahre. Das ist die, die in Litauen sitzt und die sich – auch für sie selbst – unerwartet als Führer der Nation präsentiert. Sie sieht in dieser Rolle ziemlich verkrampft aus, fühlt sich offensichtlich nicht wohl. Sie hat Schwierigkeiten, die Texte zu lesen, die von anderen geschrieben wurden. (Anm. d. Übers.: Wer sich ihre Videoansprachen anschaut, der sieht dass sie jedes Wort ablesen muss, das kann man auch ohne Russischkenntnisse an ihren auf Englisch gehaltenen Ansprachen sehen. In dem Beitrag werden an dieser Stelle ein paar Beispiele gezeigt) Sie sagt, dass sie keine Politikerin ist und ein Programm hat sie nicht. Buchstäblich sagt sie: „Politik ist meine Sache nicht.“ Sie ruft weiterhin zu Streiks auf, ohne die Folgen für das Land und die Menschen zu begreifen. Sie selbst, so sagte sie, „will nur weiterhin für ihre Kinder und ihren Mann Frikadellen braten.“ Das ist nichts Schlimmes, es ist sogar niedlich. Aber es ist zu wenig, um eine nationale Führerin zu sein.

Maria Kolesnikowa. Auch sie ist 38 Jahre alt. Eine Feministin. Nicht verheiratet. Eine kurz geschorene Blondine mit grellem Lippenstift. Von Beruf ist sie Flötistin. In der Politik ist sie seit dem Sommer dieses Jahres. Zuvor war sie Art Direktorin eines Clubs in Minsk. Sie verbrachte viel Zeit in Deutschland, wo sie das Flötenspiel perfektioniert hat. In einem Interview mit der russischen Zeitung Kommersant gab sie an, dass sie auch bereit ist, die Anführerin der weißrussischen Proteste zu werden: „Vor einem Monat hätte ich nein gesagt. Aber jetzt durchlaufe ich natürlich eine große Transformation. Ich übernehme diese Verantwortung“, sagte Kolesnikowa.

Veronika Tsepkalo. Sie hält ihr Alter geheim, aber sie ist über 20 Jahre mit ihrem Mann Valery Tsepkalo verheiratet. Er ist ehemaliger Botschafter von Weißrussland in den Vereinigten Staaten, ihm wurde die Registrierung als Kandidat für die Präsidentschaftswahl von Weißrussland verweigert. Veronika ist in ihren Forderungen unversöhnlich. Lukaschenko muss zurücktreten, alles andere sieht man dann. Von Beruf ist Veronika Tsepkalo IT-Managerin bei Microsoft. Sie arbeitet für das Unternehmen in den GUS-Staaten.

Das sind die wichtigsten Gesichter der weißrussischen Opposition. Die Schwachpunkte des Frauentrios sind die gemeinsame Orientierung auf den Westen, das Fehlen jeglicher politischer Erfahrung und eines echten politischen Programms und das Fehlen jeglicher Angst vor dem Chaos im Land, das unweigerlich im Falle eines raschen Rücktritts Lukaschenkos kommen wird. Tatsächlich ist keine der Damen bereit, die Verantwortung für die Zukunft von Weißrussland zu übernehmen, auch nicht für eine kurze Zeit, weil sie meinen, dass sich ohne Lukaschenko alles von selbst organisieren wird. Unrealistisch.

Kürzlich wurde in Weißrussland eine neue Oppositionspartei mit dem Namen „Gemeinsam“ angekündigt. Eine Partei bedeutet zumindest Führung, Organisationsstruktur und ein politisches Programm. Es ist einfach, eine Partei anzukündigen. Es ist viel schwieriger, sie tatsächlich aufzubauen. So war Russland in den 1990er Jahren das Land mit den meisten Parteien der Welt. Wir hatten irgendwas bei 150 Parteien. Wo sind die jetzt? Auch heute haben wir Dutzende Parteien. Aber die Menschen geben ihre Stimmen tatsächlich nur für die vier davon ab, die in der Staatsduma sitzen.

Wird es sofort Veränderungen in Weißrussland geben? Nein. Aber sie werden trotzdem kommen. Es ist Russland, das unter diesen Bedingungen der Garant für eine friedliche Entwicklung von Weißrussland bleibt. Präsident Putin hat alle Maßnahmen ergriffen, um das abzusichern. Nach dem bevorstehenden Treffen unserer Präsidenten werden wir mehr wissen.

Das Frauentrio der weißrussischen Opposition und wer die Fäden zieht, an denen sie hängen

Diskussionen

3 Gedanken zu “Das Frauentrio der weißrussischen Opposition und wer die Fäden zieht, an denen sie hängen

  1. Russland schickt mehrere hundert Fallschirmjäger wegen der „slawischen Bruderschaft“ nach Belarus.

    Mehr als 100.000 Weißrussen sind seit der Abstimmung vom 9. August jedes Wochenende auf die Straße gegangen. Tausende Demonstranten wurden festgenommen und es kam auch zu einigen Todesfällen bei der gewaltsamen Auflösung der Demonstrationen.

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    Verfasst von Moscow Times | 14. September 2020, 14:34
  2. Wer hat die Opposition auf offener Strasse gekidnapped?

    In Nachbarländern mag das normal sein, aber sowas geht gar nicht.

    Nach den manipulierten Wahlen in die Enge gertrieben und mit der AK47 in der Hand erscheint Lukashenkow inzwischen jedes Mittel recht. Es sind schon wieder Kolonnen von Lastwagen mit Soldaten ohne Abzeichen unterwegs. Wenn alle Stricke reissen, hat Putin schon Hilfe zugesichert:“Die russischen Streitkräfte stehen bereit und werden eingesetzt, wenn extremistische Elemente von Belarus die Grenzen überschreiten.“

    Auf dem Weg zu Maidan 3.0 mit undercover Heckenschützen…

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    Verfasst von Aleksei Navalny | 8. September 2020, 16:04

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