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Ausland, Welt

Warum Kollaps der USA „unausweichlich ist“ und Russland „verschont bleibt“

von https://de.sputniknews.com

Bild: Dimitry Orlov

Quasi pünktlich zur Corona-Krise ist ein neues Buch erschienen: „Die Lehre vom Kollaps“. Der US-russische Autor Dmitry Orlov hat es vorausschauend verfasst. Im Sputnik-Interview erklärt er, warum für ihn die aktuelle Pandemie nicht der Auslöser für den kommenden Untergang der USA ist. „Die Ursachen liegen tiefer und sind älter“, so Orlov.

Als hätte er es geahnt. Der US-russische Buchautor, Blogger, Linguist und IT-Experte Dmitry Orlov begann bereits weit vor der Corona-Krise die Arbeiten an seinem neuesten Werk. Mit diesem hat er voll ins Schwarze des aktuellen Zeitgeists getroffen. Der deutsche Titel lautet: „Die Lehre vom Kollaps: Die fünf Stufen des Zusammenbruchs und wie wir sie überleben“, erschienen im Juni im „Westend Verlag“ sowie im „Fifty Fifty Verlag“.

Orlov wurde 1962 in der Sowjetunion geboren. Mit seiner Familie zog er bereits als Jugendlicher in die USA, wo er lange Zeit lebte. Anfang der 1990er Jahre erlebte er den staatlichen Kollaps der UdSSR in Russland selbst mit. Daraus abgeleitet, formuliert er praktische Lehren für den kommenden US-amerikanischen Zusammenbruch, der für ihn unvermeidlich kommen wird. In seinem neuen Buch geht es vor allem um drohende Zusammenbrüche der bekannten politischen, wirtschaftlichen und sozialen Ordnung. Beginnen wird der nächste Zusammenbruch oder Kollaps in den USA, glaubt er, einem der zwei Heimatländer des Autors.

Im Sputnik-Interview schildert der russisch-US-amerikanische Autor seinen Werdegang und verrät, was ihn dazu motiviert hat, sein neues Buch zu verfassen. Außerdem erklärt er, wie er sich persönlich auf Krisen vorbereitet und warum er nach Jahrzehnten in den USA aktuell wieder in Russland lebt. Darüber hinaus beschreibt er sein Modell, die „Fünf Stufen“ eines Kollapses. Ein solcher wird ihm zufolge die Vereinigten Staaten in naher Zukunft treffen.– Mister Orlov, vielen Dank für Ihre Zeit und das Interview. Heute wollen wir über Ihr neuestes Buch: „Die Lehre vom Kollaps: Die Fünf Stufen des Zusammenbruchs und wie wir sie überleben“ sprechen. Aber bevor wir beginnen: Vielleicht kennen einige in unserem Publikum Sie und Ihre Arbeiten noch nicht. Könnten Sie sich kurz vorstellen? Welchen Ansatz und welche Philosophie verfolgen Sie als Autor?

Ich wurde in Leningrad, dem heutigen Sankt Petersburg, geboren. Meine Familie zog in die USA, als ich noch ein Jugendlicher war. In den Staaten erwarb ich auch meine akademischen Abschlüsse in Computer-Wissenschaften und Linguistik. Später arbeitete ich dann in mehreren hochtechnologischen Unternehmen, die sich mit Fragen hoch-energetischer Physik beschäftigten. Beispielsweise bei CERN.

Ab 2005/06 begann ich dann, über den drohenden wie kommenden Kollaps der USA zu schreiben. Ich habe dazu viel Zeit in Russland bzw. der Sowjetunion in den 1980er und 90er Jahre verbracht. Ich konnte dabei aus erster Hand den Zusammenbruch der UdSSR erleben und dies hatte mir erlaubt, eine innere Perspektive zu gewinnen, wie der Zusammenbruch der USA aussehen könnte bzw. wird.

Bisher ist all das, was ich vorausgesagt hatte in meinen Arbeiten, eingetreten – mehr oder weniger auch nach Zeitplan. Obwohl natürlich auf solchen Feldern zeitliche Vorhersagen immer problematisch sind. Ich habe viel Aufwand und Energie in meine Bücher, Essays gesteckt, auch in Interviews und Debatten. Es erschien mir alles notwendig, da sich der Kollaps der USA momentan vor unseren Augen entfaltet. Dadurch generieren meine Arbeiten aktuell mehr Aufmerksamkeit als zuvor.

– Später im Laufe des Interviews werden wir noch einen genaueren Blick in Ihr neues Buch und auf die USA werfen. Aber zunächst möchte ich auf die Corona-Krise zu sprechen kommen, die aktuell die Erde und die Menschheit in Geiselhaft hält. Ihr Buch wurde ja vor dieser Krise geschrieben, aber Sie erwähnen darin auch Viren als allgemeine Gefahren und Faktoren für einen Kollaps. Ich würde gerne von Ihnen wissen, ob das Coronavirus ein Krisen-Macher, ein Kollaps-Beschleuniger ist – Ihren Modellen, Arbeiten und Büchern zufolge.

Nein. Überhaupt nicht. Der Kollaps der USA startete weit vor der Corona-Krise. Der Kollaps begann sich etwa 2008 zu entfalten, in der Finanzkrise. All die Maßnahmen, die damals ergriffen worden sind, um den finanziellen Kollaps abzuwenden, waren Fehlschläge und scheiterten. Sie zögerten höchstens den Zusammenbruch hinaus, konnten ihn aber nicht abwenden.

Keine der strukturellen Probleme sind seither gelöst. Also begann die Krise im Jahr 2019 erneut, um sich zu greifen. Das wurde zunächst in der dramatischen Verringerung und Abnahme der industriellen Produktion in vielen Ländern deutlich, darunter Deutschland. Vor allem die Bankenkrise – genauer die sogenannte „Repo“-Krise – im August 2019 hatte das noch deutlicher in erschreckender Weise gezeigt. Damals begannen die Banken plötzlich damit, US-Schuldpapiere und US-Staatsanleihen als Kollateral für Übernachtdarlehen abzulehnen. Und so musste daraufhin die US-Zentralbank FED einspringen. Sie druckte und erschuf einfach Geld aus dem Nichts, um dieses massive Defizit auszugleichen.

In jener Zeit trat auch das neue Coronavirus erstmalig auf. Die Volkswirtschaften in den USA und in anderen Ländern lagen bereits „kollabiert“ am Boden, könnte man sagen. Aber der neue Virus stellte sich als sehr nützlich – vor allem für Politiker – heraus. Um eben die wirtschaftliche Schieflage zu maskieren und zu verschleiern, was wirklich vor sich geht. Das Virus ist tatsächlich, verglichen mit früheren Viren-Epidemien, sehr eigenartig. Das Coronavirus ist nicht die Spanische Grippe, nicht die Schwarze Pest oder die Pocken, sondern nur etwas gefährlicher als die gemeine Grippe. Und trotzdem sind die ökonomischen Verwüstungen, für die das Virus verantwortlich gemacht wird, absolut außergewöhnlich in der Größenordnung.– Wenn ich Sie richtig verstehe, Mr. Orlov, ist es nicht das Coronavirus, sondern es sind eher die Wirtschafts- und Finanz-Märkte, die die fünf Stufen des Zusammenbruchs auslösen, oder?

Nun, man kann das aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Ich hatte anfangs bei meinem Buch darüber nachgedacht, die Linien des sowjetischen Zusammenbruchs nachzuzeichnen, an denen man die ersten Faktoren des Kollaps erkennen konnte – und diese waren meist finanzwirtschaftlicher Natur. Die ersten Symptome des Zusammenbruchs der UdSSR waren eben finanzieller Art, sie war bankrott.

Das wiederum zog Kaskaden von Fehlern und Missständen nach sich: Von der Ökonomie über die Finanzen bis hin zur Politik. Auch ein teilweiser sozialer Zusammenbruch war damals zu beobachten. Das waren eben die Linien des Zusammenbruchs, die ich zunächst auch für die USA vorausgesehen hatte.

Doch dann realisierte ich, dass der Kollaps der USA wohl durch soziale und kulturelle Zusammenbrüche ausgelöst wird. Dann kommt es daraufhin zum politischen Kollaps, und die letzte Säule, die dann noch steht, ist das Finanz-System. Ein Potemkinsches Dorf, wenn man so will. Das US-Finanz-System ist auf Watte aufgebaut, sozusagen. Es basiert auf dem Nichts. Doch die FED druckt aus diesem Nichts heraus eben Geld für die aktuelle Krise.

– Mr. Orlov, ich würde von Ihnen gerne wissen, ob Sie ein Prepper sind: Also, ob und wie Sie sich auf den kommenden Kollaps vorbereiten. Was machen Sie, wenn Lebensmittelknappheit oder geschlossene Banken drohen? Und: Sehen Sie solch einen Kollaps auch auf Russland zurollen?

Ein Teil meiner Vorbereitungen, um mich gegen den Kollaps abzusichern, lag darin, vor drei Jahren von den USA nach Russland zu ziehen. Nun lebe ich in Russland.Tatsächlich sehe ich den Kollaps auf die USA zurollen, und deshalb zog ich nach Russland. Dort sehe ich keine Gefahr oder Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs des Landes.

– Empfehlen Sie eigentlich Gold oder Silber als Krisen-Absicherungen?

Für manche könnte das Sinn ergeben – oder auch nicht. Es kommt eben immer auf die Situation an. Allgemein gesprochen spielen die Edelmetalle eine große Rolle im internationalen Handel. Das wird noch zunehmen, wenn das Fiat-Geldsystem immer mehr erodieren wird. Ich denke, dass internationale Transaktionen mit Gold oder ähnlichen Werten abgedeckt werden sollten. Aber ich weiß nicht, was das konkret bedeutet für Privatanleger. Es ist vielleicht ein Weg, sein eigenes Geld abzusichern, wenn die Hyper-Inflation (immenser Wertverlust des Geldes, Anm. d. Red.) kommt. Es wird zu vielen Hyper-Inflationen in vielen Ländern kommen. Die USA sind dabei der erste Kandidat.

– Nun werfen wir einen Blick in Ihr neues Buch „Die Fünf Stufen des Zusammenbruchs“: Sie haben darin ein Modell entworfen, der diese fünf Stufen beinhaltet: Finanzieller Kollaps, kommerzieller Kollaps, politischer Kollaps und zuletzt ein sozialer sowie kultureller Kollaps. Könnten Sie das für unser Publikum konkretisieren?

Ja. Jede dieser Stufen des Zusammenbruchs kann als Kollaps betrachtet werden, der den momentanen Status Quo bedroht. Der finanzielle Kollaps kommt, wenn Schuldtitel sich als nutzlos erweisen und Versprechen nicht erfüllt werden können. Und wenn Deals und Geschäftsabschlüsse scheitern, aufgrund der genannten Umstände.

Der kommerzielle Kollaps erfolgt, wenn Handel ausfällt, wenn Lieferketten ausfallen. In vielen Fällen können Manufakturen und Produzenten nicht mehr ihre Güter produzieren. Oder das wichtige Komponenten nicht mehr in der nötigen Zeit geliefert werden können. Wir sehen das aktuell: Die geschlossenen Fabriken im Shutdown. Es gibt noch mehr mögliche Verwerfungen im Handelssystem, die diesen Kollaps hervorrufen können.

Und dann der politische Kollaps: Dieser resultiert meist aus der Unfähigkeit der Politiker, das Geld richtig auszugeben oder überhaupt Geld ausgeben zu können. Wenn nämlich einmal der kommerzielle Kollaps erfolgt ist, fehlen der Politik Steuergelder und Einnahmen, um die Regierung und den Staat am Laufen zu halten.Der soziale Kollaps erfolgt, wenn gesellschaftliche Organisationen bedroht sind, die für das Wohlergehen der Menschen da sind. Sie können diese Leistungen dann nicht mehr liefern. Die Menschen beginnen dann, sich nur noch um ihr eigenes Wohl zu kümmern und die Interessen ihrer Familien durchzusetzen.

Kultureller Kollaps ist dann gegeben, wenn die Familien, die kleinsten sozialen Zellen, selbst zerfallen. Dann würde ein massiver Kampf jedes Einzelnen ums Überleben erfolgen. Dann hört das gesellschaftliche Zusammengehörigkeitsgefühl in gewisser Weise auf.

Dmitry Orlov: „Die Lehre vom Kollaps: Die fünf Stufen des Zusammenbruchs und wie wir sie überleben“, Westend Verlag/Fifty Fifty Verlag, 1. Auflage (Juni 2020), 128 Seiten, 15 Euro. Das Buch ist überall im Handel erhältlich.

Der 2. Teil des Interviews erscheint am Sonntag.

https://de.sputniknews.com/politik/20200808327653490-usa-kollaps-unausweichlich/

Diskussionen

3 Gedanken zu “Warum Kollaps der USA „unausweichlich ist“ und Russland „verschont bleibt“

  1. Guten Tag

    Ich verstehe, dass Sie zu diesem Schluss gekommen sind, allerdings muss man die Gesinnung von Wladimir Putin (Zitat: wir müssen reich werden) aus ganzem Herzen teilen können, damit den anderen den Kollaps voraussagen zu können.

    Hans Gamma

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    Verfasst von Gamma Hans | 9. August 2020, 15:02
  2. Logisch.

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    Verfasst von No_NWO | 9. August 2020, 11:33
  3. Überraschend gute Arbeitsmarktzahlen der USA wurden gemeldet damit die Welt vom nahendem Chaos der Amis nichts mitbekommen kann, bevor das Geld weltweit zerfezt wird, gell?

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    Verfasst von reinertiroch | 9. August 2020, 9:39

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