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Ausland, Naher Osten

Wer profitiert von der Explosion in Beirut?

von Mehdi Azizi – https://en.mehrnews.com

Übersetzung LZ

Die politische Lage im Libanon in den letzten Tagen kann als die Ruhe vor dem Sturm beschrieben werden.

Instabilität und die Schaffung eines politischen Rätsels im Land standen auf der Tagesordnung als gemeinsames Projekt der innenpolitischen Elemente, der politischen Rivalen und der ausländischen antilibanesischen Bewegungen, denen es in der Vergangenheit nicht gelungen war, ihre Ziele zu verwirklichen.

Die Manipulation der internen Proteste, die zunächst zu wirtschaftlichen Zwecken betrieben worden waren, behinderte den Prozess der Bildung der neuen libanesischen Regierung deshalb wenig, obwohl solche Proteste für kurze Zeit zu Unruhen führen konnten.

Auf der anderen Seite war das nächste Projekt, die Widerstandsbewegung zu zwingen, sich entweder den Protestierenden anzuschließen oder aus der politischen Arena entfernt zu werden. Die Hisbollah hatte keine Wahl; entweder musste sie den Protestierenden beistehen, was bedeutete, zu dem Szenario beizutragen, den Libanon zu verunsichern, oder sie ließ zu, dass ihre Beliebtheit bei den Demonstranten beeinträchtigt würde.

Obwohl die Priorität der ausländischen Bewegungen nicht darin bestand, die Bildung einer neuen Regierung zu behindern, hätte sie ihnen für eine Weile die Möglichkeit geben können, ihre politische Position neu zu beleben und wieder aufzubauen. Solche Bewegungen sind diejenigen, deren Führer seit langem auf ausländische Unterstützung angewiesen sind, um innenpolitische Krisen in Gelegenheiten zur Sicherung ihrer politischen Wünsche zu verwandeln.

Die politischen Bewegungen im Libanon lassen sich am besten als diejenigen beschreiben, die „Partner der Diebe sind und vorgeben, mit dem Gastgeber befreundet zu sein“. Sie waren auch mit der „Regierung der Banken“ verbündet und trugen zum wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes bei. „Regierung der Banken“ ist ein ekelerregender politischer Begriff, der die korrupte politische Klasse im Libanon definiert.

Die Entwicklungen der letzten Tage können „Warnsignale“ über ausländische Interventionen und vorbestimmte Komplotte enthüllen, mit denen der Libanon in ein neues Szenario gedrängt werden sollte. Das Hauptziel eines solchen Szenarios besteht darin, die Sicherheit des israelischen Regimes im Umkreis zu gewährleisten und die Abschreckung der Widerstandsbewegung zu zerstören und die Niederlage in Syrien auszugleichen. Einige dieser Signale haben Gemeinsamkeiten mit der Situation nach der Ermordung des ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Rafic Hariri im Jahr 2005.

Obwohl die arabischen und amerikanischen Medien im ersten Moment die Hisbollah beschuldigten, hinter dem Vorfall zu stecken, kann man sagen, dass die Chancen für die Möglichkeit eines Sabotageplans groß sind.

Ob der neue Vorfall ähnliche Ziele verfolgt, wie die Situation nach der Ermordung von Rafic Hariri, die der syrischen Armee den Rückzug von der libanesischen Grenze und den besetzten Gebieten ermöglichte, wird in den nächsten Tagen durch die Haltung und Vorgehensweise der Amerikaner beantwortet werden.

Die Tragweite dieses neuen Szenarios ist jedoch breiter, tiefer und gefährlicher.

Selbst wenn wir akzeptieren, dass die Israelis und die Vereinigten Staaten nicht an dem Bombenanschlag in Beirut beteiligt waren, und die Möglichkeit eines Sabotageplans außer Acht lassen, werden sie diese Gelegenheit, die Situation politisch auszubeuten und den Weg für die Gestaltung einer neuen politischen Struktur des Libanon zu ebnen, sicher nicht ignorieren.

Die Explosion hat Al-Hadath, Al-Arabiya und den westlichen Medien erneut die Gelegenheit geboten, die Flammen zu schüren, die wahrscheinlich von den USA angefacht werden.

Der Besuch des französischen Außenministers in Beirut und der Druck Frankreichs auf das Land, zusammen mit den gelegentlichen Interventionen des US-Botschafters, den Bewegungen des israelischen Regimes an den besetzten Grenzen, den US-Spionageflugzeugen, die einen Tag vor dem Bombenanschlag in Beirut an der libanesisch-syrischen Küste patrouillieren, dem Treffen zwischen den Generalstabschefs der USA und des israelischen Regimes in der vergangenen Woche, Der plötzliche Rücktritt des libanesischen Außenministers Nassif Hitti, der ausländische und regionale Druck, das libanesische Kabinett zu stürzen, und die Identifizierung gefährdeter libanesischer Gebiete durch das zionistische Regime gehören zu den kritischsten Ereignissen der letzten Wochen im Libanon, die bei der Überprüfung der Explosion in Beirut und der dahinter stehenden Ziele berücksichtigt werden sollten.

Außerdem ist die Lagerung dieser Menge an Chemikalien im Hafen von Beirut etwas, das den Israelis nicht unbekannt war. Die Analysen nach der Explosion können möglicherweise zeigen, welche Bewegung den größten Nutzen aus der Explosion in Beirut ziehen wird.

Es sei darauf hingewiesen, dass der Hafen von Beirut der Haupthafen des Libanon ist, über den mehr als 70% der Importe des Landes abgewickelt werden, um die Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen; unter diesen Umständen wird die libanesische Wirtschaft ernsthaft geschädigt. Es liegt im Interesse der Widerstandsgegner und könnte ihnen helfen, maximalen Druck auf die Widerstandsbewegung auszuüben oder zumindest ihre Maßnahmen gegen das zionistische Regime zu bremsen oder zu neutralisieren.

Es scheint daher, dass alle Teile des Puzzles bereit waren, den Libanon in einen Zustand wirtschaftlicher und politischer Unruhe zu versetzen, um ein neues Szenario zu entwerfen.

Vom ersten Moment an werden die saudi-arabischen und amerikanischen Medien und die den Zionisten nahestehenden Elemente innerhalb und außerhalb des Libanon alles daran setzen, die Hisbollah und die Verbündeten der Widerstandsbewegung als Hauptschuldige zu beschuldigen.

Die Amerikaner, die unmittelbar nach der Explosion keine klare Haltung eingenommen haben, werden zweifellos versuchen, der libanesischen Regierung ihre Wünsche unter dem Vorwand des Wiederaufbaus oder der finanziellen Unterstützung in der turbulenten wirtschaftlichen Lage des Libanon aufzuzwingen.

Ihr wichtigster Wunsch wäre sicherlich die allmähliche Beseitigung des Widerstands aus der libanesischen politischen Arena sowie die Umsetzung des Caesar-Gesetzes betreffs Syrien.

Die Explosion wird auch dem US-amerikanischen und dem israelischen Regime mehr Zeit geben, ihre Pläne zu entwerfen, da der Umgang mit der Explosion einen großen Teil der Zeit und der Anstrengungen der libanesischen Regierung erfordern wird.

Das Szenario der Ermordung von Rafic Hariri im Jahr 2005, das den Beginn eines neuen Kapitels der ausländischen Interventionen im Libanon markierte, scheint mit dem Bombenanschlag auf Beirut in größerem und gefährlicherem Umfang verfolgt zu werden. Die Rolle der wertvollen Erfahrungen der Hisbollah bei der Bewältigung kritischer politischer Situationen und der Veränderung der Gleichung sollte jedoch nicht übersehen werden.

https://en.mehrnews.com/news/161900/Who-benefiting-from-blast-in-Beirut

 

Diskussionen

8 Gedanken zu “Wer profitiert von der Explosion in Beirut?

  1. Die Bevölkerung leidet seit Jahren unter der Wirtschaftskrise und der unfähigen korrupten Regierung, die den Aufbau des Landes reich an Bodenschätzen nicht auf die Reihe bekommt.

    Nach der Explosion kocht die Wut der Bevölkerung erneut hoch, da die Regierung versagt und die Situation erneut nicht in den Griff bekommt.Die Hisbollah will den Vorfall ideologisch ausschlachten und zeigt reflexartig mit dem Finger auf Israel und erfindet Märchen anstatt zu helfen.

    Hilfe kommt nur von internationalen Hilfsorganisationen wie der UN und dem roten Kreuz.

    https://www.inquirer.com/news/nation-world/international-donors-pledge-millions-in-lebanon-aid-after-beirut-explosion-20200809.html

    Die Libanesen haben es satt, sich von Gotteskriegern unter Befehl von iranischen Mullahs schikanieren zu lassen, die auch nicht davor zurückschrecken mit Schlägertrupps auf die Oppostion losgehen.

    https://www.nationalreview.com/2020/08/help-lebanon-remove-hezbollahs-stranglehold-and-its-dangerous-missile-stockpiles/#slide-1https://www.nationalreview.com/2020/08/help-lebanon-remove-hezbollahs-stranglehold-and-its-dangerous-missile-stockpiles/#slide-1

    https://english.alarabiya.net/en/News/middle-east/2020/07/15/Maronite-patriarch-implicitly-criticizes-Hezbollah-for-Lebanon-s-isolation

    https://reform4syria.org/hammering-hezbollah-for-its-loyalty-to-iran-not-lebanon/

    https://missilethreat.csis.org/country/hezbollahs-rocket-arsenal/

    https://yalibnan.com/2020/08/01/hezbollah-sides-with-iran-against-lebanon/

    https://gellerreport.com/2020/08/hezballah-explisves-lebanon.html/

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    Verfasst von I.M.Topas | 10. August 2020, 12:47
  2. Ist doch Glasklar, es ist Israel und der Ami, die davon unendlich profitieren, gell?

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    Verfasst von reinertiroch | 9. August 2020, 9:31
  3. Wer profitierte von der Explosion vom Kernkraftwerk in Fukushima?

    Wer profitierte vom Erdbeben in Haiti?

    Wer profitierte von der Explosion vom Kernkraftwerk in Tschernobyl?

    Wer profitierte vom Erdbeben in Tangschan?

    Wer profitierte vom Monsun in Indien 2007?

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    Verfasst von PRAVDA | 8. August 2020, 14:39
    • Nette Anwendung der Propagandamethode Richtiges mit Falschem zu verquicken. Die Explosion in Beirut war aber kein Unglück wie die aufgeführten, sondern ein Angriff des zionistischen Gebildes auf die lebenswichtige libanesische Infrastruktur, um sie dann der Hisbollah in die Schuhe zu schieben und vor allem ein Versuch, einen neuen Bürgerkrieg im Libanon zu provozieren und so die Achse des Widerstands zu schwächen. Genau darum ruft Nasrallah in seiner Rede die anderen libanesischen Parteien auf, den Staat nicht zu gefährden.

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      Verfasst von LZ | 8. August 2020, 15:38
      • Nicht, dass das nicht möglich wäre. Aber woher weist Du das so sicher? Die Frage, wem was nützt, ist erstens meistens nicht einfach zu beantworten, und zweitens tun Menschen auch oft Dinge, die ihnen eher schaden als nützen. Bevor man etwas beweisen kann, sollte man vorsichtig sein und zumindest deutlich machen, dass man nur eine Möglichkeit/Wahrscheinlichkeit in die Diskussion bringt.Alles Andere ist „religiöser“ Glaube. Damit kann man Hezbollah werden, aber das sollte keinen Platz in einem sich als kommunistisch verstehenden Medium haben.

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        Verfasst von A.Holberg | 8. August 2020, 19:19
        • Aktuell gibt es schon „Proteste“ gegen die Hisbollah im Sinne einer Farbenrevolution, die vom Gebilde live übertragen werden. Es bedarf keines „religiösen Glaubens“, um die Lage materialistisch zu analysieren. Vor allem lähmt der Standpunkt „Solange nichts bewiesen ist, kann man nichts sagen“ das politische Handeln, denn natürlich wird sich letztlich gar nichts beweisen lassen. Doch auch ohne Beweise ist klar, wem die Explosion nutzt und wem sie schadet.

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          Verfasst von LZ | 8. August 2020, 22:02
      • Noch mal: bis dato gibt es keinen materiellen Hinweis auf die Urheberschaft Israels oder eines anderen Staates, auch wenn das natürlich möglich wäre. Es gibt m.W. auch keine regionale linke Kraft (etwa die KPL), die Entsprechendes behauptet oder auch nur andeutet. Vielmehr wird das korrupte libanesische Religionsproporz- System, das einst von der französischen Kolonialmacht installiert wurde, als letztlich verantwortlich erklärt. Dass alle möglichen externen Kräfte – nicht zuletzt auch imperialistische und damit auch prozionistische – eifrig versuchen,die legitimem Straßenproteste gegen das Regime zu instrumentalisieren, ist selbstverständlich. Es wäre zu hoffen, dass sich innerhalb dieser Proteste nicht-religionssektiererische, insbesondere „linke“ Kräfte durchsetzen. Deren Schwäche weltweit und nicht zuletzt auch in den arabischen Ländern lässt diese Hoffnung aktuell jedoch als wenig begründet erscheinen. Aber die Geschichte zeigt, dass sich Dinge oft unerwartet schnell ändern können. Relativ sicher scheint es mir jedoch zu sein, dass es nichts bringt, die notwendige Entwicklung einer revolutionären Bewegung auf der Basis irgendwelcher politisch passender aber nicht zutreffender Annahmen in Angriff zu nehmen.Und was in diesem Zusammenhang die Unterstützung für die Hezbollah im Libanon anbelangt, so sollte klar sein, dass diese für Linke nur taktisch aus aktuellen geopolitischen Erwägungen (etwa Krieg in Syrien) akzeptabel ist. Was aber Illusionen in den Klassencharakter dieser Organisation anbelangt, so möge man sich an das Schicksal der iranischen Tudeh-Partei erinnern, die Ähnliches im Falle des Khomeini-Regimes und dessen Hezbollahis versucht hat.

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        Verfasst von A.Holberg | 9. August 2020, 16:38
  4. Wer hinter den Explosionen steht – ob irgendeine unbekannte dunkle Kraft oder einfach nur die Unfähigkeit und Korruption der herrschenden Klasse Libanons in allen ihren Fraktionen – weiß man heute nicht und wird es womöglich auch nie wissen oder zumindest nie erfahren. Sicher ist, dass die Perspektiven des Landes mehr als dunkel sind. Die bisherige Ordnung und ihre Träger und Nutznießer – die Hisbollah inclusive – haben abgewirtschaftet. Ebenso aber hat die Straßenopposition gegen sie offensichtlich keine Perspektive. Wie bereits Montaigne sagte: „Dem dient kein Wind, der keinen Hafen hat, nach dem er segelt“. Wohlgemerkt: „nach dem“ er segelt, nicht etwa „von dem“ er lossegelt. Wie bereits die vermeintliche arabische „Revolution“ erwiesen hat: es ist immer einfacher zu sagen, wo man – durchaus berechtigt – gegen ist, als ein brauchbares Ziel zu formulieren. Leerformeln wie „Freiheit“ oder „Kampf gegen Korruption“ genügen nicht. Auch „Antiimperialismus“ ohne Überwindung der ökonomischen Basis des Imperialismus, also des Kapitalismus, gehört zu diesen Leerformeln. Die Hizbollah, die der Autor offenbar über die Maßen schätzt, hat hier ebensowenig eine Antwort wie ihre Geburtshelfer in Teheran.

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    Verfasst von A. Holberg | 8. August 2020, 8:52

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