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Ausland, Nordamerika

Meuterei wegen der „Bounties“?

von Ray McGovern – http://luftpost-kl.de

Der ehemalige CIA-Analyst und heutige Friedensaktivist Ray McGovern befasst sich mit der Unterstellung, Russland habe den Taliban Prämien für die Tötung von US-Soldaten bezahlt.

Steht in Trumps Weißem Haus eine neue Meuterei bevor, weil Obamas ehemaliger Botschafter in Russland den Nonsens bestätigt hat, Trump lasse sich von Putin einwickeln?

(Vorbemerkung: In Anlehnung an den Film „Meuterei auf der Bounty“ (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Meuterei_auf_der_Bounty_(1962) ) ist der Artikel „Meuterei wegen der ‚Bounties‘ “ überschrieben; gemeint sind damit die „Prämien“, die Russland den Taliban für getötete US-Soldaten bezahlt haben soll.)

Die Konzernmedien verbreiten die Story von den russischen „Tötungsprämien“ genau so ungeprüft wie die Mär über die erfundenen Massenvernichtungswaffen, mit der die USA und Großbritannien vor 18 Jahren versucht haben, den Angriff auf den Irak zu „rechtfertigen“.

Jetzt hat Fred Hiatt (s. https://en.wikipedia.org/wiki/Fred_Hiatt ), der für den Leitartikel der Washington Post zuständige Redakteur, Michael McFaul (s. https://de.wikipedia.org/wiki/ Michael _McFaul ) angeworben, der unter Obama Botschafter in Russland war und ein bekannter Russenhasser ist, um mit dessen Hilfe den Präsidenten Donald Trump erneut dem Verdacht auszusetzen, er lasse sich von Putin „in die Tasche stecken“. Das ist auch dringend notwendig geworden, weil sich die Zeitungsente vom „Russiagate“ – einschließlich der Hauptlüge, Russen hätten Computer des Democratic National Committee (DNC, s. htt-ps://de.wikipedia.org/wiki/Democratic_National_Committee ) „gehackt“ – in Luft aufgelöst hat (s. dazu auch http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_19/LP04820_260620.pdf ).

Am Donnerstag hat McFaul in einem Kommentar (für die Washington Post) eine lange Liste von „Verbrechen“ veröffentlicht, die Wladimir Putin begangen haben soll (sie ist nachzulesen unter https://www.washingtonpost.com/outlook/trump-would-do-anything-for-putin-no-wonder-hes-ignoring-the-russian-bounties/2020/07/01/0013f1d0-bb19 -11ea-8cf5-9c1b8d7f84c6_story.html ], und damit scheinbar eine Äußerung des republikanischen Kongressabgeordneten Jason Crow (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Jason_Crow ) aus Colorado bestätigt, der sich als Russland-Experte ausgibt und behauptet hat: „Wladimir Putin fragt sich jeden Morgen, wenn er aufsteht, und jeden Abend, wenn er ins Bett geht, wie er die Demokratie in den USA zerstören könnte.“

McFaul hat in Moskau eine allenfalls mittelmäßige Rolle gespielt. Er war schon bei seiner Ankunft als Russenhasser bekannt und hat dann alles getan, um seine Gastgeber zu verärgern, weil er geradezu versessen darauf war, offen und provozierend mit Putin-Gegnern zu verkehren. McFaul war der Prototyp eines Botschafters, den Henry Wotton (s. https:// www.brainyquote.com/quotes/henry_wotton_170306 ) als „ehrlichen Menschen“ beschrieben hat, „der seine Hauptaufgabe darin sieht, im Ausland zum Nutzen seines Landes zu lügen“. Es kann allerdings nicht akzeptiert werden, dass der ehemalige Botschafter auch zu Hause nicht mit dem Lügen aufhören will.

Der „ehrliche Mensch“ Michael McFaul liegt ganz auf der Linie, die schon James Clapper (s. https://de.wikipedia.org/wiki/James_R._Clapper ), Curtiss LeMay (s. https://de.wikipe-dia.org/wiki/Curtis_E._ LeMay ) und Joe McCarthy (s. https://de.wikipedia.org/wiki/ Joseph_McCarthy ) in Bezug auf Russland verfolgt haben.

Auch Clapper, der seinen Doktor mit der Bestnote „summa cum laude“ gemacht hat, hatte die Russen auf dem Kieker. Unter Obama war er 3½ Jahre lang Director of National Intelligence (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Director_of_National_Intelligence ), obwohl er in einer offiziellen Anhörung vor dem Senat im Zusammenhang mit illegalen Abhörpraktiken der NSA (s. https://de.wikipedia.org/wiki/National_Security_Agency ) einen Meineid geleistet hatte. Am 28. Mai 2017 sagte Clapper in einem Interview mit Chuck Todd von NBC, die Russen seien „genetisch dazu veranlagt, sich alles anzueignen, überall einzudringen und sich bei allem Vorteile zu verschaffen“.

In voller Kenntnis der Voreingenommenheit Clappers gegenüber Russland hat Obama ihn trotzdem damit beauftragt, die angeblich von allen US-Geheimdiensten unterstützte, aber nichts beweisende „Einschätzung“ vorzubereiten, in der Putin unterstellt wurde, das „Hacken“ der DNC-Computer angeordnet zu haben, um Trump zum Wahlsieg zu verhelfen. Für mich ist das die peinlichste „Geheimdienstliche Einschätzung“ eines halben Jahrhunderts (s. dazu auch http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP16517_131017.pdf ).

Obama und die Sicherheitsdienste der USA

Ich habe mich gefragt, ob Obama selbst auf der Clapper/LeMay/McCarthy-Linie gelegen hat, oder ob ihm einfach nur der Mut fehlte, der erbärmlichen, nur der Selbstbestätigung dienenden „Einschätzung“ aller US-Geheimdienste zu widersprechen. Dann habe ich noch einmal meinen Artikel „Obama misses the Afghan Exit-Ramp“ [Obama versäumt den Abzug aus Afghanistan, s. https://consortiumnews.com/2010/062410a.html ] vom 24. Juni 2010 gelesen und mich daran erinnert, wie devot Obama den Generälen und den Nachrichtendienstgurus begegnet ist, und wie gewissenlos die Generäle waren, als sie – wie ihre Vorgänger in Vietnam – gelogen und das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels versprochen haben.

Es ist sehr verdienstvoll, dass Craig Whitlock (s. https://en.wikipedia.org/wiki/Craig _Whitlock ) 10 Jahre später in seinem Artikel „The Afghanistan Papers: At War With the Truth“ [s. https://www.washingtonpost.com/graphics/2019/investigations/afghanistan-papers/af-ghanistan-war-confidential-documents/ ] das alles dokumentiert hat. Die Konzernmedien, die eine wesentliche Rolle in diesem „Krieg gegen die Wahrheit“ spielten, haben dem ver – nichtenden Whitlock-Artikel leider nicht die Aufmerksamkeit zukommen lassen, die er verdient hätte. Wen wundert’s! Jedenfalls fällt es sehr schwer, zu glauben, Obama habe nicht bemerkt, dass er in Bezug auf Afghanistan belogen wurde.

Einige Fragen

Fällt denn niemand die Ironie auf, die darin liegt, dass die Demokraten heute ausgerechnet wegen Afghanistan auf Trump einprügeln – mit voller Unterstützung der Mainstream-Medien? Die unvermeidliche Niederlage in Afghanistan ist eine der wenigen Katastrophen, die nachweislich n i c h t Trump anzulasten sind. Die Medien gehen aber einfach darüber hinweg. Sollen die unbestätigten Berichte über russische Prämien für die Tötung von US-Soldaten den Eindruck erwecken, Trump sei unfähig, Putin daran zu hindern, die restlichen US-Soldaten aus Afghanistan zu vertreiben?

Soll mit den gegenwärtigen Angriffen eine Art „Meuterei wegen der Bounties“ (der angeblichen Tötungsprämien) angezettelt werden – will Michael McFaul den Whistleblower Eric Chiaramella (s. https://heavy.com/news/2019/10/eric-ciaramella/ ) nachäffen? Erinnern Sie sich noch daran, wie die Demokraten den CIA-Agenten Chiamarella, der dem Nationalen Sicherheitsrat Trumps angehörte, als „Whistleblower“ gefeiert haben, weil er ausgeplau-dert hat, dass Trump wegen möglicher Verfehlungen Bidens mit dem ukrainischen Präsidenten telefoniert hat und damit den Demokraten Stoff für ein (erfolgloses) Amtsenthebungsverfahren gegen Trump lieferte? Chiaramella wurde dafür nicht zur Rechenschaft gezogen, sondern kann vermutlich mit einem besser bezahlten Job rechnen, wenn sein „Schutzherr“ Joe Biden zum Präsidenten gewählt wird. Wird es also zu einer erneuten Meuterei im Weißen Haus Trumps kommen?

Und was ist in diesem Zusammenhang von der gemeinsamen Inszenierung [s. https:// theintercept.com/2020/07/02/house-democrats-working-with-liz-cheney-restrict-trumps-planned-withdrawal-of-troops-from-afghanistan-and-germany/ ] des demokratischen Abge-ordneten Jason Crow (s. https://en.wikipedia.org/wiki/Jason_Crow ) aus Colorado und der republikanischen Abgeordneten Liz Cheney (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Liz_Cheney ) aus Wyomimg zu halten, die den von Trump geplanten Truppenabzug aus Afghanistan verhindern wollen? Die Los Angeles Times hat berichtet, dass der Abzug bis nach der Wahl blockiert werden soll [s. https://www.latimes.com/politics/story/2020-07-02/afghani-stan-trump-withdrawal-on-track ].

McFaul und Hiatt, der Redakteur, der „Warnungen“ verbreitet

Und wer hat den Kommentar von McFaul veröffentlicht? Fred Hiatt, der seit 20 Jahren für den Leitartikel der Washington Post zuständige Redakteur, der schon lange ein offenes Ohr für Einflüsterungen anonym bleibender Quellen aus Kreisen der US-Geheimdienste hat und statt simpler Tatsachen lieber im Konjunktiv gehaltene Behauptungen verbreitet – wie die über die Massenvernichtungswaffen im Irak vor dem Angriff der USA und Großbritanniens auf dieses Land. Damals hat er die Leser der Washington Post davon überzeugt, dass es Tonnen von Massenvernichtungswaffen im Irak gäbe. Deshalb sollte es niemand überraschen, dass er jetzt auch (dem Lügner) MC Faul eine Bühne geboten hat.

Aus Gründen der Fairness sei angemerkt, Hiatt hat später zugegeben, dass seine Zeitung mit ihren Behauptungen über irakische Massenvernichtungswaffen vorsichtiger hätte sein müssen. „In den Leitartikeln im Vorfeld des Krieges haben wir es als Tatsache angesehen, dass er [Saddam Hussein] über Massenvernichtungswaffen verfügt,“ sagte er im März/ April 2004 in einem Interview mit der Columbia Journalism Review. „Das war nicht wahr, und es wäre besser gewesen, es nicht zu behaupten.“

Zu dieser späten Einsicht möchten wir den verstorbene Robert Parry, den Gründer von Consortium News, zitieren, der einmal gesagt hat: „Ja, ein allgemeiner Grundsatz des Journalismus ist, dass wir, wenn etwas nicht zutrifft, es auch nicht für wahr erklären sollen.“ Dass Hiatt trotzdem noch seinen Job hat, spricht Bände.

„Unbestätigt, widerlegt oder sogar nicht existent“

Es ist traurig, dass man Leute 18 Jahre später noch darauf hinweisen muss, dass die „Erkenntnisse der Geheimdienste über irakische Massenvernichtungswaffen“ kein Irrtum sonder einfach nur Schwindel waren. Die Schuldigen wurden zwar enttarnt, aber nicht zur Rechenschaft gezogen.

In den am 5. Juni 2008 veröffentlichten Ergebnissen einer fünfjährigen Untersuchung des Geheimdienstausschusses des Senates ist eine Aussage des demokratischen Senators

Jay Rockefeller (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Jay_Rockefeller ) aus West Virginia zitiert. Er hat geäußert, der Angriff auf den Irak sei „unter unzutreffenden Vorwänden“ erfolgt. Die geheimdienstlichen Erkenntnisse, die zur Rechtfertigung des Krieges gegen den Irak gedient hätten, seien „unbestätigt, widerlegt oder sogar nicht existent“ gewesen.

Hausaufgaben

Hier folgt eine Hausaufgabe für Sie: Lesen Sie den Kommentar McFauls nochmals mit großer Sorgfalt (s. https://www.washingtonpost.com/outlook/trump-would-do-anything-for-putin-no-wonder-hes-ignoring-the-russian-bounties/2020/07/01/0013f1d0-bb19-11ea -8cf5-9c1b8d7f84c6_story.html ). Seine Überschrift lautet: „Trump would do anything for Putin. No wonder he’s ignoring the Russian bounties: Russia’s pattern of hostility matches Trump’s pattern of accommodation“. (Trump würde alles für Putin tun. Kein Wunder, dass der US-Präsident die russischen Prämien ignoriert: Auf die Feindschaft Russlands reagiert Trump mit Entgegenkommen.)

Der nachfolgende erste Abschnitt des Kommentars kann Ihnen die Meinungsbildung erleichtern:

„Der russische Präsident Wladimir Putin scheint den Taliban-Rebellen in Afghanistan Prämien für die Tötung von US-Soldaten bezahlt zu haben. Wenn auch nur ein US-Soldat deshalb gestorben ist – vermutlich waren es aber viel mehr – hatten die russischen Prämien den erhofften Erfolg. Auch wenn die Prämienzahlung zutiefst verstörend ist, passt sie doch in Putins sonstiges Verhalten, das einem klaren Muster folgt. Er ignoriert ständig internationale Normen, Regeln und Gesetze – und verlässt sich darauf, dass die US-Regierung nichts dagegen unternimmt.“

Weitere Hausaufgaben: Lesen Sie jetzt den ganzen McFaul-Kommentar sorgfältig durch und versuchen Sie, auch seine weiteren Aussagen in eine oder mehrere der drei Kategori-en einzuordnen, die Senator Rockefeller vor 12 Jahren im Zusammenhang mit den „Massenvernichtungswaffen im Irak“ aufgestellt hat. Welche Behauptungen McFauls ordnen Sie unter a)“ unbestätigt“, b) „widerlegt, c) „nicht existent;“ oder d) alle drei Kategorien ein? Besondere Verdienste können Sie sich erwerben, wenn Sie wenigstens eine Behauptung finden, die durch stichhaltige Beweise belegt ist.

Der 2015 verstorbene Yogi Berra (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Yogi_Berra ) wäre sicher überrascht, wenn er noch mitbekäme, dass ich zum Schluss ihn zitiere: „Déjà vu, all over again.“ (Das gab’s doch schon mal, und jetzt kommt’s wieder!) Ja, Yogi, das stimmt, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen!

Ray McGovern arbeitet für den publizistischen Zweig der ökumenischen Church of the Saviour (Kirche des Erlösers) in der Innenstadt Washingtons. Während seiner 27-jährigenTätigkeit für die CIA war er Chef der Abteilung für sowjetische Außenpolitik und musste die US-Präsidenten regelmäßig darüber informieren. Im Ruhestand hat er die Veteran Intelligence Professionals fo Sanity (VIPS, weitere Infos dazu unter https://de.wikipedia.org/wiki/ Veteran_Intelligence_Professionals_for_Sanity ) mitbegründet.

(Wir haben die vernichtende Analyse Ray McGoverns, dessen Fähigkeit zur Beurteilung des Wahrheitsgehaltes „geheimdienstlicher Erkenntnisse“ wegen seiner langjährigen Tätigkeit für die CIA wohl niemand bestreiten wird, komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in runden Klammern versehen. Die Links in eckigen Klammern hat er selbst eingefügt).

https://consortiumnews.com/2020/07/03/ray-mcgovern-mutiny-on-the-bounties/

 

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