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Ausland, Medien

Neuigkeiten im Fall Epstein: Ein entlarvender Vergleich der Berichterstattung in Russland und Deutschland

von Thomas Röper – https://www.anti-spiegel.ru

Wenn der Spiegel über den Fall Epstein berichtet, dann kann man sicher sein, dass der Spiegel mindestens das wichtigste verschweigt, oft aber sogar die Leser bewusst auf eine falsche Fährte führt. So auch bei den aktuellen Ereignissen, bei denen der Spiegel ausgesprochen selektiv berichtet hat, was vor allem ein Vergleich mit der russischen Berichterstattung aufzeigt.

Ich habe immer wieder gezeigt, wie sehr der Spiegel im Fall Epstein Informationen manipuliert (Beispiele finden Sie hier und hier). Im Kern lenkt der Spiegel davon ab, dass Epstein nicht „nur“ selbst minderjährige Mädchen missbraucht hat, sondern sie in erster Linie an seine Freunde aus der High Society vermittelt hat. Vor allem den Namen Bill Clinton meidet der Spiegel wie der Teufel das Weihwasser, dabei war Clinton ein enger Freund von Epstein und ist laut den Logbüchern des „Lolita Express“ 26 Mal mit Epstein in dem verrufenen Flugzeug geflogen (teilweise in Begleitung minderjähriger Mädchen) und auch mehrmals Gast auf Epsteins Privatinsel gewesen. Den Tod von Epstein bezeichnet der Spiegel konsequent als „Selbstmord“ und verschweigt seinen Lesern genauso konsequent alle merkwürdigen Umstände dieses „Selbstmordes“.

Wie der Spiegel berichtet

Am Freitag hat der Spiegel über frei gegebene Gerichtsunterlagen berichtet und ist seiner Linie treu geblieben. Die Freigabe der Unterlagen war angekündigt worden und fand gegen den Widerstand von Ghislaine Maxwell, Epsteins Komplizin, die derzeit in Haft sitzt, statt. Für den Spiegel war die größte Sensation, dass Maxwell und Epstein noch Kontakt miteinander hatten, nachdem dieser offiziell abgebrochen gewesen sein soll. Das ist sicher interessant und kann zu einer Verurteilung von Maxwell wegen Meineides führen, aber es ist nicht das interessanteste, was aus den Unterlagen hervorgeht.

Der Spiegel weiß das auch ganz genau, denn er hat den Artikel eines US-Portals erwähnt:

„Die US-amerikanische Online-Plattform „Law and Crime“ hat am Donnerstag mehr als 600 Seiten Gerichtsunterlagen aus dem Zivilprozess Virginia Giuffre (vormals Roberts) gegen Maxwell veröffentlicht. Unter ihnen ist auch eine E-Mail-Korrespondenz zwischen Maxwell und Epstein aus dem Jahr 2015.“

Was im Originalartikel zu lesen war

Der Spiegel hat den Artikel von „Law and Crime“ also gelesen, sonst hätte er ja nicht darüber berichten können. Nur über den Inhalt lässt der Spiegel seine Leser im Dunkeln. Ich zitiere aus dem Artikel und zeige auch das Foto, dass „Law and Crime“ als Bestätigung beigefügt hat:

„Elektronische Suchen in den Dokumenten nach den Worten „Trump“ und „Clinton“ liefern keine Ergebnisse. Die Namen der beiden Präsidenten erscheinen jedoch in den Dokumenten; die Namen sind nur nicht leicht zu finden. Der Mar-A-Lago Club wird Dutzende Male erwähnt, ebenso wie der britische Prinz Andrew und der ehemalige Harvard Law School Professor Alan Dershowitz. In einem Teil sagte die Epstein-Anklägerin Virginia Roberts Giuffre, Epstein selbst sei derjenige, der das berühmte Foto von ihr mit Prinz Andrew gemacht habe. Epstein benutzte Giuffres eigene Kodak-Kamera, sagte sie.
Hier erwähnt Giuffre Clinton und andere berühmte Persönlichkeiten in Epsteins Flugzeug. Der hier beigefügte Ausschnitt ist von Seite 145 des kombinierten Dokuments unten:“

Hier wird Giuffre nach den Namen derer gefragt, die sie selbst in dem berüchtigten Flugzeug gesehen hat und sie erwähnt Bill Clinton und Al Gore. Und im nächsten Dokument erzählt sie von Orgien auf der Insel und davon, dass Clinton auf der Insel war. Und sie erzählt, dass bei der Gelegenheit außerdem noch zwei junge Mädchen aus New York waren und dass Orgien stattgefunden haben.

Der Spiegel findet das aber nicht interessant genug, um es seinen Lesern zu erzählen.

Die veröffentlichten Unterlagen kann jeder einsehen, „Law and Crime“ hat sie online gestellt. Es sind über 600 Seiten und ich lade jeden ein, diese Dokumente zu prüfen. Der Link zum Download ist hier.

Anstatt auf die Vorwürfe, Epstein habe die Mädchen zur Prostitution an Clinton, Gore und viele andere einflussreiche Persönlichkeiten weitergegeben, steht im Spiegel dazu nur folgender Satz:

„Der einschlägig vorbestrafte amerikanische Geschäftsmann Epstein soll Dutzende Minderjährige missbraucht und zur Prostitution gezwungen haben.“

Das ist für den Spiegel schon erstaunlich viel Information, denn normalerweise spart er das Thema Prostitution im Zusammenhang mit Epstein sorgsam aus. Aber auch dieses Mal hat der Spiegel die Frage, wer denn die Kunden von Epstein gewesen sein könnten, nicht gestellt. Das nenne ich mal kritischen Journalismus!

Ein Selbstmord nach dem anderen

Auch bei dem versuchten Mord an der US-Richterin Esther Salas hat der Spiegel möglichst alles weggelassen, was den Leser beunruhigen könnte. Was das mit Epstein zu tun hat?

Ganz einfach: Salas ist die Richterin, die in Sachen Epstein und Deutsche Bank ermittelt. Vor zehn Tagen hat ein als Paketbote verkleideter Mann an ihrer Tür geklingelt und ihren Sohn erschossen und ihren Mann angeschossen. Sie blieb nur durch Zufall unverletzt. Seit dem 2. Weltkrieg sind in den USA nur vier Bundesrichter ermordet worden, der Fall ist also hochbrisant.

Der Täter wurde kurz nach der Tat gefunden, allerdings hatte er sich zu dem Zeitpunkt freundlicherweise bereits das Leben genommen und konnte nicht mehr befragt werden. Noch ein merkwürdiger Selbstmord im Zusammenhang mit dem Fall Epstein, der beim Spiegel aber keinerlei Fragen provoziert hat. Ein weiteres Beispiel für ausgesprochen kritischen Journalismus beim Spiegel.

Wie in Russland berichtet wird

Wie völlig anders doch das russische Fernsehen im Vergleich dazu berichtet. In der Sendung „Internationaler Überblick“ hat das russische Fernsehen am Freitag ebenfalls das Thema Epstein behandelt. Leider wurde das Transkript nicht veröffentlicht, weshalb der Aufwand einer kompletten Übersetzung zu groß ist. Daher fasse ich selbst zusammen, was das russische Fernsehen darüber berichtet hat. Die Sendung finden Sie hier, das Thema Epstein beginnt bei Minute 42 und dauert bis zum Ende der Sendung.

Die russischen Zuschauer erfahren die merkwürdigen Umstände von Epsteins Tod und der Moderator erzählt, dass der „Selbstmord“ für viele eine gute Nachricht gewesen sein dürfte. Dann sagt er – nicht ohne Ironie – zum angeblichen „Selbstmord“:

„Der Selbstmord fand in einem Bundesgefängnis statt. Und zwar in einem super gut bewachten mit Überwachungskameras überall, die aufpassen sollten, dass Epstein auch ja nichts anstellt. Dann passierte aber alles so passend, dass die Kameras aus irgendeinem Grund im richtigen Moment ausgeschaltet und die Wächter mit einer Pause beschäftigt waren.“

Daruf folgt dann ein sachlicher Videobeitrag, der Epsteins Werdegang erklärt. Der Beitrag endet mit Epsteins Deal, der ihm bei dem ersten Verfahren vor knapp 15 Jahren eine sehr milde Strafe beschert hat. Der Moderator sagt danach:

„Der Staatsanwalt, der mit Epstein den vorteilhaften Deal geschlossen hat, musste zurücktreten, als bekannt wurde, dass es sich dabei nicht nur um Epsteins Hobby gehandelt hat, sondern dass es sein Geschäftsmodell war. So hat er sich seinen Partnern gegenüber erkenntlich gezeigt, zu denen – so schreiben Zeitungen – auch Top-Manager der Deutschen Bank gehört haben. Und an diesem Fall arbeitete die Bundesrichterin Esther Salas. Sie überlebte wie durch ein Wunder, als ein radikaler Anti-Feminist namens Roy Hollander an ihre Tür klopfte.“

Dann folgt eine Beitrag über den Mordversuch an der Bundesrichterin, die die Verbindungen zwischen Epstein und der Deutschen Bank untersuchte. Danach sagt der Moderator:

„Interessant, warum hat er verucht, sie zu erschießen? Welche Motive hatte er? Das wird ja auch nicht erzählt. Er hat sich auch umgebracht. Wer könnte etwas über über die Verbindungen von Bill Clinton und Epstein erzählen? Das könnte eine gewisse Ghislaine Maxwell tun, die zur Fahndung ausgeschrieben war und sich – anscheinend aus Angst um ihr Leben – der Polizei ergeben hat.“

Es folgt ein Beitrag über Ghislaine Maxwell und ihren Werdegang inklusive ihrer Kontakte und der Verbindung mit Epstein. Dann sagt der Moderator:

„Jetzt sitzt Miss Maxwell in dem gleichen Bundesgefängnis, in dem ihr geliebter Freund Epstein Selbstmord begangen hat. Sie verstehen, was wir meinen.
Der Geschichte, die die Sahnehaube des anglo-amerikanischen Establishments, die Elite der Eliten, betrifft, könnte einen Sturm auslösen, wenn bekannt wird, wer alles auf die „Freundeninsel“ – wie die Presse sie nennt – geflogen ist, auf der laut Presse auch Bill Clinton zu Besuch war, und mit wem Epstein Geschäfte gemacht hat. Die Familie Clinton – also jetzt vor allem Hillary, die so gerne Präsidentin werden wollte – will den Status Quo der Eliten erhalten, den Donald Trump erschüttert hat. Die Morde rund um das Geschehen der politischen Elite sind normales Beiwerk.
Wir erinnern daran, dass der WikiLeaks-Informant Seth Rich vor einigen Jahren in Washington auf offener Straße erschossen wurde. Er war Mitarbeiter der Demokratischen Partei und hat die Emails weitergegeben, die die Betrügereien bewiesen haben, mit denen die damalige Parteiführung Clinton gegen Sanders unterstützt hat, was absolut illegal war.
Seth Rich ging morgens nach Hause, er wurde von zwei Leuten angegriffen, es gibt davon ein Video. Sie haben ihn erschossen und weder sein Geld, noch sein Handy, noch seine Uhr geklaut. Das war – das verstehen wir natürlich – ein ganz normaler Fall von Straßenkriminalität.
Wir sind sicher, dass der Fall Epstein damit noch nicht abgeschlossen ist und dass wir im US-Wahlkampf noch einige hässliche Enthüllungen erleben werden.“

Warum nur werden all diese Fragen in den deutschen „Qualitätsmedien“ nicht gestellt? Wer hat den Namen Seth Rich mal in den deutschen „Qualitätsmedien“ gefunden?

Neuigkeiten im Fall Epstein: Ein entlarvender Vergleich der Berichterstattung in Russland und Deutschland

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Neuigkeiten im Fall Epstein: Ein entlarvender Vergleich der Berichterstattung in Russland und Deutschland

  1. Gut möglich dass der Spiegel in ehrenhafter Weise wie immer mit der ehrlichen Berichterstattung auch weiterhin über den Fall sauber Berichten wird, gell?

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    Verfasst von reinertiroch | 2. August 2020, 9:24

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