//
du liest...
Afrika, Ausland

Das Gleichschritt-Szenario der Rockefeller Stiftung wird in Westafrika erprobt

von Norbert Häring – https://norberthaering.de

Vor zehn Jahren hat die Rockefeller-Stifung das autokratische Lock-Step-Szenario (Gleichschritt-Szenario) entworfen und arbeitet offenbar seither emsig an der Umsetzung. Die neueste Initiative in dieser Richtung ist eine Kooperation der von den Rockefeller- und Gates-Stiftungen finanzierten Impfallianz Gavi mit Mastercard und einem auf biometrische Identifikation spezialisierten IT-Unternehmen.

Bevor wir zu der neuen Initiative kommen, will ich kurz an eine Auswahl von Annahmen erinnern, die Grundlage des Gleichschritt-Szenarios waren:

  • Eine Viruspandemie mit hoher Ansteckungsgefahr und hoher Sterblichkeit
  • Wenig autoritäre Reaktion der US-Regierung scheitert
  • Autoritärer chinesischer Ansatz funktioniert viel besser
  • Andere Nationen eifern autoritärer, stark überwachender chinesischer Vorgehensweise nach
  • Geschockte Bevölkerungen begrüßen mehr Überwachung
  • … und autoritärere Herrschaft
  • Biometrische Identitätserfassung erhält Auftrieb
  • Eine multipolare IT-Welt mit US-Dominanz
  • Philanthropische Stiftungen werden Teil der Außen- und Sicherheitspolitik der USA

Es sei auch daran erinnert, dass die Rockefeller Foundation 2017 die Anschubfinanzierung für ID2020 bereitgestellt hat, eine Initiative, um jedem Weltbürger bis 2030 eine global lesbare biometrische Identität zu geben. Partner sind Microsoft, die Impfallianz Gavi und Accenture. Accenture erschien auf diesem Blog als Verfasser – im Auftrag des Weltwirtschaftsforums – der Kontroll-Dystopie “The Known Traveller Digital Identity“.

Vor diesem Hintergrund ist die neue Entwicklung sehr interessant, auf die ich durch einen Artikel von Raul Diego auf MintPress News gestoßen bin.

Die philanthropischen Stiftungen Gates Stiftung und Rockefeller Stiftung, die in Wahrheit nicht erst “Teil der Außen- und Sicherheitspolitik der USA” werden müssen, weil sie es schon lange sind, finanzieren die Gavi-Impfstoffallianz und arbeiten in verschiedenen Anti-Bargeld-Allianzen und solchen für die biometrische ID eng mit Mastercard zusammen. Gavi und Mastercard führen nun in Zusammenarbeit mit dem jungen IT-Unternehmen Trust Stamp eine neue biometrische Identitätsplattform ein, zunächst für Westafrika. Damit sollen normale Impfprogramme ebenso unterstützt werden, wie künftige Covid-19-Impfungen.

Der Überwachungscharakter der neuen Plattform wird am augenfälligsten dadurch, dass Trust Stamp das gleiche Instrument auch bei Strafverfolgungsbehörden bewirbt.

Ablenkende Informationspolitik

Was wirklich vorgeht verstecken Gavi und Mastercard gekonnt hinter vielen Floskeln und selektiven, irreführenden Teilinformationen. Für mich sieht es sehr danach aus, als ob eine neue Überwachungstechnologie in den ärmsten Ländern Afrikas im Feldversuch getestet werden soll, weil es dort keine Datenschutzregeln gibt und diese Länder auf die Impfprogramme und Finanzhilfen von Gavi, Gates, Rockefeller, Weltbank und Co. angewiesen sind.

Im Dezember 2018 kündigten Gavi und Mastercard eine Allianz an, “um sicherzustellen, dass mehr Kinder aus den ärmsten Ländern von lebensrettenden Impfprogrammen profitieren.”.Gavi stellt seinen Kooperationspartner Mastercard vor als “ein Technologieunternehmen in der globalen Zahlungsverkehrsbranche, das fest entschlossen ist, den Weg zu einer ‘Welt jenseits des Bargelds’ (TM) freizumachen”.

Das Problem sei, dass ein Fünftel der Kinder in den von Gavi unterstützten Ländern nicht erreicht werden, weil Impfdokumente fehlten und Erinnerungen der Erziehungsberechtigten an anstehende Nachimpfungen schwierig seien.

Das klingt ja erst einmal vernünftig. Aber was trägt nun die Kreditkartenfirma Mastercard dazu bei, das Problem zu lösen. Frei nach dem Motto, “Wenn dein einziges Werkzeug ein Hammer ist, sieht jedes Problem wie ein Nage aus”, steuert Mastercard eine Karte bei, auf der die Impfinformationen digital gespeichert sind. Der Vorteil? “Die Erziehungsberechtigten werden ermächtigt, kritische Impfungen nicht zu verpassen. Regierungen bekommen ein besseres Verständnis des Impfbedarfs.”

Floskeln statt echtem Nutzen

Ich gehe davon aus, dass  Gavi auch ohne Mastercard in der Lage war, eine (digitale) Statistik der verabreichten Impfungen zu führen und diese den beteiligten Regierungen zukommen zu lassen. Es bleibt auch geheimnisvoll, wie eine Karte mit digitalen Informationen, die die Eltern nicht lesen können, ihnen besser helfen soll, als ein (laminiertes) Stück Papier, auf dem alles in Klartext steht, unter anderem das Datum der nächsten Impfung, und was sie gegebenenfalls tun sollen, damit das Kind diese bekommt. Der Unterschied scheint eher zu sein, dass man auf eine derartige Karte beliebige Infos packen kann, die den Eltern verborgen bleiben. Das zeigt sich aber erst nach und nach in verschiedenen Mitteilungen der kommenden Monate.

Eine Gavi-Meldungssammlung von 3. Juni 2020 lässt erahnen, was Mastercard tatsächlich beisteuern darf: “Mastercard wird seinen ‘Wellness Pass‘ für die Covid-19-Reaktion anpassen”, erfährt man hier nebenher und mit einiger Verspätung, um was für eine Karte es sich bei der Impfkarte von Mastercard tatsächlich handelt.

Einen Wellness Pass von Mastercard findet man im Internet zwar nicht, wohl aber ein Digital Wellness Program, das Mastercard im Juni 2019 in den USA gestartet hat. Es ist ein Überwachungsangebot für Internethändler, damit diese feststellen können, ob jemand tatsächlich derjenige ist, der er zu sein vorgibt, ohne umständliche Nachweise verlangen zu müssen. Teilnehmer des Programms können unter anderem das Werkzeug NuData nutzen, “das Betrug verhindert, indem es Veränderungen im Webseiten-Verkehr beobachtet, plötzliche Veränderungen in Browser-Typ und -Geschwindigkeit, sowie die Zeit analysiert, die auf Webseiten verbracht wird.”

Versuchskaninchen für Mastercards Überwachungsprogramm

Auch wenn das nicht das zu sein scheint, was man für Impfprogramme in ländlichen Regionen Westafrikas braucht, scheint es doch gemeint zu sein, wie eine Pressemeldung von Mastercard vom 26.  Juni 2020, wohl unbeabsichtigt, preisgibt. Dort erklärt Mastercard Zweck und Zustandekommen der Kooperation mit Trust Stamp folgendermaßen.

“2018 wandte sich Mastercards Startup-Programm ‘Start Path’ an das Unternehmen, um zu diskutieren, wie es zur Registrierung von Impfungen und Nachverfolgung für Kinder in abgelegenen Regionen beitragen könnte. Trust Stamp arbeitet nun mit Mastercard zusammen, um seine Fähigkeiten bei der digitalen Identifizierung in Mastercards ‘Wellness Pass’ Lösung zu integrieren, die zusammen mit Gavi der Impfallianz, in Westafrika gestartet werden wird.”

Der Link führt wie im obigen Zitat auch in der Original-Pressemitteilung zum Digital Wellness Program für den Internethandel. Man beachte die Zukunftsform. Hier scheint kein laufendes Projekt angepasst zu werden, sondern es scheint erst mit der Beteiligung von Trust Stamp zu starten.

 Es geht offenbar nicht darum, eine praktische Karte mit Impfdaten auszuteilen, sondern darum, die geimpften, oder ihre Erziehungsberechtigten, ohne deren Zutun zu identifizieren und zusätzliche Informationen über diese verfügbar zu halten, die die Betroffenen nicht lesen können.

US-Konzerne als Weltpassbehörde

Dazu kann Trust Stamp wertvolle Beiträge liefern, jedenfalls wenn seine Technologie das hält, was das Unternehmen und Mastercard versprechen. Ganz im Sinne der Zielsetzung von ID2020 erfordert das System keine Kenntnis des rechtlichen Namens oder der Identität einer Person, um zu funktionieren. Die Person bekommt unabhängig von der zuständigen Regierung eine Identität von Mastercard. Wie ich in einem früheren Blogbeitrag geschrieben habe, können die US-IT-Unternehmen auf diese Weise zur Weltpassbehörde werden.

Das biometrische Identitätssystem von Trust Stamp, das mit Geld und logistischer Unterstützung von Mastercard finanziert wurde, nutzt eine selbst entwickelten Technologie namens Evergreen Hash. Das Prinzip ist der Blockchain entlehnt. Auf Grundlage eines Fotos wird ein sogenannter Hash erstellt, eine Transformation der Fotodaten. Man kann aus diesem Hash das Foto nicht rekonstruieren, aber man kann feststellen, ob ein Foto eines Menschen zu dem gespeicherten Hash passt.

So jedenfalls wird die Technologie von Mastercard beschrieben. Aber es scheint noch einiges mehr in den Hash eingearbeitet zu werden.

So hat Gareth Genner, CEO von Trust Stamp, in einer Pressemitteilung jüngst erklärt, dass der “einzigartige Hash” in der Lage sei, sich “weiterzuentwickeln”. Jedes Mal, wenn ein Kind oder eine Person einen Impfstoff erhält, werde ein neuer Hash mit aktualisierten Gesundheitsinformationen erstellt. Die KI-Algorithmen von Trust Stamp könnten genau bestimmen, ob verschiedene Hashes zu ein und derselben Person gehören, was bedeute, dass “der Hash sich mit der Zeit genau so entwickelt, wie Sie sich entwickeln”, so Genner.

Der Hash enthält also neben den Informationen zur Identifikation der jeweiligen Person beliebige weitere Informationen über die jeweilige Person, die nur von denen kontrolliert und gelesen werden können, die diese Technologie kontrollieren.

Im idealen Fall dient das nur dazu, Informationen über die bereits erhaltenen Impfungen zu kodieren, die die Erziehungsberechtigten vielleicht nicht (mehr) wissen, weil sie einen Impfpass oder die praktische Mastercard-Impfkarte verloren haben. Für diesen Zweck scheint die Technologie allerdings in Sachen Fälschungssicherheit deutlich überambitioniert und übermäßig intransparent für die Betroffenen. Es gibt ja schließlich schon genug Misstrauen gegen Impfprogramme.

Im ungünstigen Fall lässt sich darüber – nicht nur in Westafrika – ein beliebiges Kontrollsystem etablieren, wie zum Beispiel das inzwischen berühmt-berüchtigte chinesische Sozialpunkteprogramm. Wenn es sich bei Gavi in Westafrika bewährt hat und in den Industrieländern für den Internetkommerz eingesetzt wird, kann es dort eigentlich nur in letztere Richtung gehen.

Auch das zweite kommerzielle Standbein von Trust Stamp deutet darauf hin.

Auch für die Strafverfolgung geeignet

Trust Stamp will, nach der Darstellung von Mastercard, seine Evergreen-Hash-Technologie auch noch anderweitig vermarkten. So sollen Unternehmen im Reisegeschäft Menschen kontaktlos identifizieren können (Known Traveller lässt grüßen) und Immobilienmakler sollen damit in die Lage versetzt werden, Kriminelle vor einem Treffen als solche zu erkennen. Wenn man durchdenkt, was dafür nötig ist, kommt man schnell zu dem Schluss, dass Trust Stamp und Mastercard ein allgemeines Überwachungssystem im Sinn haben, oder mindestens eines, das zu einem solchen ausgebaut werden kann.

Außerdem genannt werden Polizei und Strafvollzug. Gespräche mit privaten und öffentlichen Gefängnissystemen hätten gezeigt, dass sie an der Nutzung der Technologie von Trust Stamp interessiert sind. Man könne damit Personen auf Bewährung lokalisieren ohne die dafür sonst nötigen teuren Fußfesseln.

Wie man einem Artikel auf der Website Biometric Update von April entnehmen kann, hat Trust Stamp für solche Anwendungen mit Safe14 ein “Privatsphäre bewahrendes Lokalisierungssystem” entwickelt und patentiert. “Trust Stamp sagt, die neue Technologie baue auf seinen humanitären und Entwicklungs-Kooperationen mit Mastercard auf”, heißt es in dem Artikel. Darin ist, anders als im neueren Artikel, nur von Anwendungen zur Corona-Quarantäne-Überwachung die Rede. Aber die Technologie ist offenkundig die gleiche, wie bei jeder Lokalisierung von Gefängnis-Freigängern oder später vielleicht einmal beim automatisierten Management des Bewegungsradius von großen Teilen der Bevölkerung.

Wer an dieses System angebunden wird, muss regelmäßig Selfies machen. Diese werden gemeinsam mit Ortsdaten von einem “multimodalen Lokalisations-Beacon” zu einem Hash verarbeitet. Dann kann die berechtigte Stelle feststellen, ob die Hashdaten den Anforderungen bezüglich des Bewegungsspielraums der Person entsprechen. Aber niemand sonst, der irgendwie an die Daten kommt, kann etwas damit anfangen. Das ist der gepriesene, “die Privatsphäre wahrende” Teil der Technologie.

Resümee

Was da in Westafrika abseits der Weltöffentlichkeit und jenseits allen Datenschutzes an Millionen wehrlosen Menschen ausprobiert wird, ist eine Technologie, die bestens zur automatisierten Überwachung und Kontrolle der Bevölkerung geeignet wäre.

 

Das Gleichschritt-Szenario der Rockefeller Stiftung wird in Westafrika erprobt

Diskussionen

3 Gedanken zu “Das Gleichschritt-Szenario der Rockefeller Stiftung wird in Westafrika erprobt

  1. oder besser „Gleichschaltung“

    Liken

    Verfasst von tom | 16. Juli 2020, 11:31
  2. Danke das hier darüber berichtet wird! Zum weiterlesen:

    https://www.mintpressnews.com/africa-trust-stamp-covid-19-vaccine-record-payment-system/269346/

    Liken

    Verfasst von Robert | 16. Juli 2020, 9:59
  3. Und mit der bvorstehenden Impfung der Weltbevölkerung kann die Menge kontrolliert ausgemerzt werden?

    Liken

    Verfasst von reinertiroch | 16. Juli 2020, 9:34

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Archiv

%d Bloggern gefällt das: