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Ausland, Naher Osten

US-Aggression bringt Türkei und Iran näher zusammen

von Jim Carey – https://geopoliticsalert.com

Übersetzung LZ

Die aggressive Außenpolitik des Trumpregimes hat Verbündete und Feinde gleichermaßen enger zusammengeschweißt, jetzt auch die Türkei und den Iran.

Die letzten Jahrzehnte im Nahen Osten haben gezeigt, wie wichtig es ist, das große Ganze im Auge zu behalten und die schiere Anzahl der langsam schwelenden Krisen in der Region, die die westliche Verteidigungsgemeinschaft jetzt nachts wach halten, wirklich zu würdigen. Diese „Konfliktzonen“ waren zwar seit dem Zweiten Weltkrieg zumeist das Ergebnis der Vereinigten Staaten, wurden aber lange Zeit in einem sorgfältig gemanagten Zustand des Gleichgewichts gehalten, das durch das von den imperialen Mächten verursachte Chaos aufrechterhalten wurde, um sicherzustellen, dass keine einzige regionale Macht entsteht.

Dieser sorgfältig choreographierte Tanz der Zerstörung beinhaltete komplizierte Bündnisse mit Nationen von Israel und Saudi-Arabien bis Ägypten und der Türkei, aber jetzt, unter der Führung von Donald Trump und seiner Tendenz, die US-Gegner in wenig beneidenswerte Ecken zu drängen und gleichzeitig die traditionellen Verbündeten seiner eigenen Regierung zu entfremden. Dadurch wurden die USA von der „globalen Gemeinschaft“ isoliert.

Zwei Fälle, die als gute Beispiele dienen können, um beide Seiten von Trumps Aggression gegenüber Verbündete und Feinde gleichermaßen zu veranschaulichen, sind die Türkei und der Iran.

Die Beispiele des Iran und der Türkei verdeutlichen die Auswirkungen der allgemeinen Inkompetenz des gegenwärtigen US-Regimes sowie die öffentliche Person des Präsidenten als dreister Kriegstreiber gegenüber Feinden, während er gleichzeitig den Eindruck zu erwecken scheint, dass er der tatsächliche Manager der mit den USA verbündeten Nationen ist (mit Ausnahme der besonders brutalen Länder wie Israel und Saudi-Arabien). Führungspersönlichkeiten in den westlichen Machtzentren wie London, Paris, Berlin und Brüssel sind eindeutig unzufrieden mit dieser Trumpdoktrin. Es scheint immer noch so zu sein, dass der allgemeine Plan der Europäischen Union (EU) und sogar – bis zu einem gewissen Grad – der angeblich „gegnerischen“ Supermacht Chinas darin zu bestehen scheint, sich zurückzulehnen und auf einen Regimewechsel in den USA zu warten.

Trump’s außenpolitische Strategie dreht sich um die Wahlen 2020

Für einige Länder ist diese Idee des „Aussitzens“ des Trump-Regimes jedoch keine Option gewesen. Zu dieser Gruppe von Ländern gehören Nationen wie der Iran, der nach Jahren illegaler Sanktionen und Aggressionen durch die USA mit der Unterzeichnung des Gemeinsamen Umfassenden Aktionsplans (JCPOA) im Jahr 2016 endlich einige Fortschritte erzielt hat. Der JCPOA war zwar nicht perfekt, aber der Vertrag garantierte dem Iran eine gewisse Erleichterung der Sanktionen und begann, darauf hinzuarbeiten, Teheran wieder in die Weltgemeinschaft zu integrieren. Doch jetzt sind selbst diese bescheidenen Gewinne verloren gegangen, nachdem Trump beschlossen hatte, den Vertrag aufzukündigen, worauf ein Wirtschaftskrieg folgte, der den Iran mit historischen Sanktionen überzog, mehrere Wellen von Protesten, die von den USA unterstützt wurden, und sogar Treffen mit im Exil lebenden iranischen Terrorgruppen, die sich dem Sturz der Islamischen Revolution verschrieben hatten.

Die Aushandlung des JCPOA hatte im Grunde genommen bereits fast das gesamte Vertrauen und den guten Willen des Iran gegenüber dem Westen gefordert, die Aggression gegen Teheran nach 2016 war aufgrund des Versprechens, das Iranabkommen zu beenden, absolut vorhersehbar und ein zentrales Stück von Donald Trumps Wahlkampfgeschwafel. Obwohl Trump es dem JCPOA ermöglichte, einige der vierteljährlichen Überprüfungen nach seiner Amtseinführung zu überleben, wiederholte der US-Präsident dennoch regelmäßig Lügen über das vollständig erfundene „Atomwaffenprogramm“ des Iran und die „Milliarden in bar“, die der ehemalige Präsident Obama angeblich an Teheran „gegeben“ hatte. Trump sorgte am Ende dafür, dass die USA sich aus dem JCPOA zurückzogen, aber es ist unwahrscheinlich, dass dies die Mehrheit der Iraner überrascht hat, die vier Jahrzehnte unter dem Stiefel des US-Imperialismus verbracht haben und keinen wirklichen Grund hatten anzunehmen, dass Washington jemals gute Absichten hatte.

Dennoch gibt es ein weiteres Land, über das nachzudenken Trump nur sehr wenig Zeit aufgewendet hat (trotz wachsender Besorgnis über staatliche Repression und eine ehrgeizige Außenpolitik selbst unter Obama): die Türkei.

Erdogan-Berater schlägt vor, die NATO-Mitgliedschaft der Türkei zu überdenken

Obwohl die Türkei ein Verbündeter der USA und Mitglied der Nordatlantikpakt-Organisation (NATO) ist, hat sie seit Anfang der 2000er Jahre rasche Veränderungen in ihrer innenpolitischen Landschaft erfahren. Die USA waren immer froh, die Türkei für ihre Pläne im Nahen Osten zu nutzen, aber mit der Zeit und mit zunehmendem Chaos in der Region entstand in Ankara ein Machtvakuum und Möglichkeiten, den türkischen Einfluss geltend zu machen. Die Türkei nutzte diese sich wandelnde Landschaft, um eine größere Rolle als Regionalmacht zu erringen – und sich selbst als Führer der globalen islamischen Gemeinschaft unter Präsident Recep Erdogan darzustellen – da die ehemaligen Makler der Macht in dem von der NATO installierten militärischen tiefen Staat die Kontrolle über die türkische Politik verloren.

Sowohl die Türkei als auch der Iran haben eine Litanei von Gründen, den Vereinigten Staaten zu misstrauen, aber jahrelang haben sie sich in wichtigen Fragen nie wirklich öffentlich in dem Maße verbündet, wie sie es jetzt tun. Um besser zu verstehen, wie ein amerikanischer Verbündeter (und wichtiger Waffenkunde) wie die Türkei am Ende beschloss, seine langjährigen Hintertürbeziehungen mit dem Iran öffentlich zu machen, ist es wichtig zu verstehen, wie sowohl Ankara als auch Teheran von den USA an die Wand gedrängt wurden und wie dies dazu führte, dass die gegenwärtigen Beziehungen zwischen dem Iran und der Türkei ihre gemeinsamen Ziele in der Region verfolgen.

Der langsame [vorhersehbare] Zerfall der Beziehungen zwischen den USA und der Türkei

Die moderne Republik Türkei hatte schon immer ein unglaublich kompliziertes Verhältnis zu den Vereinigten Staaten und den anderen Mitgliedern der NATO. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Kalte Krieg einsetzte, waren die NATO-Mächte in Eile, jede mögliche Nation in ihr Bündnis gegen die Staaten des Warschauer Paktes der Sowjetunion aufzunehmen. Die Türkei, die zwar nicht gerade eine europäische Nation, sondern eher eine Art historischer Mittelweg zwischen Ost und West war, meldete sich freiwillig zum NATO-Beitritt und diente als vordere Verteidigungslinie gegen die Sowjets.

Während es zunächst rätselhaft erscheinen mag, dass dieses Land, das nie vollständig von Europa akzeptiert werden würde und aus der Demontage und Umverteilung der Ländereien der osmanischen Sultane durch die Westmächte entstanden ist, wurde das neue Land Türkei stattdessen von einer politischen Klasse von Militärveteranen geführt, die die Türkei zu modernisieren und zu verwestlichen suchten. Noch wichtiger ist jedoch, dass diese altgedienten Gründungsväter der Republik Türkei eine Todesangst vor der scheinbar unvermeidlichen westlichen Ausbreitung des sowjetischen Bolschewismus in den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg hatten. Anstatt also eine ähnliche Entscheidung wie andere Länder, wie etwa Jugoslawien, zu treffen, um bündnisfrei zu bleiben, meldeten sich die Türken im Falle des Dritten Weltkriegs freiwillig als Kanonenfutter.

Offiziell war dies damals die von den türkischen Führern getroffene Wahl, aber würde es Sie überraschen, wenn Sie herausfinden würden, dass zumindest ein Teil der Schaffung der Bedingungen, die notwendig waren, um die Bewegung der Türkei nach Westen zu beeinflussen, eher das Ergebnis einer offenen Einmischung durch die Geheimdienstgemeinschaft der Vereinigten Staaten war?

Das ist richtig, noch bevor die Kämpfe des zweiten Weltkriegs beendet waren, begannen die tapferen Helden des Nationalen Sicherheitsrats der Vereinigten Staaten (NSC) und der Central Intelligence Agency (CIA) Operationen, um die US-Dominanz in ganz Westeuropa sicherzustellen. Dies war eine Folge der Bedingungen nach dem Krieg, als sich die kommunistischen Parteien auf solch historischen Höhen befanden, dass es schien, als würden sie die Macht in mehreren alliierten Nationen übernehmen und – so die USA – eine unaufhaltsame Ausbreitung des Kommunismus weltweit bewirken.

Türkischer Top-Journalist über den Staatsstreich, die Repression und die Zukunft der Türkei

Diese Aktivitäten des NSV und des CIA wurden als Teil der Truman Doctrin in Kraft gesetzt. Während sich die meisten Leser wahrscheinlich an die Truman-Doktrin als eine wohlwollende Handlung der USA erinnern, die Milliarden von Dollar für die Reparatur des vom Krieg zerrütteten Europas und Japans und für die Unterstützung der Achsenmächte beim Übergang zur Demokratie zur Verfügung stellte, lässt dieser Standard, der in der allgemeinen US-Geschichte genannt wird, die eklatanten Details der wirklichen Sorgen des Sicherheitsstaates außer Acht. Die Truman-Doktrin versprach zwar wirtschaftliche und politische Unterstützung aus Washington, aber sie bot auch den viel weniger diskutierten Aspekt der „militärischen“ Unterstützung.

Diese militärische Unterstützung kam in vielen Formen, einschließlich des Wiederaufbaus der Streitkräfte in kriegszerstörten alliierten Ländern wie Frankreich, aber diese Unterstützung spielte auch eine größere und ruchlosere Rolle in der europäischen Politik. Diese Rolle wurde durch die Schaffung dessen, was heute allgemein als „stay-behind networks“ durch den US-Geheimdienst bekannt ist, wahrgenommen. Diese „Netzwerke“ bestanden im Grunde genommen aus gewalttätigen rechten Todesschwadronen, die Terroranschläge auf alle, von der Zivilbevölkerung bis hin zu politischen Führern, verübten und gleichzeitig mit rechtsextremen Straßengangs zusammenarbeiteten, deren Aufgabe es war, ein Umfeld zu schaffen, das so chaotisch war, dass die lokale Bevölkerung nach staatlicher Repression und der Wiederherstellung der Ordnung schrie. Einige dieser Angriffe wurden den Rechten zugeschrieben, aber oft handelte es sich auch um Operationen unter falscher Flagge, um linken Gruppen die Schuld für sinnlose Gewalt und das Schüren von Panik zu geben.

Wenn Sie etwas über eines dieser Netzwerke wissen, dann höchstwahrscheinlich im Zusammenhang mit der Operation Gladio. Der Name Gladio bezieht sich speziell auf die CIA-Netze, die nach dem Krieg in Italien operierten, aber es gab in ganz Europa noch mehr dieser Art von Operationen. Die Türkei hatte ihre eigene Version von Gladio, die als Operation Counter-Guerilla bezeichnet wurde.

Als Teil der Gegen-Guerilla schufen die USA und die Türkei 1947 das Büro für Verteidigungszusammenarbeit als gemeinsames Kommando zur Bekämpfung des „Bolschewismus“ in der Türkei. Die Einrichtung dieses neuen Büros wurde von der US-Militär- und Geheimdienstgemeinschaft zusammen mit hochrangigen Mitgliedern des türkischen Militärs ausgehandelt. All dies geschah zu einer Zeit, als die Türkei noch von Mustafa Kemal Atatürk geführt wurde, dem Militärkommandeur, der als Gründungsvater der modernen Türkei, als Oberhaupt des türkischen Staates und als Gründer der Republikanischen Volkspartei (CHP) galt, die die türkische Politik jahrzehntelang dominieren sollte, was zum Teil auf die langjährige Beziehung zum US-Geheimdienst zurückzuführen war.

Die Contra-Guerilla vereinte die Kräfte der USA, Atatürks militärisch-politische Klasse, die sich als gewählte Führer verkleideten, sowie eine Vielzahl abstoßender Nationalisten, Extremisten und anderer rechter Gruppen wie die berüchtigten Grauen Wölfe, die gewalttätigen Straßenfaschisten, die der Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) treu ergeben waren. Dieses Bündnis sorgte im Grunde dafür, dass die politische Klasse der Ex-Soldaten, die mit Atatürk in der neuen Türkei aufgestiegen waren, als Herrscher eines Landes, das sie als moderne Republik ausgaben, fest verankert blieb.

Da die Türkei als wichtiger Verbündeter im Kalten Krieg angesehen wurde, wurde diese Klasse von Militärführern in einem Maße zum vertrauenswürdigen Partner Washingtons, dass die USA und Europa die CHP (und vor allem das Militär) so unbedingt an der Macht halten wollten, dass sie sich gerne zu allen Mitteln, die sie dazu einsetzten, die Augen verschließen sollten. Das Militär und die CHP waren offensichtlich euphorisch über diese Carte-Balance-Autorität, die Macht zu behalten, egal was passiert, und nutzten das Wissen, dass der Westen niemals eingreifen würde, um im Laufe der Jahre mehrere demokratische Bewegungen zu Fall zu bringen.

Das türkische Militär führte in den folgenden Jahrzehnten mehrere Staatsstreiche durch, beginnend mit der Absetzung der Demokratischen Partei 1960, dann der Gerechtigkeitspartei durch ein Memo 1971, gefolgt von der Verhängung des Kriegsrechts 1980 nach Wellen von Straßengewalt und umstrittenen Wahlen und schließlich 1997 gegen die islamistisch geprägte Wohlfahrtspartei. Ein junges Mitglied und aufsteigender Stern, der als Bürgermeister von Istanbul für die Wohlfahrtspartei diente, wurde beim Putsch von 1997 verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, und zwar kein Geringerer als der künftige Premierminister und Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Wie das türkische Militär seine Macht verlor, indem es versuchte, sie zu behalten

All diese Staatsstreiche mögen die militärischen Eliten und die CHP nach dem Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang an der Macht gehalten haben, aber ihr Würgegriff über die Politik führte bald zu innerer Apathie und Fäulnis. Dieser Exzess und die Sorglosigkeit der Partei und der militärischen Erben des Vermächtnisses Atatürks hatten sie selbstgefällig gemacht, während gleichzeitig eine neue Bewegung im Entstehen begriffen war.

Es stellt sich heraus, dass der Putsch von 1997 zwar die Wohlfahrtspartei abgeschafft, aber nicht die wachsende Zahl der Türken beseitigt hatte, die zwar immer noch aggressiv nationalistisch waren, aber gleichzeitig begannen, eine Art religiöse und historische Wiederbelebung zu erleben. Dies äußerte sich in wachsenden Tendenzen wie dem osmanischen Revisionismus von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, wie einem gewissen zukünftigen Präsidenten, der auf eine Zeit imperialer und religiöser Größe zurückblickte. Diese Faktoren spielten zusammen eine große Rolle in der wachsenden Opposition gegen den militant säkularen türkischen Staat.

Dies führte zur Entstehung der neuen Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) unter der Führung von Erdogan. Die AKP war zwar eine Art ideologischer Verwandter der Muslimbruderschaft (MB), bekannte sich aber zunächst in frühen Kampagnen zu mehr Liberalität, was zu einer scheinbar endlosen Kette von Siegen für immer höhere Positionen führte, die mit Erdogan als Premierminister und dann als Präsident unter einem neuen Exekutivsystem gipfelte, das das Amt des Premierministers nutzlos machte.

All diese Siege der AKP und das Überleben Erdogans in all diesen Jahren sind beeindruckend, aber nichts davon wäre ohne die Lektionen aus erster Hand möglich gewesen, die Erdogan über die volle Macht des türkischen Tiefen   Staates gelernt hat. Diese Erinnerungen an Erdogans Verhaftung während des letzten Staatsstreichs der Türkei, der zu einem raschen Handeln der AKP führte, um Institutionen wie das Militär und die Polizei völlig umzugestalten, um die Loyalität zum Staat zu fördern und ihren Einfluss auf die Politik zu verringern. Zu dieser Zeit verbündete sich Erdogan mit dem heutigen Sündenbock Fethullah Gulen, einem Geistlichen mit weitreichenden geschäftlichen und politischen Beziehungen sowie Tausenden und Abertausenden von Mitgliedern seiner FETO-Organisation, die in der türkischen Regierung dienten.

Schon vor dem Putschversuch gegen Erdogan im Jahr 2016 gab es 2014 eine Reihe von Säuberungen in Militär, Polizei und Justiz als Vergeltung für die Untersuchung möglicher Korruption durch Erdogan. Die entlassenen Funktionäre wurden durch FETO-Loyalisten ersetzt und ehemals entlassene Kommandeure, die ultranationalistischen Organisationen wie der Partei der Glückseligkeit (SP) angehörten, wieder eingestellt. Diese Säuberungen des Militärs nahmen dann nach 2016 zu, nachdem ein versuchter (oder möglicherweise inszenierter) Putsch gegen Erdogan Ankara dazu veranlasste, Gulen die Schuld an dem Komplott zuzuschieben und (angebliche) FETO-Mitglieder von Regierungsposten auszuschließen und noch gefügigere Kommandeure und Apparatschiks einzusetzen.

Diese Ablösung der Gulenisten hätte auch als der Beginn der sich zwischen den USA und der Türkei anbahnenden Probleme erkannt werden müssen. Obwohl Gulen seit Jahren in Pennsylvania im Selbstexil lebte, war seine Auslieferung bis 2016 nie eines der drängendsten Probleme der Türkei. Nach 2016 jedoch randalierte Erdogan öffentlich, schimpfte ständig gegen Gulen und die Weigerung des damaligen Präsidenten Obama, den Geistlichen auszuliefern. Nach der Wahl von Donald Trump schien es jedoch, dass Erdogan dachte, er hätte bessere Chancen, die Rückkehr von Gulen zu erreichen. Zu einem bestimmten Zeitpunkt behauptete Erdogan sogar, Trump sei bereit, Gulen auszuliefern, doch dies wurde später vom Weißen Haus dementiert. Das Endergebnis ist, dass die meisten Erdogan-Loyalisten nach wie vor den Eindruck haben, dass Gulen in Wirklichkeit ein Trumpf ist, der von den USA geschützt wird (was angesichts der oben dargelegten Geschichte verständlich ist), die in der Türkei immer noch großen Einfluss haben, was die Säuberungen nach 2016 rechtfertigt, die bis heute andauern.

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All diese Säuberungen schufen eine völlig fremde politische Landschaft in der Türkei, was die USA betraf. Erdogan hatte zuvor für Szenen gesorgt, in denen er Israel verurteilte und sich gegen den Einmarsch in den Irak im Jahr 2003 stellte, aber vor den Säuberungen schienen die USA immer noch zuversichtlich, dass die Türkei unter ihrer Kontrolle war. Jetzt, wo fast jeder Aspekt der türkischen Wirtschaft, der Medien, des Militärs und jedes anderen wichtigen Sektors von Erdogan kontrolliert wird, hat die Türkei offenbar ihre eigenen Pläne für die Region und ihre Innenpolitik, die zu Spannungen mit den USA führt.

Die ersten größeren Risse in den Beziehungen zwischen den USA und der Türkei zeigten sich bereits in der Anfangsphase des Krieges in Syrien. Als sich der arabische Frühling von Land zu Land ausbreitete, sah das Obama-Regime nach dem Sturz von Qaddafi in Libyen in Syrien eine weitere Chance, eine andere arabische Regierung illegal zu stürzen.

In der Anfangsphase des Krieges gegen Syrien arbeiteten die USA eng mit ihren traditionellen Verbündeten am Golf zusammen, darunter den Saudis, den Emiratis und den Katarern, aber ein weiterer wichtiger Partner war die Türkei aufgrund der gemeinsamen Grenze des Landes mit Syrien und ihrer Stellung als NATO-Mitglied. Anfänglich arbeiteten die Türken an der Seite der salafistischen Monarchien, indem sie den Transfer von US-Fahrzeugen, Bargeld, Waffen usw. an die rasch wachsende Zahl extremistischer Milizen in Syrien, darunter die Jabhat al Nusra (der syrische Zweig der Al-Qaida) und der Islamische Staat von Irak und Syrien (die erfolgreichere Abspaltung von der Al-Qaida im Irak), erleichterten.

Zu diesem Zeitpunkt halfen die USA eingestandenermaßen diesen Gruppen zu gedeihen und „ließen sie sogar wachsen“, in der Hoffnung, sie würden die Regierung von Baschar Assad stürzen, so der ehemalige Außenminister John Kerry. Als ISIS jedoch anfing, Amerikaner und andere Westler zu enthaupten und einen gefangenen jordanischen Piloten lebendig auf Video verbrannte, war die heiße neue Terrorgruppe kein geeigneter Kandidat mehr, um die Rolle von Freiheitskämpfern zu spielen.

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Doch selbst nachdem die USA ihre Politik geändert und die Koalition zum Kampf gegen ISIS gebildet hatten, arbeitete die Türkei weiterhin eng mit der Gruppe zusammen (und tut dies im Grunde bis heute noch). Die Türkei hat das Memo jedoch nicht ganz verstanden und stattdessen weiterhin mit ISIS zusammengearbeitet, angefangen von der Abdrängung kurdischer Milizen aus den Kampfzonen mit den Extremisten bis hin zur direkten Erleichterung des Transports gestohlenen irakischen und syrischen Öls nach Norden in die Türkei, um es auf europäische Märkte weiterzuleiten, sowie der praktisch freien Verlegung von ISIS-Rekruten nach Süden in den Irak und nach Syrien.

Der Einfluss der Türkei nahm auch auf andere dschihadistische Gruppen, die in Nordsyrien kämpften, weiter zu, und da immer mehr dieser Gruppen von der syrischen Regierung nach Idlib verlegt wurden, wurde die Türkei allein aufgrund ihrer geografischen Lage im Zusammenhang mit den Kämpfen bald zu einem Strippenzieher in der Region. Als die syrische Regierung – mit Unterstützung des Iran, Russlands und der Hisbollah – diesen Gruppen weiterhin Gebiete abnahm, wurde es für die Golfstaaten und die USA schwieriger, so viel Kontrolle auszuüben wie die Türkei.

Dieser Wandel machte Ankara zum De-facto-Chef der zombifizierten Version der Freien Syrischen Armee (FSA), die zu dieser Zeit nach der Bildung einer Reihe von Anti-Damaskus-Koalitionen nur noch von Elementen der Al-Qaida dominiert wurde. Während diese Al-Qaida-Mitglieder ursprünglich die Fußsoldaten der CIA und der Golfmonarchien gewesen waren, basierte diese Kommandostruktur auf der Fähigkeit der Golfstaaten, mit den Führern der Al-Qaida an Orten wie Pakistan zu kommunizieren. Diese Kommunikationslinie verlor an Wert, als immer mehr Terroristen in Idlib eingekesselt und abgeschnitten wurden, wodurch sie von ihren Vorgesetzten abgekoppelt wurden und die Türkei für Moskau und Teheran der einzige Kanal für die Kommunikation und Verhandlungen mit den Salafisten war.

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Während sich all dies in Syrien abspielte, kam es auch im außenpolitischen Establishment der Türkei zu einer großen Veränderung, da Ankara zu einer blühenden Freundschaft mit Moskau tendierte. Ironischerweise geschah dies als Folge des Abschusses eines russischen Kampfflugzeugs durch die Türkei in der Nähe der Grenze zu Syrien, als die NATO den entscheidenden Fehler machte und Erdogan sagte, er müsse sich allein um die Folgen des Vorfalls kümmern. Dieses Ereignis brachte die Türkei und Russland schließlich tatsächlich näher zusammen und brachte Ankara (und nicht den USA) einen Sitz bei den syrischen Friedensverhandlungen in Astana als Stimme der syrischen Opposition ein.

Die Türkei teilte auch insofern ein gemeinsames Ziel mit Damaskus, als beide die Notwendigkeit erkannten, das Problem der Volksschutzeinheiten (YPG) zu lösen, einer primär kurdisch geführten Separatistengruppe, die während des größten Teils des Krieges in Nordsyrien von den USA unterstützt wurde. Die Türkei verabscheut die YPG wegen ihrer engen Verbindungen zur Kurdischen Arbeiterpartei (PKK), einer Gruppe, die sowohl von der Türkei als auch von den USA als Terrorgruppe betrachtet wird und deren Ziel es ist, einen neuen kurdischen Staat in Teilen der Türkei, im Irak, in Syrien und im Iran zu errichten. Während die Türkei im Süden des Landes seit Jahrzehnten im Grunde genommen einen Bürgerkrieg mit der PKK führt, sollte man auch sehen, wie die Entwürfe der YPG für Nordsyrien – unterstützt durch die direkte militärische Besetzung durch die USA – Damaskus ein Problem bereiten könnten.

Russland war sich auch mit Ankara und Damaskus darin einig, dass die Ziele der YPG und der US-Truppen, die ressourcenreiche Gebiete Nordsyriens unter „kurdischer“ Kontrolle besetzen, etwas sind, das gelöst werden muss. Diese Frage führte zu einer Reihe von Vereinbarungen, die im Wesentlichen aus der Notwendigkeit heraus entstanden, dass die Türken zwischen Russland und der Türkei einige Kompromisse mit Moskau eingehen mussten, um im Gegenzug ihre Chance auf ein Vorgehen gegen die YPG zu erhalten.

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Diese Entspannung führte schnell zu mehreren türkischen Militäroperationen in Nordsyrien. Die erste Priorität für die Türkei war die PKK-Hochburg Afrin, die das Ziel der Operation Olive Branch war, die im Wesentlichen zu einer Besetzung durch die Türkei führte, wobei die „FSA“ (zu der nun viele ehemalige Kämpfer des IS gehörten) als lokale Behörde fungierte. Während die Streitkräfte der Vereinigten Staaten in Syrien, welche weiter östlich von Afrin in der Gegend um Manbij lagen, sich weigerten, auf Seiten der YPG einzugreifen, verursachte die Operation Olive Branch gleichwohl Spannungen zwischen Ankara und Washington aufgrund des Zustroms von YPG-Kämpfern nach Afrin, was Ressourcen aus dem Kampf mit der ISIS im Osten abzog.

Doch selbst ohne das Eingreifen der USA vergrößerte sich die Kluft zur Türkei weiter, da Washington sich weigerte, die massive Lieferung von Waffen an die YPG, die inzwischen als Syrian Democratic Forces (SDF) bekannt wurde, einzustellen. Die US-Streitkräfte setzten auch ihren Schutz der Kurden in bestimmten Gebieten Syriens fort, indem sie jegliche Vorstöße des türkischen Militärs oder seiner Stellvertreter blockierten, die zu mehreren Zusammenstößen führten, einschließlich eines Bombenangriffs auf US-Truppen durch mutmaßliche türkische Stellvertreter. Dies geschah während eines weiteren türkischen Angriffs auf Syrien, der als Operation „Friedensfrühling“ bekannt wurde und bei dem es sich um eine Operation zur Vertreibung der YPG aus Manbij handelte, die schließlich dazu führte, dass die türkischen Truppen in so engen Kontakt mit den US-Truppen kamen, dass es zu einem versehentlichen Beschuss von US-Einrichtungen kam. Im Gegensatz zu Afrin befanden sich diese US-Basen in der Region Manbij, und dieser Showdown führte schließlich zu Androhung von  Sanktionen, die so hart wären, dass sie die türkische Wirtschaft „zerstören“ würden.

Das offensichtliche Endergebnis dieser immer wiederkehrenden Streitigkeiten zwischen der Türkei und den USA war, dass Erdogan, der unglaublich mächtige Führer eines der zutiefst nationalistischen Länder der Welt, diese öffentlichen Drohungen von Trump, die von den türkischen Wählern als Beleidigung ihrer gesamten Nation empfunden wurden, schließlich nicht länger tolerieren konnte. Um diese Gefühle der nationalen Demütigung abzuwehren, die zu einem drastischen Rückgang von Erdogans Unterstützung führen könnten (die bestenfalls schwach ist und in der Regel selbst bei zügellosem Betrug nur geringe Wahlsiege bringt) und eine Öffnung für die wachsende Zahl von Oppositionsparteien schaffen könnten, die sich gegen die AKP aufstellen.

All dies veranlasste Erdogan dazu, andere führende Politiker der Welt um Unterstützung von außen zu bitten. Wladimir Putin war mehr als glücklich, diesem Bedürfnis nachzukommen, als er eine Chance sah, die Türkei von den Westmächten und der Doppelmoral, die sie seit Jahren gegenüber der Türkei an den Tag legen, wegzuziehen. Bald schlossen Russland und die Türkei mehrere Vereinbarungen, darunter eine, die türkische Beobachtungsposten rund um Idlib vorsah, um zu versuchen, die Türken dazu zu bewegen, jegliche Waffenstillstandsvereinbarungen zwischen Damaskus und den türkischen Stellvertretern durchzusetzen. Obwohl diese türkischen Außenposten angeblich zu sicheren Zufluchtsorten genau für die Terroristen vor der syrisch-arabischen Armee (SAA) geworden sind, nachdem die Türken mit der Invasion von Idlib begonnen hatten, scheint Russland immer noch entschlossen zu sein, die Vereinbarung einzuhalten, um sowohl die diplomatischen Kanäle zu den „Rebellen“ offen zu halten als auch die Türkei näher an sich heranzuführen, was schließlich zu Dingen wie der Entscheidung Ankaras führte, russische S-400-Raketenabwehrsysteme zu kaufen.

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Die Entscheidung Erdogans, diese neuen russischen Waffensysteme zu kaufen, war offenbar zuviel für Washington. Während die USA gegen die Türken bereits mit Sanktionen wegen der Manbij-Offensive, dem Versuch Ankaras, die Freilassung eines inhaftierten amerikanischen Pfarrers im Austausch gegen einen Schuldenerlass auszuhandeln, und Verbindungen zwischen großen türkischen Unternehmen und ISIS vorgegangen waren, war es das S-400-Fiasko, das die Auffassung der NATO von der Türkei als einem bloßen Vasallenstaat, der je nach Bedarf eingesetzt werden kann, deutlich machte.

Angesichts des Kaufs der S-400 durch die Türkei beschlossen die USA und andere westliche Staaten, darauf mit der Drohung zu reagieren, dass Ankara, sollte es russische Ausrüstung kaufen, keinen Anspruch mehr auf all jene hochmodernen Teile der NATO-Technologie hätte, die wir alle kennen und lieben, wie die Patriot-Raketenabwehrsysteme und deren geschätzte Erfolgsquote unter einem Prozent, oder der berüchtigte Billionen-Dollar F-35-Tarnkappenjäger, der nicht in Stürmen fliegen kann, und ein Schleudersystem, das so schlecht konstruiert wurde, dass einige Analysten erwarten, dass es mehr Piloten töten als retten wird.

Obwohl das meiste dieser Ausrüstung Schrott war, war Ankara immer noch empört über die Annullierung der Lieferung ihrer F-35 aus den USA, obwohl die Türkei eine Partnernation in dem Gemeinschaftsprojekt zur Entwicklung des neuen Jets war. Diese Entscheidung wurde von Washington getroffen, obwohl türkische Piloten bereits auf mehreren Militärstützpunkten in den USA eingetroffen waren, um für das Fliegen der neuen Kampfflugzeuge ausgebildet zu werden.

All diese Faktoren führten dazu, dass sich die Türkei von einem ihrer engsten historischen Verbündeten völlig ausgeschlossen fühlte, was für die USA eine schlimme Sache sein könnte, aber für die Türkei wurde die Ablehnung durch Washington als Zerstörung der Barrieren betrachtet, die die türkischen nationalen Ambitionen einschränken.

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Diese Zeitspanne schuf die Voraussetzungen dafür, dass die Türkei unter dem islamistisch geprägten Einfluss der AKP und Erdogan begann, sich ihre Rolle in der Welt zu finden. Unter Erdogans Führung in dieser Zeit extremer innenpolitischer Unruhen in der Türkei – einschließlich des Beinahe-Zusammenbruchs der Wirtschaft – war der beschlossene Aktionsplan für die Türkei das, was sie als ihren rechtmäßigen Platz als Regionalmacht und, unter Erdogan, als Führer der globalen islamischen Gemeinschaft ansah.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Türkei bereits die Position des wichtigsten Strippenziehers für die verschiedenen Rebellenkoalitionen in Syrien errungen, aber die Türkei sah sich immer noch mit den Golfmonarchien konfrontiert, die sich auf endlose Mengen an Ölreichtum stützen. Dies änderte sich jedoch alles, als Saudi-Arabien, der unausgesprochene Führer der Golfstaaten und Chef des Golfkooperationsrates (GCC), mehrere entscheidende Fehler machte.

Der erste Fehler, den Riad beging, war die Entscheidung, die getroffen wurde, nachdem die saudischen Könige einen Staatsempfang für Trump veranstaltet hatten, als das Haus Saud beschloss, jahrzehntelange finanzielle Unterstützung des salafistischen Terrorismus voll und ganz Katar zuzuschreiben. Dies führte zu einem saudischen Ultimatum an Katar mit Forderungen, die von der Auflösung des staatlichen Nachrichtensenders Al Jazeera in Doha über die Trennung Katars von allen Verbindungen zur Muslimbruderschaft (einer Gruppe, die in der Vergangenheit häufig von den Saudis unterstützt wurde) bis hin zur vollständigen Isolierung des Iran reichten, obwohl Katar die Rechte an einem der größten Gasfelder der Welt mit Teheran teilt. Als diese ungeheuerlichen Forderungen nicht erfüllt wurden, begannen die Saudis bald damit, Ideen für einen Regimewechsel und eine mögliche militärische Intervention in Katar zu entwickeln, um den derzeitigen Emir zu stürzen, wie aus Quellen der VAE verlautet.

Erdogan, der der clevere politische Akteur ist, der er ist, und seine AK-Partei, die eng mit der Muslimbruderschaft verbunden ist, sah sofort eine Chance, eine größere Rolle der Türkei in diesem Konflikt durchzusetzen. Als die saudische Rhetorik immer extremer und gewalttätiger wurde, war es die Türkei, die als eine der wenigen Nationen auf den Plan trat, um die saudischen Ambitionen zu stoppen, die gesamte arabische Welt auf eine Linie zu bringen.

Während die Saudis damit beschäftigt waren, dafür zu sorgen, dass die Mehrheit der arabischen Länder mit ihrer Führung konform gehen würde, begann Riad auch, sich Israel anzuschmeicheln – ein Affront gegen den Großteil der muslimischen Welt. Diese neue Beziehung zwischen Israel und Saudi-Arabien (ein Land, das keine Juden auf seinem Boden zulässt) wurde 2017 aufgedeckt, als durchgesickerte israelische Kabel zeigten, dass die beiden Länder ihre Differenzen beiseite legten, um sich auf die Subversion des Iran zu konzentrieren.

Hier sah die Türkei ihre Chance. Da der Großteil der muslimischen Welt nicht aus Vollidioten besteht, die auf die plötzliche Kehrtwende der Saudis hereinfallen würden, gab es plötzlich Raum für eine weitere einflussreiche „islamische“ Nation, die eine Führungsrolle übernehmen konnte. Die Türkei füllte diesen Platz fast unmittelbar nach der Spaltung des GCC und bot an, innerhalb von 24 Stunden Truppen zu entsenden und neue militärische Einrichtungen in Katar zu errichten. Die Türkei ging auch sofort dazu über, ein Transportabkommen mit Katar sowie mit dem Iran abzuschließen (der Katar bereits seit der saudischen Blockade mit Nahrungsmitteln für den Notfall versorgt hatte), was die ohnehin schon recht herzlichen Beziehungen zwischen der Türkei und dem Iran noch weiter vertiefte.

Die Saudis begingen einen weiteren großen Fehler, als Ende 2018 saudische Agenten – von denen einige sogar direkt mit dem Kronprinzen in Verbindung standen – den Korrespondenten der Washington Post, Jamal Khashoggi, abschlachteten. Warum die Saudis dies in der Türkei – einem der am stärksten kontrollierten und überwachten Staaten der Region nach 2016 – durchführten, bleibt ein Rätsel, aber es ist klar, dass das saudische Konsulat in Istanbul eine der schlechtesten Möglichkeiten war, ein Mitglied der internationalen Presse abzuschlachten.

Die Saudis beschlossen, die klassische Taktik anzuwenden, indem sie vorgaben, totale Idioten zu sein, und behaupteten, sie hätten keine Ahnung, was mit Khashoggi geschah. Aber Erdogan, als der medienerfahrene König, der er ist, war entschlossen, diese Gelegenheit zu nutzen, um das Image der saudischen Zivilisation so weit wie möglich zu zerstören.

Saudi-Geschichte löst sich auf, während die Türkei Druck auf den Journalisten Khashoggi ausübt

Nach der Ermordung von Khashoggi sollte jedem klar sein, warum es Erdogan gelungen ist, das ihm zustehende Machtniveau zu erreichen und zu erhalten. Der Mann ist ein geschmeidiger Medienakteur, und der Fall Khashoggi war ein Beweis dafür, da Erdogan täglich absichtlich kleine Informationen durchsickern ließ, um die Geschichte in den internationalen Schlagzeilen zu halten. Trotz der Tatsache, dass die Türkei eine der führenden Nationen ist, wenn es um die Ermordung oder das Verschwinden von Journalisten geht, war es Erdogans persönliches Geschick, das er es schaffte, Khashoggi zum Hauptdiskussionsthema zu machen und unbequeme Tatsachen wie den Umstand, dass die Türkei ihren eigenen inhaftierten Reporter von der Washington Post freiließ, während sich der gesamte Khashoggi-Skandal entfaltete, aus dem Blickfeld zu halten.

Mit Ausnahme von Trump, der volles Vertrauen in die Saudis hatte, dass diese ihre eigene interne Untersuchung durchführen würden, entsetzte vieles von dem, was von der Türkei veröffentlicht wurde, die westlichen Führer so sehr, dass Saudi-Arabien einen Teil (wenn auch nicht alles) seines Einflusses auf der Weltbühne verlor. Dies mag nicht ideal erscheinen, da der mächtigste Führer der Welt das Urteil immer noch ablehnt, es reicht immer noch aus, die Saudis zu delegitimieren, und es würde Erdogan erlauben, zu einem wichtigen Einflussfaktor in der Region aufzusteigen. Dies wird immer deutlicher, je mehr Erdogan den türkischen Einfluss ausbaut, nicht nur in Somalia, sondern jetzt auch in Libyen, wo Erdogan wiederholt auf eine militärische Intervention gedrängt hat, da sich gezeigt hat, dass die türkische Mission in Syrien dem Untergang geweiht ist.

Nachdem Idlib im Grunde verloren ist, betrachtet die Türkei nun Libyen als das nächste große Schlachtfeld, um den türkischen Einfluss im Ausland auszuweiten, und wurde sogar beschuldigt, ehemalige ISIS- und FSA-Kämpfer aus Syrien nach Libyen zu schleusen, um die Regierung des Nationalen Abkommens (GNA) zu unterstützen, auch mit Waffenlieferungen, die derzeit von der UNO verboten sind.

Diese neue expansionistische neo-osmanische Türkei unter Erdogan ist nicht nur aufgrund dieses einen riesigen saudischen Fehlers entstanden. Obwohl die Türkei ein NATO-Verbündeter ist und ihre Verbrechen ständig von der westlichen Presse thematisiert werden, arbeitet sie seit langem am Aufbau einer alternativen Machtbasis im Nahen Osten. Obwohl die Ziele Ankaras nicht immer deutlich sind und es wahrscheinlich töricht ist, volles Vertrauen in die Versprechen der AKP zu setzen, hat die Türkei unter Erdogan lange nach einem unabhängigen Weg gesucht, und ob Sie es wissen oder nicht, er ist seit Jahren in Arbeit.

Türkisch-iranische Zusammenarbeit vor Trump

Obwohl die Türkei und der Iran in den meisten Konflikten „technisch gesehen“ immer auf entgegengesetzten Seiten stehen (so lehnte die Türkei beispielsweise die Invasion ihres wichtigsten Handelspartners und iranischen Gegners im Jahr 2003 ab: Baathistischer Irak), haben die beiden Länder, auch wenn sie streng genommen Nachbarn sind, seit langem eine für beide Seiten vorteilhafte Beziehung, da die USA ein Auge zudrückte, um das Verhalten ihres NATO-Verbündeten zu decken.

Diese unausgesprochene Vereinbarung hielt jedoch nicht ewig, und bald gerieten mehrere türkische Oligarchen wegen ihrer Beteiligung an einem komplizierten Betrug zum Tausch von Gold gegen iranisches Öl unter Beschuss, während Teheran in Bezug auf die Ölförderung strengen Sanktionen unterlag. Dieser Betrug wurde hauptsächlich von zwei türkischen Bankiers namens Reza Zarrab und Mehmet Hakan Atilla verübt.

Die Türkei: US JCPOA Ausstieg Eine Bedrohung für die Diplomatie

Zarrab und Atilla waren an einem Plan beteiligt, der eine Reihe von Scheinfirmen schuf, die Einnahmen ausschließlich in türkischem Gold erzielten und dieses Geld dann für Scheinfirmen zum illegalen Kauf iranischen Öls verwendeten. Zarrab wurde kurz nach der Verhandlung des Falles Kronzeuge, aber Atilla saß schließlich 32 Monate im US-Gefängnis wegen Umgehung der Sanktionen, obwohl er nach seiner Rückkehr in die Türkei nach seiner Verurteilung zum CEO der Borsa Istanbul, der türkischen Börse, die der New Yorker Börse (NYSE) entspricht, ernannt wurde. Die türkische Regierung gab auch mehrere Erklärungen zur Unterstützung des JCPOA ab und drängte Trump, sich nicht aus dem historischen Vertrag zurückzuziehen.

Inzwischen sahen sich sowohl die Türkei als auch der Iran mit US-Sanktionen konfrontiert, die sie noch enger zusammenwachsen ließen und zu einer größeren Zahl von Treffen zwischen hochrangigen Beamten beider Länder führten, um weitere Sanktionsumgehungsmöglichkeiten zu erörtern. Zwar gibt es noch immer Konflikte zwischen Teheran und Ankara, die in erster Linie die Endziele für Syrien betreffen, doch die einfache Tatsache der geographischen Nähe der beiden Länder hat im Grunde genommen ein gewisses Maß an Zusammenarbeit unumgänglich gemacht. Wie bereits erwähnt, schien nichts davon eine Rolle zu spielen, als es an der Zeit war, die saudische Hegemonie herauszufordern, da sowohl der Iran als auch die Türkei die ersten waren, die auf die plötzliche Krise in Katar reagierten, was eine Art gemeinsames Band zwischen allen drei Nationen demonstrierte.

Darüber hinaus wurde es, wie bereits erwähnt, trotz der Differenzen zwischen Teheran und Ankara in Syrien von Iran und Russland als entscheidend angesehen, dass die Türkei an den Verhandlungen über die Zukunft Syriens teilnimmt.

Türkei und Iran in der Trump-Präsidentschaft

Nach der Wahl von Donald Trump wurde der Wirtschaftskrieg gegen den Iran durch das neue US-Regime sofort wieder aufgenommen. Wie sich viele Leser wahrscheinlich erinnern, beschloss Trump als neuer Präsident schon bald nach seiner Amtseinführung trotz der Warnungen im Grunde der gesamten internationalen Gemeinschaft, aus dem JCPOA auszutreten. Nach dieser Entscheidung begann das Trump-Regime bei jeder sich bietenden Gelegenheit neue Sanktionen gegen den Iran zu verhängen. In einem Fall sanktionierte es sogar Teheran wegen eines völlig legalen Raketentests als Teil des zivilen Raumfahrtprogramms des Iran nach einem Plan für einen Wirtschaftskrieg gegen den Iran, der direkt aus Tel Aviv kam.

Dieser Wirtschaftskrieg wurde auch von anderen Bemühungen begleitet, dem Iran u.a. die Schuld für die Ereignisse des 11. September 2001 zu geben (trotz überwältigender Beweise für eine Beteiligung Saudi-Arabiens) und für wiederholte Verletzungen des JCPOA, obwohl die IAEO mehrfach berichtet hatte, dass der Iran den Atomdeal immer noch vollständig einhält.

IAEA weist Behauptungen des israelischen Premierministers über die nuklearen Aktivitäten des Iran zurück

Trotz dieser Angriffe versuchte der Iran weiterhin, neue Ölgeschäfte mit Ländern abzuschließen, die mutig genug waren, sich den US-Sanktionen zu stellen. Ursprünglich versuchte Trump, diese Empörung einzudämmen, indem er versprach, dass der Mangel an aus dem Iran exportiertem Öl von den Golfstaaten mehr als leicht ausgeglichen werden könne. Länder wie die Türkei sahen sich jedoch aufgrund interner finanzieller Bedingungen weniger in der Lage, Golföl zu importieren, als Trump angenommen hatte.

Es ist unmöglich zu beweisen, ob dies bedeutet, dass die Türkei auch nach der Aufdeckung des Zarrab/Atilla-Skandals weiter gegen die Sanktionen gegen den Iran verstieß, sich aber bald darauf für eine Ausnahmegenehmigung des Trump-Regimes qualifizierte, die es ihr erlaubte, weiterhin Geschäfte mit dem Iran zu machen. Diese Ausnahmeregelungen wurden anfänglich als ein Segen für Länder wie die Türkei angesehen, aber das hielt nicht lange an, und das Trump-Regime hob die Ausnahmeregelungen kurz nach ihrer Ausstellung auf und verärgerte die Türkei.

Über den Import von iranischem Öl hinaus hat die Türkei jedoch noch andere gemeinsame Anliegen mit dem Iran, wie frühere gemeinsame Operationen zwischen der Türkei und dem Iran zur Niederschlagung der Unruhen in ihren jeweiligen kurdischen Gebieten gezeigt haben. Dies führte zu einer gemeinsamen Anstrengung des Iran und der Türkei, die PKK und PJAK ins Visier zu nehmen, was eine Grundlage für die künftige Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern schaffen sollte.

Beide Länder haben auch ein gemeinsames Interesse daran, den Einfluss zu verringern, den Saudi-Arabien seit Jahrzehnten als bevorzugter Stellvertreter der USA im Nahen Osten ausübt. Der Iran hat diese Realität mehrfach zum Ausdruck gebracht, wobei sogar der iranische Vizepräsident klar zum Ausdruck brachte, dass die Saudis hinter dem globalen Terror standen und der Iran eine wahre Kraft für Gerechtigkeit und islamische Einheit war, während die Golfstaaten damit beschäftigt waren, Trump als ihren bedingungslosen Verbündeten zu bejubeln, der die saudischen Gräueltaten akzeptierte.

Der Iran hat die Saudis zu Recht wegen ihrer wiederholten Aggression angeklagt. Dazu gehören saudische Aktionen der Isolation Katars und die anschließende schnelle Reaktion des Iran auf das Nachbarland, das plötzlich in tiefe Not geriet. Darüber hinaus wird auch vermutet, dass die Saudis über ihre Stellvertreter-Netzwerke sehr wahrscheinlich für Terroranschläge innerhalb des Iran verantwortlich sind,

Saudi-Arabien an 94% der weltweiten Terroranschläge beteiligt, sagt Irans FM

Diese wachsende antisaudische Stimmung im Nahen Osten hat in Riad, das sich inmitten massiver neoliberaler Modernisierungsbemühungen befindet, zu einem erheblichen Maß von Verzweiflung geführt. Ein Ausdruck dieser Besorgnis hat die Saudis dazu veranlasst, sich Israel als dem letzten verbliebenen Verbündeten zuzuwenden, um im Kampf gegen den Iran Hilfe zu erhalten. Dies ist umso beleidigender, wenn man bedenkt, dass der Iran sich um diplomatische Annäherungsversuche an Saudi-Arabien bemüht hat, die wachsende Beziehung des Königreichs zu Israel jedoch dazu geführt hat, dass der Ayatollah sich weigert, weiterhin mit einem Land zusammenzuarbeiten, das die zionistische Entität unterstützt.

Das neue Bündnis Türkei-Iran

Die scheinbar völlig freie Hand, die Trump Saudi-Arabien und Israel gegeben hat, ist vom Iran und der Türkei nicht unbemerkt geblieben und treibt beide Länder aus einigen gemeinsamen wie auch besonderen Gründen in die falsche Richtung.

Beginnend mit Israel sollte es offensichtlich sein, warum Teheran dem zionistischen Gebilde misstraut, da es sich so anfühlt, als ob es in Tel Aviv wöchentliche Konferenzen gäbe, die sich ausschließlich auf politische Vorschläge und Diskussionen konzentrieren, die von der Absetzung der iranischen Regierung (in guten Wochen) bis hin zur Einleitung illegaler präventiver Bombenangriffe auf alles, was Israel als militärisches Ziel betrachtet (dies sind eindeutig die schlechten Wochen) reichen. Die Türkei ihrerseits unterhält noch immer Beziehungen zu Israel, was sogar einige Verteidigungs- und Waffenverkaufsabkommen beinhaltet.

Trotzdem wird das türkische Publikum (wie auch das internationale Publikum) aufgrund eines Systems, das im Grunde auf die staatliche Kontrolle der Medien innerhalb der Türkei hinausläuft, und aufgrund der Unterschiede zwischen Erdogans Rhetorik im Vergleich zu seinen Taten oft von dem türkischen Führer bombardiert, der Erklärungen abgibt, die so weit gehen, dass er Israel als Terrorist bezeichnet. Äußerungen wie diese von Erdogan sind jedoch alle Teil eines Balanceaktes, um einen Konflikt mit Israel – und in weiterer Folge mit den USA – zu vermeiden und gleichzeitig ein Bild von sich selbst als einem wahren Führer der Umma zu erzeugen.

Ungeachtet dieser spezifischen Unterschiede, die die Türkei und der Iran haben mögen, ist es dennoch klar, dass Israel und die Ziele der zionistischen Expansion und Vorherrschaft eine Bedrohung für die islamische Welt darstellen. Dies ist ein perfektes Beispiel dafür, dass sich die Interessen Teherans und Ankaras zum beiderseitigen Wohle decken. Wie ich bereits erwähnt habe, haben sowohl der Iran als auch die Türkei ein Interesse daran, den kurdischen Separatismus zu zerschlagen, aber die wirkliche Sorge beider Länder, wenn es speziell um die syrischen Kurden ging, hatte viel mehr mit der Tatsache zu tun, dass die USA Gruppen wie die YPG benutzt hatten, um eine illegale Besetzung Syriens zu starten. Der Iran als Verbündeter von Damaskus, der in Syrien ständig von den Zionisten und den USA angegriffen wird, und die Türkei, ein Verbündeter der USA, dem wiederholt die Chance verwehrt wurde, die PKK-Terrorgruppe auszuschalten, die die Türkei als ihren Hauptgegner betrachtet, kamen beide zu der gleichen Erkenntnis: Wenn es jemals eine Einigung über Syrien (oder den Irak) geben soll, müssen die USA alle Truppen vollständig abziehen.

Warum Recep Erdogan manchmal coole Dinge sagt

Im Falle Saudi-Arabiens sind die Fakten etwas dürftiger und trockener, da sowohl die Türkei als auch der Iran sich nicht nur wegen des wachsenden saudischen Geschäfts mit Israel, sondern auch wegen der diese Bemühungen begleitenden Öffentlichkeitskampagne unwohl fühlen. Während viele arabische Nationen mit Israel Geschäfte machen, hat Saudi-Arabien eine Geschichte, in der es anfangs eines der antijüdischsten (nicht antizionistischen, lassen Sie uns das klarstellen) Länder in der muslimischen Welt war. Auch wenn es Juden immer noch nicht erlaubt ist, Saudi-Arabien zu besuchen, hat Riad sehr öffentlich begonnen, sich zu seinem Bündnis mit Israel zu bekennen. Für diese Kehrtwendung der Wahhabiten werden sie mehr Zugang zu Dingen wie israelischen Waffensystemen und Spionagetechnologie erhalten. Was die Beziehung zu Israel betrifft, so legt Tel Aviv großen Wert darauf, dass die „Wächter von Mekka“ den zunehmenden Expansionsdrang des Zionismus, der wahrscheinlich Zehntausende weitere Palästinenser vertreiben wird, offen unterstützen. Im Gegenzug scheint es, dass die Saudis für Israel im Grunde genommen zu Islamzaren werden und jedes Mal, wenn die Zionisten neue Siedlungen oder Beschränkungen in al Aqsa ankündigen (von denen Israel hofft, dass die Saudis sie auch zur Legitimierung der Besatzung verwalten werden), ihre Zustimmung anbieten werden.

Über die Tradition des Hasses aller gegen die Saudis und Israel hinaus hat sich die wachsende Freundschaft zwischen der Türkei und dem Iran weiterentwickelt, und zwar über die bloße Zusammenarbeit feindlicher Nachbarn aus purer Not hinaus, die einige der Schurken dieser Welt in Angst und Schrecken versetzt.

Ein scheinbar neues Kapitel der türkisch-iranischen Zusammenarbeit sind laut westlichen Medien die jüngsten türkischen Operationen im Irak: Klauenadler und Tiger. Diese beiden Operationen umfassen eine türkische Luftangriffskampagne und einen anschließenden Bodenangriff, aber nach Ansicht der USA und Israels besteht die größte Gefahr darin, dass der Iran der Türkei mit koordiniertem Artilleriebeschuß gegen kurdische Stellungen hilft. Doch dies ist nichts Neues, wie in diesem Beitrag wiederholt festgestellt wurde. Noch Ende 2017 waren die Türkei, der Iran, der Irak und die schiitischen Milizen im Irak alle gegen ein Referendum zur Gründung eines kurdischen Staates. Dies war für im Grunde genommen jedes Land in der Region außer Israel inakzeptabel, und das Endergebnis war eine erniedrigende Niederlage für die irakischen Kurden, was dazu führte, dass der mit dem Iran verbündete Irak eine Ölpipeline zur Türkei vorschlug, um speziell die „kurdisch kontrollierten“ Ölfelder in Kirkuk zu umgehen.

Auch wenn es immer noch wichtig ist, darauf hinzuweisen, dass Bagdad diese Schritte der Türkei und des Iran nicht gutheißt, so ist doch der Schlüssel zum Erfolg, dass Teheran und Ankara auf einem noch nie dagewesenen Niveau zusammenarbeiten.

Irak plant neue Ölpipeline, die von Kirkuk in die Türkei exportiert

Der andere jüngste Grund für Panik in westlichen Geheimdienstkreisen ist die jüngste Entscheidung des Iran, Truppen nach Libyen zu entsenden, um die Türkei bei der Stabilisierung der Regierung des Nationalen Abkommens (GNA) zu unterstützen. Es ist unklar, warum dies auf den ersten Blick so erschreckend sein soll, wenn man bedenkt, dass die GNA die international anerkannte Regierung Libyens ist, zu der die USA und die EU gehören. Der einzige Unterschied zwischen den Ansätzen von Ländern wie den USA und der Türkei besteht darin, dass die USA sich einfach nicht um Libyen kümmern, da es ihnen als gescheiterter Staat lieber ist als als ein weiterer Konkurrent auf dem Ölmarkt. Die Türkei hingegen sieht in Libyen ein weiteres Land, das seinen Einfluss ausweiten kann.

Die GNA ist international anerkannt, steht aber immer noch unter einem Waffenembargo, auch wenn die meisten Beobachter zugeben, dass es im Grunde wertlos ist. Die Türkei hat dies zum jetzigen Zeitpunkt bewiesen und ständig Kämpfer aus Syrien und Waffen zur Stützung der GNA nach Libyen geschafft und wahrscheinlich eine Rolle bei ihrem jüngsten Sieg in Tripolis über die Streitkräfte des konkurrierenden Führers Khalifa Haftar gespielt.

Internationale Anerkennung klingt zwar schön, aber sie ist kein Ersatz für die Lieferungen, die Erdogan geschickt hat, um die GNA am Leben zu erhalten, die dem türkischen Präsidenten wichtig ist. Die GNA mag im Leben der meisten westlichen Bürger keine große Rolle spielen, aber für Erdogan ist Libyen Teil der größeren Spaltung, die durch die Schaffung konkurrierender Lager im Nahen Osten entsteht.

Mit dem unausweichlichen Fall von Idlib wendet Erdogan sein Augenmerk auf Libyen

Neben der Türkei war Katar ein weiterer früher Unterrstützer der GNA, was die GNA mitten in die Spaltung des GCC und das Rennen um Verbündete durch die Katarer und Saudis brachte. Dies ist zum Teil der Grund, warum sich der Iran nun plötzlich so öffentlich in die Ereignisse in Libyen einmischt und die Türkei (und damit auch Katar) in ihren Bemühungen unterstützt, ein neues Libyen mit einer Politik zu schaffen, die sich enger an die Achse des Widerstands anlehnt.

Dieser Kampf für Libyen ist besonders wichtig, weil die GNA Ägypten als Nachbarn hat. Ägypten ist nach wie vor jedem Edikt von Riad sklavisch ergeben, und die Ägypter sind auch keine Fans der Türkei, was sich auf groteske Weise zeigt, wie etwa Anfang dieses Jahres, als die ägyptische Polizei beinahe einen internationalen Zwischenfall verursachte, indem sie mehrere Mitarbeiter der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu in ihrem Büro in Kairo verhaftete.

Während diese Geschichte irgendwie lustig ist, wenn man weiß, wie schlecht die türkische Presse ist, ist die Kehrseite der Medaille, dass Vorfälle wie dieser zu Spannungen in Ägypten geführt haben, weil dieses es ablehnt, daß die Türkei, der Iran und Katar die Kontrolle über ein weiteres wichtiges Land in der MENA-Region erlangen. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels gibt es in Ägypten eine ernsthafte Debatte darüber, ob man eine eigene Militäroperation in Libyen starten sollte, nachdem Hatars von Ägypten unterstützte Versuch, Tripolis einzunehmen, von den Türken vereitelt wurde. Die GNA ist eine weitere Gruppe, die eng mit der Muslimbruderschaft verbunden ist und sie zu Verbündeten genau der Kräfte macht, die bei den Wahlen in Ägypten nach dem arabischen Frühling die Mehrheit gewonnen haben, nachdem ihr Präsident Mohamed Mors durch einen Putsch des saudi-arabischen, israelischen und US-alliierten Führers General Abdel Fattah el-Sisi gestürzt worden war.

Israelisches Fernsehen: Saudi-Arabien, Ägypten gaben Trump grünes Licht betreffs Jerusalem

Sowohl die Türkei als auch der Iran sehen Sisis Verzweiflung und wissen, dass er ein Handlanger der Zionisten und Saudis ist, die nichts mehr fürchten als all die Länder, die sie für illegitime oder Besatzungsregime halten und für perverse Völkermordversionen von zwei der drei  abrahamitischen Religionen, die sich zusammen getan haben.

Es ist keine Überraschung, dass die Türkei sich bemüht Freundschaften zu schließen. Dass die Türkei Dinge wie die Wiederöffnung ihrer Grenzen zum Irak und zum Iran veranlaßt hat, um den Handel zu steigern, ist ein Zeichen für die Rückkehr zu einer gesünderen türkischen Außenpolitik. Vor dem Einmarsch in den Irak ’03 war der Irak einer der engsten Handelspartner der Türkei, und die Geschäfte, die die Türkei mit dem Iran machte, um ihnen zu helfen, kriminellen Sanktionen zu entgehen, waren unerlässlich. Wenn man bedenkt, dass sowohl der Irak als auch der Iran zu dieser Zeit unter Sanktionen lebten, bedeutet dies auch, dass die Türkei für die Erhaltung zumindest eines Teils des menschlichen Lebens verantwortlich war.

All dies summiert sich in der Tat zu einem entscheidenden Punkt: Der Nahe Osten hat genug vom endlosen Strom neuer zionistischer Expansions- und Siedlungspläne, ebenso von der saudischen Königsfamilie und ihrer neuen Freundschaft mit den Zionisten. Nachdem sich die Sauds 40 Jahre lang als die einzig wahren Muslime bezeichnet haben, geben sie jetzt nur noch öffentlich bekannt, dass sie ganz Palästina für ein paar Kampfjets eintauschen wollen.

Und, natürlich, wer kann den 8 Billionen Dollar-Elefanten im Raum vergessen? Der Krieg der USA gegen den Terror wird im nächsten Jahr alt genug sein, um betrunken Auto zu fahren. Die US-Truppen in Afghanistan waren am 11. September noch nicht einmal geboren, und dennoch besetzen sie immer noch Länder, deren einzige quantifizierbare Messlatte ist, wie viel schlimmer das Leben geworden ist und wie viele Zivilisten getötet wurden.

Ob es die Türkei, der Iran, der Irak, Syrien, der Libanon, Palästina oder um Gottes willen sogar Katar ist; wenn diese Länder, die echte Unterschiede in den langfristigen Zielen haben, sich darauf einigen können, das dringende Problem des Imperialismus zu lösen, hier und jetzt, dann mehr Macht für sie. Mir ist klar, dass Katar und die Türkei immer noch Verbündete der USA sind, aber es gibt eindeutig neue Ebenen des Widerstandes, die von unglaublich einzigartigen Führern wie Erdogan oder Hassan Nasrallah von der Hisbollah erreicht werden, die alle zustimmen: Zionismus, Wahhabismus, US-Imperialismus müssen alle weichen. 

Die USA und ihre Kolonien Saudi-Arabien und die Führer Israels wissen alle, dass sie Kriminelle sind. Was ihnen jetzt Angst macht, ist, dass immer mehr Nationen herausfinden, dass sie gemeinsam eine Chance haben könnten, diese Kräfte zurückzuschlagen. Keines der Mitglieder dieser merkwürdigen Koalition ist perfekt, aber im Moment sind die Ziele die gleichen, und die Themen, die mit diesen Zielen angegangen werden, sind die Haupttriebkräfte für die Zerstörung jeglicher Aussicht auf einen friedlichen Nahen Osten. Wenn diese Länder einen Tag erleben, an dem sie sich mit etwas anderem als nur mit Gräueltaten, wirtschaftlichem Ruin, Korruption und Zerstörung durch den Imperialismus beschäftigen müssen, wird das wahrscheinlich eine große Verbesserung sein.

US Aggression Pushes Turkey and Iran Closer Together

 

 

 

Diskussionen

Ein Gedanke zu “US-Aggression bringt Türkei und Iran näher zusammen

  1. welche US Agression ? Die Ermordung Suleymani’s ? Die Türkei ist (und bleibt) in der NATO, um vor ihr sicher zu sein. Das hat bei Zypern geklappt, das klappt bei Uiguristan ( noch: Idlib ) und das klappt in Libyen, wo sich Tr & Iran gerade mit Tripolis die UN garantierten Öleinnahmen zu sichern trachten.

    https://www.voltairenet.org/article210303.html

    Schon 2,8 mio Siedler in Uiguristan, Waffen für die Schutzmacht, Der EU – US Holodomor gegen Syrien zeigt Wirkung. Das wording macht’s:

    https://www.gmx.net/magazine/politik/einigung-sinn-russlands-syrienhilfe-eingeschraenkt-verlaengert-34875024#.homepage.hero.UN-Sicherheitsrat%20einigt%20sich%20auf%20Fortsetzung%20von%20Hilfslieferungen%20nach Syrien%20.1

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    Verfasst von zivilistin | 12. Juli 2020, 8:14

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