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Ausland, Naher Osten

Radikalen Islamisten in Afghanistan Kopfgelder für getötete Soldaten zahlen? Das gab es doch schon mal…

von Thomas Röper – https://www.anti-spiegel.ru

Die USA werfen Russland vor, den Taliban Kopfgelder für getötete US-Soldaten zu zahlen. Offensichtlich schließen die USA da von sich auf andere, denn so etwas hat es schon mal gegeben, nur eben umgekehrt. Und zwar auch in Afghanistan.

Im ersten Afghanistan-Krieg, als die Sowjetunion gegen die Mudschaheddin kämpfte, haben die USA die Mudschaheddin unterstützt, aus denen dann später Taliban, Al-Qaida und andere islamistische Extremisten bis hin zum IS hervorgegangen sind. Ohne diese US-Unterstützung, bei der die CIA in der Operation Cyclone die Islamisten mit fast 10 Milliarden Dollar unterstützt hat, würde es den islamistischen Terror unserer Tage gar nicht geben.

Übrigens ist auch die in den Medien verbreitete Geschichte, die Sowjetunion sei einfach so in Afghanistan einmarschiert, gelogen. Das wissen wir heute, weil die damals Verantwortlichen längst ganz offen zugegeben haben, dass die USA die Islamisten schon vorher unterstützt haben, in der Hoffnung, die Sowjets würden gegen diese Gefahr an ihrer Südgrenze militärisch vorgehen. Die USA wollten den Sowjets ihr Vietnam bereiten, was ja auch gelungen ist. Die Details finden Sie hier.

Die CIA und der pakistanische Geheimdienst

Der US-Jounalist George Crile hat 2003 das Buch „Charlie Wilson’s War: The Extraordinary Story of the Largest Covert Operation in History“ herausgebracht. Später wurde auf Basis des Buches die Politsatire „Der Krieg des Charlie Wilson“ gedreht, die aber mit dem Buch und der geschichtlichen Wahrheit nicht allzu akkurat umgegangen ist.

Crile hat an dem Buch knapp 15 Jahre gearbeitet und hatte nicht nur gute Kontakte in Washington, sondern auch in Afghanistan. In seinem Buch beschreibt Crile die Unterstützung der Mudschaheddin detailliert. Da die CIA sich nicht direkt die Hände schmutzig machen wollte, hat sie den pakistanischen Geheimdienst ISI zwischen sich und die Mudschaheddin geschaltet. Crile schreibt dazu in seinem Buch:

„Weil ISI-Ausbilder im Wesentlichen Blutsbrüder der Afghanen waren, waren sie mehr als bereit, Dinge zu tun, die für die Amerikaner politischer Selbstmord gewesen wären. Zum Beispiel schreckten sie nicht vor Sabotage und Mord zurück. Im Gegensatz zu ihren amerikanischen Kollegen konnten sie sogar Belohnungen für Schläge gegen Ziele ausloben, die am wertvollsten schienen.
(…)
ISI-Offiziere argumentierten ohne jede Verlegenheit, wie wertvoll es war, selektiv zu töten. Sie gingen davon aus, dass Krieg eben Krieg sei, und versuchten, die Mudschaheddin davon zu überzeugen, dass die Tötung bestimmter Feinde wichtiger sei, als die Tötung anderer. Sie erklärten ihren afghanischen Untergebenen fleißig, wie man einen sowjetischen General oder Kommandeur identifiziert: Sie beschrieben, wo er sich normalerweise in einer Gruppe von Soldaten befindet oder wo er sich in einem Konvoi befindet, der sich von einem Stützpunkt zu einem anderen bewegt. So war es für einen afghanischen Kämpfer einfacher zu entscheiden, auf wen er zuerst schießen sollte, wenn er nicht nur wusste, wer der General war, sondern auch wusste, dass die Belohnung, die er in Peshawar erhalten würde, umso größer war, je höher der Dienstgrad der getöteten sowjetischen Offiziere war.“

Bodycount

Natürlich war man in Washington darauf bedacht, sich nicht selbst die Hände schmutzig zu machen, denn ein direkter Mordaufruf gegen und Kopfgelder auf sowjetische Soldaten hätte zu einer unkontrollierbaren Eskalation zwischen den Atommächten führen können. Der vor Ort für die Operation zuständige CIA-Offizier Gustav (Gust) Avrakotos war deshalb sehr vorsichtig, wie Crile in seinem Buch schrieb:

„Avrakotos achtete darauf, dass die CIA niemals mit einer solchen Aktion in Verbindung gebracht wird: Das wäre eine politische Zeitbombe gewesen. Allerdings war die Vernichtung von Russen das Ziel der gesamten Operation, und er sorgte dafür, dass jeder Mord als sein Verdienst angesehen wurde.“

Zu diesem Zweck wurde- ähnlich wie zuvor in Vietnam – ein Bodycount geführt, also eine Zählung der mit Hilfe der US-Unterstützung ermordeten Sowjetsoldaten. Um zuverlässige Zahlen zu bekommen, stimmte Avrakotos

„der Idee zu, die ermordeten Soldaten durch die Anzahl der eroberten Gürtelschnallen zu zählen. Und er war furchtbar angetan von den Belohnungen, die die Pakistaner im Austausch für diese Trophäen anboten: Bargeld, Waffen, manchmal sogar Alkohol – eben das, was sich der jeweilige „afghanische“ Kommandant oder Militant wünschte. Avrakotos sorgte dafür, dass jeder Getötete erfasst wurde, und die Zählungen wurden in die streng geheimen Berichte für die politische Führung der Vereinigten Staaten aufgenommen, deren Unterstützung er brauchte.“

Die USA sind – wie jedes Land – ein Kind ihrer Geschichte. Kopfgelder und Skalps (hier in Form von Gürtelschnallen) als Trophäen haben in dem Land Tradition. In Russland allerdings nicht.

Übrigens setzte Crile das Wort „afghanische“ bewusst in Anführungsstriche, denn mit dem Geld der USA waren militante Islamisten aus der gesamten arabischen Welt angeworben worden und sie stellten die Mehrheit der Mudschaheddin. Es war also sehr vergleichbar mit dem IS in Syrien.

Russische Kopfgelder?

Die Taliban kämpfen seit 2001 gegen die USA und ihre Verbündeten von der Nato und sie taten und tun das aus Überzeugung, ohne dass sie dafür irgendjemand bezahlen musste. Selbst wenn wir einmal annehmen, dass die Russen sich über in Afghanistan getötete Soldaten freuen sollten, warum aber sollten die Russen so doof sein und Kopfgelder für etwas bezahlen, was die Taliban auch ohne russische Hilfe hochmotiviert tun?

Aber außer den Medien behauptet ja auch niemand, dass Russland den Taliban Kopfgelder angeboten hätte. Die US-Geheimdienste haben die Meldung zwar bekommen, aber sie als unglaubwürdig abgetan, weshalb übrigens Trump darüber auch nicht unterrichtet wurde. Über die Fakten, wer wie darauf reagiert hat und was die Medien daraus gemacht haben, können sie hier mehr erfahren.

Fakt ist jedenfalls, dass es für den Hype um die angeblichen russischen Kopfgelder keine Belege gibt, sondern nur einen Artikel der New York Times, der keinerlei Quellen nennt, auf den sich nun aber alle „Qualitätsmedien“ berufen. Für die Demokraten in den USA ist die Geschichte sogar schon wieder ein Grund, neue und sehr harte Sanktionen gegen Russland zu fordern.

Anscheinend schließt man in den USA gerne von sich auf andere, denn bisher sind es doch die USA, die laufend auf alle möglichen Feinde Kopfgelder aussetzen, und nicht die Russen.

Radikalen Islamisten in Afghanistan Kopfgelder für getötete Soldaten zahlen? Das gab es doch schon mal…

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Radikalen Islamisten in Afghanistan Kopfgelder für getötete Soldaten zahlen? Das gab es doch schon mal…

  1. Eher hat der Ami den Taliban Kopfgeld für tote Russen gezahlt und verdreht so wie immer halt einfach die Tatsachen.

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    Verfasst von reinertiroch | 5. Juli 2020, 9:53

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