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Gesundheit, Inland

Virologe Streeck für Herdenimmunität

von Markus Salzmann und Peter Schwarz – https://www.wsws.org

Seit Wochen werden in Deutschland und im Rest Europas die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus immer weiter zurückgefahren. Schulen und Kitas werden geöffnet und Menschen zurück an unsichere Arbeitsplätze gedrängt. Währenddessen kommt es immer häufiger zu massiven Ausbrüchen, die auf die Lockerungsmaßnahmen und zu weinige Tests zurückzuführen sind.

Bremerhaven hatte letzte Woche den von Bund und Ländern vereinbarten Grenzwert von 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen überschritten. In Göttingen haben sich in den letzten zwei Wochen mindestens 120 Menschen in einem Hochhaus mit dem Virus infiziert, darunter 39 Schülerinnen und Schüler. Die Stadt musste daraufhin 13 Schulen und Kitas schließen, 100 Schüler befinden sich in Quarantäne.

Weltweit sind nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität über 7 Millionen Menschen nachweislich am Coronavirus erkrankt. Deutschland zählt mit über 185.000 Fällen und über 8700 Toten noch immer zu den Ländern mit den höchsten Zahlen. Dabei wiederspiegeln die offiziell angegebenen Zahlen die tatsächliche Ausbreitung nur zum Teil. Über die Höhe der Dunkelziffer gibt es unterschiedliche Vermutungen und Berechnungen.

Trotzdem wird nicht nur der Abbau der Schutzmaßnamen weiter vorangetrieben; der Bonner Virologe Hendrik Streeck hat nun auch vorgeschlagen, während der Sommermonate gezielt mehr Infektionen zuzulassen. „Dann bauen wir eine schleichende Immunität in der Gesellschaft auf, die dann am Ende diejenigen schützt, die auch einen schwereren Verlauf haben können“, sagte er der Nachrichtenagentur DPA.

Studien zeigten, so Streeck, dass bis zu 81 Prozent der Infektionen asymptomatisch verliefen. Die Infizierten hätten keine oder kaum Symptome. Die Hoffnung auf einen Impfstoff könne sich als trügerisch erweisen. Also solle man sich darauf einstellen, mit dem Virus zu leben. Da die Zahl der Covid-19-Erkrankten auf den Intensivstationen derzeit rückläufig sei, bestehe „eine Chance, dass wir über den Sommer die Anzahl der Personen mit Teilimmunität erhöhen können“.

Diese Strategie der sogenannten „Herdenimmunität“ hatte in allen Ländern, in denen sie verfolgt wurde, verheerende Konsequenzen. Großbritannien und Brasilien haben hinter den USA die zweit- und drittgrößten Todeszahlen der Welt. Der für die Corona-Maßnahmen seines Landes zuständige schwedische Epidemiologe Anders Tegnell musste kürzlich zugeben, dass der Verzicht auf Lockdown-Maßnahmen eine katastrophale Zahl an Toten verursacht hat. Die „Herdenimmunität“ ist, wie die WSWS nachwies, eine „mörderische Pseudowissenschaft“.

Dass Streeck, der von einflussreichen Medien, Politikern und Wirtschaftsvertretern promotet wird, nun auch für Deutschland eine solche Strategie vorschlägt, zeigt, wie rücksichtslos diese über Menschenleben hinweggehen, um ihre wirtschaftlichen Interessen und Profite zu schützen.

Streeck bemüht sich seit langem, die Gefahren des Coronavirus zu verharmlosen, um die Wiederaufnahme der Arbeit, des Kita- und Schulbetriebs und anderer Bereiche des öffentlichen Lebens voranzutreiben. Dabei bedient er sich dubioser Methoden. So ließ er die PR-Agentur Storymachine in der Öffentlichkeit für die Ergebnisse seiner umstrittenen Heinsberg-Studie werben, ohne dies offenzulegen. Storymachine wurde vom langjährigen Bild-Chef Kai Diekmann und dem Event-Manager Michael Mronz, dem Ehemann des verstorbenen FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle, gegründet. Die Agentur arbeitete kostenlos für Streeck.

Streeck tritt für die „Herdenimmunität“ ein, obwohl er selbst zugeben muss, dass es dafür keine wissenschaftliche Grundlage gibt. Ob Menschen mit asymptomatischen Verläufen, die eine Immunität oder Teilimmunität aufbauen, wirklich geschützt seien, wisse man noch nicht, sagte er der DPA. „Aber sie bauen zumindest Antikörper gegen das Virus auf, und da kann man davon ausgehen, dass das zumindest einen Teilschutz ergibt.“

Schon jetzt verzichten die Bundes- und Landesregierungen auf Maßnahmen, die von seriösen Virologen dringend empfohlen werden. So raten diese, bei der Öffnung von Schulen zumindest engmaschige Tests durchzuführen.

Christian Drosten von der Berliner Charité fordert beispielsweise, die Lehrkräfte einmal wöchentlich zu testen, auch wenn keine Symptome vorliegen. „Dieses frühzeitige Erkennen von Superspreading-Ereignissen, die sich gerade an Schulen einstellen können, ist sehr effektiv“, meint der Virologe. Doch trotz des Wissens um die Gefährlichkeit der Lockerungen werden weiterhin deutlich zu wenig Tests durchgeführt.

Während die Regierungen dies zu Beginn der Krise damit rechtfertigten, dass die Tests angeblich nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stünden, werden sie nun trotz ausreichender Kapazitäten nicht angewendet. Alleine in Deutschland könnten pro Woche eine Millionen Tests auf Covid-19 durchgeführt werden. Tatsächlich werden (Stand Ende Mai) mit knapp 340.000 nur ein Drittel durchgeführt. So bleiben die erfassten Fallzahlen niedrig – während die tatsächlichen Infektionszahlen steigen und bewusst mehr Todesfälle in Kauf genommen werden.

Das Bundesgesundheitsministerium hat bereits mehrmals angekündigt, mehr Menschen testen zu lassen, auch wenn keine Symptome vorliegen. Tatsächlich umgesetzt wurde dies bislang nicht. Obgleich sich die Meldungen über Ausbrüche in Schlachthöfen, der Gastronomie und vor allem Krankenhäusern und Pflegeheimen häufen, bleibt es bei vagen Absichtserklärungen.

Nach den Zahlen des Robert-Koch-Instituts von letzter Woche sind alleine bei Beschäftigten in Krankenhäusern und Pflegeheimen fast 13.000 Fälle von Covid-19-Infektionen zu verzeichnen. 584 Mitarbeiter mussten stationär behandelt werden, 20 verstarben. Anfang April lag die Quote infizierter Ärzte und Krankenpfleger bei 4,3 Prozent, jetzt liegt sie bei 7,1 Prozent.

Für Susanne Johna, Vorsitzende der Ärztevertretung Marburger Bund, ist die Zahl von Tausenden Infizierten im medizinischem Bereich „höchst relevant – auch, weil der prozentuale Anteil der medizinischen Fälle ansteigt“. Sie erklärt, es habe Ausbrüche gegeben, bei denen ein unentdeckter Patient ausgereicht habe. Johna fordert deshalb, Patienten, die im Krankenhaus aufgenommen werden, und viel mehr medizinisches Personal zu testen. Sie verlangt eindringlich, die vorhandenen Testkapazitäten zu nutzen.

Auch an Schutzmaterial mangelt es weiterhin. Während nahezu sämtliche Politiker, einschließlich Gesundheitsminister Spahn, erklären, es sei genug vorhanden, sieht die Realität völlig anders aus.

Laut einer Umfrage des Marburger Bundes, der größten Ärztevertretung in Deutschland, gaben 38 Prozent der Ärzte an, adäquate Schutzkleidung nicht in ausreichender Anzahl zur Verfügung zu haben.

„Unsere Umfrage hat gezeigt, dass nicht nur Atemschutzmasken fehlen, sondern auch Schutzkittel oder Desinfektionsmittel“, sagte Johna. „FFP3-Masken – die für bestimmte Tätigkeiten sehr nah am Patienten gebraucht werden – sind derzeit praktisch nicht lieferbar.“ Aus Mangel würde in Kliniken das Einmalmaterial während der gesamten Schicht verwendet, zum Teil mehrere Tage hintereinander, so Johna.

Web.de berichtete über die Kritik eines Krankenhausarztes aus Fulda. „Ich habe das Gefühl, dass wir zu wenig getestet haben“, sagt er. „Wir haben nur hoch symptomatische Patienten getestet, weil wir nicht die Isolationsmöglichkeiten hatten. Ich bin mir nicht sicher, ob der eine oder andere nicht doch hätte getestet werden sollen.“ Darüber hinaus gebe es noch immer zu wenig Schutzmaterialien.

https://www.wsws.org/de/articles/2020/06/09/covi-j09.html

Diskussionen

3 Gedanken zu “Virologe Streeck für Herdenimmunität

  1. Deine Kritik trifft mich nicht, schon gar nicht, wenn du mir eine Nähe zur AfD unterstellst. Das sind gängige Denkweisen derjenigen, die glauben, die Wahrheit gepachtet zu haben. Übrigens interessant, dass du auf den wesentlichen Punkt meiner Einlassung, einen Testpositiven als Erkrankten darzustellen, rein gar nichts beitragen kannst. Nenn mir doch mal deine Qualifikation, von der du dich befähigst glaubst, meine Kenntnisse in Bezug auf Viren und den Nachweis derselben sowie die Unterschiede zwischen dem Vorhandensein gewisser RNA-Fragmente und einer Infektion bzw. Erkrankung in Frage zu stellen. Ich habe mich als Molekularbiologe bereits in den achtziger Jahren im Labor mit derartigen Dingen beschäftigt und tatsächlich wissenschaftlich gearbeitet.

    Klar ist, dass es ohne das Eindringen eines Virus oder Bakteriums in den Makroorganismus, hier der Mensch, keine Infektion geben kann. Der PCR-Test hat keinerlei Aussagekraft darüber, ob eine Infektion vorliegt oder nicht. Wenn du das nicht glaubst, lies die Veröffentlichungen von dem Erfinder Kerry Mullis, der seinerzeit (AIDS) bereits klar darauf hin wies, dass diese Technik nicht für eine klinische Diagnose geeignet ist. Klar ist ferner, dass eine Infektion, so sie dann tatsächlich vorliegt, d.h. Eindringen in den Makroorganismus und Vermehrung, noch lange nicht zu einer Erkrankung führt. Falls du dies nicht glaubst, seien dir die Fachbücher zur Immunologie ans Herz gelegt. Allgemein rate ich zur Vorsicht des Nachplapperns der allerorten geübten Sprechhülsen, wonach unser Immunsystem auf derartige Angriffe nicht vorbereitet sei. Hast du schon mal darüber nachgedacht, dass die Kontaktbeschränkungen und das Ausgehverbot neben einer ungesunden Ernährung mit das Schlimmste ist, dass du dem Immunsystem antun kannst?

    Auch hast du nichts zur minderwertigen Qualität der verwendeten PCR-Tests beigetragen. Selbst die für die Panikfürsten günstigste Rate der falsch-positiven Ergebisse sind laut einer kürzlich veröffentlichten Ringstudie bei 1,4% angesiedelt. Nun erkläre mir mal, weshalb die täglich neu berichteten ‚Fälle‘ positiv getesteter mehr sind als lediglich Hintergrundrauschen im Fehlerbereich. Und komm mir nicht mit anderen Ländern – hier geht es um unser Land und dessen Zukunft, die von dem Panikapparat leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird.

    Freilich bleibt es dir weiter unbenommen, deine Meinung zu vertreten, solange ss noch geht.

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    Verfasst von Retikulum | 9. Juni 2020, 18:57
  2. Sorry, aber derartiges hysterisches Geschwurbel kann man nicht zu Ende lesen. Wenn es schon heißt „weltweit über 7 Millionen Erkrankte“ muss man sich wirklich fragen, ob diese (wsws) Plattform überhaupt noch ernst genommen werden kann oder vielleicht eher die Interessen der Mächtigen und des Kapitals vertreten. Man lerne, dass der Nachweis einer genetischen Information in einem Individuum mittels eines hinsichtlich seiner Spezifität und Sensibilität fragwürdigen und nach wie vor nicht validierten PCR-Tests keinesfalls bedeutet, dass dieses Individuum infiziert ist. Dann würde er nämlich eine Antikörperreaktion aufweisen, die nicht mit einem PCR-Test, sondern allenfalls mit einem Antikörpertest nachgewiesen werden kann. Ein testpositives Individuum ist deshalb noch lange nicht krank. Von Krankheit spricht man definitionsgemäß erst, wenn der Erkrankte an dem Zustand leidet. Das kann von den überwiegend asymptotisch ‚Infizierten‘ sicherlich nicht behauptet werden. Diese bewusst vorgetragene Verwirrung, die in der Gleichsetzung von Testpositiven und Erkrankten besteht, dient einzig der herrschenden Panikerzeugung und entbehrt jeder naturwissenschaftlicher Grundlage. Schämt euch, ihr inkompetenten Schreiberlinge, die ihr euch vor den Panikkarren der Herrschenden spannen lasst.

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    Verfasst von Retikulum | 9. Juni 2020, 16:49
    • Leider hast du von Infektionskrankheiten geringe Kenntnisse. Wer einen Virus in sich trägt, gilt als infiziert und, was das entscheidende ist, kann andere anstecken, ob er nun selbst Symptome wahrnimmt oder nicht. Daran ändert auch deine Umschreibung und Verharmlosung des Virus als „genetische Information“ nichts. Das galt und gilt insbesondere für Kinder, die den Virus in sich tragen, keinerlei Symptome haben, aber andere Menschen anstecken können, was für solche mit Vorerkrankungen oder alte zu schweren Verlaufsformen führen kann.
      Was die Definition von „krank“ anbetrifft, beziehst du dich nur auf den ersten Teil und verschweigst den zweiten: Krank sein bedeutet nicht nur, daß man subjektiv wahrgenommene Symptome hat, sondern auch objektiv feststellbare körperliche, geistige oder seelische Veränderungen. Gerade bei Covid-19 hat die Ärzte der Umstand erschreckt, daß sie in den CTs der Lungen von scheinbar Gesunden, massive Veränderungen feststellten, die die Patienten subjektiv (noch) nicht wahrnahmen.
      Das Kapital und die AfD sind übrigens ganz deiner Meinung, wenn sie von Anfang an gegen die Einschränkungen waren und jetzt möglichst weitgehende baldige Öffnungen im Interesse eines ungestörten Geschäftsbetriebs fordern. Wenn WSWS aber angeblich die Interessen „der Mächtigen und des Kapitals“ vertritt, um wen handelt es sich dann ? Bitte nenne mal einen Beleg dafür, daß ein Kapitalist, eine Kapitalfraktion oder „ein Mächtiger“ Positionen wie WSWS vertritt. Wo ist das Kapital, das es richtig findet, im Interesse der Menschen einen weitgehenden Shutdown und gleichzeitig eine umfassende Versorgung der betroffenen Menschen durchzuführen, ferner eine umfassende Ausrüstung aller Krankenhäuser und sonstigen Einrichtungen der Gesundheitsversorgung mit Schutzmitteln, Medikamenten etc. ?

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      Verfasst von Eugen Hardt | 9. Juni 2020, 18:05

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