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Inland, Medien

Die Kunst des Weglassens: Wie der Spiegel über die Telefonate von Biden und Poroschenko „berichtet“

von Thomas Röper – https://www.anti-spiegel.ru

Endlich berichtet der Spiegel über die Neuigkeiten auf Kiew. Und wie erwartet berichtet der Spiegel völlig anders, als der Anti-Spiegel. Was der Spiegel seinen Lesern alles verschweigt, ist schon bemerkenswert.

Ich habe die Pressekonferenz des ukrainischen Abgeordneten Andrej Derkatsch vom Dienstag komplett übersetzt und weil ich dabei bemerkt habe, dass Menschen, die das Thema nicht sehr gut kennen, die Vorgänge kaum verstehen können, habe ich noch einen Artikel geschrieben, in dem ich aufgezeigt habe, wie die Chronologie der Vorgänge ist, für die Derkatsch nun neue Belege geliefert hat.

Es ist ein komplexes Thema, um das es dabei geht und auch die chronologische Zusammenfassung dürfte für viele sehr schwere Kost sein, denn es geht um komplizierte Zusammenhänge und viele Namen, von denen die meisten noch nie gehört haben. Wenn man es kurz auf den Punkt bringen will, dann kann man ganz vereinfacht sagen, dass in der Ukraine vor dem Maidan 40 Milliarden Dollar unterschlagen wurden, die nach dem Maidan neu aufgeteilt wurden und zwar vor allem unter dem Schutz von Kräften aus den USA. Es geht um Korruption und Geldwäsche in wohl nie dagewesenem Ausmaß. Und all das fand unter dem Schutz und der Leitung des damaligen Vize-Präsidenten der USA, Joe Biden, statt.

Die in den Medien präsentierten Skandale „Russlandaffäre“ (angebliche Wahleinmischung Russlands in die US-Wahlen 2016) und „Ukraine-Skandal“ (was zum gescheiterten Amtsenthebungsverfahren gegen Trump geführt hat) waren Teile dieser Geschichte. Das alles klingt völlig abstrus und deshalb ist das Thema auch so kompliziert. Es geht eben nicht um einen kleinen Betrugsfall, sondern um Wirtschaftskriminalität in unvorstellbarem Ausmaß und dabei wird immer mit sehr verschachtelten Strukturen gearbeitet, zum einen, um Entdeckung und Aufklärung zu erschweren, zum anderen, weil bei so großen Sachen viele Leute beteiligt sind und die Hand aufhalten.

Fakt ist, dass in den eben genannten Skandalen komischerweise immer wieder die gleichen Menschen, Firmen und NGOs auftauchen. Und sind die Zusammenhänge — wenn man sich damit genauer beschäftigt — erstaunlich gut zu belegen. Wenn das Thema für Sie neu ist, lesen Sie die Chronologie (auch, wenn sie dabei ab und an Pausen brauchen, um das Gelesene „sacken zu lassen und die Zusammenhänge zu verstehen).

Ich habe darüber in den letzten Tagen mit einigen Leuten gesprochen, die das Thema auch gut kennen und wir sind uns einig: Wenn ein Thriller-Autor sich diese Geschichte ausgedacht hätte, das Buch wäre ein Flop geworden, zu fantastisch und irre ist das, was da passiert ist.

Und genau darauf setzt der Spiegel offensichtlich in seinem Bericht über die Enthüllungen aus Kiew. Er stellt sie als leicht zu durchschauendes Manöver da, als wirre Verschwörungstheorie. Das wird bei den meisten Lesern verfangen, denn kaum jemand in Deutschland kennt die schon bekannten Hintergründe und erst recht weiß kaum jemand, was am Dienstag in Kiew öffentlich gemacht wurde. Und da die Geschichte zu verrückt klingt, um wahr zu sein, werden die meisten Spiegel-Leser nicht einmal nachdenklich bei der Lektüre des Artikels.

Aber das macht es für mich umso leichter, die Aussagen im Spiegel zu widerlegen, denn der Spiegel lässt leicht nachprüfbar zu viel weg, was nicht in sein Bild passt. Und das schauen wir uns nun einmal an.

Ich habe in meinen Überschriften von einem „politischen Erdbeben in Kiew“ und vom „vielleicht größten Korruptionsskandal der Gesichte gesprochen“. Das mag man als reißerische Überschriften einstufen, aber ich finde sie gerechtfertigt, denn es hat ein politisches Erdbeben in Kiew ausgelöst, wie die folgenden Tage gezeigt haben und auch kenne ich keinen anderen Fall von Korruption, in dem es um derartige Summen gegangen ist.

Der Spiegel-Leser erfährt davon nichts, die Überschrift ist geradezu nichtssagend: „Petro Poroschenko und Joe Biden — „Ich freue mich immer, wenn ich Ihre Stimme höre“„. Die Überschrift wäre sogar passend, denn so begann jedes der veröffentlichten Telefonate zwischen Biden und Poroschenko. Während Biden bestenfalls „guten Tag“ und „how are you“ gemurmelt hat, hat ist Poroschenko sichtlich als Rektalforscher bei Biden unterwegs gewesen und hat jedes Mal gesagt, ihm gehe es immer sehr gut, wenn er die Stimme von Biden hört. Das war sehr auffällig und hat für hämische Schlagzeilen in der Ukraine gesorgt.

Auch der Spiegel hat erkannt, dass uns dieses Thema wohl durch den US-Wahlkampf begleiten wird und hat seine schon mal Leser eingestimmt, wie sie darüber denken sollen:

„Liefert die Ukraine-Affäre doch noch Munition, um Joe Biden im Wahlkampf zu belasten? Es zeigt sich: Die angeblich kompromittierenden Telefon-Mitschnitte dienen einem durchschaubaren Manöver.“

Danach gibt sich der Spiegel alle Mühe, die Enthüllungen als Unsinn darzustellen. Und so stellt er eine Tatsache als dumme Unterstellung dar:

„Sie sollen den Hauptvorwurf der US-Republikaner gegen Biden bestätigen: Dass dieser die ukrainische Energie-Firma Burisma, in deren Aufsichtsrat sein Sohn Hunter saß, vor Ermittlungen der örtlichen Staatsanwaltschaft geschützt habe.“

Die Hintergründe finden Sie in meiner chronologischen Zusammenfassung, daher hier nur kurz: Gegen Bursima liefen Strafverfahren wegen Korruption, Geldwäsche und anderen Delikten. Bidens Sohn hat — obwohl er weder von Gas noch von der Ukraine Ahnung hatte — in der Firma einen Posten mit 50.000 Dollar Monatsgehalt erhalten und war dann in den folgenden Jahren ganze drei Mal in Kiew an seinem Arbeitsplatz. Gleichzeitig hat sein Papa Joe Biden den Staatsanwalt der Ukraine gefeuert, der gegen Burisma ermittelt hat und sich dessen später auch öffentlich gebrüstet:

Joe Biden Admits to Getting Ukrainian Prosecutor who Investigated Son Fired

Nachdem Schokin gefeuert war, wurden die Ermittlungen eingestellt.

Wie also soll man das anders bewerten, als so, dass Biden seinem Sohn Posten und Geld besorgt hat und im Gegenzug Burisma einen „kleinen Gefallen“ getan hat? Davon, dass Kontoauszüge noch weitere Zahlungen in Millionenhöhe zeigen, die Burisma über Umwege an eine New Yorker Firma geleistet hat, an der Bidens Sohn beteiligt ist, ganz zu schweigen. Der Spiegel erwähnt das nicht einmal.

Weiter kann man im Spiegel lesen:

„So jedenfalls behauptete es der Abgeordnete Derkatsch, der schon zuvor mit Trumps persönlichem Anwalt Rudy Giuliani zusammengearbeitet hatte, in einer Pressekonferenz.“

Da der Spiegel das Ganze als Manöver der Trump-Unterstützer darstellt, darf der Hinweis darauf, dass Derkatsch sich mit Giuliani getroffen hat, nicht fehlen. Was aber im Spiegel fehlt, ist die Frage, wie es dazu kam. Dazu wurde auf der Pressekonferenz am Dienstag viel gesagt, denn ein Staatsanwalt hat detailliert erzählt, wie er daran gehindert wurde, sich mit den US-Behörden in Verbindung zu setzen, um ihnen seine Informationen zu übermitteln. Daran gehindert wurde er von Leuten, die Biden und sein Umfeld in Kiew — vor allem in der US-Botschaft — platziert hatten. Der Kontakt mit Giuliani war dann der einzige Weg, die Informationen weiterzugeben.

Derkatsch — und vor allem die ukrainischen Staatsanwälte — haben also nicht mit Giuliani gesprochen, weil sie Trump helfen wollen, sondern weil sie keine andere Möglichkeit hatten, die Informationen in die USA weiterzugeben, sie hatten es jahrelang erfolglos versucht.

Weiter steht im Spiegel:

„Derkatsch will die Mitschnitte „von investigativen Journalisten“ erhalten haben — eine bizarre Erklärung, schließlich veröffentlichen Journalisten ihre Beute üblicherweise selbst, sie brauchen dafür keinen Politiker.“

Das mag in Deutschland so sein, aber nicht in der Ukraine. Dort riskieren Journalisten für so etwas ihr Leben und sie ziehen es vor, unerkannt zu bleiben und geben die Informationen lieber an Leute, die besser geschützt sind, als ein einfacher Journalist. Nur weiß der Spiegel-Leser davon nichts, denn von all den Morden und ungeklärten Todesfällen, die es nach dem Maidan bei Gegnern und Kritikern der Maidan-Regierung gegeben hat, erfährt man im Spiegel nichts. Wenn das für Sie neu ist, lesen Sie es hier nach und überprüfen Sie meine Angaben selbst.

Auf der Pressekonferenz hat Derkatsch aus juristischen Gründen immer wieder darauf hingewiesen, dass es sich auf den Aufnahmen „um Stimmen handelt, die denen von Biden und Poroschenko ähneln“. Aber wer sich die Bänder anhört und die Stimmen der beiden kennt, der hat kaum Zweifel an ihrer Echtheit. Selbst der Spiegel versucht gar nicht erst, die Echtheit der Aufnahmen in Frage zu stellen:

„Dem Ton nach sind die Aufnahmen in Poroschenkos Umgebung entstanden, denn dieser ist klar zu hören, Biden nur über Lautsprecher. Selbst wenn sie authentisch sein sollten, sind sie so geschnitten, dass der Zusammenhang nicht immer klar ist.“

Es stimmt, dass die Aufnahmen geschnitten sind. Aber es stimmt auch, dass die veröffentlichten Kernaussagen nicht geschnitten sind. Der Zusammenhang ist also klar zu erkennen, der Spiegel lügt hier in meinen Augen.

Im Gegensatz zum Anti-Spiegel (ich habe alle Aufnahmen verlinkt, damit sie jeder selbst anhören und sich eine Meinung bilden kann) hat der Spiegel seinen Lesern die Aufnahmen nicht gezeigt. Die Spiegel-Leser könnten ja bemerken, dass „der Zusammenhang“ durchaus klar ist. Wir wollen mal abwarten, ob die kompletten Telefonate noch veröffentlicht werden.

Interessant ist, dass der Spiegel, der seinen Lesern die Aufnahmen nicht zeigt, damit die Leser sich keine eigene Meinung bilden können, dann schreibt:

„Es lohnt sich, sie anzuhören, auch wenn man vorwegschicken muss: Sie enthalten keinen einzigen Beleg für Derkatsch‘ Behauptung. Die ukrainische Energie-Firma Burisma taucht in ihnen gar nicht auf.“

Aber der Spiegel schickt gleich hinterher, dass es sich eigentlich doch nicht lohnt, sie anzuhören und nimmt die Bewertung selbst vor, ohne seinen Lesern die Möglichkeit zu geben, sich eine eigene Meinung zu bilden. Das nennt man „betreutes denken“ und es klingt im Spiegel so:

„Das Leak und die Pressekonferenz sind der durchsichtige Versuch, Trumps Partei Munition für neue Angriffe zu geben, mehr nicht.“

Dann kommt der Spiegel endlich zu dem, was er als Kernaussagen der Geschichte ansieht. Die erste Kernaussage ist laut Spiegel:

„Am 22. März 2016 informiert Poroschenko demnach Biden, dass er seinen Fraktionsvorsitzenden Jurij Luzenko als neuen Generalstaatsanwalt vorschlagen will. Keinen Fachmann also, sondern einen Politiker. „Wenn Sie denken, dass eine politische Figur nicht so gut wäre, aus ihrer Sicht, dann werde ich die Kandidatur zurückziehen. Es weiß nämlich noch keiner davon.“ Eigentlich dürfte eine solche Frage den ausländischen Gesprächspartner nichts angehen. Aber Biden entscheidet über eine Kreditgarantie von 1 Milliarde Dollar. Und die ist an die Auflage geknüpft, dass Kiew den unfähigen Generalstaatsanwalt Viktor Schokin auswechselt. Auch die EU möchte das. Es soll sicherstellen, dass die neuen Hilfsgelder nicht einfach gestohlen werden. Biden sagt zum Vorschlag: „Ich bespreche das mit meinem Team“.“

Hier wird deutlich, was der Spiegel seinen Lesern alles verheimlicht und weshalb die Geschichte eben doch mehr ist, als ein „durchsichtiger Versuch“ für was auch immer. Es sind gleich mehrere Dinge:

Erstens: Der Spiegel nennt Staatsanwalt Schokin „unfähig„. Das ist nicht wahr, Schokin war hochangesehen, bevor er im Herbst 2015 anfing, gegen die Burisma Holding zu ermitteln, die Bidens Sohn 50.000 Dollar monatlich bezahlt hat. Die Medien und Politiker im Westen hatten vorher nichts an Schokins Arbeit auszusetzen. Mehr noch: In dem Telefonat zwischen Biden und Poroschenko klingt das so:

Аудіозапис розмови Джо Байдена та Петра Порошенко від 18 лютого 2016 року

„Poroschenko: Gestern habe ich Generalstaatsanwalt Schokin getroffen. Und obwohl wir keine Hinweise auf Korruption gegen ihn haben, obwohl es keine Informationen über Fehlverhalten seinerseits gibt, habe ich ihn gebeten, seinen Rücktritt zu erklären. Und das obwohl er vom Parlament unterstützt wird. (…) Vor einer Stunde hat er mir sein schriftliches Rücktrittsgesuch gebracht.
Biden: Großartig!“

Aber das erfährt der Spiegel-Leser nicht.

Zweitens: Selbst wenn wir annehmen, dass Schokin unfähig war, schreibt der Spiegel über den Nachfolger, dass der neue Generalstaatsanwalt „kein Fachmann, sondern ein Politiker“ sein sollte. Luzenko, der Nachfolger von Schokin, ist Elektrotechniker. Von Jura und Gesetzen hatte er keine Ahnung und damit er überhaupt das Amt antreten konnte, mussten extra die Gesetz geändert werden, denn das Gesetz schrieb — verständlicherweise — vor, dass der Generalstaatsanwalt Jurist sein sollte, was Luzenko nicht war.

Wer war also für den Posten als Generalstaatsanwalt befähigt, Schokin der Jurist, oder Luzenko, der Elektrotechniker?

Aber auch das erfährt der Spiegel-Leser nicht, stattdessen bezeichnet der Spiegel den Juristen Schokin, gegen den nichts vorlag, nicht einmal ein Vorwurf (wie man im Telefonat hören kann) als unfähig.

Drittens stellt der Spiegel einen Zusammenhang her, den es nicht gab. Die Kreditgarantie über eine Milliarde Dollar war eigentlich gar nicht an die Auflage geknüpft, dass der Schokin ausgewechselt wird. Diese Auflage hatte Biden selbst, der über die Garantie entscheiden durfte (siehe Video oben), selbst gemacht, nachdem Schokin angefangen hatte, gegen Burisma zu ermitteln.

Viertens ist genau das passiert, was die Kündigung von Schokin laut Spiegel verhindern sollte: Die Milliarde wurde „einfach gestohlen“ und zwar von Poroschenko selbst, der die Milliarde in Form von Aufträgen an staatliche Rüstungsbetriebe weitergeleitet hat, von wo sie dann zu großen Teil in Poroschenkos Taschen umgeleitet wurde.

So stellt sich das, was der Spiegel als erste Kernaussage der Enthüllungen bezeichnet, etwas anders dar, als der Spiegel es behauptet.

Die zweite Kernaussage der veröffentlichten Telefonate war laut Spiegel:

„Mehrfach bittet Poroschenko den damaligen US-Vizepräsidenten, Druck auf die pro-westliche Partei „Selbsthilfe“ auszuüben. Er braucht ihre Stimmen in der Rada. „Die USA haben bedeutenden Einfluss auf ‚Selbsthilfe’“, sagt Poroschenko am 22. März 2016, die Partei erhalte finanzielle Förderung aus den USA. Zwei Monate später beschwert er sich wieder. Bidens Reaktion: „Wir werden alles tun, damit Sie die Stimmen bekommen.““

Hier spielt der Spiegel einen Skandal herunter. Die USA hatten und haben die Ukraine unter Kontrolle, indem sie die Parteien und viele andere Organisationen gekauft haben. Die angeblich unabhängige und freie Ukraine wird von den USA gelenkt und das besprechen Poroschenko und Biden ganz offen.

Аудіозапис розмови Джо Байдена та Петра Порошенко від 13 травня 2016 року

Zitat:

Poroschenko: Ich sagte zu Jeffrey: gib denen kein Geld!“

Wer ist Jeffrey? Dabei dürfte es sich um Jeffrey Cole handeln, einen Vertreter der US-Botschaft in Kiew. Die USA haben also Kiew direkt von ihrer Botschaft aus regiert, etwas, was der Spiegel bisher als „russische Propaganda“ bezeichnet hat, denn die Ukraine ist seit dem Maidan ja angeblich endlich ein freies und unabhängiges Land.

Der Spiegel bestätigt also indirekt einen der Hauptvorwürfe von der Pressekonferenz vom Dienstag: Die Ukraine wird seit 2014 aus dem Ausland regiert. Das ist neu im Spiegel, aber auch nur zu verstehen, wenn man sich Pressekonferenz und die Telefon-Mitschnitte anhört. Im aktuellen Spiegel-Artikel wird davon geschickt abgelenkt.

Dass der Spiegel genau das herunterspielt, kann man dann noch einmal lesen:

„Nichts in den Gesprächen widerspricht der offiziellen Haltung Bidens oder der Vereinigten Staaten. Wenn sie einen merkwürdigen Beigeschmack hinterlassen, dann deshalb, weil sie das Machtgefälle zwischen Washington und Kiew zeigen.“

Machtgefälle“ ist doch ein wirklich schönes Wort, oder?

Aber man muss verstehen, was das in der Ukraine auslöst. Dort sind seit dem Maidan Nationalisten an der Macht, deren offizielle Linie es ist, dass die Ukraine ein großer, freier, stolzer und unabhängiger Staat ist. In der Ukraine sind die Telefon-Mitschnitte ein echtes politisches Erdbeben, denn sie zeigen auf, dass die Ukraine seit 2014 de facto eine Kolonie der USA ist, die über lange Jahre von Biden regiert wurde, während es den Menschen im Lande immer schlechter ging und der Krieg Menschenleben gekostet hat.

Aber sorry, „Kolonie der USA“ ist zu ehrlich formuliert, es ist natürlich nur ein „Machtgefälle zwischen Washington und Kiew„.

Das ist alles, was der Spiegel über die veröffentlichten Telefon-Mitschnitte berichtet.

Mit keinem Wort erwähnt der Spiegel die Kontoauszüge, die die Geldflüsse von Burisma zu Biden aufzeigen.
Mit keinem Wort erwähnt der Spiegel die Beschwerden von Staatsanwalt Kulik über die Behinderungen seiner Ermittlungen durch US-Botschafterin Yovanovitch und ihr in der Pressekonferenz mehrfach namentlich genanntes Team.
Mit keinem Wort erwähnt der Spiegel, dass es um 40 Milliarden geht, die seit dem Maidan verschwunden sind (obwohl die USA die Konten der Beschuldigten sperren könnten).
Mit keinem Wort erwähnt der Spiegel, dass die meisten der genannten Figuren auch Schlüsselrollen in der „Russlandaffäre“ und dem „Ukraine-Skandal“ gespielt haben und dass all diese Dinge offensichtlich eng zusammenhängen und nicht für sich alleine stehen

Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Der Spiegel hat über die Pressekonferenz nicht berichtet, er hat das Gegenteil getan, er hat alles wichtige weggelassen.

Wäre all das, was auf der Pressekonferenz behauptet und belegt wurde, nicht wahr, wäre all das tatsächlich ein „durchsichtiges Manöver“, dann könnte der Spiegel doch über all das berichten und es widerlegen. Die Tatsache, dass er das nicht tut, sondern die wichtigsten Vorwürfe einfach verschweigt zeigt, dass es eben doch nicht bloß ein „durchsichtiges Manöver“ ist, sondern offensichtlich weit mehr dahinter steckt.

Lückenpresse eben: Worauf man keine Antwort hat, das verschweigt man seinen Lesern.

Die Kunst des Weglassens: Wie der Spiegel über die Telefonate von Biden und Poroschenko „berichtet“

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