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Ausland, Nordamerika

Das wirkliche wirtschaftliche Problem ist nicht der Lockdown

von Paul Craig Roberts – http://www.antikrieg.com

Was halten wir von all dem? Ich habe gerade einen Artikel in der New York Times gelesen, in dem berichtet wird, dass Präsident Trump gelogen und der Öffentlichkeit die Schwere der Covid-19-Pandemie verschwiegen hat (> LINK). Auf der anderen Seite begegne ich der endlosen Wut im Internet, dass Covid-19 ein Schwindel ist, dass die Krankenhäuser in New York City leer sind und niemand gestorben ist. Es ist nichts anderes als ein Rothchild-Rockefeller-Bill Gates-Komplott. Die vielleicht verblüffendste und widersprüchlichste Behauptung von allen ist, dass es sich um eine Biowaffe handelt, die so harmlos ist, dass es keinen Lockdown hätte geben dürfen. Warum eine harmlose Biowaffe herstellen?

Wie man zur Schließung steht, hängt davon ab, wie man zu anderen Fragen steht. Wenn Sie ein Libertärer sind, lehnen Sie die Schließung ab, weil sie Ihre Freiheit einschränkt und nutzlose alte Menschen am Leben erhält, die Sie Lohnsteuerdollar kosten. Wenn Sie ein Trump-Hasser wie die New York Times sind, geben Sie Trump die Schuld dafür, dass er die Bedrohung unterschätzt und die Schließung nicht früh genug bekannt gegeben hat. Wenn Sie ein Trump-Anhänger sind, geben Sie China die Schuld und erwarten, dass China dafür mit dem Verzicht auf seinen Billionen-Dollar schweren Bestand an US-Staatsanleihen bezahlt.

Diejenigen, die die Schließung anprangern, sind sich des Schadens, den sie anrichten, nicht bewusst. Sie haben es den Eliten, die uns für eine weitere „Rettungsaktion für das eine Prozent“ ausnutzen ermöglicht, die Schuld für die daraus resultierende wirtschaftliche Depression auf die Schließung zu schieben. Die US-Wirtschaft befindet sich in einer langfristigen Rezession. Einkommens- und Vermögenszuwächse sind den wenigen oberen Prozent zugefallen, die die Mehrheit der Aktien und Anleihen besitzen, deren Preis durch das Gelddrucken der Fed in die Höhe getrieben wurde. Der Rest der Bevölkerung wurde durch die Verlagerung ihrer Arbeitsplätze ins Ausland und die Finanzialisierung der Wirtschaft geschädigt, die ihnen nach der Zahlung ihrer Miete oder Hypothek, der Bezahlung von Autos, Kreditkarten und Studentenschulden nur wenig oder gar kein verfügbares Einkommen lässt.

Die Wirtschaft befand sich bereits in einer Schuldendeflation, da 40% der Bevölkerung nach Angaben der Federal Reserve nicht in der Lage waren, 400 $ Bargeld aufzubringen. Die unvermeidliche Folge einer Schuldendeflation ist eine wirtschaftliche Depression, da eine Schuldendeflation eine ausreichende Gesamtnachfrage der Verbraucher ausschließt, um die Wirtschaft anzutreiben. Das BIP-Wachstum hat keine Hilfe von Unternehmensinvestitionen erhalten, da die Unternehmen ihre Gewinne zum Rückkauf eigener Aktien verwendet haben.

Die Schließung ist nicht für die Schuldendeflation verantwortlich, deren Grundlagen bereits vorhanden waren. Aber die Schließung hat ihr einen Schub gegeben. Kleine Unternehmen wurden nicht wie grössere wie Boeing gerettet. Für kleine Unternehmen stellt die Schließung einen Zeitraum dar, in dem ihre Kosten ihre Einnahmen übersteigen. Für die Menschen, die durch die Schließung arbeitslos wurden, blieben ihre Lebenshaltungskosten weiter bestehen, aber ihre Gehaltszahlungen nicht. Die Trump-Schecks helfen ebenso wie vorübergehende Moratorien bei Zwangsräumungen, um das Unvermeidliche hinauszuzögern, aber für die Mehrheit der ohnehin schon hoch verschuldeten Menschen erhöht die Schließung ihre Schulden noch weiter.

Michael Hudson und ich glauben, dass ein Wirtschaftssystem, das die Rentierklasse bereichert, indem es einen möglichst großen Teil des persönlichen Einkommens in den Schuldendienst umwandelt, ein Wirtschaftssystem ist, das tot im Wasser liegt. Ein möglicher Ausweg ist die Abschreibung von Schulden, um ein verfügbares Einkommen zu schaffen. Denken Sie daran, dass der Vorsitzende der US-Notenbank Alan Greenspan, als die Ersetzung ausgelagerter Arbeitsplätze in der Produktion durch Walmart-Jobs das US-BIP-Wachstum stoppte, das fehlende Einkommenswachstum durch das Wachstum der Verbraucherschulden ersetzte und durch diese Ersetzung verfügbares Einkommen schuf, indem er den Verbraucher mit Schulden belud.

Diese Ladung ist jetzt voll. Wir befinden uns in der wenig beneidenswerten Lage, sehr hohe Aktienkurse in einer Wirtschaft zu haben, die kein Wachstumspotential hat. Die hohen Aktienkurse sind das Produkt von Billionen von Dollar, die in Finanzanlagen gesteckt wurden. Wenn die Wiedereröffnung das Virus verbreitet und eine zweite Welle hervorruft, die das Gesundheitssystem auf breiterer Basis überwältigt, könnte die Wirtschaft wieder heruntergefahren werden oder, wenn sie offen gehalten wird, durch eine weit verbreitete Krankheit oder eine Abneigung gegen die Exposition gegenüber dem Virus zum Erliegen kommen. Hat das Virus hingegen seinen Höhepunkt erreicht oder wurde die Bedrohung übertrieben, bleibt die bestehende drückende Schuldenlast bestehen.

Die Gefahr bei dem Geschrei und den Schuldzuweisungen besteht darin, dass die Schuld für eine kranke Wirtschaft der Stilllegung und nicht der Schuldenlast angelastet wird. Die Wiedereröffnung der Wirtschaft lässt die Schuldenlast nicht verschwinden. Michael Hudson und ich haben versucht, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der politischen Entscheidungsträger auf das eigentliche Problem zu konzentrieren. Bisher sind wir erfolglos geblieben.

erschienen am 29. April 2020 auf Paul Craig Roberts´Website – Artikel

http://www.antikrieg.com/aktuell/2020_04_29_daswirkliche.htm

Diskussionen

9 Gedanken zu “Das wirkliche wirtschaftliche Problem ist nicht der Lockdown

  1. jetzt wo der schwindel so langsam auffliegt, stellt sich die frage: was hat die regierung davon das volk so zu verarschen, denn solange das internet nicht gesperrt ist, müssen sie doch damit rechnen, dass die wahrheit durchsickert ? dafür gibt es nur eine erklärung: mit dem deutschen volk/weltbevölkerung kann man machen was man will, es besteht zu 99% aus erbärmlichen schisshasen

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    Verfasst von cource | 2. Mai 2020, 8:50
  2. der corona-shutdown um den unternehmen/konzernen einen grund zum längst überfälligen stellenabbau zu geben, siehe u.a. roll-roys, wieder ein beweis für das jämmerliche ablenkungsmanöver der regierungen, nur um nicht die systemfrage stellen zu müssen—die weltwirtschaft liegt schon seit 2008 am boden/börsencrash und jetzt versucht man wie ein kleinkind vom thema abzulenken, dass ist exorbitante insolvenzverschleppung, getragen von allen parteien, das parlament muss wegen staatsverrat geschlossen abtreten

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    Verfasst von cource | 2. Mai 2020, 8:37
  3. @CLARA „..Kaum etwas treibt die Menschen mehr an als die Chance dann auch gut zu verdienen…“

    genau das ist die fatale/tödliche crux der menschheit: wenn sich etwas besonders lohnt ist man bereit sein leben/gesundheit zu opfern und das perverse daran ist, die gesellschaft profitiert von der dummheit/einfältigkeit des einzelnen–wir leben immer noch in einer opfergesellschaft, jeder opfert sich unnötig indem er zu viel arbeitet/frisst/konsumiert/verschuldet usw. und dabei vergisst einfach nur zu sein/zu leben so wie die tiere, schon in der bibel steht:. „Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“ und mutter natur erlöst jetzt mit dem coronavirus vorzeitig viele solcher ignoranten schinder von ihrem selbstauferlegten leid—-das so genannte „leistungsethos“ ist nicht umsonst das allerhöchste tabu in unser pervertierten leistungsgesellschaft

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    Verfasst von cource | 1. Mai 2020, 9:28
    • @ COURCE

      Das mit den Vögeln, die für ihre Ernährung nichts tun ist m.E. eines von den nicht ganz so stimmigen Gleichnissen, Faultiere hätten sich da besser geeignet.

      Wir wollen am aktuellen Stand der Technik teilhaben, wir wollen Nahrung, wir wollen Wasser, usw.

      Das ist m.E., solange wir nur so viel nehmen wie wir auch wirklich brauchen, absolut legitim.

      Konsum alleine macht natürlich überhaupt nicht glücklich und sollte deswegen logischerweise nicht das einzige im Leben sein was wir anstreben.

      Wir haben die Freiheit/Aufgabe bekommen unser Hirn zu nutzen, auch z.B. um uns mit dessen Hilfe dann vor Krankheiten wie z.B. Covid-19 zu schützen.

      Liebe Grüße

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      Verfasst von Clara | 1. Mai 2020, 12:41
      • wer dem volk rät sich zu verausgaben um nicht als faultier dazustehen, nimmt deren stressbedingte immunschwächung in kauf, siehe die coronatoten ärzte/pfleger in frankreich/spanien/china

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        Verfasst von cource | 1. Mai 2020, 19:21
  4. Es gibt deutliche Unterschiede zwischen den kapitalistisch wirtschaftenden Staaten.

    Wollen Sie den Privatbesitz von Produktionsstätten komplett verbitten und die Planwirtschaft einführen?

    Kapitalismus braucht Regeln, sonst ist er ein Monster, soweit würde ich mitgehen.

    Eine Vergesellschaftung der öffentlichen Fürsorge inklusive der Pharmaindustrie und der Banken wäre m.E. wünschenswert.
    Und eine Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter bei großen Unternehmen.
    Mehr Mitspracherecht wäre auch gut.
    Und ein Vorverkaufsrecht des Staates falls ein Unternehmen verkauft werden soll wäre vielleicht auch manchmal wünschenswert.
    Usw.

    Aber das ist dann hinterher noch immer Kapitalismus.

    Kaum etwas treibt die Menschen mehr an als die Chance dann auch gut zu verdienen.

    Wollen Sie der Schuhmachermeistern die privatwirtschaftliche Betätigung verbieten?
    Dem Bäcker?
    Der Obstverkäuferin?

    Sollen die nur noch das produzieren dürfen was vorher vom Staat festgelegt wurde?

    Liebe Grüße

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    Verfasst von Clara | 30. April 2020, 18:31
  5. Meines Erachtens macht der weltweite Unterbietungswettbewerb die Weltwirtschaft krank.
    Deswegen werden Arbeitsplätze ausgelagert, deswegen haben viele Staaten eine hohe Arbeitslosigkeit und keine ausgeglichenen Haushalte.
    Die fehlende Kaufkraft in vielen Niedriglohnländern führt dazu, dass man sich dort mit seiner Hände Arbeit zumeist keinerlei Wohlstand erarbeiten kann.

    Liebe Grüße

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    Verfasst von Clara | 30. April 2020, 15:16
    • Das ist genau das Wesen der kapitalistischen Produktionsweise: Der Billige frißt den Teuren, der Große den Kleinen, jeder kämpft gegen jeden nach dem Gesetz des Dschungels. Das meinen die Rechten mit ihrer zentralen Parole von „Freiheit gegen Sozialismus“. Sie meinen die Freiheit, auf andere Menschen keine Rücksicht nehmen zu müssen, keinesfalls solidarisch sein zu wollen. Auf Corona bezogen fordern sie die Freiheit, die Alten und Kranken sich selbst zu überlassen nach dem Motto: Mich kotzt nicht nur eure Armut, sondern auch eure Krankheit an.

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      Verfasst von LZ | 30. April 2020, 16:27
      • Sry, ich hab die Antwort falsch einsortiert. ;/
        Es gibt deutliche Unterschiede zwischen den kapitalistisch wirtschaftenden Staaten.
        Wollen Sie den Privatbesitz von Produktionsstätten komplett verbitten und die Planwirtschaft einführen?
        Kapitalismus braucht Regeln, sonst ist er ein Monster, soweit würde ich mitgehen.
        Eine Vergesellschaftung der öffentlichen Fürsorge inklusive der Pharmaindustrie und der Banken wäre m.E. wünschenswert.
        Und eine Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter bei großen Unternehmen.
        Mehr Mitspracherecht wäre auch gut.
        Und ein Vorverkaufsrecht des Staates falls ein Unternehmen verkauft werden soll wäre vielleicht auch manchmal wünschenswert.
        Usw.
        Aber das ist dann hinterher noch immer Kapitalismus.
        Kaum etwas treibt die Menschen mehr an als die Chance dann auch gut zu verdienen.
        Wollen Sie der Schuhmachermeistern die privatwirtschaftliche Betätigung verbieten?
        Dem Bäcker?
        Der Obstverkäuferin?
        Sollen die nur noch das produzieren dürfen was vorher vom Staat festgelegt wurde?

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        Verfasst von Clara | 1. Mai 2020, 13:26

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