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Ausland, Russland

Russische Fake-News? Wie das russische Fernsehen über das Coronavirus in Russland berichtet

von Thomas Röper – https://www.anti-spiegel.ru

Die deutschen Medien berichten immer wieder, das Russland Fake-News über das Coronavirus verbreitet. Damit Sie sich ein eigenes Bild machen können, habe ich einen Bericht aus der Sendung „Nachrichten der Woche“ des russischen Fernsehens vom Sonntag zu dem Thema übersetzt.

Beginn der Übersersetzung:

Am 8. April, vor einem Treffen mit den Regierungschefs der russischen Regionen, wandte sich Präsident Putin mit einer direkten Bitte an alle russischen Bürger : „Liebe Freunde. Ich verstehe, dass sich Überdruss und eine schwere Last finanzieller, häuslicher und anderer alltäglicher Probleme angehäuft haben. Ihr üblicher Lebensrhythmus ist gestört, denn für die meisten wird die Zeit, in der Sie ständig in den eigenen vier Wänden sein müssen, mühsam und lang. Aber wir haben jetzt keine andere Wahl. Die Prüfung der Selbstisolation muss ertragen werden. Von unserer Disziplin und Verantwortung hängt der Durchbruch im Kampf gegen die Infektion ab, den wir erreichen müssen.“

Putin geht mit gutem Beispiel voran. Alle sehen, dass der Präsident alle wichtigen Treffen über Videokonferenz abhält. Tatsächlich hat sich die Management-Technologie verändert. So geht es wirklich einfacher, billiger und schneller, ohne große Versammlungen. Wenn alle buchstäblich ohne ihren Schreibtisch zu verlassen verfügbar sind. Möglich, dass solche Managementpraktiken, wie der Präsident sie mit leichter Hand vormacht, in Zukunft häufiger genutzt werden.

Aber Putin bleibt sich treu. Bevor er ins „Homeoffice“ ging, machte er sich persönlich ein Bild vom Ernst der Lage und besuchte das Krankenhaus Kommunarka, das erste spezialisierte Zentrum für die Behandlung des Coronavirus. Dass das ein großes persönliches Risiko war, wissen wir jetzt, weil die Ärzte selbst infiziert sind, aber zum Glück blieb Putin verschont. Nun arbeitet er im „Homeoffice“. (Anm. d. Übers.: Der Chefarzt der Kommunarka wurde bekannt in Russland, weil er in den Medien oft interviewt wurde. Er hat Putin durch das Krankenhaus geführt und bei ihm ist danach eine Corona-Infektion festgestellt worden. Er hat sich in seinem Büro isoliert und arbeitet derzeit per Videokonferenz weiter)

Und es liegt noch viel Arbeit vor uns. So warnte der Moskauer Bürgermeister und Leiter der Arbeitsgruppe des Staatsrates im Kampf gegen das Coronavirus, Sergej Sobjabanin, in einem Interview für die Agentur „Russia Today“: „Wir sind nur am Fuße des Gipfels. Vor uns liegen ernste Herausforderungen.“

Das sind die offiziellen Zahlen für den 12. April. Die Statistik wird immer um 10:30 Uhr aktualisiert. Jetzt gibt es in Russland 15.770 Fälle und allein in den letzten 24 Stunden gab es einen Anstieg um 2.186. Das ist ein Plus von fast 17 Prozent. Das Epizentrum befindet sich in Moskau. In der Hauptstadt sind etwa zwei Drittel aller Fälle in Russland. Am 12. April sind es 10.158 Personen. Die Daten stammen vom offiziellen Portal „Stopcoronavirus.rf“. (Anm. d. Übers.: Geben Sie die Adresse nicht im Internet ein, sie funktioniert nur mit kyrillischen Buchstaben und ist hier nur in lateinische Buchstaben übersetzt)

Ein Bericht uneres Reporters.

16 Tage im Krankenzimmer. Er brachte das Coronavirus aus Barcelona mit. Das war Mitte März. Schwere Fälle gab es noch nicht so viele. Alle mit Verdacht auf COVID-19 wurden stationär behandelt. Die Ärzte arbeiten am Rande der Belastungsgrenze.

„Wenn sie hereinkamen, war ihre Brille immer verschwitzt. Das ist, weil ihnen in den Anzügen sehr heiß ist, sie machen Überstunden, es ist nicht einfach“, sagte der ehemalige Patient Vitaly Mironow.

Diese Brillen drücken so hart auf das Gesicht, dass sie Wunden hinterlassen. Sie werden so fest aufgesetzt, um die Augen zu schützen. Die Ärzte schützen ihre Nasen mit Pflastern, dann gibt es weniger Abschürfungen.

Die Schicht dauert 24 Stunden. Alle 6 Stunden gibt es eine Pause. Sie wechseln die Schutzanzüge und Atemschutzgeräte. Sie haben nur Zeit, ein Glas Tee zu trinken und geht es wieder an die Arbeit.

Das Filatov-Hospital nimmt seit dem 27. März Patienten mit COVID-19 auf. Wie die Intensivstation zwei Wochen später aussieht, zeigt der Chefarzt Valery Vechorko. 120 schwere Fälle, die Hälfte davon am Beatmungsgerät.

In der Intensivstation geben sie keine Prognosen ab. Sie kämpfen einfach weiter. Vergrößern lässt sich die Abteilung nicht, man stößt an die Grenzen. Und Krankenwagen bringen neue Patienten: Am Freitag war es mit 303 Patienten ein neuer Tageshöchstwert.

„Anfangs wurden 1.350 Betten gemeldet. Heute haben wir 1.525 Menschen im Krankenhaus. Wir haben natürlich Reserven, aber sie sind ganz und gar nicht groß. Wir nähern uns der Grenze“, sagte Vechorko.

Heute nehmen 25 Krankenhäuser in der Hauptstadt Patienten mit Coronavirus auf. Das sind 20.000 Betten. Die Moskauer Behörden bereiten eine Reserve von weiteren 10.000 Plätzen vor. Sie sollen bald zur Verfügung stehen.

Das wird ein neues Infektionskrankenhaus in dem Ort Woronowski. Zugang für Ärzte gibt es nur durch die Meltzer-Box, durch eine doppelte Schleuse. Solange sich die Tür nicht schließt, ist es unmöglich, die Zwischentür zu öffnen. Jedes Zimmer verfügt über eine individuelle Lüftungsanlage. Der Patient ist isoliert, die Ausbreitung der Infektion ist ausgeschlossen.

Das Projekt für ein Notkrankenhaus, das es vor 20 Tagen nur auf dem Papier gab, wuchs zu sechzehn eingeschossigen Gebäuden heran. Außen Metall, innen Isolierung. Der Komplex ist auf eine Nutzungsdauer von mindestens 30 Jahre ausgelegt. Die Ärzte haben die Planer überzeugt, keine hohen Gebäude zu bauen. Viren können sich auf den Oberflächen in Aufzügen niederlassen und das ist eine zusätzliche Infektionsquelle.

Das russische Militär hat den Bau von sechzehn medizinischen Zentren beschleunigt. In einer Woche wird das Zentrum in Nischni Nowgorod eröffnet. Bis zum 30. April werden die Zentren in Nowosibirsk, Orenburg, Ussuriysk und Wolgograd eröffnet. Sie bauen in drei Schichten, sieben Tage die Woche. Die Bauarbeiter arbeiten ohne Wochenende und freie Tage.

Der stellvertretende Verteidigungsminister Timur Ivanov hält täglich um 8.00 und 20.00 Uhr eine Telefonkonferenz ab. Die Regionen sind in der Leitung. Schon in einer Woche werden die medizinischen Geräte in die Krankenhäuser gebracht.

In den Ural-Fabriken wird die Produktion von Beatmungsgeräten bis Ende April um das Zehnfache erhöht. Sie produzieren 30 Anästhesie-Beatmungssysteme pro Schicht, pro Monat sind das eineinhalb tausend.

Neue Beatmungsgeräte werden in das Infektrionskrankenhaus von Nischni Tagil gebracht. Die Ausrüstung haben Kollegen aus anderen Kliniken der Stadt übergeben, wo es keine Patienten mit Coronavirus gibt.

In der Infektionsklinik von Nischni Tagil werden zusätzliche Betten bereitgestellt. Patienten mit Coronavirus werden hier bereits behandelt, aber es gibt noch keine schweren Fälle.

„Der Prozess ist nicht einfach. Die Schutzanzüge anzuziehen, ist schwer. Es ist schwer, in diesem Anzug zu arbeiten. Aber das Leben eines Arztes hängt von diesem Anzug ab“, sagte Alexey Kurlykin, Leiter der Intensivstation des Krankenhauses.

Irina zieht einen Schutzanzug an, sobald sie die Schwelle der Klinik überschreitet. Sie arbeitete als einfache Krankenschwester, aber das war in friedlicheren Zeiten. Jetzt macht sie Hausbesuche und führt Tests auf das Coronavirus durch.

Am 19. März hat die medizinischen Universität, an der Irina studiert, um Ärztin zu werden, Quarantäne verkündet. Am 23. ging sie zur Arbeit. Jetzt ist jede Hilfe nötig.

Patienten mit einem leichten Krankheitsverlauf werden nicht mehr in das Krankenhaus geschickt. Solche Patienten werden zu Hause mit Hilfe der Telemedizin behandelt. In Moskau wurde dafür ein Zentrum eröffnet, wo Ärzte online Patienten empfangen.

Das Telemedizinzentrum erstreckt sich über zwei Etagen einer Moskauer Schule. In den Büros wurden separate Arbeitsplätze installiert. Dem Arzt stehen ein Tisch und zwei Monitore zur Verfügung. Jeder Therapeut führt durchschnittlich 20 Beratungen pro Tag durch. Er stellt eine Diagnose und verschreibt eine Behandlung.

„Wenn der Patient in einem ernsten Zustand ist, rufen wir sofort den Notarzt oder einen Arzt für einen Hausbesuch, damit der seinen Zustand persönlich beurteilt“, sagte einer der Ärzte.

Während Therapeuten im Kampf gegen Coronavirus sind, arbeiten an der Rezeption der Kliniken Studenten. 750 Studenten der Moskauer medizinischen Universitäten haben bereits die Arbeit aufgenommen. Sie haben sechs Jahre Studium hinter sich. Es ist nicht mehr beängstigend, auf eigene Faust zu arbeiten. Im Büro des diensthabenden Arztes empfängt die Studentin Albina Abdullayeva Patienten mit Fieber. Das Coronavirus hat die Erkältungssaison nicht beendet. Patienten kommen mit einer normalen Erkältung.

„Wir wurden darauf vorbereitet, dass wir in einer Ausnahmesituation an vorderster Front stehen und den Menschen helfen werden“, gab Albina zu.

Und es gibt Herzkranke, Nervenleiden, schlimme Gastritis. Auch Patienten mit chronischen Erkrankungen brauchen medizinische Versorgung. Das normale Leben geht in den Kliniken weiter.

Jüngere Medizinstudenten sind auch als ehrenamtliche Helfer tätig. Man erkennt sie an den roten Jacken. Hilferufe kommen über die Hotline. Normalerweise sind es ältere Menschen, die das Haus nicht verlassen können. Sie bestellen Lebensmittel, Medikamente, bitten um die Bezahlung der Rechnungen.

Am Ausgang gibt es eine Einweisung, jeder bekommt Schutzmasken und Handschuhe. In den Geschäften müssen sie die Haltbarkeitsdaten von Lebensmitteln überprüfen und streng nach Einkaufsliste arbeiten. Sie kommen in der Regel nicht in die Wohnung der Menschen.

Heute ist es wichtig, sich gegenseitig zu schützen. Ärzte arbeiten bereits an der Belastungsgrenze. Das Coronavirus breitet sich in den russischen Regionen aus. Die Zahl der in Komi infizierten Personen stieg um 40 Prozent. Die Lage in Baschkirien und der Region Brjansk ist schwer: Am Montag gab es 20 Fälle, am Freitag schon sechsmal so viele.

Das „Erwachen“ des Coronavirus in Brjansk begann in der Evangelischen Kirche. Sie heißt auch „Das Erwachen“. Jetzt steht sie unter Quarantäne und ist geschlossen und versiegelt. 90 Tage wird es keinen Gottesdienst geben. Neunzig Menschen befinden sich bereits im Krankenhaus. Diese Ansteckungen begannen vermutlich mit Jewgeni Koslow. Er war derjenige, der das Coronavirus zum sonntäglichen Treffen der Glaubensbrüder brachte.

Koslow wurde von seiner Mutter infiziert, die Mitte März aus Spanien zurückkehrte. Jewgeni empfing sie am Moskauer Flughafen Scheremetjewo. Als er nach Brjansk zurückkehrte, ging er zum Gottesdienst in die „Erwachen“-Kirche. Am Samstag halfen sie Obdachlosen mit kostenlosem Essen, am Sonntag beteten sie.

Pastor Michail Birjukow befindet sich jetzt im selben Krankenzimmer wie Koslow. Er gibt zu: Es waren viele Leute in der Kirche, etwa hundert. Gäste aus Kaluga und Smolensk waren da. Als sie alle Kontaktpersonen, einschließlich Kinder und ältere Menschen, erfassten, waren es dreihundert. Und am Montag waren sie auch noch zusammen in der Sauna.

Eine solche Nachlässigkeit kommt heute teuer. Die Zahl der Fälle in Russland ist bereits fünfstellig. Die Ärzte sind natürlich am Limit, aber sie geben nicht auf. Und dafür wird ihnen „Danke“ gesagt. In Jekaterinburg bekommen diejenigen, die Russland vor dem Coronavirus retten, Rosen geschenkt und ein Lächeln erscheint auf ihren müden Gesichtern. Sie brauchen diese Unterstützung jetzt wirklich.

Ende der Übersetzung

Russische Fake-News? Wie das russische Fernsehen über das Coronavirus in Russland berichtet

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Russische Fake-News? Wie das russische Fernsehen über das Coronavirus in Russland berichtet

  1. das coronavirus spielt den weltweiten globalisierungsgegnern/nationalisten in die hände, deshalb hält sich die AfD auch relativ bedeckt, die nationalisten wollen ja sowieso, dass die lohnsklaven in ihrem vaterland urlaub machen und das geld im lande bleibt, alles was jetzt passiert liegt im interesse der weltweiten nationalisten: besinnung auf das vaterland/familie/beruf/gesundheit und bestrafung des unbeschwerten lotterlebens/weltreisen/party, aber da spielt die evolution nicht mit, denn die schwächeparasiten behelligen nur die immunschwachen und lassen die immunstarken in ruhe d.h. irgendwann gibt es keine toten mehr und dann sind die weltweiten regierungen gezwungen ihre nationalen beschränkungen aufzuheben, es sei denn sie führen noch schnell vorher gravierende verfassungs-/gesetzesänderungen durch mit denen das volk dauerhaft in seiner freiheit beschnitten wird

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    Verfasst von cource | 13. April 2020, 10:11

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