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Ausland, Europa

Russisches Fernsehen: Tödliches „Rennen“ zwischen Italien und Spanien und das „außerirdische“ Schweden

von Thomas Röper – https://www.anti-spiegel.ru

Wie unterschiedlich das Coronavirus die Länder Europas getroffen hat und wie unterschiedlich sie damit umgehen, war am Sonntag Thema in der Sendung „Nachrichten der Woche“ des russischen Fernsehens. Ich habe den Beitrag des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Europa ist, ebenso wie die Vereinigten Staaten, im Zentrum des Hurrikans mit Namen Coronavirus. Italien und Spanien sind führend bei der Zahl der Infektionen und der Zahl der Todesfälle. Mehr als 120.000 Menschen haben sich dort jeweils die gefährliche Infektion zugezogen. Deutschland holt auf, aber es hat noch unter 100.000 Infizierte. Aber Deutschland hält sich viel besser.

Gleichzeitig wird den Deutschen nationaler Egoismus vorgeworfen und dass sie sich immer noch als „Herrenrasse“ betrachten. Solche Gefühle der Italiener äußerte der populäre Komiker Tullio Solengi, der ein Video veröffentlichte, in dem er daran erinnerte, dass es die Deutschen waren, die in beiden Weltkriegen an ihre rassische Überlegenheit glaubten: „Die Deutschen verhalten sich immer noch hoffnungslos arrogant. Heute wirtschaftlich. Sie betrachten sich immer noch als Herrenrasse“, sagte Solengi.

Was der Komiker sagt, formulieren italienische Politiker nur anders. Parlamentarier verschiedener Parteien und Bürgermeister von Städten kauften eine ganzseitige Anzeige in der einflussreichen Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wo sie gegen die Weigerung Deutschlands protestierten, europäische Schuldverschreibungen – Eurobonds – zur Finanzierung des europaweiten Kampfes gegen das Coronavirus auszugeben.

Es ist klar, dass Deutschland allein zurechtkommt. Aber die Italiener fragen sich, warum sie in der so genannten europäischen Familie bleiben sollen, wenn es diese Familie in einem schwierigen Moment einfach nicht gibt?! Und sie warnen, dass die Europäische Union zusammenbricht, wenn Deutschland keine Solidarität zeigt: „Liebe deutsche Freunde, zusammen mit dem Coronavirus hat die westliche Welt wieder einen zentralen Platz auf der Bühne der Geschichte eingenommen. Heute verfügt die Europäische Union nicht über die Mittel, um mit geschlossener Front auf die Krise zu reagieren. Wenn die Europäische Union nicht beweist, dass sie existiert, wird sie aufhören zu existieren.“

Eine solche Botschaft kam aus Rom nach Berlin. Zuvor hatte der Präsident des EU-Beitrittskandidaten Serbien, Aleksandar Vucic, erklärt, die europäische Solidarität sei nur ein „Märchen auf Papier“.

Unterdessen hilft Russland Serbien in diesem schwierigen Moment so gut es kann. Als Vucic Putin anrief, war das Problem schnell gelöst. Der Kreml-Pressedienst erklärte: „Im Geiste traditionell freundschaftlicher russisch-serbischer Beziehungen wurde vereinbart, Serbien humanitäre Hilfe zu leisten, um der Ausbreitung der Infektion entgegenzuwirken. Diese Hilfe, einschließlich der Entsendung von Spezialisten, wird hauptsächlich vom russischen Verteidigungsministerium geleistet.“

Und jetzt sind schon alle 11 russischen Militärflugzeuge mit Ärzten und allem Notwendigem in Serbien gelandet.

Auch im italienischen Bergamo arbeiten unsere Militärspezialisten bereits die zweite Woche. Sie führen Desinfektionen durch. Am 6. April beginnt die Behandlung von Patienten mit Coronavirus-Infektion in einem mobilen Krankenhaus, in dem russische und italienische Ärzteteams arbeiten werden. Die Welt schien auf einen Grund zu warten, Menschlichkeit zu zeigen. Das Coronavirus wurde zu diesem Moment.

Aus Europa berichtet unsere Korrespondentin.

Diese Näherei ist ein Tropfen auf den heißen Stein in Rom, sie produziert nur 600 Masken pro Tag. Aber dies ist der einzige Ort in der Stadt, wo man Masken bekommen kann.

Aber es geht auch privat: Am Ende der dritten Woche der Quarantäne stellte Monica einen Rekord auf: eine Minute und 10 Sekunden für eine Maske. Jede halbe Stunde geht Pinot mit zwei Masken in den Händen vor die Haustür. Sie geben sie umsonst ab, aber die Leute geben trotzdem Geld. Am Eingang musste eine Kiste für diejenigen aufgestellt werden, die „Danke“ sagen wollen.

Pinot verdient kein Geld mit den Masken. Aber er ist schon eine Legende. Weil seine Masken die italienische Trikolore tragen.

Genau wie Pinot, nach dem Prinzip „alles für die Front, alles für den Sieg“ wird ganz Italien umgebaut. Masken werden in der Lamborghini-Fabrik genäht. Die Autoproduktion steht still, aber die Halle, in der die Stoffdächer für Autos genäht wurden, arbeitet heute für das St. Ursula-Krankenhaus in Bologna. In der Toskana stellt eine der teuersten Marken der Welt Masken her: Prada. 110.000 Masken sollen bis zum 6. April fertig sein.

Das Land versteht nicht, warum, wenn alle zu Hause sind, alles geschlossen ist, alles gestoppt wurde, die Menschen weiterhin krank werden und sterben. Die Katastrophe ist nicht nur in Bergamo, auch in Brescia oder Cremona. Italien erklärte am 31. März um 12.00 Uhr eine Schweigeminute. Am beeindruckendsten klang diese Stille dort, wo alles begann, im winzigen Kodogno. Ein Patient, ein Fehler, und das ganze Land trauert.

Von den Lieben, die im Morgengrauen in Militär-LKW abtransportiert werden, kann man sich nicht verabschieden, sie werden nicht gesegnet. Die Kirche versucht es – auf eigene Gefahr, wo Beerdigungen noch erlaubt sind – aber es gibt bereits 90 Priester im Land, die am Coronavirus gestorben sind. Das Virus kommt sogar dorthin, wo nicht einmal das Handy Empfang hat. Wie kam es bloß in das Dorf Karenno in den Bergen oberhalb des Comer Sees?

Padre Riva hat innerhalb eines Monats seinen Vater, seinen Assistenten, einen Priesterkollegen, mit dem er in drei Berggemeinden diente, begraben. Seine Mutter ist im Krankenhaus. Für sie betet er in seiner leeren Kirche, nur um Zeit zum Abschied zu haben, wenn es schlimmer wird und sie intubiert werden muss.

Im Krankenhaus gehen sie zur Arbeit wie in den letzten Kampf, ohne Eile und methodisch. Hier kann jeder Fehler das Leben kosten, aber das wichtigste ist, dass es sich das Gesundheitssystem Italiens nicht leisten kann, einen einzigen Arzt zu verlieren, nicht eine einzige Krankenschwester.

Nicht nur die Schutzkleidung anzuziehen, auch das Ausziehen muss man nach jedem Besuch bei einem Patienten beherrschen. Das ist eine Krankenwagenbesatzung aus Neapel. Der Partner schaut vorsichtig, wie der Arzt aus der Wohnung kommt und erst den Schutzanzug, dann die Schuhe, dann die Handschuhe auszieht. Dabei ist es die Hauptsache, nicht die eigene Haut zu berühren. Der Einwegschutzanzug wird vernichtet. Die Mannschaft desinfiziert sogar den Asphalt, auf dem sich der Arzt ausgezogen hat.

„Oft kommen wir in eine Wohnung und sehen sofort, dass die Symptome zu 100 Prozent Corona sind. Ich will helfen, zu ihnen gehen, aber ich darf ihnen nicht einmal die Hand geben. Ich mache die Analyse so schnell wie möglich und verschwinde. Unser Protokoll verbietet Emotionen“, sagte einer der Ärzte.

Italien tanzt abends nicht mehr auf Balkonen, es hat keine Lust mehr auf Flashmobs. Aber jeder tut, was er kann. Das ist Morricone, der Navon-Platz, in der Morgendämmerung. Und ganz Rom hörte den Mann, wenn er Musik machte. Und das sind Körbe, die von den Balkonen in Mailand herabgelassen werden. Man legt hinein, was man nicht mehr braucht – Bücher, Masken, CDs – hinein und wer vorbeigeht, nimmt sich, was er braucht.

Die Quarantäne durchleben mit den Italienern alle, die in Italien festsitzen. Die Stimmung auf dem Liner ist gut, auch wenn diese Kreuzfahrt hier endete. Seit Februar sitzen manche auf diesem Schiff. Sie sind in Indien eingestiegen. Im Ferienprogramm waren Israel, die Malediven, Griechenland, Kroatien. Als sich die Welt veränderte, änderte sich die Route, sie fuhren dorthin, wo man sie noch anlegen ließ. Nach dem Besuch von Kreta wurden sie angewiesen, ihre Kabinen nicht mehr zu verlassen, als bei einem der Passagiere Corona diagnostiziert wurde.

An Bord der Costa Victoria sind 85 Russen. Jeden Tag telefonieren sie mit russischen Diplomaten, eine russische Chatgruppe wurde eröffnet. Sie halten durch und warten auf die Erlaubnis zur Ausreise und wissen, dass sie zu Hause sofort wieder unter Quarantäne gestellt werden.

Genauso beängstigend ist es heute in Spanien. Fabriken nähen Masken unter der Losung „alles für den Kampf gegen das Virus“. Expo-Pavillons mit roten Teppichen werden in Krankenhäuser umgewandelt: Wenn man es von oben betrachtet, scheint es ein Film oder eine Reality-Show zu sein. Militär-LKW mit Leichen. Das Eishockeystadion wurde in eine riesige Leichenhalle umgewandelt.

In Frankreich, das China bei der Zahl der Infektionen überholt hat, wurden Passierscheine zum Verlassen der Wohnung eingeführt. Der größte Markt der Welt, Rungis, mit 245 Hektar Fläche, wurde zur Leichenhalle umfunktioniert. Die Straßen sind leer und endlich gibt es auch keine Gelbwesten mehr. Paris zieht sogar das Militär aus dem Irak ab, das Land braucht sie zu Hause.

England, wo das Virus alle trifft, auch den Premierminister, ist endlich auch „ausgestorben“.

Nur Schweden ist wie von einem anderen Planeten. Es gibt keine Verbote. Es ist alles geöffnet, Pubs, Restaurants… Es gibt nichts zu befürchten, meint Stockholm. Aber der Aufbau eines Feldlazarett wurde trotzdem in der Nähe der Hauptstadt begonnen.

Ende der Übersetzung

Russisches Fernsehen: Tödliches „Rennen“ zwischen Italien und Spanien und das „außerirdische“ Schweden

Diskussionen

3 Gedanken zu “Russisches Fernsehen: Tödliches „Rennen“ zwischen Italien und Spanien und das „außerirdische“ Schweden

  1. in vielen schwach besiedelten regionen gibt es überhaupt keine akuten coronavirusfälle, d.h. die generelle landesweite kontaktsperre über ostern ist ein unnötiges opfer und damit ein indiz für die ablenkung von der am boden liegenden weltwirtschaft/börse—man kann nicht immer alles unter das primat der wirtschaft stellen, denn ein schwerer vertrauensverlust könnte ein viel höherer preis sein als z.b. ein börsencrash/bankenrun

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    Verfasst von cource | 8. April 2020, 17:36
  2. Den Nordlichtern muß man nicht beibringen, mehr als 1,5m Abstand zu halten, es gibt dort Kurse, in denen sie das Gegenteil lernen. Und die Schwedische Durchschnittslunge dürfte in einem relativ gutem Zustand sein.

    In Berlin wird NACH Auftreten von Symptomen getestet, d.h. viel mehr Menschen sind ‚infiziert‘, als die offiziellen Zahlen ausweisen. Viele Menschen haben völlig falsche Vorstellungen (wie sie auch von Politikern suggeriert werden) daß die Maßnahmen sie vor Ansteckung schützen könnten. Wenn der Virus sich nicht in Wohlgefallen auflöst – und danach sieht es nicht aus, da er sich in uns so wohl fühlt – werden wir alle mit diesem Virus leben, wie mit vielen anderen auch. Die einzige Ratio hinter den Maßnahmen besteht darin, die Ausbreitung auf ein Tempo zu reduzieren, bei dem die Kapazitäten der Intensiv Medizin von den relativ sehr wenigen schweren Fällen nicht überlastet werden.

    Ich gehe davon aus, daß die Verbreitung in Italien viel früher begann, lange bevor in Wuhan der Virus ertappt wurde. Was wir jetzt erleben, ist gewissermaßen die Ernte. Das spricht sehr für eine Operation gegen die EU – Chinesische Connection im Zentrum des US Terrors Italien.

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    Verfasst von zivilistin | 8. April 2020, 14:14
  3. jetzt wird klar warum der brexit erfolgt ist, weil die zahlenden mitglieder in der EU nicht in der lage sind alle anderen zu alimentieren, scheinbar zögert die EU/Deutschland die schulden zu übernehmen, dabei bleibt garnichts anderes übrig, man provoziert eine weitere krise um das volk für noch gravierende veränderungen gefügig zu machen, die aufgeklärte/gebildete/betuchte weltbevölkerung könnte z.z. mit keinem geld der welt deutschland/anderen staat verlassen/auswandern, man nutzt die coronapandemie um die völker zu separieren

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    Verfasst von cource | 8. April 2020, 11:20

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