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Ausland, Nordamerika

Das russische Fernsehen über die politische Woche in den USA: Coronakrise oder Coronadepression?

von Thomas Röper – https://www.anti-spiegel.ru

Auch an diesem Sonntag hat das russische Fernsehen in der Sendung „Nachrichten der Woche“ den unvermeidlichen Blick über den großen Teich geworfen und über die politischen Spielchen in den USA berichtet. Und ich habe den Bericht des russischen Fernsehens darüber – wie immer – übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Es ist verdächtig, dass Präsident Trump das Coronavirus allzu obsessiv als „chinesisch“ bezeichnet. So will er auf der einen Seite China beleidigen und auf der anderen Seite verbirgt er wahrscheinlich etwas. Jedenfalls ist seine Besessenheit in den Staaten aufgefallen, obwohl es dort viele andere Themen gibt.

New York ist das Zentrum der Coronavirus-Epidemie in den Vereinigten Staaten. Fast 8.000 bestätigte Fälle. Auf dem normalerweise überfüllten Times Square sind kaum Touristen. Heute Abend ist er völlig leer. Der Gouverneur des Staates hat die größte Stadt Amerikas de facto unter Quarantäne gestellt. Ab 20 Uhr am 22. März darf man das Haus nur mit gutem Grund verlassen. Die Ladenbesitzer bereiten sich auf das Schlimmste vor und verbarrikadieren ihre Schaufenster.

Nur Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und Restaurants, die Lebensmittel liefern oder zum Mitnehmen zubereiten, wie Filip Bozzo‘, dürfen noch arbeiten. In der aktuellen Situation dürfte ihm nicht einmal helfen, dass er den New Yorker Bürgermeisters kennt, wie das Foto zeigt.

„Es ist sehr schwer für die Leute, die für uns arbeiten. Wir versuchen, sie normal zu bezahlen, aber die Menschen leben von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck und da sich diese Krankheit ausbreitet, haben alle Angst, was als nächstes passieren wird“, sagte Gastronom Bozzo.

Anrufe gibt es in Anthony Marmos Büro in letzter Zeit immer weniger. Als Arbeitsvermittler lebt er nur noch von der Nachfrage nach Krankenschwestern. Bei allen anderen Berufen ist nichts mehr. 2.250.000 Amerikaner wurden laut Goldman Sachs in der vergangenen Woche arbeitslos. Und das ist erst der Anfang.

„Vielleicht wird es etwa 30-40 Prozent Arbeitslosigkeit geben, was verheerend für die Wirtschaft sein würde. Wenn sich die Situation mit dem Virus verschlimmert, wird die Wirtschaft ihre Aktivitäten einschränken müssen und daher wird die Arbeitslosigkeit noch höher werden“, ist sich Marmo sicher.

Den Vorgängen wurde bereits der Namen „Coronacrisis“ gegeben. Dass eine Rezession bevorsteht, sagte Forscher Gerald Celente schon seit drei Jahren. Jüngsten Daten zufolge befindet sich ein Drittel der Weltwirtschaft bereits in einer Krise. Ihr Wachstum wird am Ende des Jahres bestenfalls unter 0,5 Prozent liegen.

„Die Bank of America hat angekündigt, dass wir in eine Rezession eintreten. Rezession?! Wir treten in eine große Depression ein. Es wird viel schlimmer sein, als in den 1930er Jahren. In den 1930er Jahren hatte die Welt eine Bevölkerung von 2 Milliarden Menschen. Jetzt sind es 7,7 Milliarden“, sagte Celente.

Es gibt jedoch die „goldene Milliarde“, die besonders privilegiert ist. Dazu gehören vier US-Senatoren, darunter der Leiter des Geheimdienstausschusses. Nach einem geheimen Briefing im Kongress, wo düstere Prognosen geäußert wurden, begannen alle vier, Aktien an der Börse zu verkaufen, wo sich kurz danach tatsächlich der „Black Monday“ von 1987 wiederholt hat. An einem Tag brach der Dow-Jones-Index um 10% ein und er fällt weiter.

Trump selbst bezeichnete das, was im Gange ist, als Krieg. Er will nach den Gesetzen aus Zeiten des Krieges handeln. Eines davon, aus den 1950er Jahren, das im Vorfeld des Koreakrieges angenommen wurde, nutzte Trump. Der Defense Production Act gibt dem Chef des Weißen Hauses das Recht, die Wirtschaft manuell auf militärische Produktion umzustellen.

Aber der Kalte Krieg ging und geht – trotz des Virus, gegen den es nicht schlecht wäre, sich zu vereinen – weiter, wie gewohnt. Einer der Fotografen schaute sich die Trump-Notizen dieser Pressekonferenz an. Vor dem Briefing ersetzte der US-Präsident handschriftlich im Namen des Virus das Wort „Coronona“ durch das Wort „chinesisch“.

Aber die Liste der Länder, die Washington versucht, mit dem Virus in Verbindung zu bringen, endet nicht mit China. Trump selbst bezeichnete die Epidemie zunächst als Fake und jetzt, da Amerika wertvolle Zeit verloren hat, sind Moskau, Peking und Teheran schuld an den beunruhigenden Berichten. Nach dem Motto, nicht das Virus breitet sich im ganzen Land aus, sondern bösartige Internet-Bots verbreiten alarmierende Gerüchte.

Virus oder nicht, aber die Raketenstarts sind im Zeitplan. Hier auf Hawaii ist am Nachthimmel über dem Pazifischen Ozean eine neue Hyperschallrakete vom Typ C-HGB erfolgreich in die Höhe geschossen. Sie kann sowohl an Land, als auch auf See verwendet werden, unabhängig von der epidemiologischen Situation.

Es wäre besser, wenn das US-Militär, dem von der Epidemie gebeutelten New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio helfen würde. Er ist Demokrat und ehemaliger Präsidentschaftskandidat der Partei. Er schied aus dem Rennen aus. Jetzt sind noch zwei übrig. Der sozialistische Senator Bernie Sanders und Joe Biden, der die Nominierungswahlen am dritten Super Tuesday in Folge gewonnen hat, diesmal in Florida, Arizona und Illinois. In Ohio wurde die Abstimmung wegen des Coronavirus abgesagt. Die Krankheit ist ein wichtiger Teil des Wahlkampfes.

In einer Telefonkonferenz – persönliche Treffen mit Wählern und Journalisten sind abgesagt – hat Biden der Trump-Präsidentschaft eine schlechte Diagnose gestellt. Aber wie in der Medizin, gibt es auch hier eine zweite Meinung. In diesem Fall sind das die Umfragewerte. Fünfundfünfzig Prozent der Amerikaner befürworten, wie der US-Präsident und sein Team mit der Pandemie umgehen. Im Herbst, kurz vor der Wahl, werden diese Zahlen für Trump noch wichtiger.

Eine interessante Ergänzung zu den Nachrichten aus den USA. Die US-Regierung hat das Ende des Prozesses gegen die russische Unternehmensgruppe „Concord“ akzeptiert. In dem Fall ging es um den Verdacht der Einmischung in die US-Wahl. Das bedeutet die unvermeidliche Schließung des Falles ohne die Möglichkeit seiner Wiederaufnahme. Das heißt, den Prozess zu beginnen war von Anfang an sinnlos, wenn er so unrühmlich abgeschlossen wurde. (Anm. d. Übers.: Das US-Gericht hat die Klage gegen die russischen Firmen abgelehnt, weil es keine Substanz in den Vorwürfen gesehen hat.)

Ende der Übersetzung

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