//
du liest...
Ausland, Welt

Häufige Frage: „An der Grippe sterben 20.000 pro Jahr, warum gibt es da keine Panik?“

von Thomas Röper – https://www.anti-spiegel.ru

Immer wieder bekomme ich Nachrichten, die die Grippe und das Coronavirus vergleichen und fragen: Warum nun so eine Panik? Daher will ich den Unterschied zwischen den beiden Krankheiten aufzeigen.

Vorweg sei gesagt: Ich bin gegen Panik und sehe dafür auch keinen Grund. Aber das Coronavirus ist gefährlich. Nicht, weil es so viele Menschen gefährdet, die Todesrate ist normalerweise gering, sondern weil es das Gesundheitssystem sprengen kann. Aber der Reihe nach.

Mit der Grippe infizieren sich etwa drei Millionen Menschen in Deutschland pro Jahr. Und es gibt einige Tausend Tote. Sicherlich haben Sie auch schon Nachrichten per WhatsApp bekommen, in denen man sinngemäß lesen konnte: „Die Grippe tötet 20.000 Menschen jedes Jahr, warum gibt es da keine Panik?“

Und tatsächlich stellt sich Frage ja auf den ersten Blick, wenn man sich die aktuellen Zahlen beim Coronavirus anschaut.

Beim Coronavirus gibt es aber zwei wichtige Unterschiede zur Grippe. Der erste Unterschied ist, dass ca. 15 Prozent der Infizierten zumindest vorübergehend intensivmedizinische Behandlung mit künstlicher Beatmung brauchen. Das würde, bei drei Millionen Infizierten – wie bei einer durchschnittlichen Grippewelle – bedeuten, dass 450.000 Menschen Beatmungsgeräte brauchen, ansonsten würden sie sterben. Es gibt aber nur 30.000 Beatmungsgeräte in Deutschland und die sind ja auch nicht frei, die werden für vorhandene Patienten gebraucht. Es würde also Hunderttausende Tote geben, weil die Beatmungsgeräte fehlen. Ich habe all das hier schon am 7. März ausführlich und mit Quellen beschrieben. Leider scheine ich recht zu behalten.

Das ist der wichtige Unterschied zwischen einer Grippewelle und dem Coronavirus: Eine Grippewelle führt zwar zu vielen Toten, aber das Gesundheitssystem wird mit ihr fertig und kann diejenigen behandeln, die Behandlung brauchen.

Das ist beim Coronavirus nicht möglich, zumal es noch nicht einmal wirksame Medikamente gibt, es gibt nur die künstliche Beatmung, die den Menschen am Leben erhält, während sein Immunsystem selbst mühsam mit dem Erreger kämpft.

Hinzu kommt, als zweiter Unterschied, dass sich das Coronavirus viel schneller verbreitet, als eine normale Grippe. Das liegt an der längeren Inkubationszeit, in der ein Mensch zwar andere anstecken kann, aber selbst noch keinerlei Symptome hat. Jeder Infizierte kann also viel mehr Menschen anstecken, bevor er merkt, dass er krank wird.

Diese Kombination aus zwei Faktoren macht das Coronavirus gefährlich. Aber es sei auch noch einmal betont: Bei 80 Prozent der Infizierten verläuft die Krankheit wie eine Erkältung. Gefährlich ist das Virus „nur“ für die Risikogruppen.

Dass das tatsächlich eine Gefahr ist, konnte man in Italien sehen. Die Todesrate ist in Italien die höchste der Welt. Das liegt daran, dass in Italien erstens die Bevölkerung im Schnitt die älteste in Europa ist, es sind also viel mehr Menschen in der Risikogruppe der Senioren, als in anderen Ländern. Und zweitens ist in Norditalien genau das passiert, was ich oben erwähnt habe: Es gab zu wenig Beatmungsgeräte und es sind Patienten auf den Fluren der Krankenhäuser erstickt, weil sie nicht beatmet werden konnten.

Daher hatten und haben die Regierungen auf der ganzen Welt nur die Wahl, zu handeln, bevor es soweit kommt und sich dann Panikmache vorwerfen zu lassen, oder abzuwarten, bis die Menschen verstehen, dass es ein Problem gibt, aber bis dahin würden viele Menschen unnötig sterben und das Gesundheitssystem zusammenbrechen.

So muss man auch die heutige Meldung verstehen, dass Hotels in Deutschland zu provisorischen Krankenhäusern umfunktioniert werden sollen und dass die Krankenhäuser angewiesen wurden, „ihre Lagerbestände, Altbestände und ‚Keller‘ durchforsten nach Gerät (Betten, Liegen, EKGs, Beatmung etc.), das im Fall der Fälle genutzt werden kann

Selbst wenn die Maßnahmen, die am Montag ergriffen worden sind, Wirkung zeigen, wird man diese Wirkung erst in 14 Tagen sehen, bis dahin wird die Zahl der Infizierten weiter praktisch ungebremst steigen. Der Grund ist die Inkubationszeit von bis zu zwei Wochen, die dazu führt, dass die Infizierten entsprechend später bemerken, dass sie krank sind. Daher werden nun bereits händeringend in den Kellern der Krankenhäuser alte Beatmungsgeräte gesucht, weil man weiß, dass man sie bald dringend brauchen wird.

Zum Schluss noch einmal die gute Nachricht: Die meisten Infizierten bemerken die Krankheit kaum.

Häufige Frage: „An der Grippe sterben 20.000 pro Jahr, warum gibt es da keine Panik?“

Diskussionen

10 Gedanken zu “Häufige Frage: „An der Grippe sterben 20.000 pro Jahr, warum gibt es da keine Panik?“

  1. Eine Krise bedarf eines Veranstalters > Event 201 am 18.10.2019 in NY, veranstaltet von . . . ? ? ?

    Johns Hopkins Universität !

    gesponsert von der Gates Stiftung, genau wie die WHO.

    Liken

    Verfasst von zivilistin | 28. April 2020, 23:08
  2. Der Artikel stimmt zwar tendenziell, aber die Zahl, an der er sich aufhängt ist sehr fragwürdig.

    Drosten weist in seinem Podcast darauf hin, dass die Zahl 20.000 mit sehr großer Vorsicht zu genießen sei. Das sei eine sehr grobe Schätzung aufgrund der Übersterblichkeit während einer Grippesaison.

    „Würde man die Influenza-Toten so (relativ akkurat) zählen, wie die COVID-19-Toten, käme man in einer Grippesaison nur auf ein paar Hundert Tote, maximal etwas über 1.000.“

    https://www.ndr.de/nachrichten/info/34-Verspielen-wir-unseren-Vorsprung,audio671384.html

    Liken

    Verfasst von Fx | 25. April 2020, 12:38
    • Irreführenderweise wird seitens der Coronaverharmloser die „grobe Schätzung“ von 25000 Grippetoten in der ganzen Grippesaison 2017/18 mit den bestätigten Coronatoten zu Beginn der Coronapandemie im März verglichen. Tatsächlich hätte man, wenn überhaupt, die gemeldeten 1674 Gripptoten bis März mit den offiziellen Coronatoten vergleichen dürfen oder Schätzung mit Schätzung. Die Grippeschätzung übertrifft um den Faktor 14,9 die gemeldeten Todesfälle. Legt man diesen Maßstab an die Coronaepidemie an, bedeutet dies 5723 bisherige offizielle Coronatodesfälle x 14,9 = 85723 geschätzte Todesfälle – bereits jetzt zu Beginn der Coronasaison.
      Sicherlich sind alle diese Zahlen ziemlich ungewiß, doch stört dies die Verharmloser immer dann in keiner Weise, wenn sie damit glauben beweisen zu können, daß Corona viel harmloser als eine Grippe ist.

      Liken

      Verfasst von LZ | 25. April 2020, 14:14
  3. wenn man jetzt noch eine zwangsimpfung gegen das coronavirus anordnet wird klar woher der wind weht

    Liken

    Verfasst von cource | 11. April 2020, 8:57
  4. Schräge, zum Teil nicht durchdachte Argumentation. Zudem ist das Durchschnittsalter in Italien nur um 4 Monate höher als in der BRD! Die Hauptursache für die Toten ist das Krankenhaus selbst, wie jeder der intensiveres Wissen über Krankenhausaufenthalte hat, weiß.
    Nicht keimfreie Beatmungsgeräte (z. Teil ca. 1cm dicker Dreck im Gerät!); Bewegungslosigkeit der Älteren; keine Ansprache durch Angehörige, MRSA, …

    Liken

    Verfasst von A. Koch | 10. April 2020, 22:44
  5. warum ist das coronavirus nur in bestimmten regionen so gefährlich/tödlich und in anderen widerum nicht, nur an der schlechten luft/feinstaubbelastung kann es nicht liegen, denn dann müssten in solchen exorbitant frequentierten metropolen wie Peking/Berlin/Hamburg bedeutend mehr todesfälle auftreten—wer hält uns da zu narren

    Liken

    Verfasst von cource | 27. März 2020, 9:48
  6. die besserverdiener wissen schon warum sie lieber abgelegen im grünen wohnen als in der schmutzigen großstadt, jetzt haben wir den beweis, dass das leben in großstädten/industriegebieten/feinstaub irgendwann – spätestens mit der rente – seinen tribut fordert—die lunge ist des menschen archillesferse und trotzdem wird die süchtige gesellschaft sich selbst ausbeuten/vergiften der sog der süchtigen gemeinschaft/genussmenschen, ist stärker als der verstand

    Liken

    Verfasst von cource | 22. März 2020, 10:55
  7. Wie erklären Sie die geringen Todeszahlen in Deutschland im Vergleich zum Beispiel zu Italien?
    Darüber bin ich gar nicht überrascht. Denn in Italien hat man nur die sehr schwer symptomatischen Fälle getestet. Dabei hat die aktuelle Studie aus Shenzhen zum Beispiel auch herausgefunden, dass sich Kinder genauso häufig mit dem Erreger anstecken wie Erwachsene, sie entwickeln allerdings nur leichte oder gar keine Symptome. Folgt man der Studie und legt zugrunde, dass 91 Prozent Covid-19 nur mit milden oder moderaten Symptomen durchmachen, dann haben sich die Italiener zunächst nur auf die verbliebenen neun Prozent fokussiert. Hinzu kommt, dass dort auch nachträglich die Toten auf Sars-CoV-2 getestet werden. Auch in China gingen anfangs die Todeszahlen stark in die Höhe, nicht aber die Infektionszahlen, weil man sich dort ebenfalls auf die Toten konzentrierte. Jetzt ist es umgekehrt, weil in China viel mehr getestet wird.
    Die Todeszahlen werden aber auch in Deutschland steigen?
    Ganz bestimmt, aber nicht um solch apokalyptisch hohen Zahlen, wie sie zum Teil in Umlauf sind. Auch muss man berücksichtigen, dass es sich bei den Sars-CoV-2-Toten in Deutschland ausschließlich um alte Menschen gehandelt hat. In Heinsberg etwa ist ein 78 Jahre alter Mann mit Vorerkrankungen an Herzversagen gestorben, und das ohne eine Lungenbeteiligung durch Sars-2. Da er infiziert war, taucht er natürlich in der Covid-19-Statistik auf. Die Frage ist aber, ob er nicht sowieso gestorben wäre, auch ohne Sars-2. In Deutschland sterben jeden Tag rund 2500 Menschen, bei bisher zwölf Toten gibt es in den vergangenen knapp drei Wochen eine Verbindung zu Sars-2. Natürlich werden noch Menschen sterben, aber ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und sage: Es könnte durchaus sein, dass wir im Jahr 2020 zusammengerechnet nicht mehr Todesfälle haben werden als in jedem anderen Jahr.
    Virologe in der FAZ

    Liken

    Verfasst von Stefan Stulle | 19. März 2020, 11:13
    • In Deutschland sind die Todeszahlen so niedrig, weil systematisch nicht getestet wird, um sie niedrig zu halten. Auf den Totenscheinen steht dann halt Lungenentzündung oder sonstwas. Erst wenn das Gesundheitssystem zusammenbricht wird man das Ausmaß der Krise nicht mehr mit statistischen Tricks verheimlichen können.

      Liken

      Verfasst von LZ | 19. März 2020, 12:15

Trackbacks/Pingbacks

  1. Pingback: Perspektiven in uns aus der aktuellen Krise | Menschenreise - 11. April 2020

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Archiv

%d Bloggern gefällt das: