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Ausland, Nordamerika

Damit man versteht, warum sie lügen und warum sie damit davonkommen

von Saker, (geschrieben für die Unz Review) – https://www.theblogcat.de

Bild: Trumps Ansprache nach dem iranischen Gegenschlag

Anstelle einer normalen Einleitung: die sich ständig verändernden Opferzahlen (BDA = Battle Damage Assessment)

Freunde, das Pentagon mal wieder. Mittels CNN, natürlich. Hier die „neueste Meldung“:

Über 100 Soldaten der USA wurden leichte traumatische Hirnverletzungen bescheinigt, nach dem Raketenangriff am 8. Januar auf den Militärstützpunkt al Asad im Irak, so ein US-Vertreter mit Kenntnis der neuesten Informationen?

https://edition.cnn.com/2020/02/10/politics/traumatic-brain-injuries-iran-strike/index.html?utm_medium=social&utm_term=link&utm_content=2020-02-10T17%3A21%3A09&utm_source=twCNN

Colonel Cassad hat auf seiner Webseite diese, sagen wir mal, „Evolution“ der Wahrheit aufgezeigt, wie sie von den USA berichtet wird:

X steht für „Verwundeter“

Y steht für „Todesfälle“

  1. X = 0, Y = 0
  2. X = 11, Y = 0
  3. X = 34, Y = 0
  4. X = 50, Y = 0
  5. X = 64, Y = 0
  6. X = 100+? ,Y = 0
  7. X >200, Y> 80?

(Die letzte Zeile ist natürlich hypothetisch, aber während ich hier schreibe, haben wir bereits 109 Opfer!)

Man beachte, dass die Zahl der überlebenden Verwundeten ständig ansteigt, es aber keinen Anstieg der Todesfälle gibt. Es gab nur „Flugzeugabstürze“ (die alle Unfälle waren, so sagt man uns). Fragt irgendeinen Militärspezialisten (oder Militärhistoriker) und er wird euch sagen, dass diese Art von „Entwicklung“ zunehmend unwahrscheinlich ist. (Hier mehr dazu: https://www.iraqbodycount.org/analysis/beyond/indifference-to-injury/3 )

Einfach ausgedrückt – diese Zahlen sind ziemlich offensichtlich unmöglich, was bedeutet, dass von dem Moment an, als der Ober-Idiot „so weit, so gut“ twitterte, die USA bereits gelogen haben:

Alles in Ordnung! Raketen aus dem Iran wurden auf zwei Militärbasen im Irak abgefeuert. Zur Zeit laufen Ermittlungen zu den Opferzahlen und den Schäden. So weit, so gut! Wir haben das mächtigste und am besten ausgerüstete Militär auf der ganzen Welt, bei weitem! Ich werde morgen am Vormittag eine Stellungnahme abgeben. – Donald J. Trump, 8. Januar 2020

Gibt es hier irgendjemanden, der abstreitet, dass die US-Regierung so ziemlich über alles lügt? Und das betrifft nicht nur die Exekutive. Der Kongress lügt womöglich noch mehr (beide Parteien, natürlich). Ja, ich möchte behaupten, dass das Lügen eines US-Politikers notwendig ist UND erwartet wird. Wenn jemand wie Tulsi Gabbard oder Ron Paul sich nicht an diese Regel halten, dann werden sie von den Medien umgehend als „Agenten Putins“ abgekanzelt, oder etwas ähnlich Geistloses.

Die Wahrheit ist, dass das Lügen im westlichen Diskurs zur Norm geworden ist.

Schlimm genug. Aber es gibt etwas Schlimmeres.

Das Schlimmste ist nicht, dass westliche Politiker lügen. Das Schlimmste ist, dass es keinen kümmert.

Das ist echt beängstigend.

Warum?

Weil in einer Gesellschaft, in der erwartet wird, dass jeder lügt, Fakten einfach keine Rolle mehr spielen.

Und das ist die Schlüsselfrage: Kümmert es uns oder nicht?

Nun, einige kümmert es ganz eindeutig. Sonst hätten wir nicht die Bücher von Howard Zinn oder Oliver Stones Filme als Bestseller. Und es gäbe auch keine lebhafte 9/11 Truth-Bewegung. Wollt ihr mehr Beweise?

Klar! Wie steht’s mit den Menschen, die bereit sind ins Exil (oder ins Gefängnis!) zu gehen, um das Recht von Historikern zu verteidigen, frei über die Geschichte des 2. Weltkriegs zu ermitteln?

Wie steht’s mit Edward Snowden, Julian Assange oder Bradley Manning? Wie steht’s mit den Millionen von Menschen im Westen, die auf die Straße gehen, um gegen die verschiedenen Kriege gegen den Terror zu demonstrieren? Nein, es gibt eindeutig viele Menschen, die sich kümmern.

Das Problem ist, dass ihr Einfluss minimal ist, und das ist es, was ich heute betrachten möchte.

Sind Fakten und Wahrheit überflüssig geworden?

Ich bezweifle, dass es hier viele Leser gibt, die nicht bereits darüber Bescheid wissen, dass Kennedy nicht von einem „Einzeltäter“ erschossen wurde. Ebenso kennen wir alle die Wahrheit über den Zwischenfall im „Golf von Tonkin“. Dann gibt es jene, die erkannt haben, dass am Angriff auf Pearl Harbor etwas arg faul war. Einige erinnern sich sogar an die USS Liberty. Die meisten Spezialisten wissen über GLADIO Bescheid. Und ich könnte weitermachen. Tatsache ist, dass die meisten der schlimmsten Lügen des 20. Jahrhunderts in der Tat zweifelsfrei aufgedeckt wurden.

Chris Hedges hat es auf den Punkt gebracht, als er vom „Empire of Illusions“ sprach. Er zählt folgende Arten von Illusionen auf: Die Illusion der Belesenheit, die Illusion der Liebe, die Illusion der Weisheit, die Illusion des Glücks und die Illusion Amerika. Das Buch ist hoch interessant und ich empfehle es sehr. Aber ich glaube, dass es einen sehr wichtigen Aspekt des Imperiums als „Imperium der Illusionen“ gibt, und das ist die Illusion der Realität. Was meine ich damit?

Ich meine Folgendes: den meisten Menschen ist bewusst, dass es da draußen irgendeine Art von „Realität“ gibt. Natürlich ist vielen Menschen bewusst, wie schwierig es sein kann, diese „echte Realität“ wirklich zu bestimmen. Daher ziehen sie es vor, vorsichtig zu sagen, dass die Wahrheit ein sehr schwieriges Unterfangen ist. Das sind jene Menschen, die genug wissen um zu wissen, dass sie in Wirklichkeit nicht viel wissen. Aber es gibt da auch jene, die diese Vorsicht falsch interpretieren und meinen, dass es so etwas wie Realität überhaupt nicht gibt und es nur eine Summe unserer subjektiven Wahrnehmungen davon (von der Realität) gibt. Und bald haben wir diesen Verlauf:

– die Realität ist oft sehr schwierig festzustellen

über

– die Realität kann man unmöglich feststellen

zu

– die Realität existiert eigentlich gar nicht (und wenn, dann spielt sie keine Rolle)

Natürlich würden die meisten Menschen nicht direkt sagen, dass die Realität gar nicht existiert – sie tun nur so als gäbe sie sie nicht.

Alles begann vor Jahrhunderten durch eine ganz gewaltige Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit seitens der Führer des Papsttums. Diesen Leuten ging es nur um Macht, und wenn die Religion ihnen die Macht geben konnte, dann war die Religion gut, aber wenn die Religion dem, was die Lateiner tun oder nicht tun konnten, Grenzen setzte (wie etwa während der berühmten „Valladolid-Debatte“), dann wurde die Religion plötzlich zu einem Hindernis, das „reformiert“ werden musste. Und in der Tat, als das ursprüngliche Christentum „reformiert“ wurde (sei es durch die Reform oder die Gegenreformation), brach für den größten Teil der Menschheit die Hölle los, und das Zeitalter des Imperialismus wurde vollständig eingeleitet und das alte Motto „exitus acta probat“ („Das Ergebnis rechtfertigt die Taten“) wurde zum de facto-Maßstab der Moral.

Dann kam der erste Schlag der wissenschaftlichen Revolution in der Spätrenaissance, die dem Papsttum nur noch sehr wenig Glaubwürdigkeit verlieh.

Der nächste Schlag kam während des Zweiten Weltkriegs, als das Papsttum sein allerletztes Hurra kommen und gehen sah, und zwar ziemlich schnell (es dauerte genauso lange wie Hitlers „1000 Jahre Reich“: 12 Jahre). Am Ende des Krieges lag das westliche Christentum in Trümmern, und noch schlimmer war die Tatsache, dass keiner der Sieger des Zweiten Weltkrieges (reformierte Anglos, atheistische Sowjets, Juden – säkulare und nicht-säkulare – usw.) irgendwelche warmen Gefühle für das Christentum übrig hatte (ehrlich gesagt, Hitler und Mussolini auch nicht). Zu diesem Zeitpunkt beschloss das Papsttum, Selbstmord zu begehen, und organisierte das II. Vatikanische Konzil, das die massivste Kapitulation der zuvor als heilig geltenden Werte in der Geschichte sein musste. Dieser unkluge Versuch, „den römischen Katholizismus mit einem menschlichen Gesicht“ zu zeigen, führte zu einem völligen Scheitern. Diejenigen, die das Papsttum hassten, waren unbeeindruckt und mochten es nicht mehr. Was die verwirrten „römischen Katholiken“ (die ich als „Lateiner“ bezeichne) betrifft, so standen sie vor folgendem Rätsel: Wenn der Papst unfehlbar ist (was er nach dem Ersten Vatikanischen Konzil von 1868 ist), wie kann er dann den Lehren seiner eigenen Kirche (ganz zu schweigen von den Lehren seiner vermeintlich unfehlbaren Vorgänger!) so klar widersprechen? Einige erklärten, der Papst sei ein Ketzer, andere erklärten einfach, der „Heilige Stuhl“ sei unbesetzt („Sedevakantismus“), aber die meisten gaben einfach in totaler Abscheu auf (die Sexskandale halfen auch nicht!) und hörten einfach auf zu fragen, „was ist die Wahrheit“?

Wenn eine Kirche, die sich 910 Jahre (fast ein Jahrtausend!) lang selbst zu „Der Kirche“ (alles in Großbuchstaben und unter Ausschluss aller anderen) erklärt hatte, plötzlich so tut, als seien alle Religionen gleichermaßen „wahr“ (das ist logisch unmöglich, aber das ist egal), und wenn ein einst mächtiger „Heiliger Vater“ (und nichts weniger als der Stellvertreter Christi!) nur eine weitere öffentliche Figur irgendwo zwischen Kim Kardashian und Greta Thunberg wird, dann wisst ihr, dass etwas sehr Großes geschehen ist.

Und etwas sehr Schlechtes.

Die Wahrheit ist nicht nur unwillkommen, sie existiert nicht einmal, richtig?!

Beide Weltkriege waren die Manifestation eines immensen Zusammenbruchs der Zivilisation. Der Erste Weltkrieg sah den Zusammenbruch der traditionellen europäischen Monarchien und Imperien. Der Zweite Weltkrieg und seine absolut beispiellose Explosion des Hasses (politisch, klassenmäßig, rassisch, sprachlich, religiös usw.) sah Europa, einst das Zentrum unseres Planeten, einem monströsen (aber auch höchst vorhersehbaren) Blutbad ausgesetzt, das dazu führte, dass zwei nichteuropäische Mächte die Welt in zwei Einflusssphären spalteten (zumindest war das der Plan). Interessanter ist, dass, während nominell „christliche“ Herrscher und Länder nicht offen für den Massenterror eintreten konnten, die „aufgeklärten“ säkularen Menschen überhaupt keine solchen Probleme hatten. Lest einfach Trotzkis brillantes, wenn auch eindeutig satanisches „Diktatur versus Demokratie“ oder Hitlers 5. Kapitel in Mein Kampf (hier auf Deutsch, wenn ihr es könnt!  https://mk.christogenea.org/_files/Mein_Kampf_German.pdf )

Sowohl Dostojewskij als auch Solschenizyn sagten voraus, was unweigerlich mit einer Welt geschehen würde, in der der Nihilismus die Oberhand gewinnt. Dostojewskij fasste das alles sehr einfach zusammen, als er (in den Brüdern Karamasow) schrieb: „Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt“. Die Nihilisten sind einfach logisch zu dem Schluss gekommen, dass, wenn es keinen Gott gibt und alles erlaubt ist, dann existiert nichts wirklich, ganz sicher keine „wirkliche“ (objektive) Realität. Selbst die Begriffe „gut“ und „böse“ sind ohne ein absolutes Bezugssystem absolut bedeutungslos.

Bertrand Russel (und anscheinend auch Voltaire) hat einmal brillant geschrieben, dass „Gott den Menschen nach seinem Bilde erschaffen hat und der Mensch ihm die Gunst erwiderte“. Erstaunliche Worte, wirklich! Wenn wir nicht die Schöpfung Gottes sind, sondern Gott unsere Schöpfung ist, dann macht uns das doch sehr gottähnlich, oder? Und verdienen wir es nicht, als „Götter“ für uns selbst zu definieren, was „gut“ und was „schlecht“ ist? Natürlich verdienen wir es! Wenn das Leben/die Existenz erst einmal keine Bedeutung mehr hat, wie können dann Begriffe wie „gut“ oder „böse“ definiert werden? Und genau das haben wir getan, insbesondere unsere postmodernen Nihilisten des 21. Jahrhunderts!

Zurück zum Ausgangspunkt – Bewertung der „Na und?“-Verteidigung

Ich habe bereits mehrfach die umwerfende Heuchelei der Demokraten erwähnt, die alle auf Trump für seine angebliche „Na und?“-Verteidigung hassen (was übrigens eine falsche Charakterisierung ist – seine Verteidigung war viel solider und logischer), aber absolut keine Probleme mit Leuten wie den Obamas oder, noch besser, den Clintons haben, neben denen Trump fast wie ein Vorbild an Ehrlichkeit, Integrität und einem akuten Sinn für Anstand klingt. Ich meine, wirklich, die Clintons ließen selbst gewalttätige Mafiosi (Italiener oder Juden) rein und unschuldig aussehen. Und wenn sie lügen, ist das absolut keine große Sache. Aber wenn Trump lügt, dann ruft er die Art von blinder, impotenter Wut hervor, die im Evangelium mit den Worten „Weinen und Zähneknirschen“ beschrieben wird. Vielleicht ist es das, worauf sie sich beziehen, wenn sie bei den US-Liberalen von einem „Trump-Derangement-Syndrom“ sprechen?

Die Wahrheit ist einfach: Wir alle wissen, dass Trump gelogen hat. Über den iranischen Gegenschlag und über viele andere Dinge. Wir wissen auch, dass Obama gelogen hat. Und auch Baby-Bush. Und der Clinton und seine geschlechtslosen Zigarren… Und wir erinnern uns an „Lies mir von den Lippen ab, keine neuen Steuern“ genauso gut wie an „Wir haben nicht, ich wiederhole, weder Waffen noch sonst etwas [an den Iran] gegen Geiseln eingetauscht und werden es auch nicht tun„. Also ja, wir erinnern uns.

Es ist uns einfach nicht mehr wichtig.

Wir sind nicht nur gegenüber der Wahrheit, sondern sogar gegenüber der Realität völlig unempfindlich geworden.

Na und, oder?

Und die Konsequenzen sind in der Tat schrecklich!

Fazit: Leben in einer realitätsfreien Welt

Die Tatsache, dass wir, die wir innerhalb des Imperiums leben, in einer realitätsfreien Welt leben, hat einen enormen Einfluss auf die Handlungen unserer Herrscher. Denn wenn niemand wirklich an die Realität glaubt oder sich um sie kümmert, warum sollten sich dann unsere Herrscher darum bemühen, die Realität zu verbessern, insbesondere für uns? Es ist viel, viel, viel einfacher, einfach eine „Wohlfühlbotschaft“ darüber zu präsentieren, wie großartig „Amerika“ ist (wie in „Wir haben das bei weitem mächtigste und am besten ausgerüstete Militär der Welt!„), und dabei ist es egal, dass dieses mächtigste Militär in der Galaxie nicht einmal seine eigenen Soldaten beschützen konnte, obwohl sie genau wussten, wann und wo der iranische Gegenschlag kommen würde.

Natürlich wird mit der Zeit das gesamte von US- und EU-Politikern errichtete Lügengebäude zusammenbrechen, entweder als Folge einer militärischen Niederlage, die nicht zu verbergen ist, oder durch einem großen wirtschaftlichen Schock. Dies wird für diejenigen, die sich dafür entschieden haben, in einer realitätsfreien Welt zu leben, völlig unerwartet kommen.

Understanding why they lie and why they get away with it

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/die-luegen-der-usa-12-02-2020/

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