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Ausland, Europa

Der amerikanische Marrionettenspieler für Europa

von Werner Noskohttps://npr.news.eulu.info

Wer berät eigentlich die Europäische Union in Sachen Wirtschaft? Eine Frage die, kennt man den Namen nicht, weder auf der Webseite der Europäischen Union noch bei Wikipedia beantwortet wird. Und dass, obwohl der Mann bereits seit dem Jahr 2000 Berater der EU ist. Erstaunlich das man in diesem Zusammenhang von diesem durchaus umstrittenen „Berater“ wenig bis nichts hört oder liest.

Geht es nach Rifkin (Mitglied des Think Tank´s Atlantikbrücke) ist Europa das Experimentierfeld für die Globalisierung. Und so hat er mit der EU Großes im Sinn. „Der ganze Kontinent wurde zum Testgelände für das Überdenken von Wirtschaft und Politik und für neue Vorstellungen, wie Menschen miteinander leben können“ Und dies, „weil wir hoffen, dass er das Potenzial hat, der menschlichen Fortentwicklung neue Wege zu weisen.“ In Europa sieht Rifkin „die erste wirklich nachhaltige Wirtschaftssupermacht der Welt“. Der erneute Aufstieg der alten Welt bedeutet für ihn denn auch „das Ende der einen großen menschlichen Reise und den Anfang der nächsten“.[4]

Ich bin, so beschreibt er sich auf seiner Webseite selbst, ein amerikanischer Wirtschafts- und Sozialtheoretiker, Schriftsteller, öffentlicher Redner, politischer Berater und Aktivist. Ich bin Autor von 20 Bestsellern über die Auswirkungen wissenschaftlicher und technologischer Veränderungen auf Wirtschaft, Arbeitskräfte, Gesellschaft und Umwelt. Die Bücher wurden in weitere Sprachen übersetzt.[1]
Foto: Von Heinrich Böll Stiftung from Berlin, Deutschland, Foto by Stephan Röhl – Conference: Countdown to Copenhagen Jeremy RifkinCC BY-SA 2.0Link

Rifkin ist damit ein vielbeschäftigter Mann, neben dem Bücher schreiben berät er schon mal auch die chinesische Regierung um beim Aufbau und der Erweiterung der Infrastruktur für das Internet sowie der Dritten Industriellen Revolution, um eine nachhaltige kohlenstoffarme Wirtschaft zu ermöglichen.[1]

So ist die Liste der von Jeremy Rifkin beratenen europäischen Regierungen lag. Nicht nur China zählen oder zählten zu seinen Klienten, auch wie eingangs erwähnt, die Europäische Union und damit die drei ehemaligen Präsidenten der Europäischen Kommission – Romano Prodi, José Manuel Barroso und Jean-Claude Juncker. Er berät auch Das Europäische Parlament und viele EU-Staatschefs wie Angela Merkel und den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy.

Jeremy Rifkin (links), Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission, und Angela Merkel, Bundeskanzlerin – März 2015 Foto: foet.org

Während ihrer Präsidentschaft in der Europäischen Union  diente er auch als Berater der spanischen Regierung während ihrer Präsidentschaft in der Europäischen Union (1. Januar – 30. Juni 2010) sowie als Berater des portugiesischen Premierministers Jose Socrates, des slowenischen Premierministers Janez Janša während ihrer jeweiligen Ratspräsidentschaft in Fragen der Wirtschaft, des Klimawandels und der Energiesicherheit.[2]

Und man hört unzweifelhaft auf ihn. Den er ist der Hauptarchitekt des langfristigen Nachhaltigkeitsplans der Europäischen Union für die Dritte Industrielle Revolution, um der dreifachen Herausforderung der globalen Wirtschaftskrise, der Energiesicherheit und des Klimawandels zu begegnen. Die Dritte Industrielle Revolution wurde 2007 vom Europäischen Parlament offiziell gebilligt und wird nun von verschiedenen Agenturen innerhalb der Europäischen Kommission sowie in den 27 Mitgliedstaaten umgesetzt.

Rifkins New York Times Bestseller The Third Industrial Revolution lieferte den Entwurf für den wirtschaftlichen Übergang zu einer ökologischen Post-Carbon-Gesellschaft in der gesamten Europäischen Union. Laut The European Energy Review hat „vielleicht kein anderer Autor oder Denker mehr Einfluss auf die ehrgeizige Klima- und Energiepolitik der EU gehabt als der berühmte amerikanische „Visionär“ Jeremy Rifkin“. Mit den Worten des Vizekanzlers und Wirtschaftsministers der Bundesrepublik Deutschland, Sigmar Gabriel, ist Jeremy Rifkin „der ökonomische und ökologische Botschafter des Energiewandels weltweit…. Rifkin stellt ein großes Zukunftsszenario vor: ein visionärer Ansatz, den niemand in den letzten fünfzig Jahren zu wagen gewagt hat, der unser Denken und unsere Orientierung stärken wird“.

The economist Jeremy Rifkin shakes hands with Étienne Schneider, the deputy prime minister and economy minister, during the Luxembourg Sustainability Forum 2016, where Rifkin presented on his “Third Industrial Revolution” Foto: tageblatt.lu

Laut EurActiv ist „Jeremy Rifkin ein amerikanischer Ökonom und Autor, dessen meistverkaufte Dritte Industrielle Revolution wohl den Anstoß für den Übergang Deutschlands zu einer CO2-armen Wirtschaft und Chinas strategische Akzeptanz der Klimapolitik gegeben hat“.

Herr Rifkin ist einer der Hauptarchitekten des langfristigen Plans der Europäischen Union zur wirtschaftlichen Vision und Entwicklung der Dritten Industriellen Revolution, der ein digitales Internet der Dinge in der gesamten Europäischen Union und ihren Partnerregionen einführen soll, um eine intelligente Post-Carbon-Wirtschaft, eine ökologische Gesellschaft und den weltweit größten integrierten Wirtschaftsmarkt zu schaffen. Der Plan heißt „Smart Europe“.[3]

Rifkins Utopien – aus dem Buch „Der europäische Traum“

„Es wäre möglich, dass sowohl Indien als auch China sich zumindest teilweise in halbautonome lokale Regionen aufspalten und dass diese ihre eigenen transregionalen und globalen wirtschaftlichen und politischen Netzwerke etablieren. Beide Nationalstaaten könnten unter dem Druck der Fraktionalisierung auch ganz verschwinden, wobei den jeweiligen Regionen die Aufgabe zufiele, sich in Form transnationaler politischer Unionen ähnlich der EU zu rekonstituieren.“ Hier schreibt ein um die westliche, weiße Vormachtstellung in der Welt bangender Autor. Ganz im Stil des Kolonialismus und Imperialismus wird die staatliche Existenz ausgerechnet jener beiden großen Staaten in Frage gestellt, die als Schwellenländer schon aufgrund ihrer territorialen Ausdehnung und wegen ihrer gigantischen Bevölkerungen westlichen Weltordnungsvorstellungen im Wege stehen.[4]

Jeremy Rifkin trifft sich mit dem chinesischen Vizepremier Wang Yang in Peking, um darüber zu diskutieren, wie China eine weltweit führende Rolle beim Übergang zu einer nachhaltigen dritten industriellen Revolution spielen kann. Foto: cetri-tires.org

Unter Anklage steht der Nationalstaat. „Die Einmischung des Nationalstaats in die Belange seiner Bürger hörte mit der gemeinsamen Sprache und dem einheitlichen Bildungssystem nicht auf. Sein oberster Zweck bestand darin, ein durchrationalisiertes Umfeld zu schaffen, das das freie Spiel der Marktkräfte optimierte. Über alle Bürger musste Buch geführt werden. Geburtsurkunden, Schülerverzeichnisse, Trauscheine, Totenscheine, und Pässe mussten ausgegeben werden. Steuern mussten eingenommen und wieder ausgegeben werden. Stehende Heere mussten trainiert, ausgerüstet, untergebracht und in die Schlacht geschickt werden. Standards mussten her, die von der Qualität des Essens und der Arzneien bis zur Qualität der Umwelt alles regelten. Auch die kulturelle Entwicklung konnte nicht dem Zufall überlassen werden: Museen mussten gebaut werden, und zur Erholung mussten öffentliche Parks angelegt werden. Die Liste wäre endlos.“ Die Menschen des Mittelalters hätten es da besser gehabt, denn „die politischen Institutionen des Mittelalters mischten sich viel weniger in den Alltag ihrer Untertanen ein.“[4]

Was ist nun dran am Europäischen Traum? Weshalb geben sich ihm so viele kluge und belesene Menschen hin? Und warum wird der Autor mit höchsten Ehrungen versehen, in der politischen und akademischen Welt herumgereicht und werden Textstellen aus dem Buch in Reden und Artikel allerlei Prominenter eingestreut? Wäre es möglicherweise anders, wenn die 464 Seiten des Europäischen Traums von den im Hintergrund arbeitenden Medienarbeitern, den Redenschreibern und PR-Experten tatsächlich einmal von vorne bis hinten gelesen werden würde? Schließlich müssten dann zumindest die haarsträubenden Fehler ins Auge fallen, die Rifkin allein bei der Beschreibung der EU unterlaufen und die bereits jeden Studenten, ja jeden Oberschüler scheitern ließen. Bemerkt werden müsste die nicht ernst zu nehmende völkerpsychologische Sicht auf die Ursachen der unterschiedlichen Wege Europas und der USA. Bestimmt würde manch einer nach dieser Lektüre geheilt aus dem Europäischen Traum erwachen. Doch ist zu befürchten, dass Rifkins Kernthesen selbst dann immer noch Verbreitung finden werden, da man an sie glaubt, genauer, da man an sie glauben will.

Zu gut gefällt eben vielen das Bild, das er hier von Europa und vom weiteren Weg der Menschheit zeichnet. Es sind die grün bzw. sozialdemokratisch orientierten Leser von Zeit, Spiegel, Frankfurter Rundschau und taz, denen das von Rifkin geschneiderte europäische Kleid so vorzüglich passt. So wie sie denken, formuliert er. Auch sie sind zutiefst davon überzeugt, dass der Nationalstaat ohne Zukunft ist, dass er von etwas noch Unbestimmten, Größerem Universellem abgelöst gehört, ja, dass er gar einer Weiterentwicklung der Menschheit im Wege steht. Genau dies hämmert auch Rifkin in unzähligen Passagen des Werks seinen Lesern ein. Der Nationalstaat sei des Übels, an seine Stelle müssten nur ominöse Netzwerke und herrschafts- und machtfreie Zivilgesellschaften treten und alles wird gut. Es ist ein neuer, neoliberaler Konstitutionalismus, der sich hier als Ideologie der Globalisierung zeigt. Und eine solche Ideologie wird gebraucht, kann doch keine Wirtschaftsordnung dauerhaft ohne weltanschauliche Grundlage existieren.

Vielleicht sind dies die Gründe warum man die Beratertätigkeit des Jeremy Rifkin nicht gerne an die große Glocke hängt.

Quellen:
[1] The Office of Jeremy Rifkin
[2] Jeremy Rifkin
[3] About Jeremy Rifkin
[4] Der europäische Traum des Jeremy Rifkin

https://npr.news.eulu.info/2019/10/03/der-amerikanische-marrionettenspieler-fuer-europa/

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Der amerikanische Marrionettenspieler für Europa

  1. Und hier nochmal die Karte zu Rifkins schöner neuen Welt mit den Regionen der Herrenmenschen und der Sklaven

    Die Legende zur Karte findert sich ja unter ‚NATO go home‘ von Thierry Meyssan

    Liken

    Verfasst von zivilistin | 20. Februar 2020, 14:11

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