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Ausland, Naher Osten

Das Stolpern in die Katastrophe

von Daniel McAdams – https://www.theblogcat.de

Für außenpolitische Berater und Analysten – und insbesondere für diejenigen, denen sie dienen – besteht eine echte Gefahr, wenn sie sich in einer Blase, einer Echokammer befinden und alle ihre Schlussfolgerungen auf fehlerhaften Eingaben beruhen. Es ist natürlich noch schlimmer, wenn sie glauben, sie könnten ihre eigene Realität schaffen und Ergebnisse erstunken und erlogen sind.

Unter diesen Umständen laufen die Dinge selten wie geplant.

Präsident Trump wurde eine vorteilhafte Rechnung über die Ermordung des verehrten iranischen Militärführers Qassim Soleimani verkauft, wahrscheinlich durch eine Kabale um Außenminister Mike Pompeo und den schon lange diskreditierten Neokonservativen David Wurmser. Der ehemalige Netanyahu-Berater und Irak-Kriegspropagandist Wurmser schickte Berichten zufolge Memos an seinen Mentor John Bolton, während Bolton Trumps Nationaler Sicherheitsberater war (jetzt ist er natürlich der Held des #Widerstands, weil er sich gegen seinen ehemaligen Chef gewandt hat) und versprochen hat, dass die Ermordung Soleimanis eine kostenfreie Operation sein würde, die das iranische Volk gegen seine Regierung katalysieren und den lang erwarteten Regimewechsel in diesem Land herbeiführen würde. Die Ermordung Soleimanis – des Architekten der Niederlage von ISIS – würde „das empfindliche innere Gleichgewicht der Kräfte und die Kontrolle über sie erschüttern, von denen die Stabilität und das Überleben des [iranischen] Regimes abhängt“, schrieb Wurmser.

Wie es bei Neokonservativen meistens der Fall ist, lag er völlig falsch.

Die Operation war nicht kostenfrei. Ganz im Gegenteil. Die Ermordung Soleimanis auf irakischem Boden hatte zur Folge, dass das irakische Parlament – selbst das Produkt unserer „Demokratisierung“ des Landes – für die Ausweisung der US-Truppen stimmte, obwohl die Abstimmung der Volksvertreter von dem Volk, das dem Volk die Volksvertreter brachte, rundheraus abgelehnt wurde. In gewisser Weise.

Trumps Schritt hatte einen Effekt, der dem von den Neokonservativen versprochenen Effekt entgegengesetzt war. Er brachte die Iraner nicht auf die Straße, um ihre Regierung zu stürzen – er katalysierte die Opposition in den verschiedenen politischen und religiösen Fraktionen des Irak gegen die fortgesetzte US-Militärpräsenz und verbesserte die Beziehung des Irak zum Iran weiter. Und abgesehen von einem katastrophalen Krieg, der von den USA (mit wenig oder keiner Unterstützung der Verbündeten) initiiert würde, kann Trump nichts dagegen tun.

Der Vergeltungsangriff des Iran auf zwei US-Basen im Irak wurde von Präsident Trump zunächst nur als ein Nadelstich verkauft. Kein Schaden, kein Foul, keine Verletzungen. Und das, obwohl er von den bei dem Angriff verletzten US-Personal gewusst haben muss. Der Grund für die Lüge war, dass Trump wahrscheinlich versteht, wie verheerend es für seine Präsidentschaft wäre, mit dem Iran zu eskalieren. So begann die Wahrheit langsam herauszutropfen – 11 US-Militärangehörige wurden verletzt, aber es war einfach „wie Kopfschmerzen“. Nun wissen wir, dass 50 US-Truppen nach dem Angriff wegen einer traumatischen Hirnverletzung behandelt wurden. Dies ist vielleicht nicht der letzte Stand – aber rechnet nicht damit, dass die Mainstream-Medien darüber berichten werden.

Die iranische Nachrichtenagentur FARS berichtete zum Zeitpunkt des Angriffs, dass US-Personal verletzt worden sei, und die Reaktion der US-Regierung bestand darin, dieses Medium im Auftrag des US-Finanzministeriums vollständig aus dem Internet zu verbannen!

Heute stimmte der US-Kongress dafür, die Genehmigung für den Krieg gegen den Irak aus dem Jahr 2002 aufzuheben und die Verwendung von Mitteln für einen Krieg gegen den Iran ohne Genehmigung des Kongresses zu verbieten. Es ist ein bedeutender, wenn auch weitgehend symbolischer Schritt, die oft verwendete Entschuldigung der Genehmigung für den Irak-Krieg für eklatant unzusammenhängende Aktionen wie die Ermordung von Soleimani und Obamas Tausende von Luftangriffen auf Syrien und den Irak einzudämmen.

Präsident Trump hat argumentiert, dass ein Verbot von Mitteln für militärische Aktionen gegen den Iran einen Krieg wahrscheinlicher macht, da er von der Art militärischer Nadelstiche wie seinem Angriff auf Syrien nach dem angeblichen Chemieangriff in Douma im Jahr 2018 (Behauptungen, die kürzlich auseinandergefallen sind) ausgeschlossen wäre. Die Logik ist fehlerhaft und spiegelt erneut die Gefahr wider, der eigenen Propaganda zu glauben. Wie wir aus der iranischen militärischen Reaktion auf das Soleimani-Attentat gesehen haben, haben Trumps militärische Nadelstiche eher einen Ratchet-Effekt als einen Druckausgleich oder eine abschreckende Wirkung.

Wie die Analyse der Finanz- und Zeitgeschehnisse auf der Website ZeroHedge vor kurzem feststellte:

Seit den „Tanker-Kriegen“ vom letzten Sommer hat sich Trump mit dem Iran in eine Ecke manövriert und springt von Eskalation zu Eskalation (bis zum jüngsten „großen Punkt ohne Wiederkehr“ durch die Anordnung der Ermordung von Soleimani) – und dennoch darauf zu hoffen, einen gro0en direkten Krieg zu vermeiden. Diese Situation erreichte ihren Höhepunkt, als es „keine Auswege“ mehr gab (Trump hatte nur noch zwei schlechte Optionen: entweder nachgeben oder in den Krieg ziehen).

Die Iraner haben an diesem Punkt wenig zu verlieren, und die europäischen Verbündeten Amerikas haben, wenn auch impotent, genug von der amerikanischen Besessenheit mit Saudi-Arabien und Israel als Grundlage ihrer Nahostpolitik.

Warum also diesen Essay mit einem Foto von Trump eröffnen, wo er seine Totgeburt „Deal of the Century“ für Israel und Palästina feiert? Weil dies wieder einmal ein leichtgläubiger und schwacher Präsident Trump ist, der an der Nase in den kommenden Brand im Nahen Osten geführt wird. Ohne auch nur den Anschein von US-Sympathie für ihre Notlage zu haben, werden die Palästinenser nach der Einführung dieses „Friedens“-Plans erneut feststellen, dass sie außerhalb Syriens, des Irans und des Libanon keine Freunde haben. Während Israel weiterhin mit der Idee flirtet, große Teile des Westjordanlandes einfach zu annektieren, ist es klar, dass die Bremsen jeder israelischen Zurückhaltung, auf eine maximale Kontrolle über das palästinensische Gebiet zu drängen, gelöst sind. Was gibt es also zu verlieren?

Trump glaubt, dass er den Frieden im Nahen Osten vorantreibt, während die ausgezeichnete Webseite Mondoweiss zu Recht feststellt, dass ein Hauptarchitekt des „Friedensplans“, Trumps eigener Schwiegersohn Jared Kushner, „die Palästinenser verspottet. Weil er will, dass sie seinen ‚Friedensplan‘ ablehnen“. Die Ablehnung des Plans ist das grüne Licht für einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser.

Es scheint, dass das Zentrum möglicherweise nicht hält, dass die selbstreferentielle Echokammer, die als „Experten“-Analyse des Beltway gilt, erneut überrumpelt wird. Das ist der folgenlose Beruf der neokonservativen Außenpolitikanalyse. „Mensch, das haben wir nicht kommen sehen!“ Aber am nächsten Tag stehen sie wieder als große Experten in den Fernsehstudios.

Wolken ziehen auf…

 

http://ronpaulinstitute.org/archives/featured-articles/2020/february/01/stumbling-into-catastrophe/

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/das-stolpern-in-die-katastrophe-01-02-2020/

Diskussionen

4 Gedanken zu “Das Stolpern in die Katastrophe

  1. Zitat : „Wie die Analyse der Finanz- und Zeitgeschehnisse auf der Website ZeroHedge vor kurzem feststellte.“
    Die Webseite ZeroHedge wurde nun von twitter dauerhaft ausgeschlossen. Wir sollten nicht mehr ignorieren, US-Firmen wie twitter sind Instrumente der US-Oligarchie.

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    Verfasst von aufstehenpotsdam | 12. Februar 2020, 9:51
  2. man sollte auch nich zuviel Panik machen,…allmächtig ist der US-Pleitestaat auch nicht, ..50 % seiner Stärke besteht nur aus Hollywood-Propaganda

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    Verfasst von tom | 11. Februar 2020, 22:21
  3. die Perser haben den Soleimani-Mörder CIA- d.Andre schon ins jenseits geschickt +den Amis deutlich gezeigt, dass sie alle ihre stützpunkte in der region vernichten können – nur die sprache verstehn die..-insofern positiv und keine „katastrophe , ..siehe auch Nordkorea, was den Amis die grenzen aufzeigte…seitdem ist erstmal Ruhe

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    Verfasst von tom | 11. Februar 2020, 22:20
  4. Für die Perser ist das doch alles kalter Kaffee

    ‚ dass er, wenn er den Halys überschreite, „ein großes Reich“ zerstören werde ‚

    https://de.wikipedia.org/wiki/Krösus

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    Verfasst von zivilistin | 11. Februar 2020, 16:49

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