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Ausland, Naher Osten

US-Angriff in Bagdad: „Aggressiver Akt gegen den Irak führt zu Krieg im Irak und der Region“

von Thomas Röper – https://www.anti-spiegel.ru

Am Golf droht eine weitere Eskalation nachdem die USA den höchsten iranischen General in Bagdad bei einem gezielten Drohnenangriff ermordet haben. Wie kam es dazu und was können die Folgen sein?

Wie immer ist es wichtig, die Chronologie anzuschauen, um zu verstehen, was vor sich geht. Dass es die ganzen Probleme im Irak gar nicht gäbe, wenn die USA das Land nicht 2003 völkerrechtswidrig zerstört hätten, ist klar. Seit dem herrscht dort Krieg.

Am 27. Dezember gab es bei der irakischen Stadt Kirkuk einen Angriff von Milizen auf einen Stützpunkt, bei dem ein US-Söldner getötet und einige irakische und amerikanische Soldaten verletzt wurden. Das war für die USA ein Grund, am 29. Dezember einen „Vergeltungsangriff“ zu fliegen und mindestens 25 Mitglieder der schiitischen Milizen zu töten.

Nun sind wir es im Westen gewöhnt, dass unsere Medien einen Riesenaufriss machen, wenn ein US-Söldner getötet wird, währebd 25 tote Iraker für die westlichen Medien kein Problem sind. Aber für die Iraker schon. Der US-Angriff hat im Land, in dem ohnehin bereits eine sehr anti-amerikanische Stimmung herrscht, zu massiven Protesten geführt. Bei diesen Protesten wurde am Neujahrstag auch versucht, die US-Botschaft in Bagdad zu stürmen.

Obwohl all dies im Irak stattfand, waren für die USA die Iraner an allem Schuld. Dieser Linie ist auch der Spiegel sofort gefolgt und wir schauen uns die etwas abstruse Argumentation gleich näher an.

Aber weil für die USA der Iran Schuld war, haben die USA beschlossen, den höchsten iranischen General zu ermorden und haben daher in der Nacht vom 2. auf den 3. Januar einen Drohnenangriff geflogen. Der General war gerade in Bagdad gelandet und wurde von US-Drohnen direkt auf dem Flugplatz bombardiert.

Das fand die irakische Regierung gar nicht gut, denn er Angriff war nicht abgesprochen oder gar von ihr genehmigt. Und man stelle sich einmal vor, die USA würden einen Drohnenangriff auf den Münchener Flughafen durchführen, weil sie jemanden dort umbringen wollen. Die Begeisterung in Deutschland würde sich in Grenzen halten. Obwohl – Merkel würde wahrscheinlich wieder einmal sagen, dass man darüber Gespräche führen müsste, denn so etwas sei nicht nett unter Verbündeten.

Die Iraker scheinen da etwas weniger geduldig zu sein, denn der amtierende Premierminister des Irak bezeichnete den US-Angriff teilte auf Twitter mit:

„Der Luftangriff auf den Flughafen Bagdad ist aggressiver Akt gegen den Irak und eine Missachtung der irakischen Souveränität. Das führt zu Krieg im Irak und in der Region.“

Man muss wissen, dass der Irak immer enger an den Iran heranrückt, was die USA zu verhindern versuchen. Beide Länder sind mehrheitlich schiitisch.

Nun muss man sich noch einmal vor Augen führen, womit alles begonnen hat: Mit einen kleinen Angriff, bei dem ein US-Söldner (nicht einmal ein regulärer US-Soldat) getötet wurde. Und das haben die USA in weniger als einer Woche so hochgeschaukelt, dass im Nahen Osten nun massive Kriegsgefahr herrscht.

Der Iran droht mit Konsequenzen, was man verstehen kann. Wie würden wohl die USA reagieren, wenn der Iran ihren Stabschef umbringen würde? Das wäre für die USA ein Kriegsgrund. Der Iran wird das sicher nicht auf sich sitzen lassen und nun muss man abwarten, wie der Iran reagieren wird.

Nun ist es die Aufgabe der Medien, dass das deutsche Publikum nicht bemerkt, dass die USA da gerade massiv zündeln und wegen einer – für ein Kriegsgebiet – Bagatelle einen Krieg riskieren. Im Spiegel sah das am 1. Januar so aus, die Überschrift lautete: „Angriffe auf US-Botschaft in Bagdad – Neujahrsgrüße aus Teheran„.

Schon die Überschrift zeigte, wer der Schuldige sei. In der Einleitung stand dann aber zu lesen:

„Für Donald Trump beginnt das Superwahljahr mit einer verheerenden Nachricht: Schiitische Milizionäre attackieren seit Silvester die US-Botschaft in Bagdad. Hinter dem Angriff steckt mutmaßlich Iran.“

„Mutmaßlich“ also. Das bedeutet im Klartext, nichts ist bewiesen. Aber der Spiegel hilft den USA, hier zum Krieg zu trommeln, anstatt eine unabhängige Untersuchung zu fordern und erst einmal zu überprüfen, wer denn verantwortlich ist. Nichts dergleichen im Spiegel, der sich schon lange nur als verlängerter Arm der US-Propaganda sieht. Der Spiegel schreibt daher folgerichtig:

„Hinter dem Angriff steckt mutmaßlich das Regime in Teheran. Zwar erklärte Ajatollah Ali Chamenei, Irans oberster Führer, sein Land habe mit den Ausschreitungen nichts zu tun. „Seien Sie doch mal logisch, was Sie ja nicht sind“, sagte er nach Angaben des Staatssender Irib an Trump gewandt. „Fakt ist, dass die Völker in dieser Region die USA wegen ihrer Verbrechen hassen.““

Für einen Spiegel-Redakteur mag es unvorstellbar sein, dass jemand „die USA wegen ihrer Verbrechen hassen“ könnte. Aber wenn das eigene Land, wie zum Beispiel der Irak, durch einen illegalen und durch nichts zu rechtfertigenden Krieg zerstört worden ist, dann wissen das die Menschen dort und wahrscheinlich hat längst jede Familie auch eigene Opfer zu beklagen. Wenn man sich das vor Augen führt, dann kann man dem Iran kaum widersprechen: Natürlich werden die USA in der Region von den meisten Menschen gehasst, sowohl im zerbombten Irak, als auch im durch illegale US-Sanktionen strangulierten Iran oder in Syrien.

Es ist daher nicht abwegig, dass dort Menschen gegen die USA demonstrieren. Den Abzug der US-Truppen aus dem Irak fordern die Menschen schon lange und auch in der Regierung und im Parlament des Irak wird darüber gesprochen.

Aber für einen Spiegel-Redakteur ist es undenkbar, für ihn muss das iranische Propaganda sein und so formuliert der Spiegel den Text auch.

Interessant ist, wie sich die Schuldzuweisungen gegen den Iran dann im Spiegel-Artikel entwickeln. In der Überschrift gab es an der Täterschaft des Iran keinerlei Zweifel, es war die Rede von „Neujahrsgrüßen aus Teheran“. In der Einleitung war es der Iran dann nur noch „mutmaßlich“. Als der Spiegel dann aber auf seine Begründung kommt, ist plötzlich nur noch von „Indizien“ die Rede:

„Es gibt jedoch Indizien, dass und warum mutmaßlich Iran die gewaltsamen Proteste steuert“

Und diese Indizien sind recht schwach, der Spiegel listet vier Punkte auf und versucht daraus eine Kausalkette zu basteln:

„Am vergangenen Freitag wurden bei einem Raketenangriff auf eine Militärbasis nahe der nordirakischen Stadt Kirkuk ein US-Bürger getötet und vier weitere verletzt.

US-Truppen griffen daraufhin nach eigenen Angaben am Wochenende Einheiten der Kata’ib Hisbollah im Irak und in Syrien an. Fünf Ziele sollen dabei getroffen worden sein, darunter Waffenlager und Kommandozentren.

Bei den Kata’ib Hisbollah, auch Hisbollah-Brigaden genannt, handelt es sich um schiitische Milizen, die von den iranischen Revolutionsgarden kontrolliert werden. Sie sind nicht zu verwechseln sind mit der libanesischen Hisbollah-Miliz.

Die Hisbollah-Brigaden sind Teil der sogenannten Volksmobilisierungseinheiten, einem mächtigen schiitischen Milizenverbund im Irak. Dieser bekämpfte die sunnitische Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) im Zweistromland und hat mittlerweile einen Staat im Staat aufgebaut.“

Der Spiegel unterstellt, dass die schiitischen Milizen im Irak vom Iran gesteuert werden. Das mag sein, nur es gibt erstens keine Beweise dafür und zweitens ist auch die Frage, wie eng denn diese Steuerung ist. Außerdem: Die US-Botschaft wurde nicht von diesen Milizen angegriffen, die in einem ganz anderen Teil des Landes mächtig sind, als in Bagdad. Aber es gibt Hinweise darauf, dass die Milizen etwas damit zu tun haben, wie wir auch im Spiegel lesen:

„Als die Demonstranten am Silvestertag versuchten, die US-Botschaft zu stürmen, bekamen sie dann auch Besuch von hochrangigen Kadern der Volksmobilisierungseinheiten, darunter: Jamal Jafaar Ibrahimi, mächtiger Kommandeur der Hisbollah-Brigaden und Vize-Chef der Volksmobilisierungseinheiten.“

Aber bedeutet der Besuch eines Kommandeurs, dass er hinter dem Angriff auf die Botschaft steht? Und bedeutet das automatisch, dass der Iran das Ganze angezettelt hat? Oder ist es nicht auch denkbar, dass die Iraker von der US-Besatzung und den unverhältnismäßigen US-Angriffen langsam so die Nase voll haben, dass sie auf die Straße gehen?

Man weiß es nicht, aber der Spiegel macht den Iran auf dieser dünnen Indizienkette verantwortlich und rechtfertigt so den US-Angriff auf den Flughafen von Bagdad, bei dem einen Tag später der höchste iranische Soldat getötet wurde, was wiederum die Kriegsgefahr in der Region massiv erhöht hat.

US-Angriff in Bagdad: „Aggressiver Akt gegen den Irak führt zu Krieg im Irak und der Region“

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