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Ausland, Naher Osten

Das ohrenbetäubende Schweigen der Medien zu den neuesten WikiLeaks-Veröffentlichungen ist an sich schon ein Skandal

von Caitlin Johnstone – https://www.theblogcat.de

Bild: „Ich steh hier vorm Hauptquartier in Den Haag und kann berichten, dass hier überhaupt nichts los ist. Hier gibt’s überhaupt nichts zu sehen. Zurück ins Studio!!“

Es wird wirklich sehr sehr seltsam.

WikiLeaks hat eine Reihe weiterer geleakter interner Dokumente der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) veröffentlicht und dem Berg an Beweisen noch mehr Material hinzugefügt, dass man uns über den angeblichen Chemiewaffenangriff in Douma, Syrien belogen hat. Diese Lüge führte zu den Luftangriffen auf Syrien durch die USA, UK und Frankreich.

Diese neue WikiLeaks-Veröffentlichung beinhaltet eine E-Mail des Kabinettschefs der OPCW, Sebastien Braha (der Berichten zufolge von den Inspektoren der Organisation so verachtet wird, dass er den Spitznamen „Voldemort“ bekam), der einem Tobsuchtsanfall gleicht, weil eine Ingenieur-technische Einschätzung von Ian Henderson herausfand, dass der Douma-Vorfall wahrscheinlich eine Inszenierung war. Braha wurde dabei ertappt, dass er OPCW-Mitarbeiter angewiesen hat, aus dem Sicherheitsregister der Organisation „jedwede Spuren davon aus Registratur/Speicherung/was auch immer zu beseitigen“.

@wikileaks: Aufzeichnungen aus einem OPCW-Meeting mit auf Chemiewaffen spezialisierten Toxikologen: „die Experten kamen in ihrer Stellungnahme zu dem Schluss, dass es keinen Zusammenhang zwischen den Symptomen und einer Chlor-Exposition gab.“

https://wikileaks.org/opcw-douma/#OPCW-DOUMA%20-%20Release%20Part%204

Die Veröffentlichung beinhaltet auch Protokolle einer Toxikologie-Sitzung mit „drei Toxikologen/Klinischen Pharmakologen und einem bioanalytischen und toxikologischen Chemiker“, alle vier sind Spezialisten für Chemiewaffen-Analysen.

„Bezüglich der Übereinstimmung der beobachteten und der berichteten Symptome der angeblichen Opfer zu einer Exposition mit Chlorgas oder ähnlichem, kommen die Experten in ihren Stellungnahmen zu dem Schluss, dass es keinen Zusammenhang zwischen den Symptomen und einer Chlor-Exposition gab“, heißt es in dem Dokument.

Gemäß den geleakten Protokollen des Toxikologie-Meetings bot der Chef-Experte „die Möglichkeit des Ereignisses als ein Propaganda-Unternehmen“ als eine mögliche Erklärung für den Zwischenfall in Douma an. Die anderen OPCW-Experten stimmten überein, dass die „Hauptbotschaft“ des Meetings war, dass „die beobachteten Symptome nicht mit einer Exposition mit Chlor oder mit anderen offensichtlichen Kandidaten übereinstimmten, die jene Symptome verursacht haben sollen, die identifiziert wurden.“

Wie all die vielen, vielen, vielen anderen Leaks, die zu dem Douma-Zwischenfall aus der OPCW heraus gesickert sind, so wurde nicht eine der wichtigen Informationen in die von der OPCW veröffentlichten Berichte zu der Sache aufgenommen.

Corbettreport: Der Duma-Schwindel: Anatomie einer False Flag

Gemäß dem im März 2019 veröffentlichten Abschlussbericht der OPCW hat das Untersuchungsteam „hinreichende Gründe gefunden, dass der Einsatz einer giftigen Chemikalie als Waffe stattgefunden hat. Diese giftige Chemikalie enthielt reaktives Chlor. Die giftige Chemikalie war vermutlich molekulares Chlor.“

Wir wissen jetzt, dass diese „hinreichenden Gründe“ mehr Löcher enthielten als ein von einem Erschießungskommando hingerichtetes Spaghetti-Sieb. Dies ist eine extrem wichtige Information zu einem ungelösten Kriegsverbrechen, das mehrere Dutzend Zivilisten das Leben kostete und zu einer kriegerischen Handlung führte, die die Steuerzahler zig Millionen Dollar kostete und weitreichende geopolitische Folgen hatte.

Verrückterweise hatten die Massenmedien über diese extrem nachrichtenwürdige Story nichts zu sagen.

Eine Google-Suche zu dieser Story liefert einen Artikel von RT, von Al-Masdar News und ein paar Einträge von alternativen Medien, von denen ihr bestimmt noch nie gehört habt, etwa UrduPoint News und People’s Pundit Daily.

Damit das klar ist: Das ist Irrsinn. Die Tatsache, dass eine extrem wichtige Nachricht mit enormen geopolitischen Konsequenzen in keinem Medium des Mainstreams irgendeine Berichterstattung erhält, das ist grotesk aberwitzig.

Bis zu den OPCW-Leaks machten die Veröffentlichungen von WikiLeaks immer Schlagzeilen. Jeder erinnert sich, wie der Nachrichtenzyklus 2016 von den geleakten E-Mails der Demokratischen Partei bestimmt worden ist. Sogar die relativ kleine WikiLeaks-Veröffentlichung im letzten Jahr über ICE-Agenten (Anm.d.Ü.: eine Einwanderungs/Grenzkontrollbehörde), mit Informationen, die bereits bekannt waren, erhielt von den großen US-Zeitungen Washington Post, Newsweek und USA Today Schlagzeilen. Aber jetzt gibt es über diese weitaus wichtigere Story überhaupt keine Berichterstattung.

Die Grabesstille der Massenmedien zum OPCW-Skandal wird zu einem eigenen Skandal, gleichbedeutend oder sogar von größerer Bedeutung als der OPCW-Skandal selbst. Er öffnet eine ganze Litanei an Fragen, die für jeden Bürger im Westen von gewaltiger Bedeutung sind. Fragen wie: Wie sollen Menschen an einer Demokratie teilnehmen, wenn sämtliche Medien, an die sie sich normalerweise wenden, um informierte Wahlentscheidungen zu treffen, sich hartnäckig weigern, ihnen über die Existenz einer enormen Nachricht wie den OPCW-Skandal zu berichten? Wie sollen die Menschen solche Verschwörungen des Schweigens angehen, wenn es keinen Mechanismus gibt, um die gesamten Massenmedien für ihre Komplizenschaft zur Verantwortung zu ziehen? Und durch welchen Mechanismus vereinen sich all diese Kanäle in dieser Verschwörung des Schweigens?

Einen Einblick in diese letzte Frage können wir zumindest mit den internen Newsweek-E-Mails gewinnen, die der Journalist Tareq Haddad vor zwei Wochen veröffentlicht hat. In den E-Mails wird Haddad von mehreren Newsweek-Redakteuren mitgeteilt, dass sie aus zwei Gründen kein Wort über die OPCW-Leaks veröffentlichen würden: (1) weil keine anderen Kanäle darüber berichteten, und (2) weil die von der US-Regierung finanzierte Märchenmanagementfirma Bellingcat einen lächerlich gefälschten Artikel veröffentlicht hatte, in dem erklärt wird, warum die Leaks nicht berichtenswert sind. Haddad hat inzwischen bei Newsweek gekündigt.

Wir können sicher sein, dass diese Story in den Nachrichtenredaktionen auf der ganzen Welt auf ähnliche Art und Weise gekillt wird, und möglicherweise mit genau den gleichen Entschuldigungen. Solange keine anderen „seriösen“ (d.h. etablierten) Medien über diese Geschichte berichten, kann sie als eine Nicht-Geschichte behandelt werden, indem man eine betrügerische, von der US-Regierung finanzierte Narrativmanagement-Operation als Rechtfertigung benutzt, wenn nötig. Wenn ein Journalist sein Leben ins Chaos und in die Ungewissheit stürzt, indem er kündigt und diese Verschwörung des Schweigens auffliegen lässt, dann können wir sicher sein, dass das Gleiche mit unzähligen anderen passiert, die nicht den Mut und/oder die Fähigkeit haben, das Gleiche zu tun.

Heute weisen viele alternative Medienkommentatoren auf diesen Nachrichten-Blackout in den Sozialen Medien hin.

@MarkAmesExiled: „Unsere furchtlosen Medienwächter halten immer noch eine komplette Nachrichtensperre zu den Leaks der @OPCW-Whistleblower, die den WMD-Angriff in Douma haben auffliegen lassen. Die Leaks zeigen, dass Trump – ebenso wie W. Bush – gefälschte WMDs benutzte, um arabische Länder zu bombardieren – und dann die @OPCW zu erpressen, damit sie die Lügen verhüllen.“

„Die USA haben letztes Jahr wegen eines Chemieangriffs von Assad Syrien angegriffen. Aber offizielle OPCW-Wissenschaftler, die den Vorfall untersuchten, fanden keine Beweise, dass das syrische Militär Chemiewaffen eingesetzt habe. Die Medien haben sich entschieden, diese Story zu ignorieren und ihre eigenen Journalisten zu feuern, die darüber berichten wollten,“ twitterte der Autor und Analyst Max Abrahms.

„Dies ist der VIERTE Leak, der zeigt, wie die OPCW einen Bericht über einen angeblichen syrischen ‚Chemieangriff‘ fabriziert hat“, twitterte der Journalist Ben Norton. „Und die Mainstreammedien der westlichen Konzernmedien schweigen immer noch und zeigen damit, wie autoritär diese ‚Demokratien‘ sind und wie straff sie Informationen kontrollieren.“

„Das Schweigen der Medien zu dieser Story ist an sich schon ein Skandal“, twitterte der Journalist Aaron Maté.

Aber diese Verdrehungsmaschine rattert aus ihrer Achse, um das Schweigen zu normalisieren.

„Überraschung, Überraschung, WikiLeaks hat die nächste E-Mail in dieser Reihe der OPCW-Fragen nicht veröffentlicht, warum Ian Henderson wilde Berichte erschaffen hat.

Diese E-Mail widerspricht ziemlich deutlich den Behauptungen von ‚Alex‘, dass Henderson Teil der FFM (Anm.d.Ü.: Fact Finding Mission) war.

Die Märchen-Jockeys von Bellingcat, etwa der „Senior Investigator“ Nick Waters sind bereits dabei, die Wahrnehmung zu managen, damit jeder glaubt, dass seine eigenen Augen lügen. Waters hat einen Thread auf Twitter, der von allen üblichen Spinmeistern zu Syrien verbreitet wird, die – basierend auf keinerlei Beweisen – behaupten, dass WikiLeaks die Dokumente, die sie haben, selektiv veröffentlichen, um einen falschen Eindruck der Ereignisse in der OPCW zu erzeugen. Waters behauptet fälschlicherweise, dass eine E-Mail von Sebastien „Voldemort“ Braha – jenem Kerl, der im Zentrum des Skandals steht – beweist, dass Ian Henderson nicht Teil der Fact-Finding Mission (FFM) in Douma war, im Widerspruch zu den Behauptungen des anonymen zweiten OPCW-Whistleblowers, der unter dem Pseudonym „Alex“ bekannt ist.

Wie Waters hundertprozentig bekannt ist, war Henderson auf jeden Fall Teil der Douma-Fact-Finding-Mission und eines der FFM-Mitglieder, die tatsächlich nach Douma gegangen sind. Ich habe einen Twitter-Thread zusammengestellt, der die lächerlichen Behauptungen von Waters widerlegt, die ihr hier lesen könnt:

https://twitter.com/caitoz/status/1210717367702966272

Aber kurz gesagt scheint eine willkürliche Unterscheidung zwischen der FFM und dem „FFM-Kernteam“ gemacht worden zu sein, oder was in einer kürzlich durchgesickerten E-Mail, die versucht, Hendersons Einschätzung zu marginalisieren, als „FFM-Alpha-Team“ bezeichnet wird. Henderson ging tatsächlich als Teil der FFM nach Douma, im Gegensatz zu fast allen Mitgliedern des sogenannten „Kernteams“, die bis auf einen Sanitäter ausschließlich in einer anderen Nation (wahrscheinlich der Türkei) operierten.

Natürlich ist die Unterscheidung, ob Henderson „im FFM“ war oder nicht, auch an sich irrelevant und willkürlich, da wir wissen, dass er ein langjähriger OPCW-Inspektor ist, der nach Douma ging und eine Beurteilung beisteuerte, die von der OPCW vor der Öffentlichkeit verborgen wurde.

Diese von den von der US-Regierung finanzierten Propagandisten bei Bellingcat gesponnene Geschichte ist also von oben bis unten gefälscht, aber was ärgerlich ist, ist, dass wir bereits wissen, auf wen die Redakteure in den Nachrichtenredaktionen hören werden.

Es ist absolut verblüffend, wie eng Bellingcat mit den oberen Rängen der Mainstream-Nachrichtenmedien verbunden ist und mit dem öffentlichen Framen (Einordnen) dessen, was in Syrien geschieht. Nur wenige Stunden nach dem letzten WikiLeaks-Drop teilte CNN-Experte Brian Stelter einen Artikel über den Bellingcat-Gründer und ehemaligen Atlantic Council Senior Fellow Eliot Higgins mit, der vor den Gefahren warnt, die von Reportern der alternativen Medien ausgehen, die über nicht ausreichend berichtete Geschichten wie den OPCW-Skandal berichten.

„Wir haben dieses alternative Medien-Ökosystem, das eine Menge Desinformation vorantreibt. Es wird weder von Journalisten noch von jemandem wirklich verstanden, der sich nicht wirklich mit einer sehr kleinen Gruppe von Menschen beschäftigt“, heißt es in dem von Stelter geteilten Auszug in dem ironischen Higgins-Zitat.

Wir haben einen wahnsinnigen Ansturm von Massenmedienexperten erlebt, die dieser von der US-Regierung finanzierten Operation des narrativen Managements unverdiente Legitimität verleihen wollten, und dabei Tweets wie die von Stelter und schwanzwedelnde Lobeshymnen von der New York Times, The Guardian und The New Yorker ausspucken. Diese unverdiente Legitimität wird dann von den Redakteuren genutzt, um zu rechtfertigen, dass sie sich an Bellingcat wenden, um Anweisungen zu erhalten, wie sie über wichtige Informationen über Syrien nachdenken sollen, anstatt ihre eigenen grundlegenden Untersuchungen und Analysen durchzuführen. Es ist eine sich selbst bestätigende Feedback-Schleife, die zufällig sehr bequem für jene Regierung funktioniert, die Bellingcat finanziert.

Es bleibt unbekannt, was genau in den Nachrichtenredaktionen der Welt geschieht, um die Verschwörung des Schweigens über den OPCW-Skandal aufrechtzuerhalten, aber was bekannt ist, ist, dass dieses skandalöse Schweigen allein schon ausreicht, um die Massenmedien für immer vollständig zu diskreditieren. WikiLeaks hat diese Kanäle als die monolithische Propagandamaschine, die sie wirklich sind, aufgedeckt, und sie haben es getan, indem sie einfach ein extrem berichtenswertes Leck nach dem anderen veröffentlicht haben.

Um unsere Wahrnehmung noch härter zu managen, müssen diese Freaks buchstäblich unsere Ohren und Augäpfel konfiszieren.

*

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Media’s Deafening Silence On Latest WikiLeaks Drops Is Its Own Scandal

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/opcw-das-schweigen-der-medien-28-12-2019/

Diskussionen

2 Gedanken zu “Das ohrenbetäubende Schweigen der Medien zu den neuesten WikiLeaks-Veröffentlichungen ist an sich schon ein Skandal

  1. Sie sind eben embedded.

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    Verfasst von Aron | 30. Dezember 2019, 2:49

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