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Debatte, Gesellschaft

Die Hydra des Kapitalismus

von João Romeiro Hermeto – https://kenfm.de

Das Monster Hydra

„Sollte es eine griechische Erzählung darstellen?“, dachte ich mir, als ich neulich das Theaterstück Die Hydra (1) in den Kammerspielen (Bochum) sah. Wenn der Text des Dramatikers Heiner Müller einen Prozess erörtert, indem die Herakles‘ Suche nach dem Monster Hydra tatsächlich einen Weg zu sich selbst — nämlich zu seinem Verhältnis zur Welt darstellt — ist das Prosastück in seiner modernen Inszenierung durchaus treu der griechischen Auffassung geblieben. Dennoch ging sie weit über das klassische Verständnis hinaus, weil der Weg zu sich selbst beziehungsweise das Verhältnis zur Welt in der Gegenwart ein eigentümliches Verhältnis ist. Dies ist keine idealistische, subjektive, ahistorische, kontextlose Erkenntnis der Welt, sondern die konkrete Gegebenheit der immanenten, faktischen Objektivität.

György Lukács beschreibt die ontologische Priorität des Seins über das Bewusstsein wie folgt:

„Die Autos auf der Straße können erkenntnistheoretisch sehr leicht als bloße Sinneseindrücke, Vorstellungen et cetera erklärt werden. Trotzdem: Wenn ich von einem Auto überfahren werde, so entsteht doch nicht ein Zusammenstoß zwischen meiner Vorstellung über das Auto und meiner Vorstellung über mich selbst, sondern mein Sein als lebender Mensch wird von einem seienden Auto seinsmäßig gefährdet“ (2).

Das Theaterstück verweist einerseits auf das Anhäufen der Sachen, der Waren, des Besitztums. Andererseits entsteht eine soziale Disruption durch die Entgesellschaftung, die Atomisierung und das Verfallen in der Nichtigkeit des Einzelnen — aber keineswegs des Individuums, das nur durch die und innerhalb der Gesellschaft existieren kann — und Stummheit. Das Gespräch wird zum Monolog. Die Gemeinde erscheint als die Summe vereinsamter Wesen, ein Purgatorium — ein Fegefeuer — seelenloser Seelen.

Joker, der Anarcho-Clown

Dann fiel es mir ein: Fünf Tage zuvor hatte ich den Film Joker (3) gesehen. Das, was wahrscheinlich viele Zuschauer als eine Art Fiktion betrachten, ist stattdessen unter den aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen fast eine Dokumentation der gegenwärtig bürgerlichen Gesellschaft: Die vollkommene Negation der Politik durch die vollendende Gestalt des Kapitalismus als ein Ungeheuer, einem Krebsgeschwür gleich, dessen einzige Moral es ist, an sich und in sich unaufhörlich, hemmungslos zur Unendlichkeit zu wachsen, aber nicht für sich — es hat keinen Willen, bewegt sich wie ein Automat.

Kapitalistische Anarchie der Linken und der Rechten

Der klassisch politische Links-Rechts-Unterschied existiert nicht mehr, sondern bloß ein Anarcho-Medaillon: Auf der einen Seite lehnt die kapitalistische Klasse als Besitzer der Produktionsmittel alles Politische ab mit ihrer neoliberalen Lehre der individuellen Geschichte (4) — nicht bloß ein Paradox, sondern eine ontologische Unmöglichkeit — und der ständigen Negation des Gesellschaftlichen, wo alles sich durch den Zufall — des sogenannten freien Markts — selbst organisiert und ergibt, wo die belobte Individualität in der Praxis verschwindet wie bei dem Heideggerischen „Man“ (5) — ein leeres, durchschnittliches, amorphisches Sein, die perfekte Negation des Politischen.

Auf der anderen Seite erfolgt die restlose Zerstücklung der Nicht-Eigentümer der Produktionsmittel sowie die Umwandlung ihrer gemeinsamen Interessen in angebliche Privatinteressen, sowohl durch die Konsumpolitik — wegen des ständigen Einhämmerns des Neoliberalismus ins menschliche Hirn — als auch durch die Identitätspolitik — der von mir genannte „soziale Neoliberalismus“ —, wo das subjektive Interesse hypostasierend eine Gesamtheit darstellt, als ob die Summe der Teile eine Gesamtheit — im Sinne einer Gesellschaft — bilden könnte.

Es ist so abstrus wie der Gedanke, dass das Hirn wichtiger als das Herz sei, das Herz als die Lungen, die Lungen als das Blut, das Blut als die Leber et cetera et cetera: Der Körper ist eine Gesamtheit verschiedener Elemente, die als einzelne Teile nur eine Relevanz besitzen können, wenn sie von vornherein im Zusammenhang mit der Gesamtheit stehen. Wie der Körper ein Ökosystem ist, so ist es die Gesellschaft.

Entmonopolisierung des staatlichen Gewaltmonopols

Der Joker ist die Verwirklichung des American Psycho (6): Wo der Letztere bloß von Ermordung träumte, um seinem dissonanten Alltag zu entkommen, vollzieht der Erstere den billigen Mord, die bedenkenlose Gewalt, um sich rücksichtlos von dem massiven Druck einer oppressiven Gesellschaft zu „befreien“ — eher im Sinne einer Katharsis, nicht einer Aufhebung seiner Unterdrückungsquelle. Das Mittel, die Strategie und dementsprechend auch die Taktik, den Kontext, die Anderen et cetera berücksichtigt der Täter nicht, weil er selbst eine karikierte Form des Opfers ist und weder Verantwortung für sich beziehungsweise für seine eigenen Handlungen noch für seine Verhältnisse und Beziehungen übernimmt.

Die Entstehung von Batman, dessen Milliardärseltern infolge anarchistischer Umwälzungen ermordet worden waren, erscheint als die Reaktion des Reichen in demselben Kontext. Batman sieht sich als der Gerechtigkeitskämpfer, handelt aber so willkürlich wie diejenigen, gegen die er als Judge, Jury, Executionar kämpft. Obwohl im Diskurs die bürgerliche Gesellschaft auf dem Rechtsstaat (Rule of law) beruht, erreichen und bewahren diejenigen den kapitalistischen Erfolg, die den Rechtsstaat nicht berücksichtigen. Man braucht sich bloß in der Wirklichkeit die meisten großen Unternehmen und Unternehmer ansehen, um dies nachzuweisen.

Doch auch in den fiktiven Geschichten künstlerischer Ausarbeitungen kehrt das Motiv immer wieder. So zum Beispiel im Film Nightcrawler (7). Dort verstößt Louis Bloom, um seine Karriere aufzublasen, gegen jedes journalistische Prinzip, gegen die bürgerlichen Gesetze und begeht selbst verschiedene Verbrechen, um Nachrichten großartiger zu machen, um sich selbst als einen ausgezeichneten Journalisten zu vermarkten: Wesentlich ist ihm sein Karriereaufstieg.

Jeder, der eine minimale Ahnung von Geopolitik hat, weiß, dass Journalisten — Journalisten im Allgemeinen, das heißt nicht jeder Journalist als Einzelner — dieser Praxis täglich frönen, um illegale Kriege als Gerechtigkeitskampf zu begründen, um einen kommerziellen Gegner als einen kriegerischen Feind zu bezeichnen, um Müll als notwendige Produkte fürs menschliche Leben zu verkaufen und so weiter und so fort.

Altgriechische Tragödie der Gegenwart

Gewollt oder ungewollt, bewusst oder unbewusst trägt das Theaterstück Die Hydra eine kraftvolle Botschaft gegen die kapitalistische Gesellschaft. Ähnlich wie Goethes Faust (8), wo sein wissbegieriger Impetus keine Grenze findet; wo seine Vollendung auch seine Negation darstellt, indem er in seiner Endlichkeit nach dem Unendlichen zielt; wo er den Versuch macht, die immanente Beweglichkeit des Wissens in Stillstand zu bringen. Es ist nicht übertrieben, die Parallele mit der Marx‘ Kritik zu ziehen.

Subjektive und objektive Verkehrung der bürgerlichen Gesellschaft

Karl Marx betont sowohl die subjektiven Aspekte dieses Prozesses — die Entfremdung, als die Negation des Selbst, der eigenen Praxis (Arbeit), des Produkts dieser Praxis und der Gesellschaft, indem der Nexus zwischen Individuum und Gesellschaft aufgehoben worden ist — und den Fetischismus als die Verzauberung, die metaphysischen Eigenschaften der Sachen, als ob sie eine eigene Subjektivität besäßen und dadurch eine Selbstständigkeit hätten (9).

Im Kapital bestehen diese psychologischen Widersprüche darin, dass sie durch eine reelle Basis ermöglicht werden, deswegen weist Marx auch auf die objektiven Aspekte hin. Das Kapital — ein gesellschaftliches Verhältnis — ist nichts anderes als die praktische Negation des Selbst durch seine Preisgabe und dementsprechend Aneignung von einem anderen — wegen der subjektiven und objektiven Not, wegen des Imperativs der gesellschaftlich vorhandenen Machtverhältnisse.

Es ist ein ausbeuterisches Verhältnis, in dem sich der eine das nicht-bezahlte Produkt eines anderen aneignet — und aneignen muss, um Kapitalist zu sein —, akkumuliert und wieder überschießt, um diesen Prozess zu wiederholen. Daher stellt das Kapital eine anscheinend ewige unersättliche Kette der Ausbeutung dar, bei der auf der einen Seite die Arbeit die Quelle des Werts und daher des Mehrwerts ist, aber auf der anderen Seite die Natur der Quelle der Arbeitsbedingungen entspricht (10).

Der Verfall des US-amerikanischen Imperiums

Die Störung in den Vereinigten Staaten — die wichtigste kapitalistische Gesellschaft der Welt — wird in dem herausragenden Buch von Chris Hedges America: The Farewell Tour festgehalten (11). Neben seinen krassen journalistischen Begegnungen mit US-Amerikanern legt Hedges die tiefsten Eingeweide einer verfallenenden Kultur frei. Das Buch enthüllt die politischen, wirtschaftlichen und psychologischen Tendenzen, nämlich die historische Bewegung/Verschiebung, die hinter diesen einzigartigen Ereignissen stehen:

  1. eine ewige Kriegswirtschaft;
  2. eine kapitalistische Gesellschaft, die am besten als Unternehmens(-staats-)sozialismus beschrieben werden kann: Kapitalismus für kleine Unternehmen sowie 99 Prozent aller Individuen und Staatssozialismus für die großen Unternehmen und die wohlhabenden Top-1-Prozent;
  3. Debords Spektakel, das Realität und Diskurs ablöst, (12) und
  4. ein totalitärer Unternehmensstaat.

Dies und mehr sind die Symptome einer zerfallenden Gesellschaft, die eine „kollektive Psychose“ (13) verewigt. Die Verzweiflung ist auf ein beispielloses Maß angewachsen: „Rund 44.193 Amerikaner begehen jedes Jahr Selbstmord und weitere 1,1 Millionen Amerikaner versuchen jährlich Selbstmord“ (14).

Entindividualisierung des Individuums und seine Nichtigkeit

Die aktuelle Suche nach dem Monster draußen verweist auf das Monster des Selbst: seine Leerheit beziehungsweise Inhaltslosigkeit, seine Verantwortungslosigkeit. Das sogenannte Individuum wird mit der Entfaltung kapitalistischer Verhältnisse anomisch, zum vollendeten „Man“ — das vollständige Nichts. Oder wie Émile Durkheim schrieb: „Eine Anomie ergibt sich tatsächlich aus dem Mangel an kollektiven Kräften an bestimmten Punkten in der Gesellschaft“ (15), und Lewis Coser kommentiert: „Durkheim war davon überzeugt, dass ohne stabile soziale Bindungen, ohne Soziale Solidarität, Individualismus zum Verfall der Gesellschaft führen würde“ (16).

Die Joker– und die Hydra-Darstellungen sind deshalb zugleich Ausdruck unserer gesellschaftlichen Desintegration.

Quellen und Anmerkungen:

(1) Die Hydra: Adaption von Wolfgang Herrndorfs Bilder deiner großen Liebe, Regisseur Tom Schneider, Musiker und Schauspieler Moritz Bossmann, Michael Graessner, Sandra Hüller und Sandro Tajouri, Bochum 2019.
(2) György Lukács, „Prolegomena zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins“, in Zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins, Band 1, Darmstadt, Neuwied: Luchterhand, 1984, Seite 11.
(3) Joker: Regisseur Todd Phillips, Drehbuch Todd Phillips, Scott Silver, Bob Kane, Bill Finger, Jerry Robinson, Hauptschauspieler Joaquin Phoenix, Canada und Vereinigte Staaten, 2019.
(4) Walter Eucken, Nationalökonomie wozu?, Düsseldorf und München: Verlag Helmut Küpper, 1961.
(5) Martin Heidegger, Sein und Zeit, Tübingen: Max Niemeyer Verlag, 1967.
(6) American Psycho: Regisseur Mary Harron, Buch Bret Easton Ellis, Drehbuch Mary Harron, Guinevere Turner, Hauptschauspieler Christian Bale, Canada und Vereinigte Staaten, 2000.
(7) Nightcrawler: Regisseur Dan Gilroy, Drehbuch Dan Gilroy, Hauptschauspieler Jake Gyllenhaal, Vereinigte Staaten, 2014.
(8) Johann Wolfgang von Goethe, Fausto: Uma Tragédia: Primeira Parte, 1a ed. (São Paulo: Editora 34, 2004); Johann Wolfgang von Goethe, Fausto: Uma Tragédia: Segunda Parte, 1a ed., São Paulo: Editora 34, 2007.
(9) Karl Marx, Marx-Engels-Werke (MEW), Band 40, Berlin: Dietz Verlag Berlin, 1968.
(10) Karl Marx, MEW, Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1962.
(11) Chris Hedges, America: The Farewell Tour, New York, London, Toronto, Sydney, New Delhi: Simon & Schuster, 2018.
(12) Das Debordsche Spektakel ist meine eigene Deutung der Kritik Hedges. Guy Debord, La Société du Spectacle, Paris: Gallimard, 1992; Guy Debord, Commentaires sur la société du spectacle, Paris: Gallimard, 1992.
(13) Hedges, America: The Farewell Tour, Seite 54.
(14) Ebenda, Seiten 88 bis 89.
(15) Émile Durkheim, Suicide: A Study in Sociology, London, New York: Routledge, 1952, Seite 350.
(16) Lewis Coser, „Introduction“, in „Émile Durkheim, On the Division of Labor in Society“, Basingstoke, London: MacMillan, 1984, xiv.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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Bildhinweis: rudall30 / Shutterstock

https://kenfm.de/tagesdosis-16-12-2019-die-hydra-des-kapitalismus/

 

 

Diskussionen

5 Gedanken zu “Die Hydra des Kapitalismus

  1. Na, nun seien Sie doch nicht so militärisch.☺️ Denn der Autor hat ja immerhin den aktuell und gerade im Zusammenhang auch mit der Klimadebatte höchst zentralen Punkt der Vereinzelung hervorgehoben. (Da fällt mir doch gleich der große Stoßseufzer der Erleichterung unserer grün-mittelschichtigen Eltern ein: „Ach, wie schön, daß unsere individualistischen Kids jetzt endlich mal was Gemeinsames machen und alle auf die Straße gehen! So wie wir früher.“) Diskussionswürdig ist allerdings, Vereinzelung als „Individualismus“ zu behaupten. Denn die zu Vereinzelung gehörige Bindungs- und Beziehungslosigkeit ist vielmehr Voraussetzung zur Bildung eines „Kollektivs“ Atomisierter, eben jenes Kollektivs, das als „moderne Massengesellschaft“ bekannt ist. Deren Zugehörige weisen genau ein(1) gemeinsames und dann auch die Kollektivität minimalistisch begründendes Merkmal auf, nämlich eben — jene Vereinzelung! Solche Vereinzelten bilden entgeistete faschistische Massen, die einem Idol zujubeln — Mussolini, Stalin, Mao, Hitler, Greta. Eine Gegenposition müßte sein, Individualität nicht als Vereinzeltheit und als Gegenteil von Kollektivität aufzufassen, sondern als Vielfältigkeit, für welche eine auf Bindung und Beziehung gründende Kollektivität geradezu eine Grundvoraussetzung sein würde: Individualität braucht Stärke, und zu letzterer verhilft ein verbindlich Rückhalt gebendes Kollektiv. Eine Masse Atomisierter vermag dies nicht. Vielleicht kapiern Rubikonsorten das ja doch irgendwann noch.🤣

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    Verfasst von NO_NWO | 20. Dezember 2019, 13:49
  2. Dann doch lieber ‚Lysistrate und die NATO‘ von Hochhuth !

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    Verfasst von zivilistin | 20. Dezember 2019, 6:58
  3. Schon lustig. Autor dreht durch wegen Kapitalismus. Hat aber nur Massenverhungern als Alternative anzubieten. Schon skeisse, wenn man wahnsinnig ist.

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    Verfasst von Dr. Q | 17. Dezember 2019, 18:06
  4. Ja, rührt ans Marxsche Eingemachte, dieser Beitrag. Autoren, die bei dem CO2-faschistischen Magazin Rubikon schreiben, zeigen sich gewöhnlich als äußerst denkschwach; nun, dann ist João Romeiro Hermeto wohl die Ausnahme, welche die Regel bestätigt.☺️ Liest ein der „gebildeten“ Mittelschicht entstammender gewöhnlicher Rubikon-Linker Marx, wird der ihm wie einer jener Bußprediger erscheinen, die den Gläubigen ins schlechte römisch-katholische Gewissen reden, etwa so☺️: „Die unmittelbar händische Arbeit des sich in Warenfertigung und -transport leiblich-natürlich verausgabenden Proletariats schafft all den Reichtum, den DU nichtsnutziger Mittelklasse-Dandy dir mithilfe der systemimmanenten Gewalt gewaltlos aneignest und verfrühstückst! Darum läutere dich und verschreibe dein Leben dem Kampf gegen das Böse, dem Kampf gegen das ausbeuterische Kapital!“ Und so jagen unsere mittelschichtigen Rubikon-Linken dann allem hinterher, das ihnen (und leider auch der Menschheit) zur Selbstkasteiung gereicht — derzeit ganz hoch im Kurs das böse CO2. Nein und nochmals nein! Karl Marx war kein selbst- und lebensfeindlicher Moralist, vielmehr befürwortete er das Streben des Menschen nach Wohlstand und Freiheit. Sein wissenschaftlicher Platz ist inmitten der großen Genies seines Jahrhunderts; im übrigen aber war er ein vollauf nichtsnutziger Angehöriger der gehobenen Mittelschicht, der permanent weit über seine Verhältnisse gelebt und seinen begüterten Bewunderern und Gönnern rücksichtslos auf der Tasche gelegen hat. Sein CO2-Fußabdruck muß verheerend gewesen sein. Jeder Bußprediger hätte nach spätesten eineinhalb Minuten begriffen, sich an jenem vor Witz und Humor nur so sprühenden wohlgelaunten Herrn die Zähne ausbeißen zu müssen.☺️ Nicht Ausbeutung ist der entscheidende Makel des Kapitals, sondern Zerstörung der Menschheit. Eben dies macht die Marxsche Analyse der kapitalistischen Produktionsweise begreiflich. Menschheit aber sind WIR ALLE! Jenes die „Ausbeutung“ quantifizierende Marxsche Wertgesetz beschreibt nicht etwa einen moralischen Stein des Anstoßes, sondern einen sehr speziellen Zustand von Kultur, welcher aus einer sehr speziellen Ideologie hervorkommt, nämlich aus dem Geist-Materie-Dualismus in manichäisch-katharischer Variante (GMDmk). Jener letztere erschuf Kapital und Proletariat, erschuf „Entfremdung“, nämlich die scharfe Segregation in „Geist“ und „Materie“, in nichthändische und händische produktive Tätigkeit, in all jene, die vom Profit, und all jene, die vom variablen Kapital zehren. Verrichten denn Profitverzehrende wie eine Lehrkraft, ein Geistes- oder Naturwissenschaftler, ein Verwaltungsbeamter, Ingenieur, Kulturschaffender, Händler, Arzt, Krankenpfleger, Banker, Polizist, Kinobetreiber, Unternehmer, eine Mutter, ein Versicherungsmakler, Supermarktkassierer oder Kapitän eines Vergnügungsdampfers etwa keine Arbeit!? Ja, das Marxsche Wertgesetz verweist auf Ausbeutung. Aber auf eine lediglich vom Kapital ideologisch konzipierte Fiktion von Ausbeutung allein der unmittelbar leiblich-händischen Tätigkeit in Warenfertigung und -transport! Eine Ausbeutung, die sich erst ergeben kann, wenn ein Gesamtzusammenhang gesellschaftlicher Kooperation von jenem GMDmk ideologisch zerrissen worden ist. Das Kapital muß nicht überwunden werden, weil es einige zum Vorteil von anderen ausbeuten würde! Nein, das Kapital muß überwunden werden, weil die es konstituierende Grundideologie dermaßen durchgeknallt ist, daß es UNS ALLE WIRD VERNICHTEN MÜSSEN.

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    Verfasst von NO_NWO | 17. Dezember 2019, 16:21

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