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Inland, Medien

Skandal zum Afghanistan-Krieg: Ob auch die deutsche Regierung lügt, interessiert den Spiegel nicht

von Thomas Röper – https://www.anti-spiegel.ru

In den USA wurde ein Bericht bekannt, der detailliert aufzeigt, wie schonungslos und vorsätzlich die Öffentlichkeit über den Afghanistan-Krieg belogen wurde. Der lammfromme Artikel, den der Spiegel darüber veröffentlicht hat, lässt einem fassungslos die Haare zu Berge stehen.

Am 11. Dezember hat der Spiegel einen Artikel abgeliefert, der ihn als das entlarvt, was ihm seine Kritiker schon lange vorwerfen: Als Instrument transatlantischer Kriegspropaganda, das mit kritischem Journalismus so wenig zu tun hat, wie ein Mastschwein mit Stabhochsprung! (Sorry, anders kann ich das nicht ausdrücken, das musste raus, ich werde nun sachlich aufzeigen, warum ich dieser Meinung bin)

Am 9. Dezember hat die Washington Post einen sehr langen Artikel über den Afghanistan-Krieg veröffentlicht. Der Grund war, das die Zeitung einen dreijährigen Rechtsstreit gewonnen hatte und nun geheime Papiere auswerten konnte. Dabei handelte es sich um interne Interviews der US-Regierung, die eine Kommission mit hochrangigen Beteiligten und Entscheidungsträgern des Krieges gemacht hat, die aber nie zur Veröffentlichung gedacht waren. Die Interviewten haben also offen gesprochen und so wurde offensichtlich, dass die Entscheidungsträger auch auf höchster Ebene (inklusive Sicherheitsberater im Weißen Haus und Verteidigungsminister) wussten, dass der Krieg nicht zu gewinnen war und ist. Der Öffentlichkeit wurde in den USA – genauso, wie in Deutschland – stattdessen vorgelogen, alles laufe gut. Es sei schwierig, aber man verzeichne Erfolge und sei auf einem guten Weg, den Krieg zu beginnen.

Ich habe den Artikel der Washington Post übersetzt, weil ich ihn zu wichtig fand, um nur in einer Zusammenfassung zu schreiben, Sie finden die Übersetzung hier.

Der Krieg dauert nun schon 18 Jahre und ein Ende ist nicht abzusehen. Es ist damit der längste Krieg in der Geschichte der USA und – nach dem 30-jährigen Krieg – auch der längste Krieg in der Geschichte Deutschlands. Damit sollte jeder nur halbwegs politisch Interessierte auch ohne den veröffentlichten Bericht zumindest den Verdacht haben, dass die Regierungen der beteiligten Staaten ihre Wähler belügen und gleichzeitig junge Menschen als Kanonenfutter in einem sinnlosen und nicht gewinnbaren Krieg verheizen. Auch deutsche Soldaten sind von dort bereits im Sarg oder schwer verwundet zurückgekehrt.

Der Spiegel berichtet über den sehr langen Artikel der Washington Post nur recht knapp. Dabei werden die Kernaussagen auch durchaus korrekt wiedergegeben, mehr aber auch nicht.

Was ist daran zu kritisieren?

Nun, Journalismus soll die Regierung kontrollieren, die deutschen „Qualitätsjournalisten“ bezeichnen sich gerne als „viert Macht im Staate“. Da die Spiegel-Redakteurin, die ja die Kernaussagen korrekt wiedergibt, sie den Original-Artikel also offensichtlich gelesen hat, habe ich eine Frage.

In dem Original-Artikel stehen folgende zwei Sätze, die für deutsche Journalisten entscheidend sein und sie elektrisieren müssten:

„Die Mitarbeiter von „Lessons Learned“ befragten mehr als 600 Personen mit Erfahrungen aus erster Hand in dem Krieg. Die meisten waren Amerikaner, aber SIGAR-Analysten reisten auch nach London, Brüssel und Berlin, um NATO-Verbündete zu interviewen.“

Als kritischer Journalist eines „Nachrichtenmagazins“ würde ich mir sofort den Bericht anschauen und fragen, wer denn in Berlin interviewt wurde und was die Leute dabei gesagt haben. Immerhin reden wir nicht nur von einem Skandal in den USA, er betrifft auch Deutschland. Und wenn die deutsche Regierung und ihre für den Afghanistan-Krieg verantwortlichen Mitarbeiter auch wussten, was die anderen Interviewten wussten, dann haben wir einen handfesten Skandal auch in Deutschland. Das würde nämlich bedeuten, dass die deutsche Regierung wissentlich deutsche Soldaten in den Tod geschickt hat in einem Krieg, von dem alle Verantwortlichen wussten, dass er sinnlos und nicht zu gewinnen ist. Es würde vielleicht auch die betroffenen Soldaten interessieren, dass sie nur benutzt wurden und dass sie völlig sinnlos ihr Leben und ihre Gesundheit riskiert haben.

Es gibt also reichlich auch Aufklärungsbedarf in Berlin.

Aber davon weiß der Spiegel-Leser nichts, denn der Spiegel verschweigt ihm, dass auch deutsche Verantwortliche interviewt wurden. Das erwähnt der Spiegel mit keinem Wort. Es wird nur kurz – aber immerhin einigermaßen korrekt – über einen Skandal in den USA berichtet, aber mit keinem Wort wird darauf hingewiesen, dass der Skandal auch Deutschland betrifft.

Außerdem würde mich interessieren, warum der Spiegel, der eine ganze Redaktion zur Verfügung hat, ganze zwei Tage gebraucht hat, um über den Skandal zu berichten, wenn ich es im Ein-Mann-Betrieb zwei Tage früher tun konnte.

Da muss sich der Spiegel nicht wundern, dass man ihn heute „ehemaliges Nachrichtenmagazin“ nennt, denn mit kritischem Journalismus hat das, was der Spiegel seinen Lesern abliefert, rein gar nichts zu tun. Der Spiegel hat sich als „Nachrichtenmagazin“ disqualifiziert und ist als Klopapier zu teuer, wozu wird er noch gedruckt?

Skandal zum Afghanistan-Krieg: Ob auch die deutsche Regierung lügt, interessiert den Spiegel nicht

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