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Ausland, Nordamerika

Die Online Lieblingstaktik der Anhänger des Establishments: Attackiere die Quelle

von Caitlin Johnstone – https://www.theblogcat.de

Wenn man gegenüber den westlichen Machtstrukturen skeptisch ist und sich irgendwann Online auf eine politische Diskussion eingelassen hat, dann ist einem Folgendes bestimmt schon mal passiert.

Die Argumente gehen hin und her mit einem dieser selbstbewussten Establishment-Typen, die wenig Informationen besitzen, er verbreitet ein zweifelhaftes Mainstream-Narrativ, sei es über Politik, Krieg, Julian Assange, oder was auch immer. Irgendwann macht er eine Feststellung, von der man weiß, dass sie falsch ist – eine öffentlich verfügbare Information, die seine Behauptung entkräftet.

„Jetzt hab ich ihn!“, denkt man sich, wenn man ein Neuling ist. Dann stellt man einen Link zu einem Artikel oder Video ein, der dein Argument in der Diskussion gut mit unabhängigen und beweisbaren Quellen untermauert.

Dann kommt das Unvermeidliche.

„LMAO! Diese Quelle!“ kommt die höhnische Antwort. „Diese Quelle ist Propaganda/Fake News/Verschwörungmüll!“

Oder etwas in der Art. Diese Taktik erlebt man immer wieder, wenn man sich Online an politischen Diskussionen mit Leuten beteiligt, die einem nicht zustimmen. Es spielt keine Rolle, ob man einfach ein Interview mit einer öffentlichen Figur verlinkt, die das sagt, was man zuvor behauptet hat. Es spielt keine Rolle, ob man die WikiLeaks-Veröffentlichung eines verifizierten authentischen Dokumentes verlinkt. Solange man nicht zu CNN/Fox News verlinkt (je nachdem was die bevorzugte Ideologie des Establishment-Befürworters ist), schreien sie „Fake News!“ oder „Propaganda!“ oder „Russland!“ – als würde das an und für sich schon wie durch ein Wunder dein Argument entwerten.

Und natürlich tut es das nicht. Was sie tun, nennt man „die Quelle angreifen“, auch bekannt als „ad hominem“ (Anm.d.Ü.: siehe „argumentum ad hominem“) und ist ein grundsätzlicher logischer Fehlschluss.

Die meisten Menschen kennen den Begriff „ad hominem“, aber sie denken dabei für gewöhnlich an persönliche Beleidigungen gegen Menschen. Was es tatsächlich bedeutet: Die Quelle des Arguments anzugreifen anstatt das Argument an sich, auf eine Art und Weise, die den Umgang mit der Frage vermeidet, ob ein Argument an sich wahr ist oder nicht. Es handelt sich um einen logischen Fehlschluss, weil es benutzt wird, um absichtlich eine logische Schlussfolgerung der Debatte zu verschleiern.

„Ein ad hominem ist mehr als eine Beleidigung“, erklärt David Ferrer von The Quad. „Es ist eine Beleidigung, die als Argument oder Beweis für eine Schlussfolgerung benutzt wird. Verbale Angriffe gegen Menschen beweisen nichts über die Wahrheit oder Falschheit ihrer Behauptungen.“

Diese Aussage kann so aussehen: „Behauptung X ist falsch, weil die Person, die es gesagt hat, ein Idiot ist.“ Aber sie kann auch so aussehen: „Behauptung X ist falsch, weil die Person, die es gesagt hat, ein Propagandist ist.“ Oder so: „Behauptung X ist falsch, weil die Person, die es gesagt hat, ein Verschwörungstheoretiker ist.“

@snarwani:

„Ich denke nicht, dass @bellingcat weiß, was auf sie zukommt, jetzt wo @caitoz sich dem Fall angenommen hat. Das werden ein paar lustige Monate, bis Bellingcats gesamtes Bullshit-Narrativ zu #Syria Chemiewaffen zusammenbricht. Hier ist Caitlins erster Hieb: https://medium.com/@caityjohnstone/narrative-managers-faceplant-in-hilarious-opcw-scandal-spin-job-6710730cda01

Ob jemand ein Idiot, ein Propagandist oder ein Verschwörungstheoretiker ist, das ist ohne Bedeutung für die Frage, ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht. In meinem letzten Artikel habe ich die Meinungsmache der Narrativmanagementfirma Bellingcat über den OPCW-Skandal zerlegt. Ich habe darauf hingewiesen, dass Bellingcat von imperialistischen Regimewechsel-Operateuren wie dem National Endowment for Democracy finanziert wird, was wichtig ist, denn es zeigt den Lesern, wo diese Organisation herkommt. Aber wenn das mein einziges Argument gewesen wäre, so wäre das immer noch nur ein ad hominem Angriff, denn es würde nicht die Frage angehen, ob das, was Bellingcat über den OPCW-Skandal schrieb, wahr ist oder nicht. Es wäre ein logischer Fehlschluss. Zu beweisen, dass sie Propagandisten sind, beweist nicht, dass das, was sie in dem bestimmten Fall sagen, falsch ist.

Um die Meinungsmache von Bellingcat tatsächlich zu widerlegen, musste ich zeigen, dass sie ein schlechtes Argument mit schlechter Logik gemacht haben. Ich tat das, indem ich die Art und Weise herausgestellt habe, wie sie pedantische Wortspiele benutzten, um es so aussehen zu lassen als wären die explosiven Leaks über die Ermittlungen der OPCW zu einem angeblichen Chemiewaffenangriff in Douma, Syrien, ohne Bedeutung. Ich musste zeigen, wie Bellingcat tatsächlich niemals die wirklichen Bedenken über die geleakten internen E-Mails der OPCW adressiert hat. Etwa die extrem niedrigen Werte von Chlorverbindungen am Tatort und Symptome von Patienten, die nicht mit einer Chlorgasvergiftung übereinstimmen. Und auch die Tatsache, dass die OPCW-Ermittler nicht den Eindruck haben als würden ihre Bedenken ernst genommen und sie deshalb ihre eigenen Organisation verpfeifen.

Und, um das festzuhalten: Der Chefinstruktor/Forscher von Bellingcat hat auf meine Argumente geantwortet, indem er mich als Verschwörungstheoretikerin bezeichnete. Ich persönlich betrachte das als einen Sieg.

Die korrekte Antwort auf jemanden, der eine Quelle oder eine Person angreift, die man zitiert, anstatt das wirklich vorgebrachte Argument anzugreifen, lautet: „Sie attackieren die Quelle anstelle des Arguments. Das ist ein logischer Trugschluss, und wird nur von Menschen angewendet, die das Argument selbst nicht angreifen können.“

Die Forderung, man dürfe nur Medien des Mainstream-Establishments verwenden, wenn man gegen Narrative des Establishments argumentiert, das ist an sich schon eine sich selbst widersprechende Position, denn Establishment-Medien berichten ihrer Natur nach nicht über Fakten gegen das Establishment. Soll heißen: „Man darf die Macht des Establishments nur kritisieren, wenn man Medien benutzt, die niemals die Macht des Establishments kritisieren.“

@TheOliverStone:

„Kein Prinzip ist einen Atomkrieg wert. Diese ehrliche Reporterin, @caitoz, die keiner Ideologie oder Spezialinteressen anhängt, sagt es wie es ist, nicht wie es die MSM sehen wollen – https://consortiumnews.com/2019/11/19/25-times-trump-has-been-dangerously-hawkish-on-russia/

Viel Glück dabei, wenn ihr eine Zusammenstellung der gefährlichen Eskalationen von Trump gegen Moskau finden wollt, wie ich sie neulich beschrieben habe (Anm.d.Ü.: siehe obigen Link). Weder Mainstream-Liberale noch Mainstream-Konservative sind an der Verbreitung dieses Narrativs interessiert, somit existiert es in der Blase der Mainstreaminformationen einfach nicht. Jeder Punkt, den ich in meinem Artikel aufgelistet habe, ist unabhängig verifizierbar und stammt aus separaten Berichten aus den Mainstreammedien, Wenn man jedoch diese Artikel in einer Debatte mit einem Anhänger des Establishments verwendet und wenn sie wissen wer ich bin, dass kommt neun von zehn Mal etwas in der Art: „Haha, Caitlin Johnstone?? Sie ist verrückt!“ Mit verrückt meinen sie natürlich „sie sagt Sachen, die mein Fernseher nicht sagt.“

Man kann auf all die Hyperlinks in meinem Artikel klicken und einzeln verwenden, um sein Argument vorzubringen, aber man kann auch ganz einfach darauf hinweisen, dass sie einen logischen Trugschluss begehen, und dass sie das tun, weil sie das Argument selbst nicht angreifen können.

Das wird sie sehr irritieren, denn über die letzten Jahre hat man den Befürwortern des Establishments eingebläut, dass es vollkommen normal und akzeptabel sei, anstelle des Arguments die Quelle anzugreifen. Die Massenhysterie über „Fake News“ und „russische Propaganda“ hat die Konsumenten der Mainstreammedien zu der nicht hinterfragten Annahme gebracht, dass schon ein Blick in einen RT-Artikel dazu führen wird, dass dein Gesicht wie in jener Szene in „Jäger des verlorenen Schatzes“ zu schmelzen beginnt. Man hat ihnen antrainiert zu glauben, dass es vollkommen logisch und akzeptabel sei, laut „Propaganda!“ zu schreien, wenn man ein vernünftiges Argument oder einen gut belegten Artikel zitiert, der ihre Position entwertet. Oder gar von sich aus herumzulaufen und Menschen als russische Agenten zu bezeichnen, die dem Mainstream-Narrativ widersprechen, das den westlichen Mächten dient.

Aber das ist nicht logisch und es ist auch nicht akzeptabel. Die beste Art, ihrer Taktik aus ihren geliebten logischen Fehlschlüssen zu widersprechen, ist, sie beim Namen zu nennen und dann sollen sie sich mit der kognitiven Dissonanz beschäftigen, die das hervorruft.

@caitoz:

Ich: Dieser Link beweist meine Behauptung.

Imperiumsloyalist: Igitt, DIESE Online-Seite? Sie veröffentlichen Kritik am westlichen Imperialismus!

Ich: Ja. Darum verlinke ich darauf.

Imperiumsloyalist: Nein. Du darfst westlichen Imperialismus nur kritisieren, wenn du auf Seiten verlinkst, die niemals westlichen Imperialismus kritisieren.

Natürlich braucht es hier Fingerspitzengefühl. Denkt daran, dass die alternativen Medien wie alles andere sind: es gibt gute und schlechte, sogar innerhalb einer Seite. Also seht zu, dass das, was ihr teilt, solide ist und nicht von irgendeinem Trottel stammt, der haltlose Behauptungen aufstellt. Du kannst nicht einfach einen Link zu einem Youtuber posten, der eine unbegründete Behauptung aufstellt und dann die Person, mit der du debattierst, beschuldigen, er würde die Quelle angreifen, wenn er sie ablehnt. Das, was ohne Beweise vorgelegt wurde, kann ohne Beweise verworfen werden. Und wenn der von euch zitierte Link aus nichts anderem besteht als unbewiesenen Behauptungen von irgend jemandem, von dem sie keinen Grund haben, ihn beim Wort zu nehmen, dann kann er das zu Recht ablehnen.

Wenn jedoch die Behauptungen in dem von euch zitierten Link logisch zusammenhängende Argumente oder gut dokumentierte Fakten sind, die so präsentiert werden, dass Menschen unabhängig voneinander Fakten überprüfen können, dann spielt es keine Rolle, ob man CNN oder Sputnik zitiert. Der einzige Vorteil der Verwendung von CNN, wenn möglich, wäre, dass es euch erlaubt, jenen Teil zu überspringen, in dem sie das Online-Äquivalent ausführen, indem sie sich die Finger in die Ohren stecken und summen.

Erlaubt jenen, die noch schlafen, nicht, diejenigen zu schikanieren, die nicht zum Schweigen gebracht werden. Besteht auf Fakten, Beweisen und intellektuell ehrlichen Argumenten, und wenn sie sich weigern, sie zu liefern, dann nennt es das, was es ist: ein Eingeständnis, dass sie die Debatte verloren haben.

*

Danke fürs Lesen!

Der beste Weg, um die Internet-Zensoren zu umgehen und sicherzustellen, dass ihr das seht, was ich veröffentliche, ist, sich in die Mailingliste für meine Website einzutragen, was euch eine E-Mail-Benachrichtigung für alles verschafft, was ich veröffentliche. Meine Arbeit wird vollständig von Lesern unterstützt, also wenn dir dieses Stück gefallen hat, überlege dir bitte, es zu teilen, mich auf Facebook zu liken, meinen Possen auf Twitter zu folgen, etwas Geld in meinen Hut auf Patreon oder Paypal zu werfen, einige meiner süßen Waren zu kaufen, mein neues Buch zu kaufen: Rogue Nation : Psychonautical Adventures with Caitlin Johnstone, oder mein vorheriges Buch Woke: A Field Guide for Utopia Preppers. Für weitere Informationen darüber, wer ich bin, wo ich stehe und was ich mit dieser Plattform zu tun versuche, klickt hier:

https://medium.com/@caityjohnstone/who-i-am-where-i-stand-and-what-im-trying-to-do-here-4a113e783578

Jeder hat meine uneingeschränkte Erlaubnis, jeden Teil dieses Werkes (oder alles andere, was ich geschrieben habe) in irgendeiner Weise zu veröffentlichen oder zu verwenden, die ihm gefällt, kostenlos.

Attacking The Source: The Establishment Loyalist’s Favorite Online Tactic

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/attackiere-die-quelle-caitoz-28-11-2019/

Diskussionen

4 Gedanken zu “Die Online Lieblingstaktik der Anhänger des Establishments: Attackiere die Quelle

  1. Man darf sich von diesen ‚Verschwörungstheorie‘ Krakelern nicht jeck machen lassen, sie mögen Resourecen haben, aber eben keine Argumente. Der Knüppel ist übrigens älter, als die Kennedy Ermordung. Ich habe dazu mal folgendes zusammengetragen, von Sputnik leider im Datenstrudel versenkt, aber ich weiß es noch zu finden (Sputnik unterstelle ich dabei keine bösen Absichten, nur kommerzielle)

    https://de.sputniknews.com/blogs/20160918312598909-establishment-verschwoerung-bbc-seine-stimme/

    Das Pentagon hatte diesen General Lemnitzer, den JFK nach Europa entsorgt hat, der hat in ‚Experimenteller Philosophie‘ ausgebildet, eine interessante Waffe, der ich in meinem ganzen Philosophie Studium nicht begegnet bin . . . .

    Und zum aktuellen Zustand der gleichgeschalteten Medien habe ich nur zu sagen: Eine gründliche Gehirnwäsche am Anfang* und für den Rest des Lebens reicht täglich Weichspülen mit ARD.

    *via Schulpflicht und weiterer staatlicher Beschulung.

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    Verfasst von zivilistin | 4. Dezember 2019, 7:42
    • Als 1994 ••The Unseen Power — Public Relations, A History•• erschien, war der Autor Scott M. Cutlipp Halter des auf diesem Planeten einzigen Lehrstuhls für die Geschichte der Public Relations. Rund 1000 Seiten voll mit Geschichten und Berichten aus einer anderen Welt, aus jener der Macher eines Dornröschenschlosses mit Namen moderne Öffentlichkeit. Wer Englisch lernen möchte, bitteschön, da lohnt es sich — legt es euch auf den Gabentisch! Und sollte dann noch irgendein Establishment-Fuzzi das Wort „Verschwörungstheorie!!!“ strapazieren, werdet ihr amüsiert lächeln und sagen: ERWACHEN … SIE … AUS … IHRER … TRANCE — JETZT!!!☺️

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      Verfasst von NO_NWO | 4. Dezember 2019, 8:47
  2. Die Portale Kenfm und Rubikon stehen nach eigener Aussage in Kooperation. Rubikon ist ein nicht denkkräftiges und entsprechend intellektuell geschraubtes Propagandaorgan des CO2-Totalitarismus einer hip-linken Mittelschicht — den Kultusministerien sei Dank für die erfolgreiche Dressur von jungen Menschen hin zu demokratischen Staatsbürgern! Prominent bei Rubikon mittuend sind die eitel-klugen Volkserzieher Rainer Mausfeld und Daniele Ganser. Rubikon hat jetzt blank gezogen – kenfm.de/die-planeten-zerstoerer – und stellt sich mit seinem Hauptprotagonisten Mausfeld offen als lebende Antwort auf die Frage vor, wie Adolf Hitler an die Macht kommen konnte. Caitlin würde nun empört sagen: ad hominem! Caitlin steht auf der Liste der von Rubikon präferierten Autoren. Weiß sie das, will sie das??? Auf eine solche Liste gestellt zu werden, DAS ist ad hominem. Sollte der ankommende neue, sich internationalistisch und antirassistisch gebärdende „linke“ CO2-Totalitarismus sich tatsächlich durchsetzen können, wird es zukünftig erneut Generationen geben, welche die Frage stellen werden, wieso „es“ nicht verhindert worden sei — das elendige Hinsiechen und Sterben von Milliarden von Menschen! Jene Generationen würden die Verantwortlichen nicht mehr direkt befragen müssen, das Internet würde Auskunft geben. Der Name Caitlin Johnstone würde dort zu finden sein. Falls es das Internet dann noch geben wird. Und falls man sich mit einer bestimmten Art von Gestalten dann überhaupt noch beschäftigen wollen wird.😀

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    Verfasst von NO_NWO | 3. Dezember 2019, 12:28

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