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Ausland, Naher Osten

Die Assad-Interviews (1)

von Michael Winkler – https://yourmediaagencypressdotcom.wordpress.com

Der neue Stolz Syriens auf den erfolgreichen Kampf gegen Terror und Fremdherrschaft

Am 11. und 15. November hat Präsident Assad den russischen Medien Russia Today (RT) und Russia24 umfangreiche Interviews zur aktuellen Lage in und um Syrien gegeben. Tage zuvor besuchte er überraschend die syrische Armee (SAA) an der heiß umkämpften Idlib-Front. Es ist das erste Mal seit Kriegsbeginn 2011, dass Assad derart offensiv und optimistisch an die Öffentlichkeit geht. Und er hat allen Grund dafür. Bis auf Idlib, den Nordwesten und die Gebiete der kurdischen Milizen YPG/SDF im Nordosten ist das Land befriedet. Wenn auch nicht frei von Konflikten und Problemen; unter anderem mit den USA, der Türkei und Israel. Im Land scheint sich nach Jahren wieder so etwas wie Stolz und Hoffnung breit zu machen. Der Wiederaufbau kann beginnen. Die Assad-Interviews könnten zeitgeschichtlich dafür der Startschuss sein.

Die Kontakte, Verbindungen, ja die Freundschaft mit Russland waren noch nie so eng wie jetzt. Da wundert es nicht, dass russische Medien eine privilegierte Position in Syrien einnehmen. Journalisten aus Moskau gehen im Land ein und aus und berichten in zunehmendem Maße nicht nur über militärische Aktionen, sondern auch über Wirtschaft, Soziales und Kultur. Im Europa und Amerika kommt davon nicht viel an. Auch die Assad-Interviews wurden vom Westen als reine Propaganda abgekanzelt. Falsch. Der syrische Präsident hat in einer erstaunlichen Offenheit viele Bewertungen abgegeben, die sonst nur von Geheimdiensten, Diplomaten und Politikern hinter verschlossenen Türen diskutiert werden.

Der Separatismus der „Kurden“

Bis zur türkischen Invasion in Nordostsyrien, die am 9. Oktober 2019 begann, wusste keiner so recht, wie das „Kurdenproblem“ gelöst werden konnte. Es schien als schiebe Damaskus dieses vor sich her. Jetzt zeichneten sich klare Möglichkeiten ab. Assad geht dies mit einer knallharten Kurzanalyse an: Es gibt gar keine „kurdische Region“ in Syrien. Er sagt: „Der Norden und Nordosten Syriens ist eine Region mit arabischer Mehrheit (70 Prozent).“ Die Amerikaner haben die Kurden nur unterstützt und sie „in eine Führungsrolle“ eingesetzt. Dadurch sei der Eindruck entstanden, dies sei eine kurdische Region. Generell habe die Regierung keine Probleme mit den Kurden, weil sie in der Mehrzahl Patrioten sind, die zu Syrien stehen. Assad weiter: „Es gibt jedoch extremistische Gruppen, die im politischen Sinne extremistisch sind“ und Föderalismus und kurdische Selbstverwaltung anstreben. Und Assad benennt an anderer Stelle das Problem genau, es ist die kurdische Partei PYD. Wenn man schon von Föderalismus spreche, so der Präsident weiter, dann stehe dies den Arabern zu, weil sie in dieser Region die Mehrheit bilden. Assad weiter: „Diese Gruppe (PYD, YPG, SDF d.A.) haben separatistische Vorschläge gemacht, die wir niemals akzeptieren werden, nicht heute, nicht morgen, nicht als Staat, nicht als Volk… Wir werden unter keinen Umständen separatistische Vorschläge akzeptieren.“

Diese Äußerungen sind umso bemerkenswerter, weil sie gleichzeitig jede andere Absicht, Syrien zu spalten oder zu separieren, eine deutliche Absage erteilen. Sei es in Idlib, in Afrin, im Rahmen der türkischen Militäraktionen oder in den ölreichen Steppengebieten Nordostsyriens. Nach zehn Jahren Krieg eine klare Ansage auch an all diejenigen, die immer noch glauben, Syrien in die Knie zwingen zu können oder auf Dauer zu zerstückeln.

Wie aber weiter mit SDF, YPG, PYD und Rojava? Assad macht in den Interviews kein Hehl daraus, dass er kein Freund, sondern sogar ein Feind von Erdogan ist. Er plädiert aber dafür, dass das aktuelle russisch-türkische Abkommen unbedingt umgesetzt wird. Warum? „Sie (die bewaffneten Kurden, d.A.) müssen sich zurückziehen, weil sie der Türkei den Vorwand gegeben haben, ihren Plan umzusetzen, von dem sie seit Kriegsbeginn geträumt haben. Sie müssen sich 30 Kilometer zurückziehen“.

Was der extreme Teil der kurdischen Milizen in den letzten zwei Wochen nicht wahrhaben wollte. Bis aufs Messer wurde teilweise gegen das von Erdogan im Rahmen der Invasion eingesetzte Fußvolk (SNA/TFSA) gekämpft, in deren Reihen viele extremistische Islamisten eine neue Heimat gefunden haben Auf beiden Seiten gab und gibt es schwere Verluste. Und die Radikalen in der SDF geben nicht auf, so lange Dollars und Waffen aus den USA und Westeuropa zu ihnen gelangen. Assad ist sich jedoch klar, dass das alles „nicht über Nacht oder schnell“ vonstattengeht. „Milizen kämpfen und treffen ihre Entscheidungen oft chaotisch“. Man habe, so der Präsident weiter, „all diesen Kämpfern“ Angebote gemacht, in die Reihen der syrisch-arabischen Armee aufgenommen zu werden. „Die offizielle Antwort, die wir erhalten haben, war, dass sie nicht bereit sind, sich der syrisch-arabischen Armee anzuschließen, und dass sie darauf bestehen, ihre Waffen in diesen Gebieten zu behalten.“

Die Aggression der Türken

Doch Assad ist sich sicher, dass die „Kurden“ sich letztendlich besinnen werden. Und tatsächlich sind in den letzten drei, vier Tagen zahlreiche YPG-Kämpfer zur SAA (syrische Armee) übergewechselt – wie zum Beispiel in Manbidsch, Kobane und Ain Issa. Dies ist den schweren Verlusten im Kampf gegen die türkische militärische Übermacht sowie der schwindenden US-Unterstützung für diese Region geschuldet; die USA wollen und werden sich auf die ölreichen Gebiete Ostsyriens konzentrieren. Assad weiter zur Eingliederung von SDF/YPG in die SAA: „Wir müssen es weiter versuchen, und wir werden sehen, wie sich die Dinge in den nächsten Wochen entwickeln.“

Sollte das alles funktionieren, komme der nächste Schritt: „Wir werden die Türkei auffordern, mit dem Rückzug zu beginnen.“ Eine frühzeitige kühne Ankündigung des syrischen „Herrschers“ an den „Diktator vom Bosporus“. Letzterem dürfte das vorzeitige Schmunzeln über die ersten Worte aus Syrien im kommenden Jahr jedoch vergehen. Ist die Bedrohung der Türkei durch „terroristische Kurden“ nämlich beseitigt, entfällt auch die Ursache für die Invasion und Okkupation syrischer Gebiete in ganz Nordsyrien. Etwas, was sich Erdogan nicht vorstellen kann, woran Putin, Assad und ihre Getreuen jedoch eifrig arbeiten. Die Befriedung der Nord-Autobahn M4 im südlichen Bereich der so genannten sicheren Zonen in den letzten Tagen durch SAA und russisches Militär (eine logistische Meisterleistung in kürzester Zeit) ist ein gutes Zeichen in diese Richtung. Die gestrigen Gespräche in Kobane zwischen russischer Armee, dem Moskauer Außenministerium und der dortigen kurdischen Verwaltung zeigen, wie es in den kommenden Wochen weitergeht. Assads Ankündigung, die Türkei müsse Syrien wieder verlassen, kommt also nicht von irgendwo her.

Und Assad macht in den Interviews für russische Medien auch keinen Hehl aus seinen Vorbehalten gegen Ankara. Dort denke man „in den Dimensionen der Muslimbrüder und der Osmanen… Niemand glaubt, dass die Türkei drei Millionen syrische Flüchtlinge in dieses Gebiet zurückführen wird. Dies ist ein irreführender humanitärer Slogan.“ Und weiter: „Der eigentliche Grund … besteht darin, sie (die aus Syrien geflüchteten Militanten, d.A.) und ihre Familien in diese Region zu bringen, um eine neue extremistische Gemeinschaft zu schaffen, die der Vision des türkischen Präsidenten entspricht.“ Erdogan ziele darauf ab, Syrien zu destabilisieren, was man klar ablehne. Starker Tobak. Aber Assad legt noch eins drauf und bezeichnet im Gespräch mit den Journalisten Erdogan als „amerikanische Marionette“ und fanatischen „Anhänger der muslimischen Bruderschaft“. Assad: „Das türkische Volk ist unser Nachbar, und wir haben eine gemeinsame Geschichte. Und wir können und werden sie nicht zum Feind machen. Der Feind sind Erdogan und seine Politik und seine Anhänger. Vor allem nachdem er Syrien öffentlich und offiziell angegriffen hat.“

Wer die Assad-Interviews aufmerksam und klaren Verstandes liest, wird verstehen und begreifen, welche Politik in Damaskus heute, in den kommenden Wochen und Monaten, ja Jahren praktiziert wird. Und wer Assad kennt, weiß, dass er nichts einfach so unbedacht von sich gibt. Hinter seinen Aussagen stecken klares Kalkül und detaillierte Absprachen mit den Freunden und Partnern in Moskau. (wird fortgesetzt)

https://yourmediaagencypressdotcom.wordpress.com

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Die Assad-Interviews (1)

  1. Die Kurden sind Bergbauern und waren nie in der Syrischen Wüste zuhause, die sich so gut für die Todesmärsche zur Vernichtung der Armenier eignete. Man betrachte die Karten, wie die Briten das Osmanische Reich aufzuteilen gedachten. Atatürk machte ihnen, mit den Kurden, einen Strich durch die Rechnung. Schon nach drei Jahren verriet Atatürk die Kurden und so gingen sie leer aus.

    Bei allem Gepolter wird übersehen, daß es einen Vertrag zwischen Sy & Tr gibt, daß die Tr Kurdische Terroristen 30 Km weit nach Sy hinein verfolgen darf. In diesem Rahmen bewegt man sich.

    Es gibt allerdings das Problem, wohin mit all den durchgeknallten Moslems aus aller Welt, die der Westen als Söldner für den Krieg gegen Syrien zusammengezogen hat, niemand will sie zurückhaben, Australien nicht, China will seine Uiguren nicht zurück haben etc, aber es will auch niemand so viel Blut an seinen Händen kleben haben, sie alle umzubringen. Erdowahn macht da die Dreckarbeit für den Westen. Daß es ein Terroristenreservat in Nordsyrein geben wird, sehe ich allerdings noch nicht.

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    Verfasst von zivilistin | 30. November 2019, 17:10

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