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Ausland, Medien

Der Aufstieg des Tech-Totalitarismus

von James Kirkpatrick – https://www.theblogcat.de

Über Michael Rectenwalds Buch „Google Archipelago – The Digital Gulag and the Simulation of Freedom“

Das Wall Street Journal hat vor kurzem einen schockierenden Enthüllungsbericht veröffentlicht: Wie Google mit seinen Suchalgorithmen eingreift und deine Ergebnisse verändert (von Kirsten Grind, Sam Schechner, Robert McMillan und John West, 15.11.2019).

https://www.wsj.com/articles/how-google-interferes-with-its-search-algorithms-and-changes-your-results-11573823753?shareToken=st723f356260c8481fb7e4ce2e3a162a17

Darin wird nicht nur enthüllt, dass Google seine Marktbeherrschung auf eine Weise ausnutzt, die Kartell-Fragen aufwirft, sondern dass sie auch Seiten shadowbannen, die „Hass oder Gewalt“ fördern, selbst wenn das „in höflicher oder gar akademisch klingender Sprache ausgedrückt wird“ – d.h., VDARE.com und alle Einwanderungspatrioten. Dies bestätigt die schreckliche Botschaft von Michael Rectenwalds neuem Buch „Google Archipelago: Der digitale Gulag und die Simulation von Freiheit“: Die Kombination aus „Woke“-Kapital und Monopolmacht verwandelt Amerika in ein Freiluftgefängnis.

(Anm.d.Ü.: „Woke“ steht für die „Erleuchteten“, die aufgeklärten Tech-Hipppies und Regenbogenmenschen)

Rectenwald ist ein liberaler Akademiker, der aus der New York University vertrieben wurde, weil er mild gegen den „Pronomen-Krieg“ und die Forderungen der Linken für eine pauschale Anerkennung des Transgenderismus protestiert hat („Ich war ein liberaler NY Professor, aber als ich sagte, dass die Linke zu weit gehe, da nannten mich Kollegen einen Nazi und behandelten mich wie einen russischen Spion“ – RT, 12.11.2019).

(Anm.d.Ü.: Einen ähnlichen Shitstorm hat Jordan Peterson aus ähnlichen Gründen in Kanada über sich ergehen lassen müssen)

In seinem Buch zeigt er, dass die Linke von einer kollektiven Hysterie zerfressen ist, ein Thema, mit dem Leser von VDARE.com vertraut sind, und auch, dass die Ideologie des „kommerziellen Sozialismus“ und das Entstehen des „Internet der Dinge“ es unmöglich machen, einem repressiven System zu entkommen.

Rectenwald erläutert verschiedene Begriffe, die seine Gedanken zusammenfassen – das Titel-gebende Google Archipelago, Big Digital, kommerzieller Sozialismus, Google-Marxismus usw.

„Archipel Google“ ist „das zentralisierte System von Big Digital der kommerziellen Linken“.

-“Big Digital“ sind die „Megadaten-Dienste, die Medien, die Kabel und Internetdienste, soziale Medienplattformen, die Agenten der Künstliche Intelligenz (KI), Apps und das sich entwickelnde Internet der Dinge“ [die zunehmende Fähigkeit und Abhängigkeit normaler Anwendungen, Online betrieben zu werden].

-“Kommerzieller Sozialismus“ ist ein ökonomisches und politisches System, unter dem private Monopole oder private Oligopole anstelle des Staates Konkurrenz ausschalten und jedwede Produktion kontrollieren.

-“Google-Marxismus“ – ursprünglich ein von George Gilder entwickeltes Konzept, der argumentierte, dass Google wie auch Marx davon ausgehen, dass die gegenwärtige Produktionsmethode die letztlich gültige Methode sei, die einzig offene Frage bleibt die Frage nach der Verteilung.

Rectenwald fügt hinzu, dass sich der Google-Marxismus, „gleich dem Sozialismus mit chinesischer Charakteristik“ als staatlich unterstützter Monopolkapitalismus manifestiert, und als „tatsächlich existierender Sozialismus“ für alle anderen (in der Bedeutung der tatsächlich existierenden ökonomischen Bedingungen, nicht in der von „freien Märkten“ oder der „Demokratie“, deren Existenz lediglich behauptet wird).

Das ist eine undeutliche Definition und gelegentlich verbindet er das mit kommerziellem Sozialismus. Aber im Grunde kommt er zu der Einsicht, dass Google den Informationsfluss bestimmt und diese Kontrolle dazu benutzt, seine ideologischen und kommerziellen Ziele voranzutreiben, was oft dasselbe ist.

In der Tat überlappen sich Rectenwalds Gedanken oft gegenseitig, und der wiederkehrende akademische Jargon mag jene Leser, die ihren Foucault nicht gelesen haben, verwirren.

Jedoch sind seine drei Hauptthemen leicht zu identifizieren.

Das erste große Thema: Die Förderung der sozialen Anliegen der extremen Linken durch große Konzerne.

Wie der konservative Vorzeige-Kolumnist der New York Times, Ross Douthat anmerkte, bietet das Woke-Kapital den Konsumenten eher symbolische denn ökonomische Werte. (The Rise of Woke Capital, NYT, 28.02.2018: https://www.nytimes.com/2018/02/28/opinion/corporate-america-activism.html )

Rectenwald nennt dies „rhetorische Placebos anstelle kostspieligerer ökonomischer Zugeständnisse“ – Placebos, die zufälligerweise „die Pläne der Eliten zur Identitätspolitik, Gender-Pluralität, Transgenderismus, laschen Einwanderungsstandards, Zufluchtsstädten („santuary cities“) und so weiter“ unterstützen. Rectenwald vermutet, dies könnte ein Versuch der Konzerne sein, um höhere Steuern und Regulierungen zu vermeiden.

Er vermutet dahinter aber auch eine tiefere ideologische Agenda und zitiert die jüngste, berüchtigte Werbekampagne von Gillette, die Männlichkeit zu dekonstruieren. Es stellt sich heraus, dass der Mitgründer von Gillette, King Camp Gillette (1855-1932) auch ein „sozialistischer Utopist“ war, der gegen die Konkurrenz wetterte und von der Schaffung eines „Weltkonzerns“ träumte.

Und so würden statt der Massen, die die Produktionsmittel übernehmen, die Konzerne ständig fusionieren und letztlich einen „großen Konzernverstand“ schaffen, der ein „Leben auf ewig“ haben würde und „das ganze Wissen aller Menschen“ beinhalte.

Gillettes wilde Träumereien scheinen unheimlich akkurat zu sein, wenn es um das zweite große Thema geht:

Die aufkommende totale Kontrolle über menschliche Informationen im Besitz von Big Tech.

Nutzer geben freiwillig Daten an Konzerne wie Google und Facebook, die diese an Werbetreibende verkaufen können. (Mark Zuckerberg selbst nannte seine ihm vertrauenden Abonnenten „Volldeppen“) Sie kennen uns besser als wir uns selbst.

Gleichzeitig können diese „privaten“ Konzerne auch die Informationen verzerren, die an Nutzer weitergegeben werden und bestimmen, wer auf dem digitalen Marktplatz konkurrieren darf. Und aufgrund der „autoritären Linken“ der Konzerne bedeutet das, dass Konservativen und Patrioten die Plattform entzogen werden kann, Konkurrenten der Establishment-Medien entfernt werden und Big Tech die Kontrolle über den „öffentlichen Raum“ einnehmen kann, auch wenn man technisch gesehen „privat“ ist. Kurzum, Technologiefirmen übernehmen Regierungsfunktionen.

Anstatt dass das Internet die Diskussion öffnet, merkt Rectenwald zu Recht an, erleben wir „das Verschwinden des öffentlichen Diskussionsraums“. Die Rede außerhalb der digitalen Sphäre ist irrelevant. Und wer innerhalb reden darf, das wird durch Firmen bestimmt, die „krasse Doppelstandards, unerhörte Einseitigkeit, politisch motivierte Einordnung von „Fake News“ und manipulierte Algorithmen der Suchmaschinen“ praktizieren.

Mit Rectenwalds treffenden Worten „benehmen sich die Tech-Firmen wie Schiedsrichter in einem Spiel, in welchem sie auch Spieler sind und beim politischen Wettstreit und den Kulturkriegen Partei ergreifen.“

Das bedeutet natürlich auch, dass sie in der Lage sind, Wahlergebnisse massiv zu manipulieren, indem sie den Informationsfluss kontrollieren und unabhängige Stimmen ausschließen. Das könnte bedeuten, dass jede „demokratische Wahl“ im Grunde gefälscht und illegitim ist, weil das Ergebnis von vornherein festgelegt wurde. Wahre politische Macht findet sich nicht im Kongress oder der Wahlkabine, sondern innerhalb der Suchalgorithmen und bei den Moderatoren von Facebook, Google/YouTube, Twitter und Instagram.

Dies ist für die Leser natürlich der relevanteste Bereich, denn VDARE.com und andere Seiten haben direkt die Kosten der Big Tech-Zensur zu spüren bekommen. Tulsi Gabbard greift Big Tech wegen der Kontrolle der Meinungsfreiheit der Amerikaner durch Big Tech direkt an.

Aber Präsident Trump hat wenig unternommen um dieses Problem anzugehen. Ja, der viel diskutierte Ersatz von NAFTA durch den Präsidenten hat Big Tech in Wahrheit zusätzlichen Schutz geliefert, indem Firmen ausdrücklich erlaubt wurde, aufgrund politischer Ansichten zu zensieren. Bei seinem „Gipfel zu den Sozialen Medien“ war niemand vertreten, der tatsächlich verbannt wurde. [Trumps pathetischer ‚Gipfel zu den Sozialen Medien‘, von Gregory Hood, American Renaissance, 16.Juli 2019]

Die Trump-Administration meint es nicht ernst. Aber wenn man in der verbleibenden Zeit nicht ernst macht, dann ist ihre Niederlage 2020 so gut wie sicher.

Das dritte große Thema:

Rectenwald argumentiert, dass wir in ein Zeitalter praktisch unbegrenzter Tyrannei eintreten, weil wir gezwungen sind, in einem digitalen Raum zu operieren, der endlos von linksextremen Radikalen patrouilliert wird.

Anstelle eines „Internets, das speziell für individuelle Meinungen und Befreiung konzipiert wurde“, formt uns das Internet um und verstümmelt Personen so, dass „sie hineinpassen“. Der „Google-Marxismus“ zerstört individuelle Meinungen und schafft eine Schwarmintelligenz.

Das wird sich noch beschleunigen, wenn das „Internet der Dinge“ richtig abhebt und jede Anwendung den Betrieb im Online-Raum benötigt, mit dem „Internet allumfassend, gleichbedeutend mit der weiten Welt“. Wir werden nicht mehr online gehen, wir werden immerzu im Cyberraum operieren.

Das Internet ist nicht eingesperrt“, schreibt Rectenwald, „aber es kann zu einem Gefängnis werden, und wenn wir es losgelassen wird, dann könnte die weite Welt zu einem digitalen Gulag werden.“

Das mag wie eine dystopische Science Fiction klingen. Aber in gewisser Weise ist es dazu bereits gekommen. Im sozialen Kreditsystem Chinas können Personen in der „realen Welt“ zurückverfolgt werden, und die Dienste, die sie benutzen und die Rechte, die sie besitzen, sind abhängig von ihrem Standing innerhalb des digitalen Systems.

Man denke auch an den Drang zu einer bargeldlosen Gesellschaft und dessen Potential für Tyrannei.

Und nun stellt euch vor, wie so ein System in den USA funktionieren würde. Man stelle sich vor: Jedes Mal, wenn man einkaufen will, eine Anwendung benutzt oder sich mit jemandem unterhält, dann hat die andere Person oder Firma sofortigen Zugang zu jenen Informationen, die Facebook, Google und andere „Big Data“ ihnen überlässt.

Bestimmte Personen wären im Grunde vom sozialen Leben abgeschnitten. Technisch gesehen wäre man frei, seine Meinung zu äußern oder ein Geschäft zu betreiben, aber abgeschnitten vom digitalen Marktplatz wären deine gesetzlichen Rechte und wirtschaftliche Möglichkeiten praktisch nicht vorhanden. Es gäbe auch keinen Weg aus dem System, denn jeder und alles, überall, wäre ständig mit dem Netzwerk verbunden.

Rectenwald untersucht die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz, insbesondere die Art, wie solche Systeme sich entwickeln, um das menschliche Verhalten vorherzusagen. Er äußert seine Bedenken nicht nur über die irgendwie fantastischen Aussichten von wild gewordenen „Roboterhorden“, sondern über die eher fundamentale Frage, ob Menschen weiterhin die Entscheidungsfindung den Algorithmen und der KI überlassen werden.

Ganze Industrien und grundlegende menschliche Funktionen könnten vermutlich von der KI effizienter und effektiver ausgeführt werden. Außerdem wäre eine ausreichend entwickelte KI, wenn es um die Verteilung der Ressourcen geht, in der Lage, „Bevölkerungen in einem Ausmaß zu identifizieren, zurückverfolgen, überwachen, algorithmisch steuern, digital verhaften und letzten Endes so zu kontrollieren, dass Stalin oder Mao grün vor Neid geworden wären.“ Eine mögliche Zukunft: eine „fügsame, algorithmisch gelenkte oder sogar algorithmisch diktierte Bevölkerung, eine, die ohne Arbeit ist und wahrscheinlich mit einem universellen Grundeinkommen lebt, da ihre Arbeit nicht benötigt wird.“

Da kommen tiefgründige Fragen auf: Was bedeuten Demokratie, Staatsangehörigkeit oder Identität in so einem System?

Und während das Ganze vielleicht bizarr klingen mag, so bedenke einmal, wie du, der Leser, bereits auf eine Weise lebst, um negative Erwähnungen deines Namens online zu vermeiden. Wir leben bereits in einem System, wo eine einzige Medienattacke, verstärkt durch Firmen der Sozialen Medien, die bestimmte Storys promoten und andere unterdrücken, das gesamte Leben eines Menschen formen kann.

Die alten Bande von Familie, Kirche, Nation und Gesetz sind angesichts eines systemischen digitalen Angriffs nichts wert. Die Fähigkeit einer Person, seinen Job zu behalten, ist bereits schwer von Google-Resultaten abhängig. Was, wenn es keine Ausflüchte mehr gibt? Was passiert, wenn jeder überall die Informationen empfängt, die die Elite einem nahebringen will, selbst wenn es „Fake News“ sind?

Das ist grenzenlose Tyrannei. Es reduziert auch jede Person einfach zu einem Teil eines zentral gesteuerten Systems. Man kann die Gitterstäbe des kommenden digitalen Käfigs bereits erahnen.

Die Lösung? Konservative müssen ihre Opposition gegenüber „dem Staat“ überdenken und die wahre Gefahr für unsere Freiheiten erkennen, diese Gefahr geht von Big Tech aus kommt nicht von Big Government“.

In der Zeit, die noch übrig bleibt, müssen Konservative, die ihren Glauben und ihre Identität wertschätzen, und Progressive, die nicht nur als bloße Konzernpuppen existieren wollen, sich zusammentun, um die Meinungsfreiheit im Netz zu gewährleisten. Es sollte auch mehr systemische Regulierung, wenn nicht gar eine umfassende Zerschlagung der Social Media-Firmen geben.

Wenn wir diese Dinge nicht tun, dann wird das gegenwärtige China wie eine libertäre Utopie im Vergleich zu dem aussehen, was kommen wird.

Und dank Rectenwald können wir nicht sagen, wir seien nicht gewarnt worden.

http://www.unz.com/article/the-rise-of-tech-totalitarianism/

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/tech-totalitarismus-17-11-2019/

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