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Ausland, Naher Osten

Die unlösbaren Widersprüche von Daesh und der PKK/YPG

von Thierry Meyssan – https://www.voltairenet.org

Bild: Die Umgestaltung der Levante nach Angaben des Pentagon-Generalstabs in der Levante. Diese Karte wurde von Oberst Ralph Peters in einem Artikel am 13. September 2001 beschrieben, aber er veröffentlichte sie erst in 2006.

Was in der Levante geschieht, wissen wir nur durch die Kriegspropaganda des Landes, in dem wir leben. Wir ignorieren andere Standpunkte und, was noch wichtiger ist, wie sich unsere Armeen verhalten haben. Um das Wahre vom Falschen zu trennen, werden die Historiker in der Zukunft die verfügbaren Dokumente untersuchen müssen. Nun, was uns die westliche Militärdokumentation sagt, widerspricht den Aussagen der Politiker und dem Narrativ der Zeitungen. Nur wenn man die Strategie des Pentagons seit 2001 kennen wird, wird man verstehen können, was wirklich passiert ist und warum man jetzt zu solchen Widersprüchen kommt.

ir verstehen nicht, was in Nordsyrien geschieht, weil wir a priori glauben, dass ein Kampf zwischen den bösen Dschihadisten von Daesh und den netten Kurden der PKK/YPG stattfindet. Das ist absolut nicht wahr. Diesen Kampf gab es nur, um ihre jeweiligen Territorien abzugrenzen oder aus ethnischer Solidarität, niemals aus ideologischen oder religiösen Gründen.

Übrigens sehen wir nicht die Rolle, die Donald Trump gespielt hat. Da die Presse ihre Zeit damit verbringt, den gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten zu beleidigen, kann man sich nicht auf sie verlassen, um seine Politik im Erweiterten Nahen Osten zu analysieren und zu verstehen. Dennoch hat er eine klare Leitlinie: das Ende der Rumsfeld/Cebrowski-Doktrin, das Vermächtnis des 11. September. Er widersetzt somit sich somit seinen Generälen – die alle unter Bush Jr. und Obama ausgebildet wurden, um die Welt zu regieren – und der westeuropäischen politischen Klasse.

Um zu verstehen, was vor sich geht, muss man die anfänglichen und nicht die später entstandenen Fakten heranziehen. Kehren wir zu dem Plan zurück, den das Pentagon zu Beginn der Bush-Administration in 2001 ausgearbeitet und zwei Tage nach den Anschlägen vom 11. September 2001 von Oberst Ralph Peters in Parameters, der U.S. Army Review enthüllt hat [1] : die „Umgestaltung“ der Welt, beginnend mit dem Erweiterten Nahen Osten. Dieser Plan wurde einen Monat später vom Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bestätigt, der seinen Hauptdesigner, Admiral Arthur Cebrowski, zum Direktor des Office of Force Transformation ernannte. Er wurde 2005 von seinem Assistenten Thomas Barnett in Pentagon’s New Map erklärt [2]. Und illustriert von demselben Ralph Peters, als er 2006 die Karte im Armed Forces Journal der ersten Episode veröffentlichte: was der Erweiterte Nahe Osten werden sollte [3]. Angesichts der Schwierigkeiten vor Ort war sie Gegenstand eines Änderungsantrags, den eine Pentagon-Forscherin, Robin Wright, in der Sonntagsbeilage der New York Times in 2013 veröffentlichte [4].

Diesen Dokumenten zufolge sollten fünf Staaten in vierzehn Einheiten zerstückelt werden: Syrien und Irak, Jemen, Libyen und Saudi-Arabien.

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Die von Robin Wright im Jahr 2013 veröffentlichte Karte, ein Jahr vor der Transformation von Daesch und vor der der PKK/YPG.

In Bezug auf Syrien und den Irak sollten diese beiden Staaten in vier Staaten aufgeteilt werden. Die 2013 veröffentlichte Karte skizziert ein „Sunnistan“ und ein „Kurdistan“, die beide auf beiden Seiten der aktuellen Staatengrenzen liegen. Im folgenden Jahr wurde der erste von Daesch, der zweite von der YPG, gegründet. Als diese Karte veröffentlicht wurde, war Daesch nur eine winzige anti-syrische Terrororganisation unter Hunderten anderen; während die YPG eine regierungsfreundliche Miliz war, deren Gehälter von der Arabischen Republik Syrien bezahlt wurden. Es gab nichts vor Ort, was die vom Pentagon gewünschte Schaffung des Kalifats von Rojava hat vorhersagen können.

Die kurdisch-türkische Tageszeitung Özgür Gündem [5] hat die Einzelheiten zur Entscheidung während jener Zusammenkunft veröffentlicht, in deren Verlauf die CIA die Vorbereitungen traf, wie Daesch von Raqqa aus in den Irak einmarschieren sollte. In dem Dokument heißt es, dass Masrour „Jomaa“ Barzani, damals Geheimdienstchef der Regionalregierung des irakischen Kurdistans, an dem Planungstreffen am 1. Juni 2014 in Amman, Jordanien, teilnahm. Im vergangenen Juli wurde er Ministerpräsident der Regionalregierung des irakischen Kurdistans.

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass laut Robin Wrights Landkarte das US-„Kurdistan“ den Nordosten Syriens (wie das französische „Kurdistan“ von 1936) und die kurdische Region im Irak (die die Franzosen nicht ins Auge gefasst hatten) einschließen sollten.

Die Unterstützung der Regionalregierung des irakischen Kurdistans für Daesch‘s Invasion im Irak ist unbestreitbar: sie erlaubte es den Dschihadisten, die jesidischen Kurden in Sindschar zu massakrieren und ihre Frauen zu versklaven. Diejenigen, die gerettet wurden, wurden von den extra zur Hilfe herbeigeeilten türkischen und syrischen Kurden gerettet, unter dem amüsierten Auge der Peschmerga, den irakischen kurdischen Soldaten.

Daesch hat viele Gräueltaten begangen und seine Herrschaft mit Terror aufgezwungen. Es praktizierte eine religiöse Säuberung gegen jesidische Kurden, assyrische Christen, schiitische Araber usw. Diese „Rebellen“ haben von finanzieller und militärischer Unterstützung der CIA, des Pentagons und mindestens 17 Staaten profitiert, wie Dokumente belegen, veröffentlicht von der bulgarischen Tageszeitung Trud [6] und der kroatischen Jutarnji list [7]. Mit einem in Fort Benning (USA) geschulten Personal, hob Daesch Steuern ein und bot öffentliche Dienstleistungen an, bis es als „Staat“ gegründet wurde, obwohl niemand es als solchen anerkannte.

Wir wissen nicht, wie sich die PKK des Jahres 2005 von einer pro-sowjetischen marxistisch-leninistischen politischen Partei zu einer libertären und pro-atlantischen Umweltmiliz entwickelt hat. Und noch weniger, wie die syrische YPG in 2014 ihre Wende vollzogen hat. Sie kam unter das operative Kommando türkischer Offiziere der PKK und der NATO. Je nach welcher Seite der türkisch-syrischen Grenze wird die PKK-YPG international unterschiedlich qualifiziert. Wenn sie in der Türkei positioniert ist, ist sie „eine terroristische Organisation“, aber wenn sie sich in Syrien befindet, wird sie „eine politische Partei der Opposition gegen die Diktatur“. Doch bis 2014 hat sie keine Diktatur in Syrien bemerkt. Sie kämpfte für die Verteidigung der Arabischen Republik Syrien und den Verbleib von Präsident Baschar al-Assad an der Macht.

Die YPG hat die Kriegsgesetze eingehalten und keine Gräueltaten begangen, die mit denen von Daesch vergleichbar sind, aber sie hat nicht gezögert, den Nordosten Syriens ethnisch zu reinigen, um „Rojava“ zu schaffen, was ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellt. Sie beraubte und vertrieb Hunderttausende Assyrer und Araber. Sie dachte, sie kämpfe für ihr Volk, aber sie verwirklichte gerade nur die Träume des Pentagons. Dafür hat sie öffentlich von der Bewaffnung durch das Pentagons profitiert wie die britische Wochenzeitschrift der Militärmärkte, Jane‘s [8] und die italienische Tageszeitung Il Manifesto [9] es aufgezeigt haben und auch duch Frankreich, wie es François Hollande enthüllt hat. Rojava hatte nicht genug Zeit, um sich mit der kurdischen Region im Irak zu vereinigen.

Nach dem Fall des Kalifats, unter anderem auch unter den Schlägen der PKK/PYG, bat diese die Regierung in Damaskus um Erlaubnis, die Grenzen der syrischen arabischen Armee zu überschreiten, um die von der türkischen Armee bedrohten Kurden im Nordosten zu retten. Eine Erlaubnis, die sie auch bekam. Aber als die PKK/YPG umzog, verlegte sie auf der Flucht befindliche Daesh-Offiziere, die von der Arabischen Republik Syrien verhaftet wurden.

Diese Dokumente und Fakten sagen uns nicht, welche Protagonisten Recht oder Unrecht haben, das ist eine andere Frage. Wir wollen nur erzählen, wie Männer manipuliert und dazu gebracht wurden, das zu tun, was sie nicht hätten tun sollen.

Vor Ort ist es unmöglich, sowohl gegen Daesh als auch für die PKK/YPG zu sein, ohne in unversöhnliche Widersprüche zu verfallen.

Donald Trumps Aktionen waren die Zerstörung der Pseudostaaten des Pentagon: das Kalifat und Rojava; was nicht das Ende von Daesch oder der PKK/YPG bedeutet.

Übersetzung
Horst Frohlich
Korrekturlesen : Werner Leuthäusser

[1] “Stability, America’s Ennemy”, Ralph Peters, Parameters, Winter 2001-02, pp. 5-20. Également in Beyond Terror: Strategy in a Changing World, Stackpole Books.

[2The Pentagon’s New Map, Thomas P. M. Barnett, Putnam Publishing Group, 2004.

[3] “Blood borders – How a better Middle East would look”, Colonel Ralph Peters, Armed Forces Journal, June 2006

[4] “Imagining a Remapped Middle East”, Robin Wright, The New York Times Sunday Review, 28 septembre 2013.

[5] « Yer : Amman, Tarih : 1, Konu : Musul », Akif Serhat, Özgür Gündem, 6 temmuz 2014.

[6] “350 diplomatic flights carry weapons for terrorists”, Dilyana Gaytandzhieva, Trud, July 2, 2017.

[7] “TAJNA LETOVA JORDANSKIH AVIONA S PLESA Sirijski pobunjenici dobivaju oružje preko Zagreba!”, Krešimir Žabec, Jutarnji list, 23 veljača 2013. «TRANSFER HRVATSKOG ORUŽJA POBUNJENICIMA U SIRIJI Sve je dogovoreno prošlog ljeta u Washingtonu!», Krešimir Žabec, Jutarnji list, 26 veljača 2013. “VIDEO: JUTARNJI OTKRIVA U 4 mjeseca za Siriju sa zagrebačkog aerodroma Pleso otišlo 75 aviona sa 3000 tona oružja!”, Krešimir Žabec, Jutarnji list, 7 ožujak 2013. “PUT KROZ ASADOVU SIRIJU Nevjerojatna priča o državi sravnjenoj sa zemljom i njezinim uništenim ljudima: ’Živote su nam ukrali, snove ubili…’”, Antonija Handabaka, Jutarnji list, 9 ožujak 2013.

[8] “US arms shipment to Syrian rebels detailed”, Jeremy Binnie & Neil Gibson, Jane’s, April 7th, 2016.

[9] “Da Camp Darby armi Usa per la guerra in Siria e Yemen”, Manlio Dinucci, Il Manifesto, 18 aprile 2017.

https://www.voltairenet.org/article208308.html

Diskussionen

2 Gedanken zu “Die unlösbaren Widersprüche von Daesh und der PKK/YPG

  1. Haben die Europäer denn überhaupt eine Chance, sich der Bush-Obama – Bande zu widersetzen? Dürren, Hitzewellen, Überschwemmungen, Erdbeben, Megastürme, Tsunamis sagen mehr als 1000 Worte. geoarchitektur.blogspot.com

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    Verfasst von No_NWO | 15. November 2019, 16:53
  2. Thierry Meyssan schreibt: „[Trump] widersetzt sich somit seinen Generälen – die alle unter Bush Jr. und Obama ausgebildet wurden, um die Welt zu regieren – und der westeuropäischen politischen Klasse.“

    Rein äußerlich mag das so sein mit den Europäern. Aber haben diese denn überhaupt die Möglichkeit, sich der Bush-Clinton-Obama – Triade zu widersetzen? Denn in ihren Händen hält diese Triade die mächtigste aller Erpressungs-Waffen, welche die Welt je gesehen hat, das sogenannte Geo- und Klima-Engineering, sprich: Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen, Erdbeben, Tsunamis, Megastürme… . geoarchitektur.blogspot.com

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    Verfasst von No_NWO | 15. November 2019, 16:47

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