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Ausland, Naher Osten

Washington gibt seine kurdischen Erfüllungsgehilfen auf. Ankara und Damaskus schreiten ein

von Aram Mirzaei – http://www.theblogcat.de

Ich habe zwar meine Zweifel, ob Washington sich tatsächlich vollständig aus Syrien zurückziehen wird, aber scheint es, als ob ihre kurdischen Stellvertreter in Nordsyrien allein gelassen wurden, um sich gegen die anhaltende türkische Offensive zu verteidigen. Ich kann nicht sagen, dass ich überrascht bin, da Washington dies seinen kurdischen „Partnern“ schon oft angetan hat, aber die kurdische Führung im Irak und in Syrien hat es einmal mehr versäumt, aus der Geschichte zu lernen.

Wieder einmal hat sich gezeigt, dass die kurdische Führung auf die falschen Verbündeten vertraut hat. Als Moskau vor vier Jahren in den Syrischen Krieg eintrat, gab Moskau der YPG das gleiche Angebot, das Assad zuvor gemacht hatte: sich mit Damaskus zu versöhnen und sich gegen den Terrorismus zu engagieren. Sie weigerten sich. Moskau versuchte es erneut, indem es ihnen anbot, ein Konsulat in Moskau einzurichten, sie zu Friedensgesprächen in Astana einzuladen und ihnen Sicherheit vor türkischen Angriffen zu bieten, wenn sie einem Abkommen mit Damaskus zustimmten, das die territoriale Integrität Syriens achtet. Moskau bot sogar Gespräche über eine Garantie für eine zukünftige kurdische Beteiligung an der syrischen Politik an. Sie weigerten sich erneut, wobei ein Sprecher der YPG erklärte, dass Washington es ihnen nicht erlaubt, mit Moskau zu sprechen. Das war die Natur des US-kurdischen „Bündnisses“.

Als 2017 die so genannte Terrorgruppe „Islamischer Staat“ zusammenbrach, unterstützten die USA die „Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF)“, zu denen YPG gehört, und schnappten sich schnell so viel Land wie möglich. Dann kamen die Drohungen gegen Damaskus und die syrische Armee, ja nicht die Ostseite des Euphrats zu betreten. Glücklicherweise sahen Moskau, Teheran und Damaskus die Schritte Washingtons schon früh, als es ihnen gelang, die wichtige Stadt Albukamal, die sich genau an der syrisch-irakischen Grenze befindet, einzunehmen, bevor Washington es tun konnte. Durch die Einnahme dieser Stadt konnten Damaskus und Bagdad die Straße Teheran-Damaskus, die sich vom Iran durch den Irak und nach Syrien erstreckt, wieder öffnen, die die drei Länder verbindet und den Transport von Hilfsgütern aus dem Iran nach Syrien ermöglicht.

Der SDF gelang es, viele der syrischen Ölfelder zu sichern, indem sie die östlichen Teile der Provinz Deir Ezzor einnahmen. Nachdem die kurdische Führung einen so großen Teil Syriens erobert hatte, fühlte sie sich sicher, da die US-Truppen sie gegen Damaskus unterstützten.

Diese Haltung schien sich nicht zu ändern, als die türkischen Streitkräfte zusammen mit ihren Stellvertreter-Dschihadisten die Afrin-Offensive starteten.

(Anm.d.Ü.: „Operation Olivenzweig“: Türkische Militäroffensive auf Afrin – hat das im Westen irgendjemanden gejuckt???

https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkische_Milit%C3%A4roffensive_auf_Afrin )

Die US-Streitkräfte taten nichts, um ihre kurdischen Vasallen vor Schaden zu bewahren, als die türkischen Streitkräfte innerhalb weniger Wochen leicht die gesamte Region Afrin eroberten. Der kurdischen Führung wurde ein Abkommen mit Damaskus angeboten, in dem die Kontrolle über das Gebiet Afrin an die syrische Armee übergeben wird, bevor die türkischen Streitkräfte sie einnehmen können. Leider wurde dieser Vorschlag von der sturen kurdischen Führung abgelehnt, die lieber Ankara und die Dschihadisten dieses Gebiet einnehmen lassen wollte.

So haben sich die USA 18 Monate später scheinbar zurückgezogen und die kurdisch geführten Milizen verlassen, die können sich jetzt allein gegen Ankara und ein feindliches Damaskus wehren. Kein Wunder angesichts der Erfolgsgeschichte Washingtons. Die türkische Armee und ihre Stellvertreter starteten am Mittwoch ihre Offensive und gaben noch am selben Tag schnell Geländegewinne bekannt. Seitdem sind mehrere Städte zusammen mit der Grenzstadt Tal Abyad in türkische Hände gefallen, da Berichte vorliegen, wonach inhaftierte ISIS-Kämpfer aus ihren Gefängnissen entkommen sind, nachdem türkische Bomben auf mehrere Gefängnisse in der Hasaka-Provinz gefallen sind.

Die Offensive hat eine enorme Medienaufmerksamkeit erregt, denn die Kurden sind seit langem die Lieblinge der westlichen Medien und erobern die Herzen vieler Menschen mit Filmmaterial von jungen bewaffneten Frauen, die gegen die pervertierten Terroristenkräfte des „islamischen Staates“ kämpfen.

Washington und die europäischen Vasallen haben alle geheult und ihre „Bedenken“ über die Offensive der Türkei geäußert. Einige haben Entschließungen und Embargos gegen die Türkei wegen „Verletzung des Völkerrechts“ und „Gefährdung der Region“ gefordert. Was für ein Witz! Schaut euch die Menschen an, die ihre „Sorge“ zum Ausdruck bringen: Hillary Clinton, Lindsey Graham und Nikki Haley. Dies sind einige der Menschen, die besorgt sind, dass die Türkei „die Region gefährdet“.

Jetzt, wo Twitter mit Videos von hingerichteten kurdischen Kämpfern gefüllt ist, erkennen diese Leute die gleichen „FSA“-Kämpfer, die sie angefeuert haben, um syrische Soldaten hinzurichten, als das, was sie sind: barbarischer Abschaum.

Nur wenige Tage nach Beginn der Offensive begannen kurdische Vertreter über die Idee nachzudenken, sich an Moskau und Damaskus zu wenden, um Hilfe zu holen, aber nicht, bevor sie Washington ein letztes Mal um Bestätigung ihres Verrats baten. SDF-General Mazloum Kobani wies in einem Interview mit CNN offen darauf hin, dass Verhandlungen mit Moskau und Damaskus eine Option sind, sollten die USA die Kurden nicht vor der Türkei schützen. „Ich muss wissen, ob ihr in der Lage seid, mein Volk zu beschützen, diese Bomben, die auf uns fallen, zu stoppen oder nicht. Ich muss es wissen, denn wenn ihr es nicht tut, muss ich jetzt einen Deal mit Russland und dem Regime abschließen und ihre Flugzeuge zum Schutz dieser Region einladen“, sagte Kobani.

Was für eine traurige Aussage. Er braucht eine Quittung über Washingtons Verrat, als ob es eine Überraschung wäre, wenn er und seine Kollegen seit Jahren vor Washingtons heimtückischer Natur gewarnt wurden. Berichten zufolge sollen sich in der Nähe von Manbidsch in der Provinz Aleppo syrische Streitkräfte gesammelt haben, um das Gebiet zu betreten und zu übernehmen. Dasselbe wurde über Hasaka und Qamischli im Nordosten des Landes gesagt. Wenn das stimmt, dann würde dies eine ähnliche Situation schaffen wie vor zwei Jahren, als der islamische Staat zusammenbrach. Wie bereits erwähnt, eilten die SAA (die Syrisch Arabische Armee) und die von den USA unterstützte SDF bereits 2017 herbei, als der islamische Staat zusammenbrach, um so viel Territorium wie möglich einzunehmen. Dies führte dazu, dass der Euphrat zu einer Trennlinie zwischen SAA und SDF-kontrolliertem Gebiet wurde, eine Linie, die seit 2017 besteht. Nun scheint es, als ob ein neues Rennen stattfindet, da die syrische Armee einen Wettlauf gegen die Zeit führt, da die Dschihadisten schnell voranschreiten und sich der Stadt Rakka nähern.

Wenn die kurdischen Milizen zur Zusammenarbeit bereit sind, dann muss Damaskus in seinen Forderungen hart sein. Die kurdischen Milizen müssen ihre Waffen und das Gebiet, das sie besetzen, abgeben, wenn sie eine Chance haben wollen, den türkisch geführten Angriff zu überleben. Aber sie müssen schnell handeln, die Zeit für die kurdischen Milizionäre läuft ab.

Werden die Kurden erneut eine schlechte Wahl treffen?

Washington abandons its Kurdish proxies as Ankara and Damascus step in

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/washington-gibt-die-kurden-auf-13-10-2019/

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Washington gibt seine kurdischen Erfüllungsgehilfen auf. Ankara und Damaskus schreiten ein

  1. Es ergibt sich die Frage, worin der Sinn besteht, einen Artikel in dieser Zeitung einzustellen, der die gegenwärtige Situation nicht enthält und somit wenig sinnvoll heute ist und am Tag der Übersetzung bereits schon war.

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    Verfasst von Gerd Pehl | 16. Oktober 2019, 12:06

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