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Ausland, Europa

Verherrlichung der Waffen-SS im Baltikum: Dieser Fall ist vielleicht sogar den Balten zu heikel

von Thomas Röper – https://www.anti-spiegel.ru

Natürlich werden wir davon in deutschen Medien nichts hören. Wenn man über Sympathien für Nazis in der Ukraine oder den baltischen Staaten berichtet, wird behauptet, man lüge oder übertreibe. Dabei ist es wahr, wie heute wieder zu sehen war.

In der Ukraine werden von der Regierung ganz offen Nazi-Symbole benutzt, die in Deutschland illegal wären. Aber das stört deutsche Politiker nicht, die sich mit Vertretern der Ukraine treffen. „Ok, die Ukraine gehört nicht zur EU, innerhalb der EU ist so etwas nicht denkbar“ hört man bestenfalls. Uns verbinden in der EU doch die „westlichen Werte“!

Aber nein, in den baltischen Staaten, die zur EU gehören, werden die Veteranen, die im Zweiten Weltkrieg in der Waffen-SS gedient und gekämpft haben, als Helden verehrt. Es gibt Gedenkparaden für sie, bei denen sich zwar kaum ein Politiker blicken lässt, aber dagegen vorgegangen wird auch nicht.

Ich selbst war vor kurzem in Tallin. Der erste Este mit, dem ich sprach, wollte gleich wissen, woher ich kommen. Als er hörte, ich sei Deutscher, erzählte er mir sofort ausführlich, dass es eine Schande wäre, dass die Deutschen den Krieg verloren haben. Diese Haltung, die auch eine Verehrung der Waffen-SS beinhaltet, ist dort weit verbreitet.

In diesen Tagen hat der lettische Verteidigungsminister nun öffentlich in einer Rede verkündet, die lettischen Legionäre der Waffen-SS seien der „Stolz des lettischen Volkes“. Das russische Fernsehen hat darüber berichtet und wie immer kann man alles – die nötigen Sprachkenntnisse vorausgesetzt – überprüfen. Ich habe den Bericht übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Der lettische Verteidigungsminister wurde wegen seiner pro-nazi-Ansichten zum Rücktritt aufgefordert. Artis Pabriks erklärte, die Legionäre der Waffen-SS, also die Komplizen der Faschisten, seien „der Stolz des gesamten lettischen Volkes und des Staates“. Es ist eine seltsame Aussage für einen studierten Historiker. Das wollte man in Riga nicht hinnehmen, das war zu viel Nationalsozialismus.

In der einen oder anderen Form ist die Heldenverehrung für die Komplizen der Nazis im modernen Lettland seit vielen Jahren ein gewohnter Teil der politischen Landschaft. Aber selbst nach den Maßstäben dieses Landes war die Aussage, dass die Legionäre der Waffen-SS der Stolz des Volkes und des Staates seien, ein bemerkenswertes Ereignis. Immerhin war es der Verteidigungsminister dieses baltischen Landes, der diese Position zum Ausdruck gebracht hat. Mitglieder des Sejm fordern Artis Pabriks zum Rücktritt auf.

„Die Reaktion sollte politisch zweckdienlich sein, verstehen Sie mich richtig. Einfach nur die Trommel zu rühren, ist nicht genug, hier müssen wir wirklich ein Ergebnis erreichen. Es wird kaum möglich sein, seinen Rücktritt zu erreichen. Aber auf jeden Fall ist es notwendig, diese Position zum Ausdruck zu bringen. Ich wiederhole noch einmal, es könnte andere Möglichkeiten geben, die Aufmerksamkeit auf die Unzulässigkeit einer solchen Position des Ministers zu lenken“ sagt Igor Pimenov, Vorsitzender des lettischen Verbandes zur Unterstützung von Schulen mit russischer Sprachunterricht und Abgeordneter des Sejm von Lettland.

Russische Diplomaten in Lettland haben Moskau bereits auf die provokanten Äußerungen des Politikers aufmerksam gemacht. Die russische Botschaft ist erstaunt, dass sich der Leiter des Verteidigungsministeriums der baltischen Republik solche Worte am Vorabend des Jahrestages des Urteils des Nürnberger Tribunals erlaubt hat, das die SS eindeutig als kriminelle Organisation einstuft hat.

„Vielleicht hatte der lettische Verteidigungsminister keine Ahnung von diesem Datum… Aber er ist ein offizieller Vertreter eines Mitgliedsstaates nicht nur der Europäischen Union, sondern auch der Vereinten Nationen. Und die Haltung der internationalen Gemeinschaft gegenüber der SS ist in den Entscheidungen des Nürnberger Tribunals verankert“ sagte Jewgeni Lukyanow, der russische Botschafter in der Republik Lettland.

Letten, die Pabris seit vielen Jahren kennen, sprechen von ihm als gebildetem Menschen. Er bemerkte immer subtil, wie der politische Wind wehte. So erklärte Patris im Jahr 2007, als die Menschen in Tallinn dafür kämpften, dass das Denkmal für den sowjetischen Befreier nicht an den Stadtrand verlegt wurde, öffentlich: „Estland sollte das Denkmal nicht so demonstrativ verlegen“

„Seine Ansichten haben sich sehr verändert. Nicht um 150, nicht um 160 Grad, nicht einmal um 179 Grad, sondern um 180 Grad“ sagte Joseph Koren, Leiter des lettischen Antifaschistischen Komitees. „Ich verstehe nicht, wie ein gebildeter und erfahrener Politiker sich so etwas erlauben konnte. Aber leider erlaubt die heutige lettische Realität solche Aussagen.“

Aber selbst nach den Maßstäben der lettischen Realität erwies sich die Aussage des Verteidigungsministers als zu deutlich. Pabriks Worte erregten so viel Aufmerksamkeit, dass der Text seiner Rede sogar von der offiziellen Website des Ministeriums entfernt wurde.

„Natürlich ist das für die Regierung beunruhigend. Denn eine solche Position wird in der Europäischen Union als inakzeptabel angesehen, wenn sie von einem Minister zum Ausdruck gebracht wird“ sagte der lettische Abgeordnete Igor Pimenov.

Das lettische Antifaschistische Komitee bereitet auch eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen der Heroisierung von SS-Legionären vor. Die Organisation ist der Meinung, dass ein solcher Minister Lettlands internationales Image untergräbt. Die Organisation will auch die Nato-Länder über den Skandal informieren. Anfang Dezember 2019 treffen sich die Verteidigungsminister der Mitgliedsstaaten der Allianz in London. Die lettischen Aktivisten sind sich sicher, dass Pabris Kollegen im Voraus wissen sollten, wem sie die Hand schütteln sollen.

Ende der Übersetzung

Verherrlichung der Waffen-SS im Baltikum: Dieser Fall ist vielleicht sogar den Balten zu heikel

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “Verherrlichung der Waffen-SS im Baltikum: Dieser Fall ist vielleicht sogar den Balten zu heikel

  1. Nun, da hat der lettische Verteidigungsminister nichts anderes getan als den Inhalt lettischer Politik zum Ausdruck gebracht. Die lettischen Staatspolitiker haben bis heute die Verherrlichung der SS nicht verboten, sondern lassen zu, dass ihre Menschen die SS verherrlichen aber verbieten die russische Sprache in ihrem Land, lassen zu die Beseitigung sämtlich Mahnmale der siegreiche Sowjetarmee über den deutschen Faschismus.

    Nun sollte man die Realität deutscher Politiker zum Hitler-Faschismus nicht unter den Teppich kehren. Ich hörte bisher noch nicht einen Aufschrei, von auch nur einen deutschen Politiker, dass an in Belgien noch lebende 27 SS-Söldner, die Adolf Hitler „Treue, Loyalität und Gehorsam bis in den Tod“ geschworen hatten, eine monatliche Rente zwischen 425 Euro und 1.275 Euro noch immer gezahlt bekommen wie die belgische Tageszeitung De Morgan im Februar 2019 mitteilte. Aber auch zu den Zahlungen laut Daten des Bundesarbeitsministeriums hörte ich keinen Aufschrei von einem deutschen Politiker, dass auch im Februar 2019 noch 2.033 „Hitler-Rentner“ in Schweden, die zwischen 82 und 101 Jahren alt sind und eine Rente zwischen 140 und 943 Euro pro Monat erhalten wie die schwedische Zeitung Dagens Nyheter ebenfalls im Februar 2019 schrieb. Die Zahlungen werden von den deutschen Politikern auch nicht bestritten, weil sie es als Verpflichtung der BRD ansehen, indem sie sich auf den Hitler-Eid.

    Nun erkläre man mir, wo der Unterschied zwischen den deutlichen Worten des lettischen Verteidigungsministers und dem jahrzehntelangen Handeln der deutschen Politiker besteht. Ich kann keinen Unterschied erkennen. Beide Handlungen dienen der Verherrlichung der SS. So treten die Politiker beider Länder das Potsdamer Abkommen mit Füßen und bringen deutlich ihre Missachtung zu den Entscheidungen des Nürnberger Tribunals zum Ausdruck. Die deutschen Politiker haben ihre Auffassung zum Hitler-Faschismus auch damit verdeutlicht, indem sie den Mitgliedern des Verbands der Verfolgten des Naziregimes (VVN) keine Rente zahlten aber den deutschen Nazi- und Kriegsverbrechern mit dem so genannten 131er Gesetz 1951 aus der Haft entlassen wurden und wieder zu Amt und Würde kamen und ihnen Entschädigungen zahlten. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn sich der ehemalige deutsche Bundesaußenminister und jetzige Bundespräsident lächelnd in Kiew mit dortigen Faschistoiden fotografieren ließ und niemand daran Anstoß nimmt.

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    Verfasst von Gerd Pehl | 2. Oktober 2019, 13:26

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