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Geschichte, Kultur

Der lange Schatten des Stalinismus verdunkelte auch Dr. Christoph Jünke selber.

von Norbert Nelte

Zugegeben, es ist ein sehr langer Schatten, aber je länger  der Schatten ist, umso mehr verliert man seinen Ursprung aus dem Auge.

Und das fiel mir zuerst auf, an Christoph Jünkes  Vortrag. In 46 Minuten brachte er es nicht ein einziges Mal zustande, die unaufgeklärte und irregeleitete Öffentlichkeit darüber aufzuklären, was nun der authentische Marxismus ist und kein Wort über deren Inhalte.

Es scheint mir ein seltsamer Hochschullehrer zu sein,  der 46 Minuten lang über den Stalinismus spricht und kein Wortchen darüber, dass Stalin genau das Gegenteil aller marxistischen Theorien vertreten hat, aller.

Er nennt sich doch marxistischer Historiker, da muss er doch sagen können, was Marxismus ist. Kein Wort. Ich denke, er kennt Marx nur flüchtig.

Jünke ist Vorsitzender der Kofler-Gesellschaft. Leo Kofler lehrte ab 1947 in Halle als Mitglied der SED, obwohl diese die Arbeiterräte, die sog. Antifa-Komitees, sofort 1945 wie die USA im Westen zusammen mit Russland verboten hatte.

Unabhängig davon, dass Kofler ja die gesamte Stalinisierung der KPD seit dem Ausschluss Paul Levis 1921. Alle stalinistischen Theorien sind das Gegenteil von Marx, alle. Halt, halt, ruft da der Nurintellektuelle. „ Es war doch immerhin die Verstaatlichung der Produktion und das Außenhandelsmonopol von Marx gefordert“ Nein, denn es steht zuerst die Fage, „Wem gehört der Staat?“. Sonst wäre der ägyptische Pharao Echnaton der erste Kommunist gewesen. Der Staat aber muss nach Marx erst der Arbeiterklasse gehören, nicht den Kleinbürgern.

»In jeder historischen Epoche hat sich das Eigentum anders und unter ganz verschiedenen gesellschaftlichen Verhältnissen entwickelt. Das bürgerliche Eigentum definieren,  heißt somit nichts anderes, als die gesellschaftlichen Verhältnisse der bürgerlichen Produktion darstellen. Eine Definition des Eigentums als eines unabhängigen Verhältnisses,  einer besonderen Kategorie, einer abstrakten und ewigen Idee geben wollen, kann nichts anderes sein als eine Illusion der Metaphysik oder der Jurisprudenz.« (K. Marx: „Das Elend der Philosophie“, MEW, Bd.4, S.165.)

Als Theoretiker hätte Kofler das alles mitbekommen müssen.

Die gewählten Arbeiterräte sind das A & O des Marxismus, alles andere ist kein Marxismus, wobei wir wider bei Jünke wären. Kein Wort zu den basisdemokratischen Arbeiterräten, stattdessen faselt er was von der bürgerlichen Demokratie zusammen. Die bürgerliche repräsentative Demokratie ist aber in Wirklichkeit eine Demokratieverhinderungsorganisation.

Kein ehrlicher Mensch will Kriege und Millionen Menschen hinmetzeln. Nur unsere sogenannten Repräsentanten führen dauernd Kriege im Auftrag des ganz großen Geldes. Das Geld will Blut, nicht der Mensch.

Was der Mensch will, entscheidet er nur mehrheitlich in der Basisdemokratie. In der Rätedemokratie entscheiden die Wähler und der Abgeordnete muss das ausführen. Übrigens, Herr Dr., Die Wortabstammung von Kommunismus kommt von Kommune, die Pariser Kommune, klingelts?

In seiner 3. Einleitung zur Schrift von Marx „Der Bürgerkrieg in Frankreich“ vom 18.3.91 stellte Engels klar,  was Marx mit „Diktatur des Proletariats“ meinte. „Der deutsche Philister ist neuerdings wieder in heilsamen Schrecken geraten bei dem Wort: Diktatur des Proletariats. Nun gut, ihr Herren, wollt ihr wissen, wie diese Diktatur aussieht? Seht Euch die Pariser Kommune an, das war die Diktatur des Proletariats“ (S. 24)

Und Marx führte dann im Text aus wie die Basisdemokratie genau aussieht.

„1. Die Kommune bildete sich aus den durch allgemeines Stimmrecht in den verschiedenen Bezirken von Paris gewählten Stadträten. Sie waren verantwortlich und jederzeit absetzbar. Ihre Mehrzahl bestand selbstredend aus Arbeitern oder anerkannten Vertretern der Arbeiterklasse…

  1. Von den Mitgliedern der Kommune an abwärts, muss der öffentliche Dienst für Arbeiterlohn besorgt werden… 
  2. Die Abgeordneten sollten jederzeit absetzbar und an die bestimmten Instruktionen ihrer Wähler gebunden sein

Jawohl, meine Herren, die Kommune wollte jenes Klasseneigentum abschaffen, das die Arbeit der vielen in den Reichtum der wenigen verwandelt. Sie beabsichtigte die Enteignung der Enteigner.“

Karl Marx: Der Bürgerkrieg in Frankreich“, III. Teil, S. 7

Der Marxismus will, dass jeder Mensch weltweit über sich selbst bestimmen kann, nicht mehr, wie in der Naturgesellschaft von der Natur beherrscht wird und auch nicht wie in der Klassengesellschaft  von anderen Menschen.

Dazu ist es notwendig, 1. dass wir in der Demokratiefrage wieder wie in der Stammesgesellschaft die „Gesamtheit derer, die es angeht“ entscheiden

und 2. keiner mehr die Arbeitskraft eines anderen stundenweise kaufen kann.

Alles andere ergibt sich daraus. Ich selber war als Betriebswirt, also Intellektueller, auch Vertrauensmann in einem Großbetrieb. Dort hatten die Gewerkschafter über den Betriebsrat und die Vertrauensleute über ihre Sache abgestimmt. Deshalb ist es jeden Gewerkschafter aus der Industrie klar, dass nur das Rätesystem wirkliche Demokratie ist.

Jünke aber eiert als Nurintellektueller wie alle Nurintellektuellen, die sich nicht eindeutig an die Seite der Arbeiter gestellt haben, um die Demokratiefrage und allem herum.

Er predigt große Stücke von der bürgerlichen Demokrafie.. Da macht das ja der Mausfeld als Nichtmarxist noch besser.

Ich denke, dass daran nicht nur Stalin, sondern auch Leo Trotzki eine kleine  Mitschuld. Er hattc 1936 in seinem Buch die Verratene Revolution Stalin nur eine politische Konter-revolution vorgeworfen, keine soziale, so wie halbschwanger. Damit hat er alle orthodoxen Nachfolgegruppen in eine große Verwirrung gestoßen.

Von seiner Seite war das verständlich, denn Sowjetrussland war schließlich sein Kind. 1940 hat er aber in seinem letzten Buch über Stalin seine Haltung geändert. Er schreibt dort im Nachtrag,  „Ein Kinto an der Macht“

„In Wirklichkeit bestätigten sie diese nur. Die Substanz des Themidor war sozialen Charakters und konnte nur sozialen Charakters sein. Sie war die Kristallisierung einer neuen privilegierten Schicht, die Schöpfung eines neuen Unterbaus für die ökonomisch herrschende Klasse. Zwei Anwärter auf diese Rolle waren   vorhanden: das Kleinbürgertum und die Bürokratie selbst“.

Dass die Bürokratie diesen Kampf um den „Unterbau der ökonomisch herrschende Klasse“ gewonnen hat, wissen wir heute. Und das Politbüro ist die Klasse.

Aber an den orthodoxen Trotzkisten scheint dieses Buch vorüber gegangen zu sein. Trotzki hätte eine Konferenz einberufen müssen, um seine Thesen vorzustellen. Jedenfalls fand er dazu keine Zeit mehr, er wurde am 21.8.40 hingemetzelt. 

Aber die orthodoxen Trotzkisten wiederholen die 1936 Formel  von der „Nur politischen Konterrevolution“ immer noch und  verteidigen die DDR immer noch. Bei der Regierungsbildung in NRW, alse die Koalition SPD-Linke anstand, fragte  die SPD vor laufender Kamera, ob die DDR ein Rechtsstaat war, und die trotzkistischen Vertreter der ISO (damals ISL) antworteten mit ja. Auch vereinigten sie sich vorher mit der stalinistischen KPD zur VSP. Alle orthodoxen Trotzkisten bezeichneten die DDR und heute noch Kuba und Nordkorea als sozialistisch oder kommunistisch, weshalb ich sie auch als Halbstalinisten bezeichne.

Insofern hat Jünke schon Recht, dass alle sich nennenden Marxisten den Stalinismus mehr oder weniger verteidigen. Wegen der Diktatur, seinen ewigen Verteidigern, deren Gleichsetzung mit dem Marxismus und der Hetze der Herrschenden haben die Unterdrückten nichts mehr mit dem Marxismus zu tun.

Aber würde sich das mit dem Vortrag von Jünke geändert haben. Das hätte ja sein Interesse als marxistischer Historiker sein müssen. Aber genau das würde nicht passieren, weil er eben nicht sagt, dass der Marxismus genau das Gegenteil vom Stalinismus ist, das er basisdemokratisch ist,

F0r die Massen sagt er nichts Neues, eben nur eine intellektuelle Bestätigung ihrer Vorurteile. Nur für die sogenannten revolutionären Marxisten wäre das Neu, ist für die aber nicht glaubhaft, da würden nur Marx Zitate helfen (Mit Ausnahme der Millionen Morde von Stalin, dass hat sich inzwischen bei allen Linken herumgesprochen)

Hier noch einmal ein prägnantes Engels Zitat von 1891.

Wenn etwas feststeht, so ist es dies, dass unsre Partei und die Arbeiterklasse nur zur Herrschaft kommen kann unter der Form der demokratischen Repulik. Diese ist sogar die spezifische Form für die Diktatur des Proletariats, wie schon die große französische Revolution gezeigt hat.

Friedrich Engels: „Zur Kritik des sozialdemokratischen Programmentwurfs 1891, II. Politische Forderungen.“ Karl Marx/Friedrich Engels – Werke. Dietz Verlag, Berlin. Band 22, 3. Auflage 1972 S. 235

Die beiden Engels Zitate sind aus den 1890er Jahren, da erst dann die Pariser Commune Basisdemokratie bei der Elite langsam vergessen wurde. Bei der Arbeiterklasse aber ist das ins Blut übergegangen bis Lenins Tod 1924, genau bis zu Stalins Schließung der Arbeiterräte 1928. Er hatte sie geschlossen, obwohl Lenin sie ins Zentrum seiner Politik gestellt hatte. Nur ins Zentrum?, Die einzig   mögliche Form“, waren seine Worte.

„Keine parlamentarische Republik –„ schrieb er „von den Sowjets der Arbeiterdeputierten zu dieser zurückzukehren wäre ein Schritt rückwärts -, sondern eine Republik der Sowjets der Arbeiter-, Landarbeiter- und Bauerndeputierten im ganzen Lande, von unten bis oben.“

„Aufklärung der Massen darüber, dass die Sowjets der Arbeiterdeputierten die einzig mögliche Form   der revolutionären Regierung sind“

„unsere Forderung eines „Kommunestaates“  schreibt er noch.

Kennt Jünke all diese Zitate. Stattdessen beschäftigt er sich mit irgendwelchen abseitigen stalinistischen Marx Verrätern. Wie gesagt. Bis 1828 wusste jeder Linke noch Marx’Vorschlag der Pariser Kommune. Danach fiel Stalins Schatten über die und kaum ein Linker sog. Revolutionär. Insofern verdunkelte Stalins Schatten auch Jünke.

Es müsste bei Jünke die Frage aufgekommen sein, warum gerade als erstes nach Lenins Tod Stalin mit der marxistischen Formel der „Revolution in Permanenz“ brach?

Damit signalisierte er gleich den Alliierten, dass er nicht mehr in ihren Revieren Propaganda betreiben und die KPen der Welt zahn- und kraftlos machen wird. Dieser Zusammenhang ist den ganzen Linksrevolutionären, ob Stalinisten oder Trotzkisten, nicht gekommen.

Auf Bitten Churchills löste Stalin „Während des Zweiten Weltkrieges 1943 die Kommunistische Internationale als Zugeständnis an seine westlichen Alliierten in der Anti-Hitler-Koalition – die USA und Großbritannien – überraschend auf. „ (Wiki  zu Komintern)

Verteidigen das auch die sog. Linken? Wissen wir, ob Stalin das nicht schon 2024 mit Churchill abgesprochen hatte, ob er die Millionen Morde ab 1936 nicht auch mit den Alliierten abgesprochen hatte. Jedenfalls wurde die Sowjetunion 1934 in den Völkerbund aufgenommen. Besteht da ein Zusammenhang? Es hatten doch nur die Alliierten einen Gewinn daraus. Jetzt können Sie in alle Welt hinausposaunen „Nie wieder Kommunismus“.

Glücklichweise setzt sich der Marxismus am Ende des Kapitalismus automatisch aus der historischen Notwendigkeit durch. 

Díe Profitrate ist weltweit 2019 auf unter 1% gefallen. Es wird immer weniger investiert. In 16 Ländern gibt es schon selbstverwaltete Betriebe. In Argentinien diskutieren sie bereits, sich in Arbeiterräte umzubenennen.

Solch ein Aufruf steht immer vor der konkreten Organisierung, auf einem Kongress; die Sprecherräte und die Koordination in revolutionäre Arbeiterräte umzubenennen. Ich denke, bis zum Februar 1917 ist es nicht mehr so weit.

Und der Historiker Jünke? Ach ja, stimmt, ist ja nur für die Vergangenheit zuständig.

 

 

 

 

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Diskussionen

9 Gedanken zu “Der lange Schatten des Stalinismus verdunkelte auch Dr. Christoph Jünke selber.

  1. Wir müssen zusammen für eine humane, demokratische Gesellschaft kampfen, Kritik ist dabei notwendig und sinnvoll und gerechtfertigt. Aber es braucht auch ein ermutigendes Zugehen aufeinander. Wir brauchen alle Menschen die mit dem Herzen denken.

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    Verfasst von Günter Steigerwald | 8. Oktober 2019, 18:39
  2. Zusatz.

    Nachdem sich ja ´Marx /E. Jahrzehntelang fast nur mit dem Kapitalismus beschäftigt haben , darüber dicke Bücher schrieben (die auch oft auch für Studierte schwer verständlich sind) , aber fast garnichts über den Sozialismus schrieben , ist hier dringend Arbeit dazu von den sozialist. Denkern des 21. JH zu leisten.
    Lenin/Trotzki u.a entwickelten dies fort, aber 1. unter Bedingungen ihrer Zeit, 2. wenn mann sich z.B. die ökon. Politik Lenins ansieht , auch mit dem System „try and error“, ohne anleitung, (siehe z.B. NÖP, als antwort auf das scheitern der vorherigen ökon. politik ) , dann das teilweise ökon. Chaos unter Stalin, dann die ökon. politik (zentrale Planwirtschaft ) im stalin-sozialismus 1953-1989
    d.h…es zuerst Muss geforscht und herausgearbeitet werden

    1. wie GENAU soll eine zukünftige Gesellschaft aussehen?wie wird konkret die Wirtschaft organisiert, so dass sie effektiv ist und alle Bedürfnisse des Volkes deckt u. die beschäftigten stimmuliert werden (einbeziehend die technik +wissenschaft des 21. Jh ) zentrale Planung mit SAP-ähnlichen ERP-programmen oder auch dezentral ?, bestellungen über Internet als Prod.auftrag ?“ Volkseigentum “ oder staatseigentum ?, Genossenschaften ? usw

    2. wie wird GENAU die soz. demokratie organisiert , dazu eine Gewaltenteilung , die jegliche Degeneration richtung stalinismus +machtergreifung einer clique ausschliesst (z,b. mehrere Machtpole , die sich gegenseitig kontrollieren )
    nicht mehr entmachtbare Räte

    3.sozialist. partei: -wie wird garantiert die innerparteil. Demokratie mit mehreren Fraktionen ?, werden begrenzt Oppositionsparteien zugelassen ?,oder ein-parteien-Herrschaft? zentrale volksentscheidungen per internet zu wichtigen Fragen?usw

    4. wie sieht der Übergang zur neuen Gesellschaft konkret aus, wo findet der zuerst statt, wie läuft das genau?

    also mal insgesamt auch den Fokus von zuviel Beschäftigung mit dem Kapit. auf den Sozialismus (speziell den neuen Typ 2.0 ) verlegen

    das Dümmste ,was ich bisher dazu hörte war : „Wenns soweit ist, ergibt sich das schon..“, das werden die Arbeiter dann schon irgendwie machen „..so wirds mit sicherheit wieder nix, da gewinnt bei Try and Error “ wieder der Error

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    Verfasst von Tom | 25. September 2019, 9:22
  3. ich denke, hier geht der H. Nelte zu stark ins gericht mit dem Historiker , auch wenn dieser vieleicht kein „perfekter Marxist „ist leistet er doch eine sehr wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung und stellt das Thema gut allgemeinverständlich dar…
    es geht ja darum : aus der Geschichte lernen, damit sich diese stalinistische Entartung einer an sich guten Idee beim vieleicht nächsten Mal nicht wiederholt -denn diese Gefahr besteht ja, – auch die hochgelobten Basis-Demokratie-Räte waren ja leider KEIN Schutz dagegen und konnten mir nichts dirnichts von einer Bürokratie entmachtet werden +einfach aufgelöst werden .
    „alle macht den Räten “ erwies sich als zahnlose Floskel, bzw nur max. 7 Jahre lang als halbwegs zutreffend
    Die Räte (in der damaligen Form ) waren Null Schutz und haben völlig versagt bei +angesichts der schrecklichen Entartung des systems (stalin-säuberungen 1934-38 )
    Da gehts drum , dies weiterzuentwickeln u. Mechanismen zu finden , dass zu verhindern.
    Das Thema hatten wir ja schonmal- Gewaltenteilung , wie kann die garantiert werden?
    die alten Werke von Marx/E. in Ehren , aber die soz. Theorie wird notwendigerweise immer weiterentwickelt werden müssen und angepasst auf das 21. JH .
    1. Jetzt wäre doch mal die Praktische Frage: Wie schütze ich diese Arbeiter-Räte vor der Abschaffung /Entmachtung durch eine sozialist/Komm. Partei?- da muss ich die Armee den Räten unterstellen u. auf jeden Fall die Räte mächtiger machen als die Partei. in der SU 1924 /1928 hätten die Sowjets sofort den Stalin und seine Getreuen entmachten müssen..
    2. wie konnte einfach diktatorisch ein Fraktionsverbot innerhalb der KPDSU bestimmt werden?(u. damit noch der letzte Funken Gegen-Regulation beseitigt, linke opposition ) sowas muss verboten sein, genauso muss verboten sein, auch nur einen ex-Mitkämpfer umzubringen, usw
    3. wie kanns passieren , dass eine kleine clique in der Partei sich alle machtposten mit ihren eignen leuten nach Belieben besetzen kann ?
    4. wie konnte es sein, das die Tscheka +insgesamt der Geheimdienst , GPU usw eine solche extreme Macht bekam, dass er faktisch allmächtig war, die armee-Marschälle keine chance dagegen hatten, die armee , statt 3. regulierender Machtblock zu sein , einfach enthauptet werden konnte..: Fall Tuchatschewski usw ..
    also da ist noch sehr viel Stoff zu diskutieren u. ist noch lange nicht Geschichte+kann sich jederzeit wiederholen

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    Verfasst von Tom | 24. September 2019, 3:46
  4. Der stalinschen Sowjetunion gelang die Niederwerfung des deutschen Faschismus und definierte damit den Höhepunkt der internationalen Arbeiterbewegung und ihrer zivilisatorischen Mission.

    Was haben denn die Verleumder Stalins vorzuweisen?

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    Verfasst von Hans | 21. September 2019, 20:46
    • Die UdSSR unter Stalin hat ebenso einen äußeren Aggressor (hier das faschistische „Dritte Reich“) niedergeworfen wie weiland der russische Zar Napoleons Truppen. Nicht umsonst hat Stalin diesen gerechten Krieg als „vaterländischen Krieg“ und nicht etwa als „proletarischen“ Krieg gegen eine bourgeoise Macht bezeichnet. Mit der Frage nach dem Sozialismus hat das nichts zu tun (selbst wenn es auf Seiten der sowjetischen Kämpfer eine große Zahl gegeben haben sollte, die ihren Kampf als im marxistischen Sinn revolutionär betrachtet haben). Dass die „Verleumder Stalins“ selbst nichts oder wenig vorzuweisen haben, ist richtig. Aber das gilt denn letztlich z.B. auch für dessen Freunde im Ausland (z.B. KPD oder PCI) in ihrem Kampf gegen die NSDAP bzw. den Mussolini- oder Hitlerfaschismus. Diese und ebenso die damaligen antistalinistischen Linken haben natürlich Fehler gemacht, aber wie sagte doch der große französische Mathematiker, Physiker und Philosoph Blaise Pascal (1623-62) – „Auf Erden ist nicht die Heimat der Wahrheit, unerkannt irrt sie unter den Menschen umher“. Auch weil das so ist, sind wahre Revolutionen in der Weltgeschichte extrem selten.

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      Verfasst von A.Holberg | 22. September 2019, 9:50
      • Die Freunde Stalins haben sehr wohl große Erfolge vorzuweisen. Siehe Mao Tse Tung bzw. die VR China, Vietnam mit Ho chi Minh. 1953, als Stalin starb, war das sozialistische Lager überwältigend stark und auch die antikolonialen Befreiungsbewegungen kamen voran.

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        Verfasst von Hans | 22. September 2019, 15:03
        • Da wir hier über den Sozialismus reden, fragt es sich doch, ob dieser ausgerechnet in vergleichsweise unterentwickelten Ländern wie China und Vietnam aufgebaut werden kann. Was die entsprechenden stalinistischen Staaten betrifft, so darf nicht vergessen werden, dass bei deren Gründung die – ohnehin sehr kleine – Arbeiterklasse keine Rolle spielte. Es handelt sich in beiden Fällen um Staaten, die aus einem antikoloniale Befreiungskampf hervorgegangen sind (den das internationale Proletariat – oder etwas weniger pathetisch: die internationale Linke – natürlich unterstützen musste und auch unterstützt hat). Der große Entwicklungsschritt der „VR China“ passiert aber offensichtlich unter Verhältnissen, die am ehesten als „staatskapitalistisch“ zu bezeichnen wären. Für Vietnam scheint Ähnliches zu gelten. Es fragt sich in diesem Zusammenhang auch, was das für die Lenin’sche Imperialismustheorie bedeutet. Dass das „sozialistische Lager“ 1953 überwältigend stark gewesen sei, scheint mir Wunschdenken zu sein. Die Stärke beruhte hauptsächlich auf dem militärischen Faktor, dem aber keine ökonomische Basis entsprach. Das „sozialistische Lager“ bestand (mit Ausnahme der aus nationalen Befreiungskämpfen hervorgegangenen Staaten wie VRChina und später Vietnam, Laos, Kampuchea und Cuba) genau aus den Ländern, in die die Rote Armee im 2.Weltkrieg vorgestoßen war (Ausnahme: Jugoslawien) und in denen es eben keine proletarischen Revolutionen gegeben hatte, sondern von der UdSSR eingesetzte „linke“ Regierungen. Deren Charakter wurde definitiv deutlich als die UdSSR 1989/90 ihre schützende Hand zurückzog.

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          Verfasst von A.Holberg | 23. September 2019, 15:34
  5. Ich stimme N.N. zu, dass die -nennen wir sie – Ostblockstaaten keine sozialistischen waren, und zwar in der Tat weil sie zunächst nicht mal „Diktaturen des Proletariats“ waren – mit Ausnahme der UdSSR. Dort und eben nur dort gab es eine proletarische Revolution, die allerdings trotz ihres militärischen Sieges über die weiße Konterrevolution zu schwach war, andere proletarische Revolutionen anzustoßen. Die schrittweise Internationalisierung vorallem auch auf die entwickeltsten Gesellschaften wurde jedoch mit gutem Grund schon von Marx und ebenso natürlich von den Bolschewiki unter Lenin zur unbedingten Voraussetzung der Weiterentwicklung der Diktatur des Proletariats zur sozialistischen und schließlich kommunistischen Gesellschaft erklärt. Wie realistisch diese Position war und ist geht im übrigen wunderbar aus folgendem Zitat eines jeder linken Revolutionsromantik unverdächtigen Zeugen hervor. 1947 sagte US-Präsident Truman im Baylor College in Texas: „Wenn wir nicht handeln und zu ganz entscheidenden Maßnahmen greifen, wird sie (die russische Planwirtschaft. d.A.) das Vorbild für das nächste Jahrhundert abgeben … Das amerikanische System kann in Amerika nur überleben, wenn es das System der ganzen Welt wird“. Nun stand die proletarische Revolution in Russland in sofern auf relativ schwachen Füßen, weil der Anteil der Arbeiterklasse gegenüber dem der Bauernschaft mit maximal 5% sehr gering war. Die Oktoberrevolution hatte im übrigen ja auch nicht etwa desjalb gewonnen, weil die arbeitenden Massen etwa das „Kapital“ gelesen hätten, sondern weil die Bolschwiki glaubhaft versprachen, den Krieg zu beenden, das Land der „feudalen“ Großgrundbesitzer an die Bauern zu verteilen und definitiv mit der Zarenherrschaft auszuräumen – lauter keineswegs sozialistische, aber gehaltene Versprechen. Überdies stellte Lenin nicht ohne Grund die Frage, ob denn die proletarische Partei die (überwiegend aus dem Zarismus ererbte) Bürokratie führe, oder nicht vielleicht eher umgekehrt. Unabhängig von den persönlichen – wohl als psychopathisch – zu bezeichnenden Eigenschaften Stalins scheinen es mir u.a,. diese objektiven Faktoren zu sein, die es als abgeraten erscheinen lassen, den Niedergang der UdSSR und in ihrem Gefolge der vor dieser geschaffenen und ausgehaltenen Ostblockregime auf „Verrat“ der Stalinisten zurückzuführen. Entgegen dem, was der zitierte US-Präsident (damals nach dem Sieg der UdSSR über das 3.Reich scheinbar naheliegend) befürchtete, hatte die UdSSR und ihre Satelliten ohne eine quantitativ und somit auch qualitativ relevante Verbreitung proletarischer Revolutionen letztlich nur die Perspektive des schrittweisen Verfalls. Rosa Luxemburg hatte darauf hingewiesen, dass, wenn der Karren der Revolution nicht die Spitze des Berges erreiche, dieser unweigerlich zurückrollen und die ihn schiebenden unter sich begraben werde.

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    Verfasst von A.Holberg | 21. September 2019, 16:58
  6. Ich habe schon viel Unsinn in meinem Leben gelesen aber dass ein Autor wie Norbert Nelte politische Rundumschläge versucht, jedoch nicht einmal ansatzweise dem Leser dabei versucht Zusammenhänge zu verdeutlichen, habe ich bisher noch nicht lesen können. Am Ende seines Beitrags fragt sich ein mitdenkender Leser, was Norbert Nelte mit diesem Beitrag erreichen wollte und findet die Antwort zu der Frage nicht. Mit marxistischer Arbeit hat der Beitrag nichts zu tun, sondern verdeutlicht vielmehr, dass der Autor den Opportunisten und Chauvinisten sehr nahe steht.

    Gefällt 1 Person

    Verfasst von Gerd Pehl | 21. September 2019, 16:21

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