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Ausland, Nordamerika

Stimmt schon, es ist eine Neue Weltordnung

von Raúl Ilargi Meijer – https://www.theblogcat.de

Ständig ändern sich die Winde, auch wenn die westliche Presse diese Veränderungen nicht erkennt, sie nicht als das erkennt was es bedeutet, oder es einfach ignoriert. Aber diese Winde bringen Gezeitenwechsel, die im globalen politischen Klima wie eine tektonische Plattenverschiebung wirken.

Die Feuer in saudischen Ölraffinerien, ob sie nun durch Drohnen oder Raketen verursacht wurden und wer auch immer sie abgefeuert hat, das ist eine fette Story, und zurecht, denn das könnte die Ökonomien auf drastische Weise erschüttern. Aber selbst das ist vielleicht nicht die größte Story von allen.

Letzten Dienstag hat der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu seine Absicht angekündigt, das Jordantal zu annektieren (das bereits besetztes Gebiet ist, dort leben 65.000 Palästinenser und 10.000 israelische Siedler). Er tat das, um den Ultrarechten bei der Knesset-Wahl am nächsten Dienstag (17.September) Stimmen zu stehlen. Aus dem gleichen Grund nennt „Bibi“ auch Donald Trump mit jedem zweiten Wort seinen „Freund“. Trump hat das Gleiche getan. Das wird er vielleicht noch bereuen. Wähle deine Freunde klug. Hier etwas Hintergrund von RT:

Die USA und Israel reden über einen gegenseitigen Verteidigungspakt – Trump

https://www.rt.com/news/468831-us-israel-negotiate-mutual-defense/

„Die USA und Israel diskutieren einen gegenseitigen Verteidigungspakt, der die bereits ‚großartige‘ Allianz zwischen den beiden Ländern weiter festigen soll, so hat Präsident Donald Trump verkündet. ‚Ich habe heute mit Premierminister Netanyahu telefoniert, um die Möglichkeiten für ein Vorankommen eines gegenseitigen Verteidigungspakts zwischen den Vereinigten Staaten und Israel zu diskutieren, was die großartige Allianz zwischen unseren beiden Ländern weiter verankern würde‘, twitterte Trump.

Trump äußerte kaum verhohlene Unterstützung für Benjamin Netanyahu für die kommende Parlamentswahl in Israel. ‚Ich freue mich darauf, diese Diskussionen nach der israelischen Wahl fortzusetzen, wenn wir uns bei den Vereinten Nationen Ende des Monats treffen!‘ schrieb Trump. Diese Unterstützung kommt sicher gelegen, denn die Unterstützung für Netanyahu ist ziemlich wackelig. Die Wahl am 17. September ist die zweite in diesem Jahr, nachdem Netanyahu im April keine Regierung zustande brachte.

Das Ergebnis der kommenden Wahl ist schwer zu prognostizieren, da Netanyahus Likud-Partei fast die gleiche Unterstützung hat wie der Hauptrivale Blue and White, angeführt von Benny Gantz. Das zeigen Umfragen. Netanyahu hat auf Trumps Ankündigung umgehend geantwortet, die Aussichten auf eine Allianz gelobt und es fertig gebracht, den US-Präsidenten in einem einzigen Tweet gleich zweimal einen „Freund“ zu nennen.

(…) Israel war einer der ersten großen Nicht-NATO-Alliierten (MNNA), ein Titel, der mit einer ganzen Reihe von Privilegien einhergeht, etwa großzügigen Krediten, der Lieferung verschiedener militärischer Überschüsse, dem Zugang zu Reservevorräten des Pentagon außerhalb von US Militärbasen (Israel hat angeblich sechs davon) und anderes.

Trotzdem haben die USA 2014 Israel zu einer neuen Klasse von Alliierten erhoben – zu einem strategischen Hauptpartner. Dies neue Klasse, die eine Stufe über MNNA liegt, wurde im Grunde extra für Israel eingerichtet. Das hat die Vorräte in Israel für Kriegszeiten von $200 Millionen auf sage und schreibe $1,8 Milliarden ausgeweitet. Unter der Trump-Administration hat sich dieser Trend fortgesetzt und 2017 haben die USA ihre erste permanente Militärbasis in Israel errichtet – eine Luftverteidigungsbasis.

Eine zweite Sache, die Bibi versucht, um die Wahl am Dienstag zu gewinnen, ist die Einschüchterung von Anklägern, die in drei verschiedenen Betrugsverfahren hinter ihm her sind. Sein großer Plan ist, sich vor dieser Verfolgung zu immunisieren (praktisch zu King Bibi zu werden). Aber um das zu erreichen, muss er die Wahl gewinnen. Haaretz ist Israels älteste Zeitung, aber nicht Bibis größter Fan(klub):

Netanyahus Plan um einem Verfahren zu entgehen, mit seinen eigenen Worten: „Es wird Zeit, dass sie sich fürchten“

https://www.haaretz.com/israel-news/elections/.premium-netanyahu-s-escape-plan-from-indictment-in-his-own-words-1.7837402

Sofort nach der letzten Wahl hat Premierminister Benjamin Netanyahu den Mitgliedern seines innersten Zirkels einen Plan skizziert, um ihn vor einem Verfahren zu retten. Der Plan basiert auf dem Erlangen von Immunität in der Knesset und der Verabschiedung eines Gesetzes, um das Oberste Gericht daran zu hindern, diese Immunität zu entziehen. Wenn sein Block nächste Woche 61 Sitze erlangt, wird Netanyahu vermutlich zu diesem Rettungsplan greifen. Für ihn wird es der Jüngste Tag sein.

Hört auf, Angst zu haben. Es wird Zeit, dass sie sich fürchten‚, sagte Netanyahu zu seinen Vertrauten, in Anspielung auf Justizbeamte unter Führung von Justizminister Avichai Mendelblit und Generalstaatsanwalt Shai Nitzan, die entschieden haben, ihn in drei Fällen anzuklagen. Netanyahu sagte zu seinen Vertrauten, warum er auf seinem destruktiven Plan besteht, dass er jedes Vertrauen in das Justizsystem verloren habe, auf allen Ebenen – in das Justizministerium, den Staatsanwalt und das Gerichtssystem.

‚Sie wollen mich hinter Gittern sehen‘, sagte er zu einem seiner Handlanger und merkte an, dass das im Falle einer Anklage der Fall sein würde – nicht weil er eine rote Linie überschritten habe, sondern weil die die Juristen in ihrer Gesamtheit ihm und seiner Ideologie gegenüber feindlich gesinnt sind. Netanyahu schient fest daran zu glauben, dass er ein Opfer ist, der von den Anklägern hereingelegt wird und dass Mendelblit, der schwach sei, ihnen nicht glauben würde, aber dem Druck nicht standhalten könne.

In seinen Interviews mit der Polizei benahm sich Netanyahu wie ein Gejagter. ‚Das ist ein irre Vorstellung‘, sagt er im Januar 2017 zum Chef der nationalen Betrugsabteilung, Koresh Bar-Nur. Bar-Nur kam mit einem Team aus Ermittlern zu Netanyahus Residenz und befragte ihn offiziell zum Fall 2000 (Case 2000), worin es um einen Bestechungsfall geht, den Netanyahu mit dem Herausgeber von Yediot Ahronoth, „Noni“ Mozes verhandelt haben soll.

Aber das ist noch nicht alles. Um die rechten Wähler zu umgarnen, plante Bibi auch die umgehende Bombardierung von syrischen Gebieten, von Assads Truppen, die „vom Iran unterstützt“ werden. Und dazu brauchte er die Erlaubnis von Wladimir Putin. Also flog er nach Moskau, hat mit Putin ein paar Fotos gemacht um den israelischen Wählern zu zeigen, was für ein wichtiger Staatsmann er sei, aber alles was er bekam war eine Abfuhr. Putin sagte: „Wir werden euch vom Himmel holen, wenn du das wagt. Und denk dran: das ist nicht das erste Mal.“

Mit anderen Worten: Bibi wurde eine Woche vor der Wahl tief erniedrigt, die er so dringend braucht um nicht ins Gefängnis zu wandern. Und jetzt sagt mir, welche Zeitung oder welchen Sender im Westen ihr gesehen habt, die das berichtet haben? Denkt daran, das geschah, bevor Trump seinen Gegenseitigen Verteidigungspakt mit Bibi angekündigt hatte. Übrigens, was soll dieses „Gegenseitig“ überhaupt bedeuten, dass Israel Amerika retten wird? Das hier stammt von Zero Hedge:

Israelische Angriffe gestoppt, nachdem Russland mit dem Abschuss der Jets drohte

https://www.zerohedge.com/geopolitical/israeli-attacks-syria-halted-after-russia-threatened-shoot-down-jets-report

„Nach Berichten sowohl israelischer und arabischer Medien hat sich Israel auf eine Ausweitung größerer Luftangriffe gegen ‚iranisch unterstützte‘ Ziele in Syrien vorbereitet, aber Russland hat eine rote Linie gezogen. The Independent veröffentlichte eine Story, wonach Russlands Militär in Syrien damit drohte, eindringende israelische Kampfflugzeuge mit Kampfflugzeugen oder ihrem S-400-System abzuschießen.

Die Jerusalem Post zitiert Quellen aus dem britischen Independent (Arabia) und schrieb kurz nach dem letzten Treffen in Sotschi zwischen Premierminister Benjamin Netanyahu und Russlands Präsidenten Wladimir Putin: ‚Gemäß diesem Bericht hat Moskau kürzlich drei israelische Luftangriffe auf drei syrische Außenposten verhindert und sogar damit gedroht, sollten Jets es wagen, so etwas zu versuchen, sie abgeschossen würden, entweder durch russische Jets oder das Luftabwehrsystem S-400.‘

Die in dem Bericht zitierte Quelle behauptet, eine ähnliche Situation habe es schon zweimal gegeben und dass im August Moskau einen Angriff auf einen syrischen Außenposten in Qasioun aufgehalten habe, wo eine S-300 Batterie stationiert ist.‘ Natanyahus hastige Reise, um sich am Donnerstag mit Putin zu treffen – kurz vor der wichtigen Wahl am Dienstag – erfolgte Angaben zufolge mit dem Ziel, den russischen Präsidenten dazu zu bringen, die Angriffe Israels auf Syrien im Grunde zu ignorieren.

Die Jerusalem Post zitiert weitere Quellen aus dem britisch-arabischen Independent Arabia: Gemäß der russischen Quelle ließ Putin Netanyahu wissen, dass sein Land nicht zulassen würde, dass der Armee des syrischen Regimes oder den ihr überlassenen Waffen Schaden zugefügt wird … Israelische Quellen zitierten die arabischen Zeitungen und beschrieben Netanyahus Versuche, Putin umzustimmen, als ein ‚Scheitern‘. Obwohl Netanyahu nach dem Treffen zu Reportern sagte, dass seine Beziehungen zu Moskau stärker als je seien.

(…) Die russische Quelle sagte: ‚Putin hat sein Missfallen über Israels jüngste Aktionen im Libanon zum Ausdruck gebracht‘ und habe Netanyahu sogar klar gemacht, dass er ‚die Aggression gegen die Souveränität Libanons zurückweist‘, etwas, das man von ihm noch nie gehört hat.

Putin wies weiter darauf hin, dass ihn jemand über Syrien und den Libanon betrügt und dass das nicht ohne Antwort bleiben wird. Nach seinen Angaben wurde Netanyahu gewarnt, solche Angriffe in Zukunft zu unterlassen.

Das ist es, wo und wann sich die Winde – und mit ihnen die tektonischen Platten – verschoben haben. Und unterschätzt das nicht. Bibi kann sich auf Trump mehr als auf jeden anderen US-Präsidenten verlassen, und die USA sind angeblich diese allmächtige Kraft, somit auch im Nahen Osten, aber Putin hat ihm gerade gesagt: „Wage es nicht!“ Putin lässt nicht zu, dass er Assads Territorium und russische Waffen antastet.

Der Trumpf ist, dass diese Waffen so ausgeklügelt geworden sind, dass Bibi, Trumps Unterstützung hin oder her, seinen Schwanz eingezogen hat, zurückgeflogen ist und hofft, dass niemand bemerkt, in welcher Lage er ist. Und zu dieser Erniedrigung setzte Putin den Libanon noch oben drauf: „Jetzt wo du schon mal da bist, ich will, dass du auch den Libanon in Ruhe lässt. So, und jetzt darfst du gehen.“ Der Libanon muss Bibi perplex gemacht haben.

Was uns diese Winde sagen, ist, dass in diesem Teil der Welt, in Syrien, Libanon und Israel (ich möchte noch nicht so weit gehen und den Iran und Saudi Arabien hinzufügen) Bibi und die USA nicht mehr das Sagen haben. Der Hauptgrund ist, wie bereits oft erwähnt, dass die russischen Waffen so mächtig geworden sind.

Denn, wie auch bereits diskutiert, die russischen Waffen mögen den amerikanischen – weit – überlegen sein, und die US-Waffenindustrie entwickelt Waffen für den Profit, während Russland sie für seine Verteidigung produziert. Putins direkte Erniedrigung von Netanyahu könnte die erste echte und offensichtliche Konsequenz dessen sein.

Das wird sich über kurz oder lang herausstellen, aber es könnte das globale politische Klima dramatisch und sehr schnell verändern. Mike Pompeo kann versuchen, den Iran für alles zu beschuldigen, was an den saudischen Ölanlagen geschehen ist, aber um den Iran anzugreifen, was der Grund für die Schuldzuweisungen sein könnte, müssten die USA Putin um Erlaubnis fragen, genauso wie es Netanyahu versucht hat.

Und warum sollte Putin diese Erlaubnis erteilen? Das ist eine wirklich gute Frage. Immerhin könnte Netanyahu am Dienstag die nötigen Sitze bekommen, um die Ermittlungen gegen ihn abzuwürgen und das Jordantal zu annektieren, aber wenn er große Träume hat, so muss er immer noch um Erlaubnis fragen. Und weder Trump noch Jared Kushner oder sonst wer kann ihm da helfen.

Die Neokons in den USA reden seit Jahrzehnten von einer Neuen Weltordnung. Nun, jetzt haben sie eine.

It’s a New World Order, Alright

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/neue-weltordnung-15-09-2019/

Diskussionen

2 Gedanken zu “Stimmt schon, es ist eine Neue Weltordnung

  1. Das ist ein sehr guter Beitrag, den jeder Leser in seinen Gedanken verarbeiten sollte. Es geht nicht um die russischen Waffen, die den US-Waffen überlegen sind, sondern es geht darum, dass das von Obama gesetzte Ziel, nachdem die Krim zu Russland gekommen war, Russland international zu isolieren nicht nur nicht erreicht werden konnte, sondern sich internationales Gehör verschaffen konnte, das immer weiter wächst und zwar in dem Umfang wie die Hegemonie der USA in der Welt schwindet. Hierbei darf auch nicht unbeachtet gelassen werden, dass Trump auf den G7-Gipfel in Frankreich sagte, dass er für den nächsten Gipfel in den USA Russland wieder hinzuholen wird. Es ist nicht von Bedeutung, ob Trump diese Ankündigung realisieren wird und ob Putin entgegen seiner Erklärung von 2015 dann der Einladung folgen wird, sondern von Bedeutung ist, dass das zeigt, dass Russland für die USA ein Partner auf Augenhöhe wieder wird.

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    Verfasst von Gerd Pehl | 18. September 2019, 9:39
  2. China investiert 400 Mrd $ im Iran, davon 280 Mrd bereits in den kommenden Jahren.

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    Verfasst von zivilistin | 18. September 2019, 9:21

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