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Ausland, Lateinamerika

Argentinien: Vorwärts zu den Arbeiterräten

von Norbert Nelte

Nach Inflation und Sozialkürzungen wurden weitere Betriebe besetzt. Die PTS steht vor dem Aufbau einer basisdemokratischen revolutionären Massen-Arbeiterpartei.

Die sozialdemokratischen Kirchners betrieben eine Politik der Abschottung Argentiniens und konnten damit die Inflationsrate bei 7,5% begrenzen. 2014 kam aber der Prozess in New York wegen einer uralten Kreditschuld und die Inflationsrate sprang auf den 2002-Wert von 43%.

Im November 2015 wurde der neoliberale Mauricio Macri gewählt, von den USA unterstützt, an die Macht gebracht. Mit einschneidenden Sozialkürzungen schaffte er die Rate 2917 wieder auf 27% runter. 2018 wurde die Gegenwehr aber derart massiv, dass sie 2018 sogar auf´über 50% hochschnellte, da den Investoren das Land zu unsicher wurde.

Im Mai 2019 schnelle sie sogar auf 57%. Macri kennt nur das Mittel, die Krise von den Arbeitern bezahlen zu lassen. Massenhaft hauten die Kapitalisten wieder wie 2001 aus Argentinien ab und zwangen die Arbeiter dazu, damit sie nicht ihren Arbeteitsplatz verlieren, ihre Betriebe zu besetzen (siehe Video Weltspiegel: G20-Gipfel im Krisenland Argentinien)

Der große Crash hat noch nicht mal angefangen, da kommen dank Macri zu den 387 selbstverwalteten Betrieben in Argentinien schon einige Dutzend dazu.

Und zu allem Schreck kamen die Vorwahlen am 6.8.19 und einer deutlichen Niederlage für  Macri: Klasse gegen Klasse, Andrés Garcés, schreibt:

Die gestri­gen Vor­wahlen (PASO) waren ein Schock für die Regierung. Mit 32,08% liegt ihre Wahl­front “Gemein­sam für den Wan­del” (Jun­tos Por el Cam­bio) über 15 Prozent­punk­te hin­ter der per­o­nis­tisch-kirch­ner­is­tis­chen “Front Aller” (Frente de Todos, FDT), die 47,65 Prozent „

Die Sozialdemokraten sind nur ein anderes Übel. Sie versuchen nur, die Notlage der Arbeiter/innenklasse etwas abzumildern, nicht, um die Arbeiter zu retten, sondern um das arme Kapital zu retten.

„Indem Sie [die Sozialdemokratie]“ erklärt Trotzki „die revolutionäre Energie des Proletariats paralysiert und bremst, verleiht die internationale Sozialdemokratie dem Prozess des kapitalistischen Zusammenbruchs die blindesten, zügellosesten, katastrophalsten und blutigsten Formen“.

(Leo Trotzki, Der einzige Weg, 8. Der Weg zum Sozialismus)

Die neoliberalen, ob De la Rua oder Macri, sind die besten Garanten dafür, dass noch vor dem endgültigen Zusammenbruch der kapitalistischen Produktion die Betriebsbesetzungen kommen.

Auch bei den Rätebewegungen nach den Zusaamenbrüchen der nationalen Kapitale, ob Paris 1882, Russland 1905 & 1917, Deutschland 1918, Ungarn 1919, Italien 1919/1920, Spanien 1936, Portugal 1974/5, Iran 1979 oder Oaxaca/Mexiko 2006, immer waren das entweder konservative Könige/Kaiser, Faschisten, Diktatoren oder Bürgerliche, Hauptsache konservativ. Die Todfeinde der Arbeiterklasse sorgen schon dafür, dass die Betriebsbesetzungen weiter gehen.

Die PTS, die Gruppe, die zusammen mit den anderen Trotzkisten in der FIT (Front der Linken) die selbst verwalteten Betriebe unterstützt, bereitet sich darauf vor und manifestiert in ihrem Aufruf:

„Zweit­ens nimmt sich die PTS [Partido de los Trabajadores Socialistas, Trotzkisten] vor, die Ten­den­zen zur Umgrup­pierung und Koor­dinierung zu fördern, die in der Arbeiter*innenklasse als erste Reak­tion auf die Angriffe von Bossen und Regierung auftreten kön­nen. Auf der Grund­lage von Beiträ­gen von Arbeiter*innen als Delegierten kon­nte der Kongress die Exis­tenz solch­er Erfahrun­gen fest­stellen, die Schritte in diesem Sinne ermöglichen

Für die rev­o­lu­tionäre Strate­gie des Trotzk­ismus bilden diese Ten­den­zen eine unverzicht­bare Grund­lage für die Per­spek­tive von Koor­di­na­tion­s­gremien oder anderen Organ­i­sa­tio­nen, die auf die Wieder­her­stel­lung der his­torischen Erfahrung der Räte der Arbeiter*innen (und der anderen unter­drück­ten Sek­toren) abzie­len, die einen guten Teil des 20. Jahrhun­derts durch­zo­gen. Solche Organe kön­nten es ermöglichen, eine eigen­ständi­ge Macht der Arbeiter*innen und der Gesamtheit der Aus­ge­beuteten zu begrün­den.“

 

 

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Diskussionen

6 Gedanken zu “Argentinien: Vorwärts zu den Arbeiterräten

  1. Wenn die PTS wirklich meint, den Sozialismus nach Trotzkis Theorien schaffen zu können, dann wäre ratsam, tiefgründig nachzudenken. Die Fehler in seiner politischen Arbeit unter Lenin waren nicht zu übersehen. Dass er dann nach dem Tode Lenins mit aller Macht versuchte, die Sowjetunion zu stürzen, scheint die PTS nicht wahrnehmen zu wollen oder sie hat wirklich nicht den Willen, die Arbeiterklasse zu einer sozialistischen Revolution zu führen.

    Wenn TOM in seinem Beitrag bemerkt, dass in Brasilien u. a. ein großer Anteil von Bauern zu keiner sozialistischen Revolution führen kann, so ist dem mit dem Blick auf das zaristische Russland von 1917 nicht zu folgen. Denn im zaristischen Russland entwickelte sich der Kapitalismus und somit die Arbeiterklasse erst spät und befand sich zurzeit der sozialistischen Revolution noch fasst in den Kinderschuhen. Es kommt nicht auf die zahlenmäßige Stärke der Arbeiterklasse an, um eine sozialistische Revolution erfolgreich zu vollenden, sondern auf die Partei, die sich die Arbeiterklasse für die Beendigung ihrer und der mit ihr Verbündeten Schichten geschaffen hat, um diese Knechtschaft zu beenden. Auch die Aussage von TOM ist nicht zutreffend, dass eine sozialistische Revolution nur dort siegreich sein kann, wo die Produktivkräfte des Kapitalismus am weitesten entwickelt sind. Lenin wies unter konsequenter Anwendung der Revolutionstheorie von Marx und Engels nach, dass der Sieg der sozialistischen Revolution zunächst in einem einzelnen Land möglich ist und dass dieses Land, das den Prozess der sozialistischen Weltrevolution beginnt, ein weniger entwickeltes Land sein kann und sein wird. Es handelt sich nicht um einen Widerlegung, sondern vielmehr um eine Bestätigung der Revolutionstheorie von Marx und ihrer Fortentwicklung durch Lenin.

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    Verfasst von Gerd Pehl | 9. September 2019, 11:41
    • Trotzki hat nach Lenins Tod mitnichten versucht, „die Sowjetunion zu stürzen“, sondern die revolutionären Errungenschaften gegen den Widerstand der von Stalin dominierten Bürokratie zu erhalten. Nachdem sich Stalin durchgesetzt hatte, löste er die Räte auf zugunsten eines Fake-Parlamentarismus.
      Zum Thema Bauern ist zu sagen, daß sich die russischen Sozialisten einig darin waren, daß ihre Revolution zum Scheitern verurteilt ist, wenn sie nicht auf die entwickelten Staaten Westeuropas übergreift. 1917 machte die Arbeiterklasse in Russland gerade mal 4% der Bevölkerung aus; die antifeudale Revolution allerdings fand nicht nur in den wenigen großen Industriestädten statt, sondern im ganzen Land – ganz unabhängig und überhaupt nicht angeführt von den Sozialisten. Darum war für die Arbeiterklasse ein Bündnis mit der Bauernschaft zwingend und die Einführung des Sozialismus stand überhaupt nicht auf der Tagesordnung. Die Revolution basierte auf den simplen Forderungen Frieden und Land. Tatsächlich wurde das Land an die Bauern auch verteilt. Ziel war es, die jetzt freien Bauern von den Vorteilen einer geplanten kollektiven Produktion zu überzeugen.
      Herr Pehl offenbart sich als lupenreiner Stalinist, wenn er sagt, es komme nicht so sehr auf die zahlenmäßige Stärke der Arbeiterklasse an, vielmehr hauptsächlich auf „die Partei, die sich die Arbeiterklasse geschaffen hat“. Er fordert damit eine dreifache Diktatur: 1. Diktatur der 4% über die 96% der Bevölkerung. 2. Diktatur der sozialistischen Partei über die Arbeiterklasse und 3. Diktatur eines Führers a la Stalin über die Partei.
      Lenins Konzeption war eine völlig andere. Er orientierte sich an der direkten Rätedemokratie der Pariser Kommune und verstand unter „Diktatur der Arbeiterklasse“, daß den Bourgeois alle Möglichkeiten genommen werden sollten, den Kapitalismus zu restaurieren, also in erster Linie die Produktionsmittel, aber auch Verfügungsgewalt über Massenmedien.
      Innerhalb der Arbeiterklasse und in der besonderen Situation Russlands als unterentwickeltes Land auch in der Bauernschaft sollten uneingeschränkte Demokratie gelten in Form der Räte. Die „führende Rolle der Partei“ sollte keine institutionelle sein, sondern den Anspruch zum Ausdruck bringen, durch Überzeugungsarbeit führen zu wollen. Damit würde jederzeit die Möglichkeit bestehen, daß die sozialistische Partei in den Räten in die Minderheit geriet.
      Genau in der Frage der Rätedemokratie liegt die Trennungslinie zwischen antidemokratischen Stalinisten und Sozialisten.

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      Verfasst von Eugen Hardt | 9. September 2019, 14:18
  2. nur knapp 3% , trotz jahrelanger krise

    +++Die Front der Linken und der Arbeiter*innen – Einheit (Frente de Izquierda y de los Trabajadores – Unidad, FIT‑U) erlangte mit dem Spitzenduo Nicolás del Caño und Romina del Plá inmitten dieser extremen Polarisierung zwischen Regierung und “Opposition” 700.000 Stimmen, was 2,86% der gültigen Stimmen entspricht. Fast die gesamte klassenkämpferische Linke hatte sich zur FIT‑U zusammengeschlossen: neben den drei Gründungsparteien – PTS, PO und IS – auch die MST und weitere Kräfte.++++https://www.klassegegenklasse.org/vorwahlen-in-argentinien-politisches-erdbeben-fuer-macri-700-000-stimmen-fuer-die-fit-u/

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    Verfasst von Tom | 8. September 2019, 12:50
  3. meine meinung zu Südamerika allgemein(kenne mich gut mit brasilien aus) :
    -SA ist auf einer vorstufe der entwicklung stehengeblieben.-sie hatten nich die ansätze einer sozialen/sozialist. revolution (ausser Gerrilla-stalinismus -Cuba+nikaragua+paar kleine länder )
    -haben noch nicht mal geschafft , ihre 500 jahre alten Kolonialstrukturen zu überwinden, riesige Latifundien in Besitz weniger oligarchen , keine bodenreform usw)
    -arbeiterklasse unorganisiert, voll illusionen , fast kein einfluss des Marxismus, siehe „Lula-Sozialismus “ usw
    -grosser anteil von Bauern
    -in brasilien hat wahrscheinlich als einziges die Mafia die grösste organisationskraft
    -kaum bis garkeine echten linken Medien, die leute glotzen alle telenovelas und Globo-KonzernTv
    usw
    ich stelle dies mal der @LZ zur diskussion ..

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    Verfasst von Tom | 8. September 2019, 12:41
  4. 2.Problem: lt Marx /E. kommt der Sozialismus zuerst in den Ländern, wo die produktivkräfte am weitesten entwickelt sind, ..u. das ist nicht Argentinien ..sondern wären die hochentwickelsten Zentren des high-tech-kapitalismus..lt der Marx-Lehre (falls die stimmt ) müsste es von dort ausgehen , statt von der verarmten periferie

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    Verfasst von Tom | 8. September 2019, 12:24
  5. Problem ist, dass dann auch eine gut bewaffnete Rote Arbeiter-Armee aufgestellt werden muss(wie in russland nach 1917 ) , sonst holt sich das kapital mit seiner Armee irgendwann seine Betriebe einfach zurück, wenn es will (offensichtlich sind die für sie aktuell einfach überflüssig, kann sich aber ändern )

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    Verfasst von Tom | 8. September 2019, 12:18

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