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Ausland, Europa

Christine Lagarde: Technokratin im Dienst der Ultrareichen

von Ernst Wolff – https://kenfm.de

Der Europäische Rat, die Runde der Staats- und Regierungschefs der EU, hat vergangene Woche beschlossen, die Französin Christine Lagarde zur Nachfolgerin des seit November 2011 amtierenden EZB-Präsidenten Mario Draghi zu machen.

Die Entscheidung ist richtungsweisend und enthüllend zugleich. Wann immer die EZB, die seit der Eurokrise mehr als 2 Billionen Euro zu immer niedrigeren Zinsen an ultrareiche Investoren vergeben hat, kritisiert wurde, haben Politiker auf ihre „neutrale“ und „unpolitische“ Rolle verwiesen.

Dieser Anschein wird nun fallen gelassen. Christine Lagarde ist keine Ökonomin, sondern Juristin und Politikerin und hat darüber hinaus acht Jahre lang als Chefin des IWF gezeigt, welche politische Agenda sie verfolgt.

Sie hat mitgeholfen, abgewirtschaftete Regierungen und insolvente Banken über Wasser zu halten und den arbeitenden Menschen die Kosten für die Rettungsaktionen aufzubürden. Sie hat dazu beigetragen, ganze Länder wie Griechenland dem Ausverkauf an zahlungskräftige Investoren preiszugeben. Ihre Politik ist dafür mitverantwortlich, dass Gesundheits- und Ausbildungssysteme zerstört und die Arbeitslosigkeit – insbesondere unter Jugendlichen in Südeuropa – in die Höhe getrieben wurden.

Während sie selbst ein steuerfreies Jahresgehalt von 467.940 US-Dollar und eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 83.760 Dollar erhält, hat sie nie die geringste Hemmung gezeigt, wenn es darum ging, Sozialleistungen für Bedürftige zu kürzen, Renten zu senken oder Jugendlichen das Recht auf Ausbildung und Arbeit zu verwehren.

Ganz anders dagegen hat sie sich den Ultrareichen und den Mächtigen gegenüber verhalten. In einem von der französischen Zeitung Le Monde veröffentlichten Brief hat sie sich 2007 beim damaligen französischen Präsidenten Sarkozy in folgenden Worten um den Posten als Finanzministerin beworben:

„Benutz mich so lange, wie es dir passt … Wenn du mich brauchst, benötige ich deine Führung und Unterstützung: Ohne Führung wäre ich ineffizient, ohne Unterstützung wäre ich nicht sehr glaubwürdig. Mit meiner immensen Bewunderung, Christine L.“

Nachdem Sarkozy ihre Unterwürfigkeit tatsächlich mit dem Finanzministerposten belohnte, revanchierte Lagarde sich auf ihre Weise: Sie sorgte dafür, dass einem seiner Wahlkampf-Finanziers nach einem Prozess um entgangenen Gewinn eine „Entschädigung“ von mehr als 400 Millionen Euro aus Steuergeldern gezahlt wurde.

Das großzügige Geschenk wurde ihr allerdings fast zum Verhängnis, denn ein französisches Gericht kippte den Deal und sprach Lagarde der Begünstigung für schuldig, verzichtete aber – offensichtlich unter politischem Druck – auf eine Bestrafung.

Es ist kein Zufall, dass der EU-Rat in unseren Tagen jemandem vom Zuschnitt einer Christine Lagarde das Steuer der EZB übergibt. Schließlich hält die EZB das europäische Finanzsystem seit der Krise von 2007/08 und der darauffolgenden Eurokrise durch Maßnahmen am Leben, die der Finanzelite riesige Gewinne eingebracht, den sozialen Graben zwischen ihr und der arbeitenden Bevölkerung immer weiter vertieft und die Risiken im System gewaltig erhöht haben.

Obwohl diese Politik den Menschen immer als eine „vorübergehenden Notlösung“ präsentiert wurde, ist mittlerweile klar, dass es aus ihr keinen Ausweg mehr gibt. Im Gegenteil: Angesichts der sich anbahnenden Rezession und der in den vergangenen zehn Jahren entstandenen Rekordverschuldung von Staaten, Unternehmen und Privathaushalten wird die EZB unter Lagarde gezwungen sein, ihren Kurs fortzusetzen und zu verschärfen.

Das System wird dadurch zwar nicht gerettet werden, aber sein finaler Zusammenbruch kann weiter hinausgezögert und der Elite damit die Gelegenheit gegeben werden, es noch weiter zu den eigenen Gunsten zu melken.

Die hierzu notwendigen Maßnahmen – billiges Geld für die Finanzelite, Enteignung der Sparer durch Negativzinsen und drastische staatliche Sparmaßnahmen – werden von den Verantwortlichen vor allem zwei Eigenschaften erfordern: Auf der einen Seite bedingungslose Unterwerfung unter die Interessen der Ultrareichen, auf der anderen Seite menschliche Kälte und soziale Gewissenlosigkeit gegenüber der arbeitenden Bevölkerung, insbesondere den unteren Einkommensschichten.

Mit der Entscheidung für Christine Lagarde als EZB-Chefin setzt der EU-Rat auf jemanden, der seit Jahren immer wieder beweist, dass er diese Eigenschaften im Überfluss besitzt.

Tagesdosis 8.7.2019 – Christine Lagarde: Technokratin im Dienst der Ultrareichen

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Diskussionen

3 Gedanken zu “Christine Lagarde: Technokratin im Dienst der Ultrareichen

  1. Es ist doch eindeutig zu erkennen, wie die Politik darauf hin wirkt, dass die Banken insbesondere die Deutschen, zerschlagen werden sollen. Es geht in die Richtung, Abschaffung des Bargeldes, absolute Kontrolle der Geldreserven der Bevölkerung usw. Die Regierung der 300, wird dafür sorgen, dass die Weltbevölkerung dezimiert wird, ohne Krieg, um das Hungerproblem in den Griff zu bekommen. Der Hunger von Millionen Menschen, wäre eine der größten Gefahren der Multireichen. Wenn diese „Mistgabel“ rebellieren würde, dann wäre es um diese Herrschaft der Reichen bestellt.

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    Verfasst von Friese, Bernd | 18. Juli 2019, 10:25
  2. Was Ernst Wolff zu der Person Lagarde darlegt, ist keinesfalls zu widersprechen. Jedoch darf nicht übersehen werden, dass Dragi nichts anderes verfolgte als es Lagarde nun tun wird. So bleibt alles beim Alten – die Reichen werden reicher, die Armen werden ärmer und die Staats- und Regierungschefs sind zufrieden, dass der Kurs beibehalten wird. Dabei darf nicht übersehen werden, dass sie es waren, die Lagarde für diesen Posten vorgeschlagen haben und das EU-Parlament dem Vorschlag zustimmte. Wenn man nun die Sache in den richtigen Zusammenhang stellt, dann ist die Tatsache nicht zu übersehen, dass die EU-Bevölkerung dafür sorgte, dass die Reichen reicher und die Armen ärmer werden. Sie war es, die ihre Staats- bzw. Regierungschefs in ihrem jeweiligen Land wählten. Sie waren es ebenfalls, die die Kandidaten für das EU-Parlament in ihrem jeweiligen Land wählten. Hat das Ernst Wolff nicht erkannt oder hat er es erkannt? Wenn er es erkannte, warum ist in seinem Artikel dann kein Hinweises dazu zu entnehmen, wie die EU-Bevölkerung auf diese Tatsache reagieren und diese beseitigen könnte? Das erwarten Leser der linken Zeitung von den Autoren.

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    Verfasst von Gerd Pehl | 9. Juli 2019, 10:33
    • Wie Herr Pehl hier argumentiert ist eine Frechheit. Er macht die EU-Bevölkerung dafür verantwortlich, daß die Reichen immer reicher werden und fordert, daß der Autor sich mit diesem Unsinn auseinandersetzt. Er hat scheinbar noch nicht realisiert, daß die bürgerliche Demokratie eine Fassadendemokratie ist, bei der alle wichtigen Entscheidungen von Lobbyisten in Hinterzimmern getroffen werden. Angesichts von Waschmittelwahlkämpfen der Reichen und angesichts der systematischen Indoktrination der Bevölkerung von Staats- und Konzernmedien gilt die alte Feststellung: Die herrschenden Gedanken sind die Gedanken der Herrschenden.
      Hinzu kommt, daß die EU-Institutionen überhaupt nicht gewählt sind und das EU-Parlament nichts zu sagen hat.
      Herr Pehl betreibt unter dem Mäntelchen des Marxismus eine Prosystempropaganda.

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      Verfasst von LZ | 9. Juli 2019, 10:51

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