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Ausland, Europa

Warum ich nicht Russland hasse?

von George Ades – https://einarschlereth.blogspot.com

Aus dem Englischen: Einar Schlereth

Bild: Wilde Natur und alte Kultur

Ich bin geboren und aufgewachsen auf der kleinen Mittelmeerinsel Zypern, die selbst heute noch keine Million Einwohner hat. Zypern wird als fest in der westlichen Einflusssphäre verankert angesehen. Es war von 1878 bis 1959 Britische Kolonie und gewann seine Unabhängigkeit durch einen bewaffneten Kampf gegen die britische Regierung, der vier Jahre dauerte, die Probleme hatte, ihn einen «Terroristen-Aufstand» zu nennen, obwohl nie ein britischer Zivilist ums Leben kam.

Die ersten Jahre meines Lebens verliefen unter britischer Herrschaft – mein britisches Geburtsdokument hatte ein britisches Kolonial-Siegel. Und meine früheste Erinnerung ist, wie ich als Kleinkind mit Gewalt ergriffen und von einem britischen Soldaten durch ein Fenster geworfen wurde, als ich in unserem Hof spielte, als sie mal wieder eins der häufigen Ausgangsverbote erlassen hatten.

Zur Zeit, als die östlichen europäischen Länder durch die Unterdrückung der früheren Sowjetunion mit ihren kostenlosen Wohnungen, ihrer kostenlosen Gesundheits-Versorgung und freier Erziehung aller Ebenen für alle furchtbar litten, erzogen meine Eltern vier Kinder in zwei winzigen Zimmern, einer kleinen Küche und einer Außentoilette und kalter Dusche.

Unter der zivilisierten westlichen Herrschaft der Briten musste für die weiterführende Erziehung nach der Grundschule bezahlt werden, was sich damals die meisten Zyprioten nicht leisten konnten und wenn man krank wurde und kein Geld für den Doktor, dann braute man sich selbst etwas zusammen oder man starb. Höhere Schulen und Universitäten war etwas, wovon man hörte, die aber nicht in unserem Land existierten. Die Zyprioten, denen es gelang, eine Uni-Erziehung zu erhalten, waren entweder die Kinder reicher Leute oder solche, die ein freies Stipendium vom armen Griechenland oder der Sowjetunion erhielten. Nie wurde ein Stipendium den Zyprioten von England gegeben oder von den USA oder auch – so weit ich weiß – von irgendeinem anderen zivilisierten westlichen Land.

Republik Zypern (blau); rot ist das turkische Zypern

Als die Türkei 1974 Zypern invadierte, unterstützt sowohl von den USA als auch England, bedauerte ich die Tatsache, dass Russland, das uns gegenüber immer freundlich eingestellt war, es nicht verhindern konnte. Als ich älter und klüger wurde, wurde mir klar, dass das, was in Zypern passiert war, eindeutig eine westliche «heimische Angelegenheit» war, in die sich die Sowjetunion nicht einzumischen hatte. In der UNO hat die Sowjetunion und später gefolgt von Russland immer als eins der fünf permanenten Mitglieder des Sicherheitsrates unfehlbar die Position der legitimen zypriotischen Regierung vertreten und hat mehr als einmal die hinterhältigen Versuche der Briten, in der UNO Vorschriften einzubringen, die günstig für die Türkei und sie selber waren, verhindert. Bei einer Gelegenheit, als Zypern im Sicherheitsrat bis tief in die Nacht diskutiert wurde, hat der russische Botschafter, der den Verdacht hatte, dass die Briten uns über’s Ohr hauen wollten, einen jungen Diplomaten an seiner Stelle hinterlassen mit der Aufgabe, ihn zu wecken, während er eine Ruhepause einlege. Wie erwartet, versuchten die Briten etwas einzuschmuggeln, was nicht für Zypern günstig war; der russische Botschafter wurde alarmiert, er kam in die Kammer und verkündete: «Ich weiß nicht, was sie vorhaben, aber ich lege mein VETO ein und nun Gute Nacht.»

Später dann, nach der Invasion Zyperns durch die Türkei, hat Washington in seiner unendlichen Weisheit und unter Anwendung der «amerikanischen Werte», von denen wir so viel hören, ein Waffen-Embargo erlassen, nicht für den Aggressor, die Türkei, sondern für das Opfer, das Volk von Zypern. Die Sowjetunion, später gefolgt von Russland, hat es ignoriert und versorgte Zypern mit den notwendigen Mitteln, um sich zu verteidigen, worüber unsere westlichen «Freunde, Alliierten und Partner» sehr unglücklich waren.

Als die junge Republik Zypern Darlehen brauchte, um auf die Füße zu kommen, war es die Sowjetunion, gefolgt von Russland, die die günstigsten Zinsen anboten. Als uns unsere EU-Partner auf die Knie zwangen, ökonomisch vor sieben Jahren, hat Russland einseitig die Darlehensperiode für Zypern ausgeweitet und die Zinsen herabgesetzt, um uns Luft zum Atmen zu geben. Ich weiß, dass einige von euch, nach dem «Haken» suchten; ich kann euch versichern, dass ich lange und intensiv gesucht habe. Aber es gab keine Fußangeln, niemals bei der russischen Großzügigkeit und Solidarität. Wenn Zypern Russland erlaubt, in seinen Häfen anzulegen, um zu tanken und ihren Proviant aufzufüllen, ist es das Mindeste, was wir für unsere russischen Brüder tun können. Und es ist keine Höflichkeit, die wir allen erweisen.

Wir, die Griechen von sowohl dem Festland als auch von der Insel Zypern, sind niemals bedroht worden, erpresst, verraten, betrogen oder eingeschüchtert worden weder von der Sowjetunion noch von Russland.

Ich wünschte nur, ich könnte dasselbe sagen über die Behandlung, die wir von unseren westlichen «Freunden, Partnern und Alliierten» erfahren haben.
Quelle – källa – source 

https://einarschlereth.blogspot.com/2019/07/warum-ich-nicht-russland-hasse.html#more

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Warum ich nicht Russland hasse?

  1. Ein sehr guter und aufschlussreicher Artikel, der insbesondere die fragwürdigen Herrschaftspratiken der nach dem offiziellen Narrativ des Kalten Krieges „Guten“ offenlegt.

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    Verfasst von Ansgar Grauwind | 8. Juli 2019, 13:21

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