//
du liest...
Ausland, Europa

Soll Julian Assange ermordet werden?

von Peter Koenig – http://luftpost-kl.de

Bild: Julian Assange bei seiner Verschleppung aus der ecuadorianischen Botschaft
( Foto entnommen aus https://www.bbc.com/news/world-48473898 )

Julian Assange soll vermutlich im Belmarsh-Gefängnis im Südosten Londons vom Gefäng­nisdienst Ihrer Majestät (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Her_Majesty%E2%80%99s_Pri­son_Service ) langsam ermordet werden. Dieses Gefängnis ist bekannt dafür, dass dort Menschen lebenslang eingesperrt werden, die niemals wegen eines Verbrechens ange­klagt wurden. Es gilt als die britische Version von Guantanamo, denn dort werden vor al­lem angebliche Terroristen weggesperrt, die von der britischen Polizei, den britischen Ge­heimdiensten und deshalb auch von den britischen Massenmedien und dem britischen Es­tablishment für Terroristen gehalten werden. Viele der angeblichen Terroristen wurden nur durch ständig in den Medien wiederholte Anschuldigungen und nicht durch erwiesene Tat­sachen erst zu Terroristen gemacht.

Sie haben sicher auch schon gehört, dass eine Lüge, die zur Wahrheit erhoben werden soll, nur oft genug wiederholt werden muss. Die Öffentlichkeit wird indoktriniert, indem man eine Person, eine Gruppierung oder einen Staat so lange dämonisiert, dass er oder sie das Imperium nicht mehr durch die Aufdeckung imperialer Verbrechen gefährden kann. Genau das wird gerade mit Julian Assange gemacht, und nach gleichem Muster, wenn auch in anderem Ausmaß, werden auch der russische Präsident Putin, Russland und Chi­na diskriminiert. Und es scheint immer zu funktionieren – in der „gehirngewaschenen“ westlichen Gesellschaft, die von skrupellosen US-Vasallen geführt wird.

Was mit Julian Assange geschieht, könnte jedem Journalisten passieren, der die Lügen und kriminellen Machenschaften des Imperiums und seiner Wasserträger enthüllt. Jeder Journalist, Whistleblower oder wahrheitsliebende Mensch, der es wagt, über anglo-zionis­tische Gräueltaten zu berichten, könnte künftig in Lagern wie Guantanamo oder Gefäng­nissen wie Belmarsh landen und dort als „Gefährder“ so lange festgehalten werden, wie es der Gefängnisdienst ihrer Majestät oder andere Behörden für notwendig halten und dort einer bis zur Folter reichenden „Sonderbehandlung“ unterzogen werden.

Im Fall Julian Assange geht es nicht nur um den „Entzug der Redefreiheit“. Seine Behand­lung verstößt auch gegen andere Menschenrechte. Die Regierungen der USA und Groß­britanniens wollen einen herausragenden Verfechter der Redefreiheit zum Schweigen bringen und für die Verbreitung wichtiger Informationen bestrafen, damit die Welt erkennt, wie gefährlich es sein kann, zum Whistleblower zu werden und sich für die Rede- und In­formationsfreiheit einzusetzen.

Julian Assange wurde zu einer „vorläufigen Gefängnisstrafe“ von 50 Wochen verurteilt, weil er 2012 nach Freilassung auf Kaution nicht zur Gerichtsverhandlung erschienen war, sondern Asyl in der ecuadorianischen Botschaft beantragt hat. Und warum hat er die Kau­tion verfallen lassen? Weil er befürchten musste, an Schweden, einen auf dem Weg in den Faschismus befindlichen Staat ausgeliefert zu werden, wo ihm eine Anklage wegen an­geblicher sexueller Verfehlungen und Vergewaltigung und die Auslieferung an die USA drohten. In den USA muss er damit rechnen, in einer gefakten Gerichtsverhandlung zum Tod oder zu lebenslanger Haft in Guantanamo verurteilt zu werden.

Deshalb ließ er die Kaution verfallen und floh in die ecuadorianische Botschaft, weil ihn westliche Medien mit Propagandavorwürfen überhäuften – die alle, die nicht blind oder be­reits indoktriniert sind – als „gefaked“ erkennen konnten. Rafael Correa, der damalige Prä­sident Ecuadors, durchschaute den Westen, gewährte Julian Asyl und machte ihn später sogar zum ecuadorianischen Staatsbürger. Correas faschistischer Nachfolger, die US-Ma­rionette Lenin Moreno, widerrief die Staatsbürgerschaft wieder, weil ihm dafür ein IWF­Darlehen von 4,2 Milliarden US-Dollar gewährt worden sein soll, damit seine Regierung eine neoliberale Wirtschaftsreform durchführen konnte, mit der viele soziale Programme gestoppt wurden, die Correa zum Wohl der ecuadorianischen Bevölkerung eingeführt hat­te.

Wie krank ist dieses Verhalten? – Leider werden derart pathologische oder sogar psycho­pathische Handlungen in der heutigen Welt widerspruchslos akzeptiert. Das ist die neue Normalität. Die westliche Gesellschaft scheint so unheilbar krank, korrupt und durchgängig „gehirngewaschen“ zu sein, dass wegen der geringen Einflussmöglichkeiten nur noch eine schwache Hoffnung auf Heilung besteht. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen im Westen doch noch aufwachen, ist äußerst gering, weil sie immer tiefer in einen bodenlo­sen Abgrund abgleiten.

Washington beschuldigt Julian Assange, Computer gehackt und eine Verschwörung ge­gen die USA angezettelt zu haben. In Wirklichkeit geht es aber nur um das 2010 von Wiki­Leaks verbreitete berüchtigte Video, auf dem die brutale Ermordung harmloser Zivilisten durch die Besatzung eines Hubschraubers der U.S. Army und andere US-Gräueltaten zu sehen sind. Dieses Video wurde weltweit zig millionenmal aufgerufen (Sie finden es unter https://collateralmurder.wikileaks.org/ . Weitere wichtige Informationen dazu sind aufzuru­fen unter https://www.spiegel.de/video/kriegsvideo-toeten-wie-im-computerspiel-video­1059794.html , http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP10210_160410.pdf und http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_08/LP23008_241108.pdf ). Chelsea Manning, die WikiLeaks das Video zugespielt hat, kam dafür ins Gefängnis.

Obwohl dieses kurze Video auf der ganzen Welt wahrscheinlich von mehr als einer Milliar­de Menschen gesehen wurde, ging niemand auf die Barrikaden. Es gab keine Massende­monstrationen, und niemand forderte den Schurkenstaat USA auf, seine Tötungsmaschi­nerie zu stoppen und mit dem täglichen Morden aufzuhören. Weil niemand protestierte, geht das Morden bis heute weiter. Und Washington versucht alles, um die Aufdeckung weiterer und künftiger Gräueltaten zu verhindern. Julian Assange soll für immer zum Schweigen gebracht werden, um potentielle Whistleblower und andere Verbreiter der Wahrheit einzuschüchtern.

Während der 50 Wochen, die Assange im britischen Guantanamo in London verbringen muss, gäbe es viele Gelegenheiten, seinen Tod herbeizuführen, damit er nicht an die USA ausgeliefert werden kann. Damit würde man Washington viel Ärger und vor allem den Scheinprozess ersparen, den man Julian Assange machen müsste. Wenn Assange in ei­nem britischen Gefängnis eines „natürlichen Todes sterben“ würde, könnten Trump und die Leute im US-Kongress, die ihn am liebsten von einem CIA-Mordkommando umbringen ließen, ihre blutigen Hände in Unschuld waschen. Die Öffentlichkeit würde nie erfahren, was wirklich hinter den dicken Mauern eines Gefängnisses Ihrer Majestät passiert ist. Es gäbe allenfalls einige Aufregung in den Medien, die sich aber – wie das bei derartigen An­lässen immer geschieht – schnell wieder legen würde. Der Wikileaks-Gründer wäre ver­stummt, und alle potentiellen Whistleblower und investigativen Journalisten wären ge­warnt. Man hätte also das angestrebte Ziel erreicht.

Um dieses Ziel zu erreichen, wird man Julian vermutlich psychisch und oder sogar phy­sisch foltern. Nils Melzer, ein Folter-Experte der Vereinten Nationen, hat in einem BBC-In­terview geäußert, Julian Assange habe „wohl länger psychische Folter erdulden müssen“ (s. https://www.bbc.com/news/world-48473898 ). Melzer hat Großbritannien außerdem aufgefordert, Assange nicht an Washington auszuliefern (s. https://www.wsws.org/de/ar­ticles/2019/07/02/melz-j02.html ). Karen Kwiatkowski (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Ka­ren_Kwiatkowski ), eine bereits pensionierte Offizierin der U.S. Air Force im Rang eines Lt. Col. (Oberstleutnants) hält es für möglich, dass Assange unter Drogen gesetzt wurde, die – wie der unter der Abkürzung BZ bekannte Psychokampfstoff 3-Chinuclidinylbenzilat – Halluzinationen, Verwirrtheit und Gedächtnisverlust hervorrufen. Das könnte der Grund gewesen sein, warum Julian bei der per Videoschaltung ins Gefängnis durchgeführten richterlichen Anhörung nicht klar sprechen konnte; anschließend musste er in die Kranken­station des Belmarsh-Gefängnisses Ihrer Majestät eingeliefert werden. Auf den wenigen Bildern, die aus der Krankenstation nach außen gelangten, sah er wie ein Zombie aus.

Hoffentlich treten meine Befürchtungen nicht ein. Hoffentlich gelingt es Assanges Unter­stützern, ihn aus den Fängern des Imperiums und seiner Helfershelfer zu befreien, was an ein Wunder grenzen würde.

Die westliche Welt hat der Einkerkerung Julian Assanges durch den Gefängnisdienst Ihrer Majestät tatenlos zugesehen und unterstützt sie sogar noch. Viele Medien haben applau­diert, als Assange von der britischen Polizei brutal aus der ecuadorianischen Botschaft entführt, in einen Van gezerrt und in Untersuchungshaft genommen wurde. Nur Stunden später wurde er mit einer äußerst fragwürdigen Anklage zu 50 Wochen Haft verurteilt, nur weil er die Kaution verfallen ließ.

Was dazu zu sagen ist, hat Paul Craig Roberts besser als alle anderen gesagt:

„Wenn die Welt den gemeinsam von den USA, Großbritannien und Schweden geplan­ten Justizmord an einem unschuldigen Menschen tatenlos zulässt, verdient sie es nicht, auch nur eine Sekunde länger zu existieren.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Dieser Artikel wurde zuerst von New Eastern Outlook veröffentlicht.

Peter Koenig ist Wirtschaftswissenschaftler, geopolitischer Analyst und Experte für Trink­wasser und Umweltfragen. Er hat über 30 Jahre lang für die Weltbank und die Weltge­sundheitsorganisation in den Bereichen Umwelt und Wasser gearbeitet. Er hält Vorlesun­gen an Universitäten in den USA, Europa und Südamerika und schreibt regelmäßig für Global Research, Information Clearinghouse, RT, Sputnik, PressTV, The 21st Century, TeleSUR, The Saker, New Eastern Outlook (NEO) und andere Websites.

Er ist der Autor des Buches „Implosion – An Economic Thriller about War, Environmental Destruction and Corporate Greed – fiction based on facts and on 30 years of World Bank experience around the globe“ (Implosion – Ein ökonomischer Thriller über Krieg, Umwelt­zerstörung und die Habgier der Konzerne / Ein Roman, der auf Tatsachen und Erfahrun­gen beruht, die in 30-jähriger Tätigkeit für die Weltbank rund um die Welt gesammelt wur­den). Außerdem ist er Mitverfasser des Buches „The World Order and Revolution! – Es­says from the Resistance“ (Weltordnung und Revolution – Essays über den Widerstand).

Außerdem recherchiert er für Global Research.

(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in Klammern versehen. Die Action 4 Assange [s. unter https://action4assange.com/lighting-up-the­world-with-support-for-julian-assange/?fbclid=IwAR2CyASbcqf6GvG-MCfSMqLc9Mru9-  aDvgZg0K1Vvc9nHn56mkQQNnsYeTpo ] hat darauf aufmerksam gemacht, dass Julian Assange am 03.07.19 im Londoner Belmarsh-Gefängnis 48 Jahre alt wurde und zu welt­weiten Solidaritätsveranstaltungen für ihn aufgerufen. Daran hat sich auch das Free Assange Committee Germany [s. https://www.facebook.com/Free-Assange-Committee­Germany-296800261268837/ ] beteiligt.

Wer Julian Assange schreiben oder bei der Gefängnisleitung gegen seine Inhaftierung protestieren will, die Anschrift des Gefängnisses ist zu finden unter http://www.justice.go­v.uk/contacts/prison-finder/belmarsh . Sie lautet

HM Prison Belmarsh
Western Way
Thamesmead
London
SE28 0EB

.)

The Murdering of Julian Assange

http://luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_19/LP07819_050719.pdf

Diskussionen

Es gibt noch keine Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Archive

%d Bloggern gefällt das: