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Debatte, Linke Bewegung

Offener Brief an linke Organisationen zur Frage der Energiepolitik

von https://aufruhrgebiet.de

Werte GenossInnen,
nachdem wir in unserem 1. Offenen Brief die Klimafrage beleuchtet haben, wenden wir uns nun der Frage der Energiewende (EW) zu, weil die Linke u.E. auch hier falsche Positionen vertritt. In unserem Klima-Brief haben wir gezeigt, dass es keine Beweise für die Behauptung einer drohenden anthropogenen Klimakatastrophe gibt und diese letztlich (unabhängig von den oft subjektiv „ehrenwerten“ Motiven der KlimaschützerInnen) den Profit- und Machtinteressen bestimmter Milieus dienen. Wir wollen in diesem Beitrag zeigen, warum die EW nicht nur nicht notwendig ist, sondern sogar negative Folgen in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht hat, eine technologische Sackgasse darstellt und das Stromsystem unterminiert.Es ist unstrittig, dass das Energiesystem ständig verbessert werden sollte. Historisch ging es dabei immer darum, a) die an einem Ort „erzeugte“ Energiemenge zu vergrößern, b) die Abhängigkeit von den Launen der Natur zu minimieren und c) die Rationalität der Energietechnik (Energieausbeute, Verbrauch an Arbeitszeit und Ressourcen) zu verbessern.Die EW, deren Kern die Implantierung der „Erneuerbaren Energien“ (EE) – v.a. Wind- und Solartechnik – ist, bringt in allen drei Bereichen einen klaren Rückschritt.Mythen und die RealitätWind, Sonnenstrahlung und Biomasse haben nur einen geringen Energiegehalt („Energiedichte“) gegenüber Kohle, Öl, Gas oder der Kernspaltung. Es ist also viel technischer Aufwand erforderlich, um aus Sonne oder Wind Strom zu erzeugen. Daraus folgt, dass sehr viele dieser Anlagen gekoppelt werden müssen, um eine Stadt oder einen Groß-betrieb zu versorgen. Da z.B. Windkraftanlagen (WKA) nicht in Städten stehen können, muss der Strom über größere Entfernungen transportiert werden, was mit Leitungsverlusten verbunden ist.Generatoren (nicht nur von WKA) haben eine exponentielle Leistungscharakteristik. Bei halber Windstärke (1,5-2) geht deshalb die Stromerzeugung nicht um 50% zurück, wie der „gesunde Menschenverstand“ annimmt, sondern sinkt auf nur 1/8. U.a. aus diesen Gründen liegt die reale Erzeugungsleistung von WKA in Deutschland lt. Statistik nur bei ca. 17% (!) ihrer Nennleistung. Eine 2-Megawatt-WKA liefert also im Durchschnitt nur etwa 340 Kwh. Das entspricht lediglich der Leistung von 3-4 PKW-Motoren (die noch dazu stetig und regelbar produzieren können).Berichte, nach denen ein Windpark soundso viele Haushalte (autark) versorgen könnte, sind in doppelter Hinsicht eine Lüge: 1. wird meist die Nennleistung angegeben (anstatt der weit niedrigeren Einspeiseleistung); 2. wird ver-schwiegen, dass bei zu wenig Einspeisung wg. Windflaute Strom aus Wind-unabhängigen Kraftwerken benötigt wird.Die Behauptung, EE-Anlagen wären heute schon preiswerter als konventionelle und würden immer billiger, ist falsch. Ein gängiges Windrad wie das Enercon E-101 mit 140m Nabenhöhe, 101m Rotordurchmesser und 3 Mw-Generator kostet über 5,2 Mio. Euro. Eine solche Anlage besteht aus 5-6.000 Tonnen Material (Zement, Stahl, Kupfer u.a.).Die technische Leistungsreserve von Wind- und Solaranlagen ist kaum noch steigerbar, die anfängliche Verbilligung dieser Anlagen durch die Massenproduktion ist vorbei, die Produktionskosten bleiben fast gleich, alle anderen Kosten (Aufbau, Transport usw.) steigen sogar.Zu b) Als mit der Entwicklung der Industrie die Windräder verschwanden, lag das v.a. daran, dass sie zu wenig und nur unzuverlässig Energie bereitstellten. Dieser grundsätzliche Nachteil von Wind- und Solaranlagen besteht natürlich weiter. Oft fällt die Erzeugung von Wind- und Solaranlagen fast auf Null – und zwar europaweit, weil die Wetterlagen (Hochs und Tiefs) sehr großflächig und Ausgleichseffekte daher gering sind. Wind- und Solarstrom ist also nicht nur unsteter „Zappelstrom“, sondern fällt bisweilen auch komplett aus, wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint (Dunkelflaute). Diese Situationen treten v.a. bei Inversionswetterlagen auf und können bis zu 10 Tage dauern. Für eine solch lange Periode muss die Spitzenverbrauchsmenge (!) abgesichert sein, soll nicht das gesamte soziale Leben mangels Strom kollabieren. Um das zu verhindern, gibt es zwei Möglichkeiten: 1. eine Reserve an zuver-lässigen Erzeugern (Kohle, Gas, AKW, Wasser, Biogas), die aber fast so groß sein müsste wie der gesamte derzeitige Kraftwerkspark oder 2. die Speicherung von Strom bzw. Energie.

Die Speicherung von Strom bzw. dessen Umwandlung ist „an sich“ möglich. Doch in der Praxis und in den nötigen riesigen gesellschaftlichen Dimensionen scheitert sie an den immensen Kosten bzw. fehlenden natürlichen Grund-lagen. Der Strombedarf Deutschlands schwankt zwischen 45.000 Mw (Sommer, Wochenende) und etwa 80.000 Mw (Höchstlasttag im Winter). Wenn wir – unter der Annahme von 100%-EE-Stromerzeugung – von einem Tagesdurch-schnitt von 60.000 Mw und einem Ausfall von nur 50% der Erzeugung aus EE (Dunkelflaute) über 5 Tage ausgehen, so müsste ein Volumen von 180.000 Mw gespeicherter Strom zur Verfügung stehen. Da jeder Speicherungs- bzw. Um-formungsvorgang physikalische Arbeit darstellt, d.h. dabei Energie „verloren“ geht, muss noch mehr Strom erzeugt werden, um diesen Verlust auszugleichen. Rechnen wir mit durchschnittlich 25% Verlust, müssten schon 225.000 Mw gespeichert werden.Deutschlands größtes Pumpspeicherkraftwerk (PSK) ist Goldisthal in Thüringen. Nach heutigen Preisen würde diese Anlage ca. eine Milliarde kosten. Ihre Leistung beträgt etwa 1.000 MW – aber nur für 9 Stunden! Wir brauchten also über 200 solcher Anlagen zusätzlich, um die entsprechende Speicherleistung zu erbringen. Dafür fehlen sowohl das Geld – 200 Mrd. Euro – als auch geeignete Standorte.Über die Probleme und die Kosten der Speicherfrage, die noch völlig ungelöst ist, werden wir von den EW-Be-fürwortern und den Medien bewusst belogen. Ohne Speicherung ist die EW unmöglich, mit ist sie unbezahlbar.Das SystemischeMit der Nutzung der Elektrizität entstand das erste Energiesystem, nachdem es zuvor nur autarke Anlagen (Wasser- und Windmühlen, Dampfmaschinen) gab. Dass das Stromsystem ein System ist und was daraus folgt, wird in den Debatten um die EW meist völlig ausgeblendet.Das Stromnetz verbindet in jedem Moment alle Erzeuger mit allen Verbrauchern. Es muss zu jeder Sekunde (!) genau-so viel Strom ins Netz eingespeist wie entnommen werden. Die Netzspannung beträgt 50 Herz, schwankt sie nur um ein Herz (und kann diese Schwankung nicht sekundengenau ausgeglichen werden) kann das Netz zusammenbrechen. Aufgrund der internationalen Verbindung der Netze setzt sich ein örtlicher Netzkollaps schnell regional oder länder-übergreifend fort, wie sich z.B. 2012 zeigte, als eine technische Panne in Norddeutschland zu Netzzusammenbrüchen bis nach Spanien führte.Wie wird die konstante Netzspannung gewährleistet? Durch das gleichmäßige Rotieren großer Schwungmassen – den Turbinen der Großkraftwerke. Werden die „Traditionellen“ durch Wind- und Solaranlagen ersetzt, die weder einzeln noch im Verbund eine stabile Lauf- und Einspeisecharakteristik haben, ist ein sicherer Netzbetrieb unmöglich bzw. es werden umfangreiche Maßnahmen zum Netzmanagement nötig, die kompliziert und teuer sind. Seit Beginn der EW ist die Zahl der Eingriffe zur Netzstabilisierung gewaltig gestiegen. Gab es 2010 nur 300 solche Re-Dispatch-Eingriffe, waren es 2012 schon 1.000, 2015 waren es 15.811, 2017 schließlich 20.438! Wir nähern uns also einem Black out immer mehr an …Wind- und Solaranlagen sind also wg. ihrer technischen Charakteristik für ein Stromsystem an sich ungeeignet. Die Netz-Schwankungen könnten allerdings ausgeglichen werden – wenn genügend Speicherstrom zur Verfügung stünde, was angesichts der technischen Probleme und der Kosten unrealistisch ist.NetzausbauDie EW vergrößert die Diskrepanz zwischen Erzeugung und Verbrauch dramatisch, weil manchmal riesige Über-kapazitäten erzeugt werden und manchmal die Erzeugung auf nahe Null sinkt. Zudem erhöht sich die Entfernung zwischen den Verbrauchern (Städte) und den Erzeugern, die v.a. im ländlichen Raum stehen. Diese Diskrepanz soll durch den Leitungsausbau überwunden werden. Doch der Leitungsausbau (der fast noch gar nicht begonnen hat) erzeugt enorme Probleme und Kosten. Welcher Strom fließt z.B. durch den Nord-Süd-Link, wenn im Norden gerade kein Wind weht?!Lt. dem Bundes-Netzentwicklungsplan wäre bis 2030 der Bau bzw. Umbau von über 150.000 Km Stromtrassen nötig. Die Gesamtkosten betragen für die nächsten 18 Jahre über 27 Mrd. Euro. Die Pläne der Bundesländer sind noch ambitionierter. Demnach sollen über 190.000 Km neu verlegt und 25.000 umgebaut werden, Gesamtkosten: 42,5 Mrd. Euro.Die Proteste gegen den Bau von Überlandtrassen haben zur Folge, dass mehr Gleichstrom-Erdkabel verlegt werden. Diese sind nicht nur extrem teuer – ein (!) Kilometer Erdkabel kostet bis zu 11 Mill. Euro, das Sechsfache gegen-über Freileitungen – sondern auch ökologisch und technisch fraglich. Die Stromleitung per Erdkabel über große

Entfernungen ist international weder üblich noch erprobt. Wie so oft bei der EW werden auch hier Milliarden aus-gegeben, ohne dass Nutzen und Funktionsweise einer Technik hinterfragt werden.Neben dem Erdkabel muss eine Straße oder ein Weg bestehen, um Zugang für Reparaturen an den Muffen und Kabeln zu haben. Durch die Wege werden die Felder der Bauern zertrennt. Direkt über der Leitung entstehen Abwärme und daher Verdunstung, was naturschutzrelevante Flächen beeinträchtigt. Es ist falsch, dass bei Erdverkabelung weniger Umweltprobleme entstehen würden als bei Freileitungen. Zwölf Rohre auf einer Gesamtbreite von 20 Metern sind nötig, um die Leitungsleistung einer 380 kV-Freileitung zu erreichen. Das heißt, eine 20m breite Wanderbaustelle schweißt sich durchs Land. Ein 380-kV-Erdkabelsystem weist gegenüber Freileitungen zudem auch etwa 25% höhere Stromverluste auf.Klimaschutz?Das nur äußerst geringe Absinken der CO2-Emissionen belegt das völlige Versagen der EW. Die Abschaltung der CO2-freien AKW konnte nur durch die weitere Nutzung der Kohleverstromung ausgeglichen werden, um die Grund-lastversorgung und die Netzstabilität zu sichern. Der exorbitant hohe Ressourcenverbrauch der EE (v.a. WKA, Netz-ausbau, Speicher), die gravierenden Schäden durch den Energiepflanzenanbau (Mais-Monokulturen, hoher Herbizit- und Pestiziteinsatz), der Verlust an Naturfläche (eine wirklich endliche Ressource!), die Entsorgungsfrage (ein Teil alter Solar- und Windanlagen sind Sondermüll) usw. wiegen in der Summe weit schwerer als die minimalen Einspar-effekte bei Öl oder Kohle. Fazit: die EE sind nicht ökologischer oder Klima-verträglicher als die „Traditionellen“.Der weitere Ausbau der EE führt zu immer mehr Überkapazitäten und zum immer weiteren Auseinanderklaffen von Stromangebot und -verbrauch. Die Netzstabilität sinkt, die Gefahr eines Netz-Kollaps steigt. Entweder führt die EW dazu, dass neben den EE fast der gesamte heutige Kraftwerkspark als stabile Erzeugerreserve bestehen bleibt, d.h. es existieren dann zwei Erzeugersysteme, wofür früher eines reichte, oder/und es ist ein exorbitanter Ausbau von Speicherkapazität nötig. Ein absurdes, unbezahlbares, ökologisch und sozial schädliches und für das Klima unwirk-sames Megaprojekt.Selbst wenn Klimaschutz nötig wäre, sind die EW und die EE die falschen Mittel, diesen zu erreichen. Die meisten Behauptungen über die Vorteile und die Möglichkeiten der EW sind reines Wunschdenken, wenn nicht Lügen, die mit den realen Problemen und deren Dimensionen nichts zu tun haben und mit den technischen, naturwissenschaftlichen und finanziellen Realitäten kollidieren.Das EEGDas „Erneuerbare Energien Gesetz“ (EEG) ist der rechtliche Rahmen der Energiewende. Zwei wesentliche Be-stimmungen des EEG sind 1. die Vorrangeinspeiseregelung, die dafür sorgt, dass immer zuerst EE-Strom ins Netz eingespeist wird, was tendenziell dazu führt, dass Kohlestrom nur als Reserve (bei Wind- und Sonnenflaute) genutzt wird. Dass der Anteil des Kohlestroms trotzdem kaum sinkt, liegt a) am Atomausstieg, weil der grundlastfähige Atom-strom nicht durch Wind- und Solarstrom ersetzt werden kann und b) daran, dass Wind und Sonne als Energiequellen so oft ausfallen. Die 2. wesentliche EEG-Bestimmung regelt die Einspeisevergütung für EE-Erzeuger. Diesen wird ca. für 20 Jahre (etwa die Gesamtlaufzeit einer Wind- oder Solaranlage) ein besonders hoher Profit garantiert – sogar für nicht erzeugten Strom! Ohne diese u.a. EEG-Regelungen hätten sich die technisch mangelhaften, ineffizienten und teuren EE nie am Markt etablieren können.Kohleausstieg?Sicher ist ein Ausstieg aus der Kohleverbrennung wünschenswert und für die Zukunft auch möglich. Doch daraus folgt nicht, dass er so schnell wie möglich oder gar sofort erfolgen könnte und müsste. Ein sofortiger oder kurz-fristiger Kohleausstieg oder die Forderung „100% erneuerbar“ bedeuten, dass ca. 50% der Stromerzeugung und fast die gesamte Fern- und Prozesswärmeversorgung zerstört würden. Leute, die so etwas fordern, sind völlig realitätsfremd!Wie kann ein Weg aus der Kohle aussehen? Seit den 1980er Jahren sinkt der Stromverbrauch in Deutschland v.a. aufgrund höherer technischer Effizienz – seit 1990 um 10%. Dadurch könnten nach und nach Kohlekraftwerke ab-geschaltet werden. Eine Modernisierung aller dt. Kohlekraftwerke auf den neuesten Stand würde – bei gleicher Er-zeugungsleistung – ca. 20% Kohle(förderung) und entsprechend Emissionen (u.a. CO2) einsparen. Doch das erfolgt, obwohl es viel billiger und System-kompatibler wäre als der EE-Ausbau, nicht. Die meisten Kohlekraftwerke werden auf Verschleiß gefahren. Warum sollte ein Unternehmen dort auch investieren, wenn die Schließung droht?

AtomausstiegEin entscheidender Fehler der EW ist der Atomausstieg. Dieser vernichtet die CO2-freie Stromerzeugung und deren Rolle bei der Grundlast- und Netzabsicherung. Der Atomausstieg beruht auf unwissenschaftlichen Thesen hinsicht-lich der Wirkung von Strahlung (LNT-Theorie), der weitgehend falschen bzw. völlig übertriebenen Darstellungen der Ursachen und Folgen der Reaktorunglücke von Tschernobyl und Fukushima. Die Atom-Phobie, die so fast nur in Deutschland existiert, ist reine Ideologie, die mit einer nüchternen, auf naturwissenschaftliche und technische Fakten gestützten Betrachtung wenig zu tun hat. Die unerhörten Fortschritte und Potentiale der Kernspaltung (III. und IV. Generation) und deren bereits erfolgende Anwendung in der Praxis werden völlig ignoriert. Ein Ausstieg aus der fossilen Verbrennung ist möglich – aber nur mittels Kerntechnik – sogar die „Expertin“ Greta vertritt das.Die von „grünen“ Ideologen und der EE-Lobby angeheizte Atomphobie blockiert die Weiterentwicklung und Ver-besserung der Kerntechnologie. Sie schüren das Märchen vom Problem der „Endlagerung“. Doch: Jährlich werden weltweit etwa 9 Mio. Tonnen giftige „Sonderabfälle“ produziert, davon sind nur etwa 1% radioaktiv. Im Unterschied zu radioaktiven Abfällen, die relativ gut handhabbar sind und deren Gefährlichkeit abnimmt (Halbwertzeit), be-halten andere Abfälle zum großen Teil ihre Gefährlichkeit ewig bei. Die Endlagerung wird in den völlig unsinnigen Zusammenhang mit den Halbwertzeiten gebracht. Aber nicht die Halbwertzeit, sondern der Stand der Wiederauf-bereitungstechnik ist der maßgebliche Faktor. Hier geht es um Jahre oder Jahrzehnte, nicht um Jahrtausende. Die technischen Entwicklungen der letzten 20-30 Jahre (Partitionierung und Transmutation, PuT) werden inzwischen in der Praxis erfolgreich angewendet und zeigen, dass die Wiedernutzung radioaktiven „Abfalls“ als Kernbrennstoff möglich und damit die Endlagerfrage gelöst ist.Dank der Initiative der Atomgegner ist inzwischen jede Form von Endlagerung in Deutschland blockiert und mindestens bis Mitte des Jahrhunderts wird es überhaupt kein Endlager geben. Die Atomphobie ist nichts anderes als moderne Maschinenstürmerei. Anstatt wie der Marxismus die gesellschaftlichen Bedingungen, z.B. die Frage, wer Atomanlagen kontrolliert, ins Zentrum der Betrachtung zu stellen, passt sich die Linke dieser modernen Maschinen-stürmerei an. Der linken Szene geht jede ernsthafte und wissenschaftliche Beschäftigung mit der Kernenergiefrage ab. Chemieunfälle (z.B. Seveso, Bophal) haben weit mehr Opfer gefordert und ökologische Schäden angerichtet als die Kernkraft. Fordert deshalb Jemand ein Verbot der Chemieindustrie?!Die Kernenergie hat im Vergleich zu allen anderen Energietechniken ein ungeheures Entwicklungspotential und perspektivisch gravierende Vorteile: sehr große Energiedichte des Rohstoffs und damit sehr große verfügbare Energie-mengen an einem Standort, Systemkompatibilität (Stromnetz), Eignung auch als autarke Anlage, ständige Verfügbar-keit (keine Speicherung nötig), unbegrenzte Rohstoffvorräte, Möglichkeit der Nutzung des Spaltprozesses auch für Wärmeerzeugung und Herstellung anderer Stoffe (z.B. Wasserstoff), keine Abfälle bzw. Wiedernutzung alter Abfälle, keine schädlichen Emissionen, wenig Naturzerstörung durch Rohstoffgewinnung und sehr wenig Flächenbedarf. Welche andere Energietechnik kann das für sich reklamieren?!Die E-AutosDer derzeitige Hype um die E-Mobilität ist absurd, weil 1. der Strom immer noch v.a. Fossil-Strom ist, der eben nicht weitgehend von EE erzeugt werden kann (she. oben); 2. erhöht der E-Antrieb den Energieverbrauch (höheres Fahr-zeuggewicht, Speicherverluste); 3. würde eine durchgehende E-Motorisierung den Strombedarf etwa verdoppeln. So groß die Vorteile des E-Motors an sich sind – E-Autos sind lediglich Nischenlösungen und scheitern (zumindest gegen-wärtig) an der immer noch unzureichenden Batterietechnik und am wesentlich höheren Preis.Die EigentumsfrageDie Linke betont zu recht die Eigentumsfrage und richtet sich gegen die Energiekonzerne. Doch auch hier schüttet sie das Kind mit dem Bade aus und zeigt sich unfähig, die Realitäten zur Kenntnis zu nehmen.Das Stromsystem (Erzeuger und Netz) war bis zur EW in Händen weniger Konzerne (RWE, E.on, EnBW). Miteigen-tümer der Konzerne waren die kommunalen Stadtwerke. Die Unternehmen waren in ihrem Markthandeln stark vom Staat reglementiert. Das führte u.a. zur Regelung (Minimierung) der nationalen Konkurrenz, zu stabilen und relativ niedrigen Strompreisen für Haushalte und Wirtschaft. Das dt. Stromsystem war das technisch zuverlässigste und effizienteste der Welt. Die EW zerstört bzw. unterminiert diese Struktur. Erzeuger und Netzbetreiber wurden getrennt, eine Strombörse wurde eingeführt. Strom wurde von einem reglementierten „Bedarfsgut“ zum Spekulationsobjekt. Das einheitliche Stromsystem wurde zu einem neoliberalen Wildwuchs von Erzeugern, Netzbetreibern, Händlern und Investoren – zum Schaden der Gesellschaft. Seit Beginn der EW wurden 300-500 Milliarden Euro investiert, um die gleiche Menge Strom zu erzeugen wie bisher – zum doppelten Preis – und fast ohne die CO2-Emissionen zu senken.

Die EW schadet weniger den Konzernen als den Verbrauchern und den Stadtwerken. Letztere erzielten vor der EW immer Überschüsse, mit denen kommunale Aufgaben quer finanziert wurden. Heute machen viele von ihnen, die in EE-Projekte investiert haben, deren Erträge oft weit unter den Versprechungen der „Experten“ liegen, Minus – trotz riesiger Subventionen – und reißen zusätzliche Löcher ins Stadtsäckel.Bestimmte Maßnahmen der EW, v.a. die Vorrangeinspeiseregelung für EE, schaden den Energiekonzernen, deren Marktanteil sinkt und die deshalb tw. aus der Stromerzeugung und dem Kohleabbau (Vattenfall) aussteigen. Die Nutznießer dieser Strukturänderungen waren anfangs v.a. kleine Investoren und Betreiber von EE-Anlagen. Später kamen immer mehr Großinvestoren (darunter die Stromkonzerne) hinzu. Inzwischen profitieren weltweit Konzerne, Finanzhaie und Hedgefonds vom Klimaschutz und der „grünen“ Energiepolitik. Das große Geld wandert immer mehr in den EE-Sektor.BilanzGanz egal, ob es ein Klimaproblem gibt oder nicht: die EW mit dem Ausbau der EE ist keine vernünftige Option. Die „Erneuerbaren“ lösen kein Problem, schaffen aber viele neue und vergeuden riesige Ressourcen, die für sinnvollere Zwecke eingesetzt werden könnten.Der Direktor der „Denkschule“ für Energiepolitik „Agora Energiewende“, Patrick Graichen, wird in „Die Zeit“ vom 4.12.14 wie folgt zitiert: „Wir haben uns geirrt bei der Energiewende. Nicht nur bei ein paar Details, sondern in einem zentralen Punkt. Die vielen neuen Windräder und Solaranlagen, die Deutschland baut, leisten nicht, was wir uns von ihnen versprochen haben. Wir hatten gehofft, dass sie die schmutzigen Kohlekraftwerke ersetzen würden, die schlimmste Quelle von Treibhausgasen. Aber das tun sie nicht.“ Das heißt nichts anderes, als dass die EW-“Experten“ unfähig waren, die realen Probleme und Dimensionen der EW zu verstehen, und dass sie sich nur von bornierten Gewinninteressen und absurden Ideologien haben leiten lassen – anstatt von naturwissenschaftlich-technischem Sachverstand.Die Verbesserung des Energiesystems (inkl. der Senkung der CO2-Emissionen) kann nicht per EE erfolgen, sondern nur durch höhere technische Effizienz und den Ausbau der Kernenergie. In letzter Instanz muss dafür die kapitalistische Produktionsweise überwunden werden. Diese Aufgabe kann nur das Proletariat erfüllen. Dafür muss es sich aber von den unwissenschaftlichen und abstrusen „grünen“ Ideen und Bewegungen frei machen!MarxistInnen sehen die Arbeiterklasse als die entscheidende Produktivkraft und als einzig konsequent revolutionäre Klasse an, weil sie eng mit Wissenschaft und moderner Produktion verbunden ist, weil sie nicht über Produktionsmittel verfügt, aus denen bornierte Gewinninteressen erwachsen, und weil sie (in den entwickelten Ländern) die Mehrheit und den produktivsten Teil der Bevölkerung stellt. Grundsätzliche soziale Verbesserungen und Umwälzungen können nur durch die Aktion des Proletariats bzw. durch ihr soziales Gewicht in der Gesellschaft erreicht werden. Dabei ist es gezwungen, sich gegen den Staat und alle (!) Fraktionen des Kapitals zu wenden, die Macht zu ergreifen, seinen Einfluss auszuweiten und die gesamte Gesellschaft revolutionär umzuwälzen.In diesem Sinn treten wir dafür ein, dass jede Energietechnik – von der Forschung über die Entwicklung und den Bau bis zur Wartung und Überwachung – der Kontrolle des Proletariats unterliegt – unter Einbeziehung von Fachleuten ihres Vertrauens, der Beschäftigten und AnwohnerInnen!Wir fordern Euch auf, darüber innerhalb der Linken zu diskutieren und eine wissenschaftlich fundierte Analyse der EW und der Kernenergiefrage vorzunehmen! Dazu wollen wir nach Kräften beitragen.Weitere Beiträge (darunter zwei Broschüren) zu Klima bzw. Energie und zu anderen Fragen revolutionärer Politik findet Ihr auf: http://www.aufruhrgebiet.de. Wir hoffen auf positiven Bescheid über kontakt@aufruhrgebiet.de und verbleiben mit revolutionären GrüßenRedaktion Aufruhrgebiet

Diskussionen

5 Gedanken zu “Offener Brief an linke Organisationen zur Frage der Energiepolitik

  1. vielleicht ein Fehler von mir? „Offener Brief an linke Organisationen“!!! Damit ist gar nicht „Die Linke“ gemeint? Jedenfalls nicht nur, wenn überhaupt. Aber ich kenne das auch von „linken Organisationen“/Gruppen, dass sie diesem vorgegebenen Narrativ blind folgen und andere Meinungen oder auch nur Hinterfragungen nicht hören wollen. Deswegen auch hier interessant, Antworten zu hören, die auf diesen offenen Brief gekommen sind.

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    Verfasst von Sigrid | 25. September 2019, 13:53
  2. Jetzt sind drei Monate vergangen. Gibt es denn inzwischen eine Antwort?
    Die würde mich ja auch interessieren. Vielleicht gibt es ja den Einen oder Anderen in der Partei Die Linke, der ensprechenden Sachverstand besitzt und autorisiert wurde zu antworten? Oder keine Antwort oder eine Antwort, die keiner Antwort gleichkommt? Denn: wenn es Aufklärungserfolge in der Partei Die Linke gäbe, würde sie doch nicht derart mit dem Strom schwimmen.

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    Verfasst von Sigrid | 25. September 2019, 13:01
    • Auf solche Antworten aus der PDL kannst du lange warten, denn sie ist fest in der Hand der Antideutschen. Die „linken in der Linken“ (was für eine Bezeichnung !) widerum werden nicht müde, den Wählern seit 14 Jahren einzureden, diese „trotzdem“ zu wählen, schließlich kämpfe man ja darum, eine Mehrheit zu erlangen. Ja und die sogenannte „radikale Linke“ ist inzwischen selber im System angekommen oder – noch grotesker – betreibt bei FFF „Entrismus“, unternimmt also den Versuch, FFF zu kapern und zu instrumentalisieren.

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      Verfasst von LZ | 25. September 2019, 13:07
      • Danke für die aufschlussreiche Anwort!
        Habe ehrlich gesagt auch nicht damit gerechnet – siehe meinen „Nachklapp“ bezgl. eigener Erfahrungen. Ist dennoch nicht schön, Recht zu behalten 🙂
        Und an diese Seite gerichtet, möchte ich mal kundtun, dass es mich immer wieder freut, auf einer linken Seite so viel Offenheit zu erleben, so wenig Gleichschaltung zu sehen.

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        Verfasst von Sigrid | 25. September 2019, 14:11
  3. Wäre eine Energiewende aus klimatechnischer Sicht wirklich notwendig – uns bleiben ja nur noch 12 Jahre oder so – wäre der Wiedereinstieg in die Kernkrafttechnik längst beschlossene Sache. Was macht z.B. ein Chirurg, um Leben zu retten? Er schneidet Fleisch!
    Das Problem ist ideologisch, bisweilen religiös. Ideologien neigen dazu, Vernunft auszuschalten. Religionen regieren mit dem Angst- und Schuldfaktor. In der Klima- und Energiefrage begegnet uns hier Beides.
    Statt eines PIK (Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung) wäre inzwischen ein PIKS vonnöten (Potsdamer Institut für Klimaschutzfolgenforschung). Dieses mit der Aufgabe, die ökonomischen, ökologischen und die sozialen Folgen aufzuzeigen.

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    Verfasst von Sigrid Petersen | 19. Juni 2019, 12:12

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